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14.05.1982

Hannover-Messe '82: Sag mir, wo die Menschen sind

Bürokommunikation stand mit im Mittelpunkt der diesjährigen Hannover-Messe. Das Interesse der Besucher war groß, doch bei konkretem Nachfassen konnte die Neugier nicht immer ausreichend befriedigt werden. Kommunikation und Integration. verlangen nämlich mehr als die technische Vorführung der Geräte. Über Organisationsschemen und eventuell mögliche Rationalisierungen wurde wenig gesprochen. Dabei sollten sich auch die Hersteller darüber im klaren sein, daß die Probleme nicht in der Technologie liegen, sondern bei den Menschen, die mit ihr leben und arbeiten müssen. In der "heilen", glitzernden Welt der Hannover-Messe kam der Mensch zu kurz. ih

Dr. Werner Brack

Geschäftsführer Mannesmann Datenverarbeitung GmbH Ratingen

Schwerpunktthemen der Messe waren meiner Meinung nach diesmal Büroautomation und lokale Netzwerke.

Viele Hersteller weckten Interesse beim Anwender, das jedoch beim konkreten Nachfassen nicht immer befriedigt werden konnte. Dies liegt nicht zuletzt daran! daß viele Konzepte erst im Ansatz vorhanden sind. Der Grund dafür scheint mir in den unterschiedlichen Schwerpunkten und Erfahrungen, DV-Kommunikation, Testverarbeitung und anderes mehr - der verschiedenen Anbieter und der daraus gewachsenen Produktpalette zu liegen. Man wird deshalb auf das vollständige Angebot "aus einer Hand" noch einige Zeit warten müssen, wenn auch - je nach Hersteller - unterschiedlich lange.

Daß heute fast alle über "Office Automation" reden, wie in den 60er Jahren über "Management-Informations-Systeme" ist ein deutliches Zeichen dafür, daß wir erst am Beginn dieser Entwicklung stehen und sie sorgfältig beobachten sollten.

Gleiches gilt für lokale Netzwerke, bei denen sich der Anwender, zumindest bis zu einer Quasi-Standardisierung, davor hüten sollte, Investitionen in ungesicherte Entwicklungen zu tätigen.

Wir verfolgen deshalb den Fortschritt auf diesem Gebiet und messen ihn an unseren konkreten Anforderungen. Informationen dazu gab es genügend. Auf mich hat die Hannover-Messe deshalb insgesamt einen guten Eindruck gemacht.

Dr. Anton Leyrer

Freier Berater bei Arthur D. Little, Wiesbaden/Graz

Im Grunde sind die CeBIT-Hallen der Beweis dafür, daß das Informationsangebot auch im engeren Bereich der Telematik nur mehr im Team recherchierbar ist.

Lokale Netze werden als Selbstverständlichkeit technisch (weniger organisatorisch) vorgeführt, als hätten nahezu alle Anbieter seit Jahren nichts anderes strategisch konzipiert. Wohl die eindrucksvollste Breite des Spektrums bei Siemens, mit gut informierten Leuten, exakter Pressearbeit und mehreren Marktstoßrichtungen. Text-, Datenverarbeitung, Telephonie, eindrucksvolle Forschungsarbeit. Miteinbezogen wird das Dixinet mit dem Arbeitsplatzsystem 5815, vor allem abgezielt auf Produktivitätserhöhung des Fachmanagements.

In der Realisationsstufe durchaus weiter - wenn auch sehr amerikanisch - ist Wang mit innovativen Anwendungen (Alliance), einem erprobten und seit jeher integrierbaren Produktspektrum. Auch der Sprachbereich wird mit der "Audistation" miteinbezogen, Bildübertragung ist vorführbares Netzelement, Wagnet das verfügbare Breitband-Kommunikationsrückgrat.

Installationserfahrung im Bürokommunikationsbereich - wo gibt's die? Eine erste Adresse ist wohl die im deutschsprachigen Raum noch still, aber konstant installierende Datapoint. Die Rechnerstruktur ist seit jeher distributiv, das Arcnet richtungsweisen, die K-Maschine am ähnlichsten bereits realisiert. Übertragungsvorgänge über Infrarot oder Kurzwellen, hervorragendes Textretrieval, klares Nennen von Referenzinstallationen.

Wo bleiben denn "unsere Bodenständigen"? Erfreuliches vor allem von Nixdorf zu hören, wo Einzelgespräche mit kompetenten Fachleuten zu führen waren, die man zu einem Messehöhepunkt zählen darf. Hier wird nicht nur konzipiert, sondern auch konkret Markt gemacht, Erfahrung nicht am Papier, sondern beim Anwender gesammelt. Man hofft auf eine Postzulassung der Vermittlungsanlage auch im gesamten deutschsprachigen Raum.

Sonst - die Richtung stimmt, jeder vernetzt, denkt in integrierten Abläufen, sucht schwer Verschmelzbares hard- und softwaremäßige in Einklang zu bringen. Neue Titel und Prospekte gab es genug, die einen Gesinnungswandel bekunden.

Innerbetriebliche Netze stehen nicht unter dem technologischen Zwangstakt, den die Post bei Weitverkehrsnetzen vorgibt. Kurzfristig realisierbare Innovation ist also vor allem bei lokalen Netzen erwartbar. Das sollte die Rolle der neuen Postdienste durchaus nicht in ihrer Bedeutung - vor allem für den Mittelstand - reduzieren. Beispielhaft sei Bildschirmtext (Btx) mit einigen Anwendungen genannt. Neben der hier durchaus profimäßig präsenten IBM (Landwirtschaftsministerium) wären Philips, T & N (innerbetriebliche Fort- und Weiterbildung) sowie Grundig von Herstellerseite, Datev Steuerrechtsdatenbank) von Anwenderseite zu nennen.

Auf der Messe gab es wenig Aufgeschlossenheit gegenüber Mikronetzwerken. Einrichtungen, wie" Source" oder "Micronet", die tausenden Hobbyisten in den USA ein ungeheures Anregungspotential ermöglichen, scheinen hierzulande nahezu unbekannt. Oder wünscht preiswertes, dezentrales Brainstorming in Europa weniger?

Sigrid Schubach

Geschäftsführerin, boss Beratung, Organisation, und Software Service GmbH, Hannover

Offensichtlich mußte sich der Besucher der Hannover-Messe 1982 an einen neuen Begriff gewöhnen - den Begriff "Bürokommunikation". Bei genauer Definition dieses Begriffes merkt man, daß er den Messebesucher vor erhebliche Probleme stellte.

Die Verwirrung begann schon beim Studium des Messe-Kataloges. Hier sind unter "Bürokommunikationssysteme" zum Beispiel Personenrufanlagen, Kopiergeräte, Mikrocomputer und Schreibsysteme aufgeführt.

Es stellt sich die Frage, ob der neu geprägte Begriff" Bürokommunikation" eventuell wieder ein Hilfsmittel einiger Marketing-Abteilungen ist. Denn viele Hersteller versuchen unter diesem Schlagwort ihre schon jahrelang geführten Produkte neu zu vermarkten.

Interessenten, die bisher ihre Messebesuche gezielt einem Thema widmeten, mußten erkennen, daß es nun etwas gibt, das für alle da ist: ob groß oder klein, Bürokommunikation muß sein.

Wer im Besitz einer Textverarbeitungsanlage ist, die noch nicht einmal direkt mit dem vorhandenen EDV-System kommunizieren kann, dem mußten beim Anblick der in der CeBIT-Halle aufgezeigten Möglichkeiten die Tränen in die Augen treten. Nach dem Motto "Jeder mit jedem" wurde Hardware gestückelt, verkabelt, über Stand- und Wählleitungen miteinander verbunden. Die totale Kommunikation ist machbar geworden.

Dieser Eindruck könnte bei oberflächlicher Betrachtung entstehen. Dabei wurde oftmals wenig Rücksicht auf bestehende Notwendigkeiten genommen. Kommunikation und Integration verlangen ein klares Organisationsschema und nicht nur ein Aufzeigen der technischen Möglichkeiten.

Bürokommunikation ist sicherlich ein wünschenswertes Ziel, doch von der Planung bis zur Verwirklichung ist bei vielen Herstellern noch ein weiter Weg.

Es könnte natürlich sein, daß dieser Eindruck nur bei mir entstanden ist. Denn auch heute noch ist es mir nur dann möglich, genaue Auskünfte auf der Messe zu bekommen, wenn ich eine persönliche Einladung vom Hersteller habe oder mich ganz gezielt als Interessent per Visitenkarte ausweise. Eine Frau als Käufer für EDV-Anlagen - das ist für viele Hersteller noch undenkbar; totale Bürokommunikation aber nicht.

Udo-Achim Wrieske

Wrieske Unternehmensberatung BDU, Hamburg

Technischer Fortschritt ist notwendiger denn je. Die neuen Techniken der Bürokommunikation wie Sprach-, Text-, Bild- und Daten-Kommunikation erscheinen uns aber zum Teil heute noch äußerst suspekt, weil viele Fragen ungeklärt sind. Wie zum Beispiel soll die Briefpost im Detail durch Teletex ersetzt werden? Wie kann eine akustische Datenausgabe - soweit nicht das Telefon gemeint ist - in die Arbeitsplatzstruktur integriert werden?

Auf diese und ähnliche Fragen gab auch die diesjährige Hannover-Messe wenig Auskunft.

Viel Lärm um nichts - könnte man sagen, wenn die lautstarken Ankündigungen der Hersteller mit dem tatsächlichen Angebot auf der Messe verglichen werden.

Entscheidend ist aber, daß die Probleme der künftigen Bürokommunikation nicht in der Technologie liegen, sondern in den Menschen, die mit dieser Technologie leben und arbeiten müssen. Viele Aussteller auf der Hannover-Messe sind offensichtlich der Auffassung, daß die Menschen nur mit viel Show für neue Technologien und damit auch für neue Wege der Bürokommunikation interessiert werden können. Showeffekte. trüben den Blick für Realitäten, und es besteht die Gefahr, daß wir - wegen erheblicher Probleme im menschlichen Bereich - nicht in der Lage sind, die technologischen Entwicklungen sinnvoll zu nutzen. Ein Umstand, der uns schon einige Jahre Kopfzerbrechen bereitet und den wir als "Organisationskrise der 80er Jahre" bezeichnen müssen.

Zu lange haben wir nicht wahr haben wollen, daß die Technisierung Probleme in der Humanisierung der Arbeitswelt mit sich bringt und in eine bestehende gesellschaftspolitische Umwelt einzustellen ist. Wir haben diese Problemkreise vernachlässigt. Es kann zum Beispiel davon ausgegangen werden, daß 40 Prozent der heute von Menschen geleisteten Arbeitszeit durch Technisierung fortfällt kommt und daß - bis 1986 - jährlich etwa 80 000 Bundesbürger auf den Arbeitsmarkt drängen und zusätzlich Arbeitsplätze verlangen.

Wir trauen uns heute noch zu wenig, offen über die Notwendigkeit der Einführung neuer Technologien zu sprechen. Innerbetriebliche Schwierigkeiten haben uns zu manchem Rückzugsgefecht veranlaßt. Rationalisierungserfolge durch Technisierung werden oft "totgeschwiegen"; das heißt, wir befürchten, daß derartige Maßnahmen nicht mehr durchsetzbar sind, wenn sie bekannt werden.

Von allen diesen Problemen im praktischen Umgang mit der Bürokommunikation war auf der Hannover-Messe nichts zu spüren. Eine heile Welt also. . .? Wohl kaum. Wir sind alle aufgerufen, uns stärker als bisher mit der Technologie auseinanderzusetzen.