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05.03.1999 - 

IT im Tourismus/Linienflüge über globale Distributionssysteme

Hapag-Lloyd macht den Vertriebskanal fit für Geschäftsreisende

Hapag-Lloyd brauchte zur Unterstützung seines neuen Vertriebskanals für Geschäftsreisen eine Software, die für globale Distributionssysteme geeignet war. Ingo Schölzl schildert Auswahl und Einsatz des Systems.

Am 2. November 1997 ging in Bremen der erste Hapag-Lloyd-Gast an Bord, der seinen Linienflug über das neue Reservierungssystem "Reservision" gebucht hatte. Für das Unternehmen eröffnete sich damit das neue Geschäftsfeld "Linienflug". Dem waren Monate an strategischer Planung und Projektarbeit vorausgegangen. Das Ergebnis: Hinter den Kulissen sorgt eine ausgefeilte IT-Struktur mit der Software Reservision für den Ablauf von Reservierungen und Buchungen.

Bis zum Sommer 1996 stand bei Hapag-Lloyd Flug der Tourismus im Vordergrund. Die Airline stellte den Reiseveranstaltern die Sitzplätze als Kontingent zur Verfügung. Die schnürten dann aus Flug und Übernachtung Gesamtpakete für Erholungsbedürftige und Sonnenhungrige. Neben dieser klassischen Veranstalterbuchung bot Hapag-Lloyd auch eine bestimmte Kapazität an Plätzen im Eigenverkauf an. Touristische Einzelplatzbuchungen erfolgten ohne Zwischenschaltung eines Veranstalters, direkt über das Reisebüro.

Ein Marktsektor blieb davon jedoch unberührt: Linienflüge für Geschäftsreisende. Bis zur Einführung der neuen Software war Hapag-Lloyd im klassischen Linienflugverkauf über CRS (Computerized Reservation System) nicht vertreten. Das heißt, daß Reisebüros Hapag-Lloyd-Flüge nicht über globale Reservierungssysteme buchen konnten. Speziell im Ausland verengte diese Einschränkung das Netz an General- und Subagenturen erheblich.

Einer der Hauptgründe für Reservision war die Architektur des Systems, die schnelle und flexible Anpassungen erlaubt. Dadurch ist zum einen eine optimale Einbindung des Bereichs Linienverkauf in die bestehenden Geschäftsprozesse und Systemlandschaften erzielt worden sowie zum anderen eine Plattform für die Weiterentwicklung. Mit den auf dem Markt befindlichen Co-Host- Lösungen für den Linienvertrieb, die auf Mainframe-Technik basieren, waren solche Lösungen gar nicht oder nur zu extrem hohen Kosten möglich.

Deshalb entschied sich Hapag-Lloyd für ein Client-Server- gestütztes umfassendes Flugreservierungssystem. Die Software der Schweizer Reservision Technology Software (RST) AG erlaubt als dezentrales System die Verwaltung des Sitzbestands einer Fluglinie. Das System kommuniziert mit CRS (Computerized Reservation System) und GDS (Global Distribution System).

Mit seiner offenen Client-Server-Architektur und seiner relationalen Datenbank ist die Software der Kern eines integrierten Systems für den gesamten operativen Bereich.

Die Systemkomponenten und die gemeinsam genutzte Datenbank lassen sich auch für andere Anwendungen wie zum Beispiel Departure Control, Yield Ma- nagement oder Rechnungswesen einsetzen. Das System erlaubt außerdem ein Mitwachsen entsprechend den zukünftigen Anfor- derungen einer Fluggesellschaft. Für den Ablauf der Transaktionen sorgt die Middleware BEA Tuxedo.

Im Sommer 1996 fiel bei Hapag-Lloyd der Startschuß für das Projekt. Insgesamt sind rund 60 Mannmonate - intern und extern - in das Vorhaben eingeflossen. "Beim Aufbau des Systems hatten wir einen enormen Vorteil", erklärt Peter Fischer, Product Manager der RST AG. "Es ging nicht um die Migration oder die Veränderung eines alten Systems, sondern um den Aufbau des neuen Produkts Linienflug - ein Start-up."

Dabei wurde den Experten klar, daß sie bei der Größe des Systems eine Middleware benötigen, einen Transaktionsmonitor, der auf Skalierbarkeit setzt. "Außerdem brauchen wir einen Middleware- Partner, der uns auch spontan Produkte zum Austesten zur Verfügung stellt, und zwar weltweit." Die Komplexität durch Transaktions- Server bedingt ein um so genaueres und durchdachteres Design der Anwendung.

Hapag-Lloyd Flug ist mit den Resultaten seit Einführung des Systems zufrieden. Die Verkaufszahlen über das neue System liegen im Plan, denn durch den Einstieg in den Vertrieb über CRS wurde der Auslandsvertrieb flächendeckend ausgeweitet.

Amadeus als führender Anbieter in den für Hapag-Lloyd Flug wichtigen Märkten Deutschland und Spanien ist das erste CRS, über das Hapag-Lloyd-Flüge buchbar sind. Der Verkauf über weitere CRS wie Galileo ist geplant. Technisch ist Reservision über eine X.25- Leitung mit dem Server in Erding verbunden. Für den Endanwender im Reisebüro besteht keinerlei Unterschied im Buchungsverfahren zu anderen Fluggesellschaften, die auf den gängigen Host-Systemen vertreten sind.

Nach dem Start will Hapag-Lloyd die Kapazitäten des Systems weiter ausbauen: Auch die Vertriebssysteme für das klassische Veranstaltergeschäft und den touristischen Einzelplatzverkauf sollen von Reservision abgelöst werden. Ziel ist ein integriertes System für alle Vertriebskanäle. Daran arbeitet Hapag-Lloyd Flug mit Lufthansa Systems und Siemens. Gemeinsam entwickeln die Unternehmen das Produkt Charterline, das die gesamten Geschäftsprozesse, den Veranstaltervertrieb sowie den touristischen Einzelplatzverkauf abdecken soll. Die Anwendung soll ebenfalls Client-Server-basiert und über eine API mit Reservision zu verbinden sein. Schließlich soll Hapag-Lloyd Flug über eine integrierte Lösung für alle Vertriebskanäle verfügen. Und das schon bald. Im November 1999 könnten die neuen Softwaremodule einsatzbereit sein..

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Der Markt für Geschäftsreisen hat hohe Wachstumsraten, aber auch seine eigenen Gesetze. Für die Bremer Hapag-Lloyd, tra- ditionell eher auf den Privatreisenden eingestellt, ergab sich das strategische Ziel, auch in diesem Sektor aktiv zu werden. Für das neue Geschäftsfeld "Linienflug" wurde eine für globale Distributionssysteme einsetzbare Software benötigt, die schnelle und flexible Anpassungen erlaubt.

Ingo Schölzl ist Projektleiter bei Hapag-Lloyd in Bremen.