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26.05.1978 - 

Meilenstein für Großanwender, RZ und Systemhäuser:

Hardware als Beigabe

26.05.1978

Wohl jeder kennt das rechteckige Diagramm über die Entwicklung des Verhältnisses von Hardware-Kosten zu Software-Kosten im Zeitablauf: Von oben links (sehr viel Hardware - wenig Software-Aufwand) nach unten rechts (genau umgekehrt). Es bedarf gelegentlicher Meilensteine, damit wirklich klar wird, daß die Entwicklung tatsächlich entlang diesem Pfad verläuft. Wegmarkierungen regen dann zum Überdenken der Konsequenzen an.

Ein solcher "Milestone" war sicherlich die Ankündigung der NCSS 3200-Serie durch die National CCS-Service-Rechenzentrumskette, die nicht nur in der Computerwoche Seite-eins-Schlagzeilen machte (CW-Nr. 21 vom 19. Mai 1978: "Time sharing-Anbieter steigt ins Mainframe-Geschäft ein").

370/138 zum halben Preis

Die NCSS-3200-Computer sind 32-Bit-Megaminis mit Code-Kompatibilität zur IBM-370-Serie auf der Ebene der Maschineninstruktionen. Sie verarbeiten jedwede für 370-Rechner geschriebene Software problemlos. Im Leistungsbereich der 370/138 angesiedelt (256 KB bis 2 MB), brauchen die NCSS-Minis weniger als 1,5 Kubikmeter Platz. Wie andere Megaminis (DECsystem 2020, Data General M/600, Interdata 9/32, Prime 500) kosten sie etwa 300 000 bis eine Million Mark - weniger als die Hälfte entsprechender IBM-Zentraleinheiten. Dabei hatte man doch aber gerade beim Übergang auf die achter Modelle - 138 und 148 - einen spektakulären Hardware-Preisverfall zu verzeichnen. Nach "steckerkompatiblen Zentraleinheiten" im Großrechnerbereich (Amdahl 470, Itel AS) nun das gleiche für die Mittelklasse.

Das Interessante aber ist, daß NCSS bei der Ankündigung keineswegs diese Fakten, die Hardware-Daten, in den Mittelpunkt stellte, sondern vielmehr, daß die Firma komplette Problem-Lösungen unter Verwendung der neuen Hardware anbietet. National CCS Inc. ist eine der größten nordamerikanischen Rechenzentrumsketten (2 x 168, 370/158, 360/67 und Amdahl 470/V6) mit über 10 000 Kunden und einem umfassenden Software-Angebot, für dessen Entwicklung - nach Firmenangaben - über 5 Millionen Mannstunden erforderlich waren. Auf NCSS 3200-Computern können Anwender nun selber im Hause mit eigenem Realtime- und Datenbank-Betrieb die Programme fahren, die vorher über Leitungen auf den Jumbos abgewickelt wurden. NCSS offeriert diese zu IBMs Betriebssystemen und Compilern vollkompatible Computer-Serie offensichtlich nicht in erster Linie, um den Anwender mit IBM-Programmen das Umsteigen zu erleichtern, sondern um die eigenen, für IBM-Systeme geschriebenen Software-Pakete als Problemlösungen bei bisherigen Service-Kunden verkaufen zu können. Damit wird in einem Marketing-Konzept die Hardware erstmals zum Anhängsel der Software. Ein Meilenstein!

Das Pendel schlägt zurück

Für die Verkaufsstrategie der konkurrierenden Hardware Hersteller ergibt sich daraus konsequenterweise, daß die Zeit wohl nun endgültig vorbei ist, in der man kommerziellen Kunden exzellente Hardware verkaufen konnte, um dann den Anwender mit unzulänglichen Betriebssystemen, fehlenden höheren Sprachen und ungenügender Datenbank Software und vor allem ganz ohne Anwendungs-Programme allein zu lassen. Bei dem immer geringer werdenden Anteil der Hardware-Kosten an DV-Lösungen wird der Software-Anbieter zunehmend interessanter als der Hardware-Produzent.

Auch Service-Rechenzentren sollten diese Entwicklung interessiert verfolgen. In der jahrelangen Debatte "eigenes System oder DV außer Haus?" wirkte der Hardware-Preisverfall sicherlich in jüngster Zeit zugunsten von "In-Haus-Entscheidungen", wird aber - bei anhaltendem Trend - künftig die "Problem-Löser" wieder begünstigen.

Übrigens: Die Entwicklung wird vermutlich nicht lange auf die USA beschränkt bleiben. Man staune: Der Hersteller der NCSS 3200-Serie, die auch anderen OEM-Unternehmen angeboten wird, ist die Firma Two-Pi-Co. - eine Tochter des holländischen Philips-Konzerns.

Großanwender die für dezentralisierte Lösungen IBM-kompatible Satelliten brauchen, größere Rechenzentren und langfristig planende Softwarehäuser, dürften sich für die Adressen interessieren: Two-Pi-Co. 1050 East, Duane Avenue, Sunny Vale, Calif. 94086 National CCS Ing., 542 Westport Ave., Norwalk, Conn. 06851.