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11.05.1984

Hang zur DOStalgie

Man kann die Ketten einer Leistungsbegrenzung für leichter halten als die einer Software-Inkompatibilität. Für viele DOS-Anwender mit 4300-Systemen scheint es offenbar kein Thema zu sein, auf IBMs "großes" Betriebssystem MVS/XA zu gehen - wie es der Marktführer in letzter Zeit empfohlen hatte -, um die Performance der blauen Großsysteme nutzen zu können. Den "DOStalgikern" unter den 4300-Anwendern ist denn auch mit dem VSE/SP-2.1.0-Announcement (siehe Seite 1) zweifellos geholfen worden. Umstellungsquerelen (DOS auf MVS) können vermieden werden, die Investitionen in die Anwendungssoftware bleiben weiterhin geschützt - und darauf kommt es an.

Vielleicht, daß den IBM-Betriebssystemstrategen etwas mulmig war bei dem Gedanken, frisch motivierte MVS-Aspiranten aus dem DOS-Lager durch den SP-Releasewechsel zu verunsichern. Vielleicht, daß IBM aber auch mehr an ein Gnadenbrot für das "alte" DOS dachte (Demnach gäbe es keinen Grund, vom Pfad der MVS-Migrationstugend abzuweichen?). Jedenfalls hielt das Stuttgarter IBM-Management die DOS/VSE-Ankündigung nicht für wert, einem breiten Publikum nahegebracht zu werden. Es gab kaum Informationen für die Presse.

Immerhin wurde hier nicht nur an ein paar DOS-Funktionen gedreht - es handelt sich um die einschneidendste VSE/SP-Erweiterung seit der Markteinführung im Jahre 1979. Was also mag die IBM bewogen haben, das Ereignis herunterzuspielen? Mit Deutungsversuchen (siehe oben) kommt man nicht weit. Wir behelfen uns deshalb an dieser Stelle mit schlichter Prosa: Die liebe IBM ist lieb zu ihren lieben DOS-Anwendern gewesen. Die reinste Love-Story. Handkerchief-feindlich. Mit Markt hat das freilich nichts mehr zu tun. Da hält man sich am besten heraus. Wie man auch die Ankündigung der neuen 308X-X-Prozessoren (CW Nr. 10 vom 2. März 1984) tunlichst nicht mit Marktmaßstäben messen sollte. Zu den stolzen 308X-Kunden, allesamt erst seit kurzem im Besitz ihrer Anlagen, wollte die liebe IBM offenbar besonders lieb sein, als sie deren Hardware kurzerhand für obsolet erklärte (darauf läuft das X-Announcement nämlich hinaus).

So viel Anteilnahme an ihren Wiedervermarktungsproblemen (Stichwort "Restwertrisiko") haben nicht alle Anwender verstanden. Es soll gar böses Blut gegeben haben. Aber unter Verliebten wird sich das schon wieder ausgleichen, wenn Big Blue die Nachfolger der 308X-X-Modelle früher als erwartet auf den Markt bringt (Sierra ante portas!) und damit den Kunden Gelegenheit gibt, sich durch First-Day-Orders ihrerseits erkenntlich zu zeigen.

Mit Markt hat das freilich nichts mehr zu tun. Wie überhaupt das Kernproblem (der IBM/Kunden-Beziehung) durch die jüngste DOS-Ankündigung nicht berührt wird. Kompatibilität hin, Softwareschutz her: Nachdem der Rechnergigant einem Uralt-Betriebssystem wie DOS eine Frischzellentherapie verpaßt hat, muß die IBM-Welt mit zwei Software-Zombies fertig werden. Auch MVS/XA ist ja nicht der Betriebssystem-Weisheit letzter Schluß, denkt man an die enorme Performance, die auf den Boden moderner Rechnerarchitekturen gebracht werden muß.

Zu meinen, DOS und MVS hätten eine Ewigkeitsgarantie, grenzt an Wunderglauben. Dieser ist, zugegeben, ein Produkt der Angst vieler Anwender vor Softwareverlust und Umstellungstrouble. Gegen diese Angst hilft auch die Liebe nicht.