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24.11.2000 - 

Hersteller ärgern Anwender mit inkompatiblen Formaten

Handys sollen Markt für mobile Speicher pushen

MÜNCHEN (ba) - Der Markt für mobile Geräte boomt. Im Fahrwasser der Handys, Handhelds und MP3-Player wird die Nachfrage nach Speichermedien für die mobile Welt immer wichtiger. Der Anwender hat die Qual der Wahl. Verschiedene Hersteller und Allianzen versuchen, ihre Produkte als Standard zu etablieren. Problem ist nur, dass die unterschiedlichen Formate nicht miteinander kompatibel sind.

"Das Durcheinander zwischen den unterschiedlichen Speicherkartenformaten macht den Anwendern sicher keine Freude, aber das ist nun einmal so", lautet das lapidare Fazit eines Firmensprechers, der nicht genannt werden möchte. Während der Bedarf nach mobilen Speichermedien immer größer wird, fällt auf der anderen Seite die Antwort auf die Frage immer schwerer, welcher Typ denn nun der richtige sei. Neben klassischen Magnetspeichern ringen verschiedenste Flash-Speicherformate wie Compact Flash, Smartmedia, Multimedia, Secure Digital und Memory Stick um die Gunst der Anwender.

Die Marktforscher von International Data Corp. (IDC) versprechen dem Markt für mobile Flash-Speichermedien bis 2004 Wachstumraten von jährlich etwa 50 Prozent. Der Umsatz werde von 717 Millionen Dollar 1999 auf etwa 5,3 Milliarden Dollar in vier Jahren anwachsen. Vor allem leistungsstärkere Kommunikationsverbindungen werden das Geschäft kräftig ankurbeln, erwartet Xavier Pucel, IDC-Manager für den Halbleiterbereich. Mobile Anwender würden zukünftig vermehrt Medien benötigen, auf denen Web-Inhalte gespeichert und transportiert werden können. Dies werde vor allem dann notwendig, wenn sich mobile Endgeräte wie Handys oder Handhelds direkt mit dem Internet verbinden lassen.

Während die Analysten relativ genau sagen, wie sich ihrer Ansicht nach das Gesamtgeschäft entwickeln wird, bleibt die Frage unbeantwortet, welche Flash-Speichertypen den Markt in Zukunft bestimmen werden. Die Hersteller von Compact-Flash-, Smartmedia-, Multimedia-, Secure-Digital-Karten und Memory Sticks versuchen zurzeit, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuschneiden. Neben der Flash-Speicher-Fraktion rechnen sich auch noch Hersteller wie Iomega mit seinen Pocketzip-Medien oder IBM mit der Minifestplatte "Microdrive" gute Chancen aus.

Der Klassiker unter den Flash-Speichern ist die Compact-Flash(CF-)Card. Das Format, das 1994 von der Firma Sandisk eingeführt wurde, unterstützt heute eine ganze Reihe von Herstellern. Die Karten gibt es in zwei Varianten: mit einer Dicke von 3,3 Millimetern (Typ I) und mit 5,0 Millimetern (Typ II). Die maximale Kapazität für Karten vom Typ I beträgt gegenwärtig 192 MB.

In den dickeren Versionen vom Typ II lässt sich mehr Speicher unterbringen. So bietet beispielsweise die Euric AG eine CF-Karte mit 320 MB an. Der Preis liegt mit fast 1700 Mark jedoch sehr hoch. IBM offeriert sein Microdrive ebenfalls als Speicher für CF Typ II. Die Kapazitäten der Minifestplatte betragen 170, 340 oder 1000 MB. Allerdings sind die Preise hoch. So müssen Anwender mit etwa 600 Mark für die mittelgroße Variante rechnen.

Der Vorteil von CF-Karten besteht darin, dass der Controller, der den Datenverkehr von und zum Medium regelt, in der Karte selbst integriert ist, erklärt Frank Eschhold, Produkt-Manager bei Toshiba. Damit seien die Speicherkarten unabhängig und könnten praktisch mit allen Devices zusammenarbeiten. Außerdem müssten die Gerätehersteller keinen Controller-Chip für CF-Medien integrieren, was aufgrund des Preisdrucks ein nicht zu unterschätzender Vorteil sei.

Auf der anderen Seite fallen CF-Karten wegen des integrierten Controllers etwas größer als andere Formate aus und sind auch teurer. Für 16 MB müssten Kunden etwa 100 Mark rechnen, 32 MB kosten 200 Mark, und für 64 MB werden etwa 400 Mark fällig, sagt Eschhold.

Etwas günstiger schneiden die Smartmedia-(SM-)Cards ab. Die Speicherkarten, die in der Größe den CF-Karten entsprechen, aber nur 0,76 Millimeter dick sind, kommen ohne Controller aus und seien deshalb billiger zu produzieren, führt Eschhold aus. Die Preise liegen etwa zehn Prozent unter denen vergleichbarer CF-Medien. Allerdings ist für Smartmedia ein Controller im Endgerät notwendig, der den Datenverkehr organisiert. Smartmedia-Karten sind von ihrem Dateisystem eher für den Einsatz in Digitalkameras optimiert. Die maximale Kapazität beträgt momentan 64 MB. Toshiba und Samsung haben allerdings bereits angekündigt, Anfang nächsten Jahres Karten mit 128 MB zu produzieren.

Aufgrund der Trennung von Speicher und Controller gab es in der Vergangenheit jedoch bei einigen Herstellern Probleme mit dem Smartmedia-Format. So hätten manche Digitalkameras Karten mit höherer Speicherkapazität nicht erkannt, weil der Controller nicht dafür ausgelegt war. Eine nachträgliche Aufrüstung für die größeren Karten war nur durch ein teures Firmware-Upgrade des Gerätes möglich.

Die jüngste Entwicklung in Toshibas Speicherkarten-Portfolio sind die Secure-Digital-(SD-) Cards. Dieses gemeinsam mit den Firmen Sandisk und Matsushita entwickelte Format soll vor allem den Sicherheitsbedürfnissen der Musikindustrie entgegenkommen. Erste Produkte würden Anfang 2001 auf den Markt gelangen, kündigt Eschhold an. Die anvisierte Kapazität betrage 64 MB. Über die SD-Card könnten MP3-Daten, die aus dem Internet heruntergeladen werden, mit einem bestimmten Abspielgerät verknüpft werden. Hin- und Herkopieren wäre damit sinnlos, weil sich die Daten auf anderen Geräten nicht abspielen ließen, erläutert der Toshiba-Manager.

Der Hersteller hofft, mit dieser kleinformatigen Karte, die nur halb so groß wie ein CF-Medium ist, die Handy-Hersteller zu gewinnen. Gerade durch den neuen Übertragungsstandard UMTS würden zukünftige Mobiltelefongenerationen zusätzliche Funktionen erhalten, die hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen müssten. Toshiba erwartet, mit dem Einstieg in den Handy-Markt auch die hohen Kosten für die Speicherkarten senken zu können. Über die hohen Stückzahlen, die sich in diesem Markt absetzen ließen, würden automatisch die Preise fallen.

Das prophezeit auch Jürgen Hammerschmitt, Leiter für den Bereich Multimedia-Karten bei Infineon: "Mobilfunk wird der große Markt sein. Mit UMTS wird sich dort der Speicherbedarf drastisch erhöhen." Allerdings werde viel davon abhängen, ob es gelinge, die Kosten in den Griff zu bekommen und die Karten günstiger herstellen zu können.

Allerdings setzt Infineon nicht auf die SD-Card, sondern favorisiert die Multimediacard (MMC). Diese von Sandisk, Hitachi und Infineon angebotenen Karten entsprechen in der Größe den SD-Cards, sind jedoch mit 1,4 Millimetern etwas dünner. Die Sicherheitsfunktionen der SD-Karten würden nicht ausreichen, kritisiert Hammerschmitt. Außerdem widerspreche das Konzept der Koppelung des Datenträgers an ein Gerät dem Mobilitätsgedanken. "Der Kunde hat eine mobile Karte, kann diese aber nicht mobil einsetzen. Das wird nicht funktionieren."

Infineons Ziel sei es, die Mobilität des Kunden nicht einzuschränken, erklärt Hammerschmitt. Statt das Einsatzfeld der Karten einzugrenzen, müssten vielmehr Identifizierungsroutinen wie zum Beispiel Sensoren für Fingerabdrücke in die Geräte selbst integriert werden. Die Benutzer könnten sich dann am Handy oder Handheld anmelden und dann ohne Einschränkungen auf ihre Speicherkarten zugreifen.

Eine Insellösung - wenn auch eine bislang erfolgreiche - bietet Sony mit seinem Memory Stick. Das Medium im Format eines Kaugummistreifens, das Kapazitäten bis 64 MB bietet, arbeitet ausschließlich mit Sony-Geräten zusammen. Zwar umfasst die Liste der Lizenznehmer bereits 110 Firmen, doch würden diese noch abwarten, wie sich der Memory Stick im Markt entwickelt, erklärt Sony-Sprecher Stefan Michalk.

Der Vorteil der proprietären Lösung liege darin, dass Sony die Entwicklung des Speichermediums wie der Endgeräte kontrolliert. Preislich liegen die Sticks günstiger als vergleichbare CF-Karten. Für 64 MB müssen Kunden mit knapp 300 Mark rechnen. Bis Ende 2002 werden nach den Prognosen der Japaner etwa 20 Millionen Geräte weltweit mit dem Memory Stick arbeiten.

Neben den Anbietern von Flash-Speichern wollen sich auch andere Hersteller ihren Anteil sichern. So versucht beispielsweise Iomega, den Markt mit seinen in "Pocketzip" umbenannten Clik-Medien zu adressieren.

Ob ein neuer Name Iomegas Mobilspeichergeschäft auf die Sprünge helfen kann, wird von vielen Branchenbeobachtern jedoch bezweifelt. Clik-Produkte gibt es bereits seit etwa zwei Jahren auf dem Markt, ohne dass diese sich durchsetzen konnten. Vor allem die Konzeption als magnetisches Speichermedium sei veraltet, kritisieren die Analysten.

Die verantwortlichen Manager von Iomega wollen diese Vorwürfe so nicht gelten lassen. Pocketzip-Medien eigneten sich vor allem für die Archivierung von Daten, die auf mobilen Devices verfügbar sein müssen. Als Beispiel nennt Marketing-Direktor Martin Brophy ein Musikarchiv aus MP3-Daten auf Pocketzip. Vorteil der Medien sei auch der Preis. So koste eine 40 MB fassende Pocketzip zwischen 20 und 25 Mark.

Mit einer Speicherkapazität von 40 MB hinkt Pocketzip jedoch der Konkurrenz der Flash-Karten hinterher. Allerdings sei das Limit des magnetischen Speichermediums noch nicht erreicht, erklärt Joseph Saroukhanian, Manager für neue Produkte bei Iomega. Eine Roadmap für künftige Steigerungen gebe es jedoch nicht.

Auf welchen Speicher setzen die Handy-Hersteller?War der Markt bislang in einzelne überschaubare Segmente wie Digitalkameras, MP3-Player oder Handhelds aufgeteilt, könnte er bald durch den Eintritt der Handy-Hersteller explodieren. Doch die großen Anbieter halten sich noch bedeckt, welche Speicher in den künftigen UMTS-Geräten arbeiten werden.

Siemens hat auf der diesjährigen Systems mit dem "SL45"ein GSM-Handy präsentiert, das mit einer Schnittstelle für Multimedia-Karten ausgestattet ist. Angesichts der immer kompakteren Mobiltelefone ist zu vermuten, dass die kleinformatigen und leichten Speicherkarten wie SD oder Multimedia die größten Chancen in dem neuen Markt haben werden.

Wie sich dieser Trend auf die anderen Marktsegmente auswirken wird, bleibt abzuwarten. Allerdings ist davon auszugehen, dass der Druck von Anwenderseite hin zu standardisierten Speicherlösungen im mobilen Bereich größer werden wird, glaubt David Thor, Analyst bei Researchportal.com. "Wenn die Leute verschiedene Geräte mit sich herumtragen, werden sie auch darauf achten, dass der Speicher ausgetauscht werden kann."

Übersicht mobile Speichermedien

Compact Flash| Smartmedia| Multimedia| Secure Digital| Memory Stick| Pocketzip| Microdrive

Speichertyp Flash| Flash| Flash| Flash| Flash| magnetisch| magnetisch

Größe (mm) 42,8 x 36,4 x 3,3 (Typ I) 42,8 x 36,4 x 5,0 (Typ II)| 45 x 37 x 0,76| 32 x 24 x 1,4| 32 x 24 x 2,1| 21,5 x 50 x 2,8| 55 x 50 x 2| 42,8 x 36,4 x 5,0

Kapazität (MB) 8, 16, 32, 48, 64, 92, 128, 160, 192, 256| 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128*| 4, 8, 16, 32, 64, 128*, 256*| 32*, 64*, 128*, 256*| 4, 8, 16, 32, 64, 128*, 256*| 40| 170 / 340 / 1000

Stromversorgung 3,3 und 5 Volt| 3,3 oder 5 Volt| 2,7 bis 3,6 Volt| 2,7 bis 3,6 Volt| 2,7 bis 3,6 Volt| 3,3* und 5 Volt| 3,3 Volt

Anbieter Toshiba, Sandisk, Hitachi, Samsung u.a.| Samsung, Toshiba| Hitachi, Infineon, Scandisk | Matsushita, Scandisk, Toshiba | Sony| Iomega| IBM

Verbindung 50 Pins| 22 Kontakte| 7 Kontakte| 9 Kontakte| 10 Pins| Laufwerk| 50 Pins

Schnittstelle CF-Interface (ATA-PC-Card)| SM-Interface| MMC-Interface| SD-Interface (kompatibel zu MMC)| MS-Interface| Parallelport PCMCIA | CF-Interface (Typ II)

Controller Karte| System| Karte| Karte| Karte| im Laufwerk| in Festplatte

Übertragungsrate Lesen: 1-2 MB/s Schreiben: 150 KB/s -2 MB/s | Lesen/Schreiben - 1,7 MB/s | Lesen: 2 MB/s Schreiben: 0,5 - 1,0 MB/s | Lesen/Schreiben 2 MB/s, 10 MB/s*| Lesen: 2,45 MB/s Schreiben: 1,5 MB/s | Lesen/ Schreiben: - 1MB/s | Lesen/Schreiben: 4,0 - 6,1 MB/sPreis/MB (Mark) 6,25 (bei 64 MB)| 5,60 (bei 64 MB)| 5,65 (32 MB)| keine Angaben| 4,69 (bei 64 MB)| 0,50| 1,76 (340 MB)

Lizenzgebühren nein| nein| nein| ja (für Sicherheits algorithmen)| ja| keine Angaben| keine Angaben

*geplant

Abb: Laut einer Studie der Semico Research Corp. wird sich das Wachstum nach Stückzahlen in den nächsten Jahren um durchschnittlich fast 95 Prozent jährlich steigern. Den Löwenanteil von 88,5 Prozent werden kleinformatige Karten für Mobilgeräte für sich beanspruchen. Letztes Jahr lag der Anteil am gesamtem Flash-Karten-Markt noch bei 65,1 Prozent. Quelle: Semico Research Corp.