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13.04.2006

Hannovers Industriemesse wird IT-lastig

Die IT-Durchdringung der Fertigung lockt Hard- und Softwarehersteller auf die Großausstellung.

Von CW-Redakteur Frank Niemann

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564742: Ethernet erobert die Produktion;

573867: RFID;

573651: Besucherschwund auf der CeBIT.

DDer IT-Bezug der Hannover Messe (HMI), die vom 24. bis 28. April 2006 ihre Pforten öffnet, ist nicht neu: Schon lange nutzt auch die Industrie Computer beispielsweise zum Steuern, Messen und Regeln und tauscht über Netze Daten aus. Doch zunächst setzten sich IT-Innovationen im Maschinen- und Anlagenbau nicht so rasch durch wie in der Computerbranche. Das ändert sich. Ein Anzeichen dafür sind Kommunikationsverfahren wie Ethernet und Wireless LANs, die nun verstärkt in Produktionsumgebungen Einzug halten.

MES-Software im Kommen

Ein weiterer Trend auf der diesjährigen Hannover Messe sind Softwarelösungen zur Fertigungssteuerung (Manufacturing Execution Systems, kurz MES). Führten sie über viele Jahre ein Eigenleben im Unternehmen, nähern sich MES-Produkte nun den eher in den administrativen Firmenbereichen angesiedelten PPS- und ERP-Lösungen (Produktionsplanungs- und -steuerungssystem, Enterprise Resource Planning) an. Schnittstellen zwischen ERP/PPS - und MES-Ebene sollen eine genauere Planung von Fertigungsaufträgen erlauben und dem Anwender bessere Tools an die Hand geben, mit denen er die Fertigungsprozesse steuern kann. Während große Hersteller wie beispielsweise Rockwell Automation schon lange ihre MES-Systeme auf der HMI präsentieren, sind eine Reihe anderer Branchenvertreter erst jetzt auf den Zug aufgesprungen. Dazu zählen auch solche, die bisher vor allem auf der CeBIT präsent waren. "Auf der CeBIT zeigen wir unser komplettes Leistungsangebot. Auf der Hannover Messe hingegen positionieren wir ausschließlich unsere MES-Lösungen", schildert Michael Fichtner, Mitglied der Geschäftsleitung von Freudenberg-IT. Der auf SAP-Lösungen spezialisierte IT-Dienstleister hat mit "Adicom" ein eigenes MES-Produkt im Programm, das bisher jedoch im Schatten der ERP-Aktivitäten stand. Die HMI könne zur Leitmesse für MES werden, glaubt Fichtner: "Hier ist das Who-is-who der MES-Branche vertreten, daher treten auch wir erstmals mit einem eigenen Stand auf." Zu den Neuheiten des Unternehmens zählt die Integration von Adicom in die Applikation "SAP xApp Manufacturing Integration and Intelligence". Diese xApp greift auf Daten von ERP-, SCM-, Qualitätssicherungs- und eben MES-Software zu. Anwender sollen über das "Netweaver Portal" Informationen aus der Produktion abrufen können.

Freudenberg-IT und andere MES- und ERP-Spezialisten finden sich im Messeabschnitt "Digital Factory" ein. Zu ihnen zählt auch die in Frankfurt am Main beheimatete Firma Sage. Die Qualität der Kontakte sei auf der Industriemesse besser als auf der CeBIT. "Die Besucher sind umfassender informiert und kommen im Gegensatz zum CeBIT-Publikum mit sehr klaren Vorstellungen", so ein Unternehmenssprecher. Auf der Computermesse treffe man diese Gäste nicht so häufig an. Der Enthusiasmus reicht jedoch nicht so weit, der Industriemesse einen höheren Stellenwert einzuräumen. Der Stand des Softwarehauses ist kleiner als der auf der CeBIT und passt sich an die geringere Besucherzahl an. "Die CeBIT bleibt die wichtigste Messe für Sage."

Digital Factory statt Digital Living

Andere Unternehmen der Softwarebranche bewerten die Industriemesse hingegen höher. "Die CeBIT ist für IT-Unternehmen im B-to-B-Umfeld schon lange nicht mehr das Maß aller Dinge, da sie sich immer mehr zur Lifestyle- und Consumer-Messe entwickelt", kritisiert Holger Klappstein, Geschäftsführer von TXT E-Solutions Deutschland. "Auf der Hannover Messe hingegen treffen wir die Entscheider, die weltweit die Abläufe in der produzierenden Industrie bestimmen und nach immer leistungsfähigeren Produkten Ausschau halten." Das Unternehmen mit Hauptsitz in Mailand entwickelt Planungssoftware für die Industrie und den Handel.

Gute Erfahrungen haben auch Netzwerkspezialisten mit der HMI gemacht. Unter dem Motto "Automation IT" zeigt die auch auf der CeBIT aktive Branchengröße Cisco gemeinsam mit dem auf industrielle Vernetzung spezialisierten Hersteller Harting und 20 weiteren Partnern Vernetzungskonzepte für Fabriken. Dort wird ein beispielhaftes Netzwerk zu sehen sein, über das ERP-Applikationen, Automatisierungssoftware, Robotersysteme und CAD-Lösungen miteinander kommunizieren.

Ciscos Ausstellungspartner Harting liefert Produkte zum Bau einer Netzinfrastruktur für ein produzierendes Unternehmen. Diese Netze gleichen sich denen in den Büros immer mehr an. Ähnlich wie bei der Konvergenz von Sprach- und Datennetzen im Unternehmen soll es künftig eine gemeinsame Kommunikationsbasis für alle Unternehmensbereiche geben.

Während die Technik schon weit fortgeschritten ist, sind die organisatorischen Voraussetzungen für eine Konvergenz aus Büro- und Fertigungsnetz noch lange nicht geschaffen. Beispielsweise sind für die IT und die Fertigung unterschiedliche Personen in den Firmen verantwortlich, die noch dazu Berührungsängste haben. "Ein gemeinsames Netzwerk wird von beiden Seiten noch nicht akzeptiert", meint Andreas Huhmann, Market Manager bei Harting Electric aus dem ostwestfälischen Espelkamp. Beispielsweise haben die Fertigungsspezialisten Angst vor Hackern und Computerviren, die im Maschinenpark ihr Unwesen treiben könnten.

Doch nicht nur die drahtgebundene Vernetzung greift in Produktionsumgebungen um sich, sondern auch Funknetze. Die Messe ersann daher das Thema "Wireless & Secure Automation". Waren es im letzten Jahr 30 Aussteller, die sich unter diesem Motto in Hannover einfanden, sind es nach Messeangaben dieses Jahr 70. Sie zeigen unter anderem, wie sich Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen Maschinen einrichten lassen, sowie Funktionen zum kontaktlosen Auslesen von Maschinendaten. "Hier finden sich durchaus Firmen, die auch auf der CeBIT ausstellen, doch präsentieren sie sich anders", so Thomas Rilke, Projektleiter Automation bei der Deutschen Messe AG. Sony Ericsson zum Beispiel führe auf der Computermesse Handys vor, während der Konzern dem Industriepublikum Funkmodule zeige, die Maschinenhersteller in ihre Produkte integrieren können.

Eher noch am Anfang stehen Lösungen rund um Radio Frequency Identification (RFID). Auf der Messe soll in einem Beispiel gezeigt werden, wie mit RFID-Tags ausgestattete Bauteile Daten an eine Fertigungsautomatisierung übermitteln. Im nächsten Jahr, so Messe-Mann Rilke, werde RFID unter dem Motto "Industrial Identification" breiten Raum auf der Industriemesse einnehmen.

IT-Sicherheit für die Fabrik

Der Bedarf nach IT-Sicherheit im Produktionsumfeld wächst mit dem Vernetzungsgrad. Ebenso wie bei der mobilen Kommunikation liegen auch die Schwerpunkte anders: Der Netzwerkspezialist Lancom Systems aus Würselen beispielsweise wird einen VPN-Router (Virtual Private Network) mit integrierter Firewall für Industrieanwendungen vorstellen. Das Gerät soll vernetzte Produktionsanlagen vom Firmennetz bis auf unbedingt erforderliche Verknüpfungen abkoppeln.

Neben der Sicherheit zählen Industrial Ethernet und WLAN-Technik zu den Ausstellungsschwerpunkten von Lancom. Präsentiert wird zum Beispiel ein WLAN Access Point für die Fabrik. Bis in den letzten Winkel von Lagerhallen und Fertigungsstätten sollen Funksignale reichen. Über solche Verbindungen lassen sich Steueranweisungen übermitteln und Kontroll- und Statusdaten ablesen.

Wie viele andere Firmen war auch Lancom schon auf der CeBIT aktiv. Nach guten Erfahrungen mit der Messebeteiligung auf der Hannover Messe im letzten Jahr präsentiert das Unternehmen sich nun erneut mit einem eigenen Stand. "Zur Industriemesse kommt typischerweise nicht der zentrale IT-Verantwortliche eines Unternehmens, eher der Fertigungsleiter", meint Messe-Manager Rilke. Die Aussteller hoffen einhellig, auf der HMI Führungskräfte aus Fachabteilungen überzeugen zu können, die dann die Investitionsentscheidungen des Unternehmens in Sachen IT beeinflussen.