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10.03.2000 - 

Wortgefechte auf der CTIA Wireless 2000

Handy macht TK-Carrier zu Konkurrenten für Provider

MÜNCHEN (CW) - Zwischen Mobilnetzbetreibern und Internet-Providern bahnt sich ein harter Konkurrenzkampf um den erhofften Boom für Web-Dienste auf dem Handy an. Auf der Mobilfunkkonferenz CTIA Wireless 2000 in New Orleans wurden Positionen festgesteckt und Allianzen geschmiedet.

Von Interesse ist die von der Cellular Telecommunications Industry Association (CTIA) ausgerichtete Veranstaltung weniger wegen der Produkte. Aufgrund des nur in den USA geltenden Übertragungsstandards Code Division Multiple Access (CDMA) sind sie fast nirgendwo sonst auf der Welt einsetzbar. Spannend war jedoch zu sehen, mit welcher Energie die Hersteller sich auf den neuen Markt vorbereiten, Allianzen schmieden und Claims abstecken.

"Wir schwimmen in einem Haifischbecken, aber wir sind selbst Haie." Mit diesem drastischen Bild beschreibt Andrew Sukawaty, CEO von Sprint PCS, den sich anbahnenden Konkurrenzkampf mit den Internet-Providern. Beide Anbietergruppen wollen sich einen möglichst vorteilhaften Startplatz beim erwarteten Massengeschäft mit Internet-fähigen Handys sichern.

Das Bild von den Haien unter Haien signalisiert Unsicherheit auf Seiten der Mobilfunk-Carrier. In der Tat haben es die amerikanischen Netzbetreiber anders als viele europäische Mitbewerber in den Jahren des Web-Booms versäumt, sich als Internet-Service-Provider (ISPs) zu etablieren. Während sich hierzulande die Telekom mit T-Online zum größten Internet-Provider gemausert hat, hoffen AT&T und Co. jetzt auf eine zweite Chance.

Das lockende Massengeschäft mit dem drahtlosen Internet-Zugang via Handy wollen sich die Netzbetreiber nicht entgehen lassen. "Wir haben im Mobilfunkmarkt eine überlegene Stellung und denken nicht daran, uns zu ergeben", sprach Chris Gent, CEO von Vodafone Airtouch, seiner in die Defensive geratenen Branche Mut zu. John Zeglis, Leiter von AT&T Wireless, nahm sich die Worte zu Herzen und kündigte in New Orleans an, sein Unternehmen wolle die Kontrolle über das Handy als Internet-Zugang nutzen, um Umsatz sowohl bei den Endkunden als auch bei den Anbietern von Inhalten generieren.

Angesichts der guten Ausgangsposition der ISPs ist jedoch keineswegs klar, wer hier an wen zahlt. Schließlich sind die Netzanbieter von den Internet-Providern und Online-Diensten abhängig, wenn es darum geht, Content für ihre Endgeräte zu erhalten. Schließlich, so Sukawaty von Sprint nachdenklich, könnten AOL und andere das mobile Endgerät ebenso als Ergänzung zu ihren bisherigen Diensten propagieren wie die Netzanbieter Web-Inhalte als Zusatz für Handys. Er schloss daher Kooperationen mit ISPs nicht aus. Ähnliches signalisiert Gent, wenn er sagt, er warte auf eine Klärung der Strategie von AOL in Europa. So wie es Mannesmann sinnvoll erschien, einen Teil von AOL Europe als Content-Lieferanten zu erwerben, so nahe liegt nach der Übernahme durch Vodafone Airtouch eine ähnliche Zusammenarbeit mit AOL auf globaler Ebene.

AOL-Chef Steve Case betonte auf der CTIA Wireless 2000, dass es keineswegs seine Absicht sei, mit den Anbietern von Mobilnetzen in Konkurrenz zu treten. Vielmehr suche man intensiv nach Partnerschaften. Dabei gehe es allerdings nicht nur um Handys, sondern auch generell darum, PC, Fernsehen und schnurlose Kommunikationsgeräte aller Art zusammenzubringen. Tatsächlich hat das Unternehmen in New Orleans Partnerschaften mit einer Reihe von Telecom-Firmen, unter ihnen Motorola, Nokia, Bell South und Sprint PCS, bekannt gegeben. Vodafone Airtouch stand jedoch - soweit bislang bekannt - nicht auf dieser Liste.

Wie der AOL-Chef wollte sich Michael Capella, CEO von Compaq, nicht auf das Thema Handys allein festlegen lassen. Er wagte aber die Prognose, dass in vier Jahren mehr als 60 Prozent aller Telefonanrufe von mobilen Geräten aus getätigt werden und die Preise dafür um mehr als 70 Prozent sinken. Begeisterung schien den PC-Anbieter bei der Aussicht zu ergreifen, dass es bis dahin eine Milliarde Internet-Geräte geben werde. Deren Funktionen würden PCs im heutigen Sinn überflüssig machen. Damit widersprach er Microsoft-Gründer Bill Gates, der den PC mit den Entwicklungen der Internet-Geräte Schritt halten sieht. Helfen sollen dabei der Einbau von Funknetztechniken wie Bluetooth sowie Sprach- und Handschriftenerkennung. Auch das in New Orleans für Web-fähige Telefone vorgestellte Portal "MSN Mobile 2" ist nach Ansicht des britischen Branchendienstes "Computergram" im Kern eine PC-Anwendung, weil die dort angebotenen Dienste vom PC aus konfiguriert werden müssen. In Deutschland wird es das Portal aufgrund anderer Übertragungstechniken auf absehbare Zeit nicht geben.

Sun-President Ed Zander sah die größte Herausforderung der Zukunft im Management der vielen verschiedenen Endgeräte für das Web. Dafür seien stets ausfallsichere Server-Systeme mit hoher Skalierbarkeit nötig, die Informationen in Echtzeit weiterleiten. Sein Unternehmen arbeite daran, im Lauf der kommenden 18 Monate mit Cluster-Techniken entsprechende Server-Farmen anzubieten. Die Techniken zur Internet-Anbindung mit Endgeräten wie dem "Palm VII" stellte Zander zwar in New Orleans vor, sie funktionieren wegen der unterschiedlichen Netztechnik jedoch nur in den USA.

WAP-HANDYSDer Markt für Web-fähige Handys ist erst im Entstehen. Ein von Cellmania.com im Vorfeld der Konferenz durchgeführter Test hat ergeben, dass von 1000 WAP-Sites nur die Hälfte funktionierten. Sofern überhaupt Informationen auf dem Display erschienen, handelte es sich zumeist um Basisdaten über den Anbieter.

Hinzu kommt, dass nach einer Studie von Hardt Research selbst bei den als technikverliebt geltenden US-Amerikanern nur rund zwölf Prozent der Handy-Besitzer ein ernsthaftes Interesse zeigen, damit ins Web zu gehen.

Was der Branche vor allem fehlt, ist die sprichwörtliche "Killerapplikation", die der Technik bei den Anwendern zum Durchbruch verhilft. Wer will schon mit Hilfe des winzigen Handy-Displays im Web einkaufen? In New Orleans war man sich daher einig, dass es zu diesem frühen Zeitpunkt weniger auf die Produkte als auf Partnerschaften und Allianzen ankommt.

Neues von CTIA Wireless 2000Das WAP Forum, ein Gremium zur Standardisierung der drahtlosen Datenübertragung, arbeitet mit dem World Wide Web Consortium (W3C) zusammen, um die Auszeichnungssprache Extensible Markup Language (XML) mit dem eigenen Wireless Application Protocol (WAP) so zu harmonisieren, dass XML-basierte Dokumente erkennen, wenn sie von WAP-fähigen Geräten angefordert werden. Erste Dienste auf Basis der zur Jahreswende veröffentlichten WAP-1.2.-Spezifikationen sollen erst Ende dieses Jahres zu erwarten sein.

IBM hat die Server-Software "Websphere Transcoding Publisher" vorgestellt, mit der sich vorhandene Web-Inhalte an die Möglichkeiten mobiler Endgeräte anpassen lassen sollen. So soll es möglich sein Grafiken herauszufiltern und zu komprimieren.

Sybase wartete mit Version 7.0 seiner mobilen Datenbank "SQL Anywhere Studio" auf. Die Software ermöglicht die Synchronisierung von Unternehmensdaten mit Client-Systemen am PC und mobilen Endgeräten.

Alcatel zeigte eine Plattform für den nahezu weltweit geltenden Mobilstandard Global System for Mobile Communications (GSM), das sich für Sprach- und Datenübertragung mit General Packet Radio Service (GPRS) eignet und auch Enhanced Data Rates for GSM Evolution (Edge) unterstützt.

Der japanische Carrier NTT Mobile Communications Network hat in New Orleans ein Abrechnungsmodell präsentiert, bei dem die Kosten nicht mehr wie bislang bei Handys nach einem Zeittakt, sondern nach Anzahl der Datenpakete berechnet werden. Das ist von Bedeutung, weil Surfer sonst auch dann zur Kasse gebeten werden, wenn sie den offenen Kanal nicht beanspruchen.

AOL, Späteinsteiger in den Web-Markt für mobile Geräte, ist dem WAP Forum beigetreten und hat eine Reihe von Allianzen geschlossen, um sich in diesem Markt zu etablieren. Der neue Dienst AOL Wireless startet im Sommer in den USA. Außerdem hat AOL angekündigt einen Web-Browser für Mobiltelefone zu entwickeln. Das Unternehmen tritt damit in Konkurrenz zu Microsofts "Mobile Explorer".

Microsoft bringt ausschließlich für den US-Markt das Handy-Portal "MSN Mobile 2.0" heraus. Außerdem hat Redmond in Qualcomm einen Partner zur Herstellung von Mobilfunkgeräten mit Microsoft-Browsern gefunden.