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01.04.1988 - 

Von der improvisierten Exportschau zum zweigeteilten Industriespektakel, Teil 1:

Hannover zwischen Hermes-Hochmut und der Angst vor dem großen Messekrach

01.04.1988

Die diesjährige CeBlT ist gelaufen. Nun häufen sich die Jubelmeldungen der Messe AG: 480 000 Besucher, davon 97 000 aus dem Ausland, haben die Hallen gestürmt. Dort tummelten sich 2730 Aussteller, von denen sich bereits 90 Prozent für die CeBlT 1989 angemeldet haben. Interessant aber sind vor allem die Aussagen zur Besucherstruktur. So wollen die Leinestädter Messemacher 300 000 Besucher aus dem Top-Management beziehungsweise Selbständige ausgemacht haben. Genauer aufgeschlüsselt wurde der Bereich "Top-Management" indes nicht. Auch kann die Euphorie der Messe AG noch immer nicht darüber hinwegtäuschen, daß die seit 1986 jährlich zwei durchgeführten Hannover-Messen speziell für die DV-Branche, aber auch für viele Besucher eine enorme Belastung darstellt. Wie einmal in Hannover alles anfing und was zur Teilung von Informationstechnik und Industrie führte schildert CW-Redakteurin Beate Kneuse in einer Serie.

Lang, lang ist's her, da die Hannover-Messe erstmals ihre Pforten öffnete. Geboren wurde sie in einer Zeit, als Deutschland vom Krieg völlig zerstört am Boden lag. Nahrungsmittel waren knapp, und die Bevölkerung lebte überwiegend von Versorgungspaketen aus den USA und Großbritannien. Um diesem Zustand jedoch so schnell wie möglich ein Ende zu setzen, ordnete die britische Militärregierung zu Beginn des Jahres 1947 für ihre Besatzungszone an, daß die Deutschen vom 18. August bis 7. September 1947 eine Messe zu veranstalten hätten, auf der alles gezeigt werden sollte, was man zeigen konnte. Denn nur der Export ihrer Erzeugnisse, so der Plan der westlichen Siegermächte, würde die Deutschen in die Lage versetzen, in absehbarer Zeit wirtschaftlich wieder auf eigenen Füßen stehen zu können.

Auf der Suche nach einem geeigneten Gelände wurden Briten und Deutsche schließlich in Hannover-Laatzen fündig. Dort standen auf einem riesigen Gelände noch fünf unzerstörte Maschinenhallen der Deutschen Leichtmetallwerke, die sogleich als idealer Standort für die geplante Exportschau von den Messemachern in Beschlag genommen und innerhalb weniger Monate ausgeräumt beziehungsweise notdürftig hergerichtet wurden. Bislang war Hannover als Messeplatz kaum in Erscheinung getreten. Jetzt aber sollte sie der Nachfolger der großen Leipziger Messe werden, die vor dem Krieg der internationale Industrietreffpunkt Deutschlands gewesen war.

Man begann, das bevorstehende Ereignis publik zu machen. Kleinanzeigen in den Mitteilungsblättern der niedersächsischen Industrie- und Handelskammer verkündeten unter "Verschiedenes": "Export-Messe 1947 Hannover. Vom 18. August bis 7. September 1947 findet in Hannover die Export-Messe für die westlichen Zonen statt. In fünf Ausstellungshallen mit 30 000 Quadratmetern zeigt die deutsche Industrie exportfähige Qualitätserzeugnisse. Standanmeldungen an: Deutsche Messe- und Ausstellungs AG, Hannover-Laatzen."

Am Montag, dem 18. August, um 12.15 Uhr wurde die "Exportmesse Hannover" tatsächlich eröffnet. Zwei Tage zuvor war die Deutsche Messe- und Ausstellungs-AG in das Handelsregister eingetragen worden. Als Symbol für dieses Ereignis hatte man den Kopf des Hermes, Gott der Händler, gewählt, der - mit der Jahreszahl versehen - die Halle 1 am Eingang zierte. Noch heute steht der Hermeskopf für die Hannover-Messe. 1300 Aussteller durften sich 1947 präsentieren; Interesse an einer Teilnahme hatten 3000 Firmen bekundet. Wie und was von den Ausstellern gezeigt wurde, ist heute kaum mehr vorstellbar: Neben Spielwaren, Damen-, Herren und Kinderbekleidung, Automobilen, elektrotechnischen Erzeugnissen, Musikinstrumenten, kosmetischen und pharmazeutischen Präparaten sowie kunstgewerblichen Produkten präsentierte man auch Nahrungsmittel, Rauchwaren, Schnürsenkel, Hosenträger, Korsettriemen, Gebets- und Andachtsbücher, Kamm- und Haarbefestigungsmittel, Waschmittel oder Rasierklingen. Blättert man heute das Ausstellerverzeichnis von 1947 durch, wird man zwangsläufig an einen Flohmarkt erinnert.

Die Aussteller kamen zum großen Teil aus Nord- und Westdeutschland. Vertreten aber waren auch Unternehmen aus den südlicheren Regionen, so zum Beispiel die Robert Bosch GmbH aus Stuttgart, die Krauss-Maffai AG aus München-Allach, das Werk Ulm der Magirus Klöckner-Humboldt-Deutz AG, die MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg), die NSU Werke AG aus Neckarsulm und die Siemens & Halske AG aus Berlin/München sowie die Siemens-Schuckertwerke AG aus Berlin/Erlangen. (Siemens bestand früher aus mehreren selbständig operierenden Unternehmen. 1967 schließlich wurden die Siemens & Halske AG, zuständig für den Schwachstrombereich, die Siemens-Schuckertwerke AG, zuständig für den Starkstrombereich, und die Siemens-Reiniger GmbH, zuständig für die Medizintechnik, zur Siemens AG zusammengelegt.) Diese Unternehmen sind zugleich auch mit die bekanntesten Industrieadressen, die die Exportmesse 1947 aufzuweisen hatte. Zu nennen wären da auch noch die AEG (Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft), Berlin/Hamburg, die Telefonbau und Normalzeit GmbH aus Frankfurt und die Telefunken-Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH aus Berlin-Schöneberg.

Vertreten waren im Gründungsjahr der Hannover-Messe auch schon 39 Unternehmen aus der Büroindustrie, die rund 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche belegten. Zu sehen waren neben viel Papier und Schreib- und Zeichen-Utensilien auch bereits Addier- und Rechenmaschinen - unter anderem von der Addiator-Rechenmaschinenfabrik aus Berlin-Charlottenburg. Auch die Geha- sowie die Pelikan-Werke aus Hannover zeigten Büromaschinen. Dabei hatten diese Aussteller natürlich keine eigene Halle für sich, sondern präsentierten sich zusammen mit Herstellern von Armaturen, Eisenwaren, Fahrrädern, Herden und Öfen, Optik, Verpackungs- und Sportartikel.

Auch an Stände heutigen Verständnisses war damals nicht zu denken. Material jeder Art war knapp. So mußte improvisiert werden, wo es nur möglich war. "Vornehm war es schon, rechts und links eine Trennwand zu haben", so Jörg Schomburg von der Deutschen Messe AG, Hannover. Meist allerdings hätten sich die Aussteller anders behelfen müssen. Schomburg hält es für durchaus denkbar, daß sich so mancher Aussteller gar seinen eigenen Klapptisch mitgebracht hat, um seine Ware zu zeigen. Auch der Schwarzmarkt wird in jener Zeit in und um Hannover wahre Hoch-Zeiten erlebt haben. Die Mühe indes war vom Erfolg gekrönt. 736 000 Besucher strömten in den 21 Tagen in diese Exportmesse. Dabei waren auch schon 4000 Gäste aus immerhin 53 Nationen. Für sie war schließlich die Messe aus der Taufe gehoben worden, sie allein durften als Einkäufer auftreten, und sie sollten in ihren Ländern berichten, daß die Deutschen wieder produzieren und exportieren können.

Nahezu jeder deutsche Besucher wird mit glänzenden Augen über die Exportmesse gegangen sein. Endlich konnte man wieder Dinge sehen, von denen man seit Kriegsbeginn nur hatte träumen können. Wenn die Deutschen auch nichts kaufen durften beziehungsweise konnten, die Messe vermittelte ihnen das Gefühl, daß es "von nun an aufwärts ging, wieder wer zu sein", beschreibt ein Siemens-Mitarbeiter die damalige Atmosphäre. Doch die deutsche Bevölkerung hatte noch einen wichtigen Grund, zur Exportmesse zu gehen. Mit dem Kauf einer Eintrittskarte konnte man auch ein Heringsbrötchen und ein Getränk erstehen. Zu Zeiten, da man sich nur über Lebensmittelkarten mehr schlecht als recht ernähren konnte, war dies für die deutschen Besucher sicherlich ein Festessen. Die Fischbrötchen waren es auch, die dieser ersten Exportmesse den Namen "Herings-Messe" einbrachte.

Für jede Eintrittskarte ein Heringsbrötchen

Der Begeisterung von Besuchern und Ausstellern konnte auch kein Abbruch tun, daß die Anreise zum Messegelände aufgrund fehlender Beförderungsmöglichkeiten mehr als schwierig war. Von der Straßenbahn-Endstation in Laatzen hatte man einen Fußweg von 45 Minuten hinter sich zu bringen. Die britischen Besatzer setzten gar Lastwagen ein, um Besucher zu transportieren. Ähnlich sah es mit den Übernachtungsmöglichkeiten aus. Hannover war ebenso zerstört wie viele andere deutsche Städte. Nur wenige Hotelzimmer standen zur Verfügung. Glücklich konnte schon der Messegast sein, der ein Privatquartier ergatterte. Viele Hannoveraner machten damals in ihren Behausungen Zimmer frei, um Besucher aufnehmen zu können. Aus der Not heraus war auch damit eine Tradition geboren, die bis heute Bestand hat: die "Messe-Muttis". Die meisten Messegänger jedoch wurden in Schulen und anderen Gebäuden auf Matratzen- manchmal auch Strohlagern untergebracht.

Durch den Erfolg der ersten Hannoveraner Exportmesse ermutigt, beschloß man, diese Veranstaltung auch in den kommenden Jahren stattfinden zu lassen. Schon acht Monate später, am 22. Mai 1948 und kurz vor der Währungsreform, lud man wieder für einige Wochen zur Messe in die Leinestadt ein. Aus den fünf Hallen waren mittlerweile sechs geworden, verbessert hatte man auch die Einrichtung. Diesmal waren bereits 2340 Aussteller vertreten. Ihre Zahl hatte sich also gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Um einen Platz hatten sich indes 6000 Unternehmen beworben. Gewachsen war vor allem die Ausstellerzahl aus der Büroindustrie: Sie hatte sich mit 105 Unternehmen gegenüber 1947 nahezu verdreifacht. Dies schlug sich auch in der Ausstellungsfläche nieder. Auf 3000 Qaudratmetern machte sich die Büroindustrie breit. Sensation dieser Messe: Es gab die erste Telefonverbindung zwischen dem Messegelände und New York.

Ausstellerbeirat beschließt Messe-Teilung

Schon ein Jahr später änderte sich die Struktur der Messe, die für die nächsten vier Jahre richtungsweisend werden und sich fast vierzig Jahre später wiederholen sollte. Inzwischen war ein Ausstellerbeirat ins Leben gerufen worden, der als erste Amtshandlung eine Teilung der Export-Messe durchsetzte. Grund: 1949 durften erstmals auch Unternehmen und Besucher aus der französischen Besatzungszone nach Hannover kommen, so daß der Platzbedarf auf dem Messegelände immer größer wurde, aber nicht genügend Hallen zur Verfügung standen. Auch versprach man sich von der Teilung mehr und bessere Unterbringungsmöglichkeiten für die Besucher.

So fand Ende April 1949 eine Allgemeine Exportmesse, Ende Mai eine Technische Exportmesse statt. Dadurch kam es auch zu einer Reduzierung der Messedauer: Für jeweils zehn Tage öffneten beide Messen ihre Tore. Die Bürobranche war auf beiden Veranstaltungen vertreten. Während auf der Allgemeinen Exportmesse 129 Unternehmen den gesamten Bereich Bürobedarf ausstellten, gab sich auf der Technischen Exportmesse die Büromaschinenindustrie die Ehre. Vertreten waren 22 Firmen.

Der Beginn des neuen Jahrzehnts bescherte auch der Hannover-Messe bereits 1950 wiederum einschneidende Veränderungen. Zum einen änderte man den Namen von Exportmesse in "Deutsche Industriemesse" ab, weiterhin zweigeteilt. Zum anderen hatte sich die Messegesellschaft mit dem Bau neuer Hallen mächtig ins Zeug gelegt. Im Norden des Geländes waren die Hallen 7, 9 und 10 neu errichtet worden, im Osten die Hallen 11 bis 16. Die Elektroindustrie konnte sich bei der Technischen Messe allein in vier Hallen präsentieren. Besonderes Ereignis im Jahr 1950 war aber vor allem das erstmalige Auftreten von ausländischen Ausstellern auf der Deutschen Industriemesse: Von 2805 Ausstellern kamen 45 aus dem Ausland. Zehn Länder waren vertreten, worunter sich auch bereits die USA befand. Stark vertreten waren die Ausländer in der Bürowirtschaft; allein 12 der 45 Unternehmen stellte in diesem Bereich aus. Insgesamt brachte es die Büroindustrie 1950 insgesamt auf 150 Aussteller in Hannover.

Die Büroindustrie wuchs auch in den kommenden Jahren auf der Deutschen Industriemesse stetig weiter. 1951 fanden schon 303 Unternehmen den Weg nach Hannover, davon 32 aus dem Ausland. Erstmals stellten sämtliche Zweige dieser Branche nur zur Technischen Messe aus. Einträchtig nebeneinander präsentierten sich in den Leichtbau-Hallen 19 und 20 die Papierverarbeitungs- und Druckereimaschinen, Büromöbel, Papier- und Schreibwaren, Büromaschinen, Tresoranlagen, Geldschränke, Organisationsmittel Bürobedarf, Verpackungs- sowie Werbemittel. Erstmals nahm IBM 1951 am Hannoveraner Messegeschehen teil. Unter dem Namen Internationale Büromaschinen GmbH stellte sie in Halle 20 auf 150 Quadratmetern (bei einem Quadratmeterpreis von 65 Mark) Rechenmaschinen, Schreibmaschinen und Zeitdienstgeräte aus. Zum Standpersonal gehörten immerhin schon 28 Mitarbeiter. Ein Jahr später hatte IBM bereits einen Stand von 218 Quadratmetern, auf denen sich 35 Mitarbeiter tummelten.

Mit 1954 kam der nächste Wendepunkt für die Deutsche Industriemesse: Beide Veranstaltungen wurden wieder zusammengelegt. Inzwischen hatte sich nämlich die gesamte Automobilbranche von Hannover verabschiedet und war geschlossen nach Frankfurt gezogen. Dadurch waren Platzkapazitäten frei geworden, die mit den zudem neu erbauten Hallen und Messehäusern eine einheitliche Messe wieder möglich machten. An überdachter Ausstellungsfläche standen nunmehr insgesamt 200 000 Quadratmeter zur Verfügung, das Freigelände bot 55 000 Quadratmeter. Gemeldet hatten 3911 Unternehmen, davon 297 Firmen aus 18 Ländern.

Büroindustrie macht sich in Halle 17 breit

Die Büroindustrie kam in einen besonderen Genuß. Nach jahrelangen Wanderschaften von Halle zu Halle, bekam sie 1954 erstmals eine "feste" Halle, die auch in den kommenden Jahren ihre "Heimat" bleiben sollte: die Halle 17. Auf 20 000 Quadratmetern präsentierten dort 346 Unternehmen 1954 ihr Angebot. Ihr Debüt gaben die Lochkartenmaschinen der französischen Compagnie des Machines Bull auf dem Stand der Kölner Exacta Büromaschinen GmbH.

Immer mehr Vertreter der Büroindustrie zog es nach Hannover. Auch wurde durch die zunehmende Automatisierung in der Bürowirtschaft das Ausstellungsprogramm der Unternehmen immer größer. Buchungsmaschinen, deren Möglichkeiten zum Teil schon bis an die Grenzen der mechanischen Arbeitsweise reichten, hatten Einzug gehalten, aber auch die ersten Elektronenrechner. Immer breiter machten sich auch die Hersteller von Büromöbeln. Daneben war die Halle 17 auch Ausstellungsort der Organisationsmittel und des gesamten sonstigen Bürobedarfs.

Erste Elektronenrechner sorgen für Gesprächsstoff

So beschlossen die Messeverantwortlichen nach der Industriemesse 1956, der Büroindustrie ab 1957 eine neue Halle 17 zur Verfügung zu stellen. In zwei Bauabschnitten wurde eine zweigeschossige Halle mit insgesamt 30 000 Quadratmetern errichtet, die auch mit dem Messeservice dienenden Einrichtungen, darunter Gaststätten, Büroanbauten und ähnliches, ausgestattet wurde. Im Erdgeschoß bauten die Vertreter der Schreibmaschinen, Lochkartenmaschinen, Vervielfältigungsmaschinen und Büromöbel ihre Stände auf, im Obergeschoß siedelten sich die Buchungs-, Addier- und Rechenmaschinen sowie Registrierkassen, Diktiergeräte und Organisationsmittel an. 400 Aussteller kamen in der neuen Halle 17 zusammen, davon 60 aus dem Ausland.

Die technische Entwicklung der Büromaschinen ging jedoch rasant weiter. Neue Aussteller kamen mit neuen Geräten, und immer mehr ausländische Büromaschinen-Hersteller gründeten deutsche Niederlassungen, die man nach Hannover schickte. Inzwischen hatte auch Heinz Nixdorf in das niedersächsische Messegeschehen eingegriffen, wenn auch längst noch nicht mit einem eigenen Stand. 1958 stellte die Bull Lochkartenmaschinen GmbH, die nunmehr unter eigenem Namen und auf einem eigenen Stand zugegen war, einen Elektronenmultiplizierer aus, den Heinz Nixdorf entwickelt hatte. Dieses Wunderding sorgte in jenem Jahr für nicht wenig Gesprächsstoff auf der Messe.

1959 war die Halle 17 für die Aussteller der Büroindustrie erneut zu klein und wurde auf 33 000 Quadratmeter erweitert. 459 Aussteller, inklusive 90 ausländische, fanden in der vergrößerten Halle Platz. Somit hatte sich diese Branche gegen Ende der fünfziger Jahre auf den dritten Rang aller auf der Deutschen Industriemesse präsenten Fachgebiete geschoben. Und ein Ende der Entwicklung war längst noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Büroindustrie ging schnellen Schrittes dem Zeitalter der Elektronik entgegen.

Hannover-Messe: Neuer Name, neue Blüte

Die sechziger Jahre brachen an. Längst hatte sich die Deutsche Industriemesse als Mehrbranchenmesse oder auch Universalmesse etabliert, war zu einem festen Treffpunkt von Geschäftsleuten und Spezialisten aus allen Sparten der Wirtschaft aus dem In- und Ausland geworden. Längst konnte Hannover auch eine entsprechende Infrastruktur aufweisen. Günstige Verkehrsverbindungen waren sowohl nach Hannover als auch vom Stadtkern zum Messegelände geschaffen worden. Immer mehr Hotelzimmer konnte die Stadt zur Verfügung stellen, wenn auch viele Aussteller und Besucher für die Dauer der Messe nach wie vor in Privatquartieren wohnten und sich von den "Messemuttis" verwöhnen ließen.

1961 änderte sich noch einmal der Name der Messe. Aus der Deutschen Industriemesse wurde die "Hannover-Messe"; eine Bezeichnung, die die englisch-sprachigen Länder mit "hanover-fair" von jeher benutzt hatten. Viele Aussteller hatten sich inzwischen längerfristig an die Hannover gebunden. Mietverträge von bis zu zehn Jahren waren keine Seltenheit. Das Messegelände selbst war immens gewachsen. Allein die Elektroindustrie, die die gesamte Halle 11 in Anspruch nahm, belegte eine Ausstellungsfläche, die die fünf Hallen von 1947 zusammen geboten hatten. Vorbei waren auch die Zeiten der notdürftig hergerichteten Hallen und Stände. Die deutsche Wirtschaft erlebte ihre Blüte; und dies wollten auch ihre Vertreter in Hannover dokumentieren.

Maschinenbau stellt größte Ausstellergruppe

Immer noch nahm der weit verzweigte Maschinenbau den Spitzenplatz unter den ausgestellten Industriebereichen ein. Ihm folgte die Elektroindustrie. Die Bürobranche, noch immer auf Rang 3 liegend, entwickelte sich in den sechziger Jahren noch rasanter weiter, als dies schon im vorangegangenen Jahrzehnt der Fall gewesen war. Somit nahm die Notwendigkeit, die Halle 17 weiter zu vergrößern, auch in den folgenden Jahren kein Ende. Bereits 1963 mußte dieser Treffpunkt der Büroindustrie erneut ausgebaut werden. Durch einen dreigeschossigen Vorbau stieg die Ausstellungsfläche der Halle 17 auf 50 000 Quadratmeter. Die Ausstellerzahl kletterte auf 572, davon stammten 142 aus dem Ausland. Drei Jahre später vereinte die Halle 17 bereits 600 Ausstellerfirmen der Bürowirtschaft unter einem Dach. Damit war die Halle der Büroindustrie 1965 die größte der mittlerweile 25 Messehallen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen blieben die Stände der Büromaschinenaussteller jedoch eher ungeschmückt.

Büroindustrie präsentiert sich nüchtern

Präsentierte sich auf dem Freigelände die Stahlindustrie in prachtvollen Pavillons und versuchten sich in anderen Hallen beispielsweise die Aussteller der dekorativen Konsumgüter, wie Uhren, Schmuck und Silberwaren, in ihrer Standgestaltung gegenseitig auszustechen, so ging es in Halle 17 eher nüchtern, dafür aber familiär zu. Erinnert sich Gerhard Karck aus Kiel: "Bei der Büroindustrie war die Improvisation nach wie vor Trumpf. Die Stände waren rein technikorientiert und nicht sonderlich dekoriert. Marktstände waren das. Aber dafür kannte jeder jeden, und das persönliche Gespräch, auch oft mit den Geschäftsführern der ausstellenden Unternehmen, stand im Vordergrund. Und wenn ein Abschluß beziehungsweise ein Vertrag zustande gekommen war, dann wurde dies mit viel Jubel und Trubel gefeiert."

Standpersonal als "Mädchen für alles"

Das Standpersonal, so Karck, bestand durchschnittlich aus 15 bis 20 Mitarbeitern, die während der gesamten Messedauer Dienst hatten. Sie alle legten Universalfähigkeiten an den Tag, konnten sowohl die Maschinen vorführen als sich auch in die Organisationsprobleme der Besucher hineindenken. "Diese waren damals allerdings noch relativ überschaubar", ergänzt Karck. In der Regel sei es um eine Fakturierung oder ähnliches gegangen.

Die elektronische Revolution nahm in Halle 17 immer mehr Konturen an. Jede Neuerung wurde laut Karck mit viel Stolz und Theater vorgestellt. "Riesige Rechner, die eine enorme Klimatisierung benötigten", so der Kieler DV-Profi, "hielten Mitte der sechziger Jahre auf vielen Ständen Einzug. Da gab es noch keine Einheitsbauweisen wie heute. Jeder Aussteller hatte anders aussehende Maschinen auf seinem Stand und die zogen die Fachleute in ihren Bann." Auch der Spaß kam nicht zu kurz. Erinnert sich Karck: Auf einer Messe präsentierte IBM erstmals eine Plattenstation, die IBM 305, auch Ramac genannt. Diese Bezeichnung übersetzten wir Fachleute als Riesenaufwand mit anschließendem Chaos, weil niemand genau wußte, wo die Daten geblieben waren."

Noch immer war die Büroindustrie die drittstärkste ausstellende Branche auf der Hannover-Messe. Immer zahlreicher jedoch wurden die Wünsche nach Vergrößerung von Standflächen und Neuaufnahmen als Aussteller. wird fortgesetzt

Im Vorfeld der ersten Exportmesse ging bei dem Wirtschafts- und Ernährungsamt Hannover 1947 folgendes Schreiben ein:

"Am 11. Mai 1947 findet in Hannover-Laatzen eine Tagung statt, an der Vertreter der Wirtschaftsministerien aller west- und süddeutschen Länder beteiligt sind und die der Durchführung der von der Militärregierung veranlaßten Exportmesse 1947 dient. Für das dabei vorgesehene Essen bitten wir um die Zuweisung der nachstehend genannten Nahrungsmittel: 8 Kilogramm Erbsen, 7 Kilogramm Kartoffeln, 50 Würstchen zu je 100 Gramm, 0,5 Kilogramm Speck zum Ausbraten, 3 Kilogramm fettes Schweinefleisch, 3 Kilogramm Rinderknochen und 1 Kilogramm Gries, 15 Liter Milch, 10 Kilogramm Rhabarber sowie 2 Kilogramm Zucker."