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21.01.1994

Hardware-Anbieter favorisieren Windows fuer Workgroups 3.11 Starre OS/2-Politik gefaehrdet Big Blues Technologievorsprung

MUENCHEN (ade) - Schlechte Aussichten fuer IBMs Windows-Edition von OS/2 2.1. Bei Hardware-Anbietern zeichnet sich der Trend ab, von Windows 3.1 auf die Netzvariante Windows fuer Workgroups 3.11 (WfW) umzusteigen. Das von Big Blue als Waffe gegen Microsofts Windows- Dominanz genannte 32-Bit-Betriebssystem ist jedoch in Kombination mit WfW nicht einsetzbar und somit seiner urspruenglichen Anwendungsbasis beraubt.

Die Chancen IBMs schwinden, mit OS/2 2.1 fuer Windows (Codename Ferengi) ein konkurrenzfaehiges Produkt gegen das vom Erzrivalen Microsoft fuer fruehestens Mitte 1994 versprochene Windows 4 (Codename Chicago) in die Hand zu bekommen. Die geplante Doppelstrategie, einerseits keine Lizenzen mehr an die Gates- Company entrichten zu muessen und andererseits Anwender von Windows 3.1 mit dem Argument der 32-Bit-Funktionalitaet der OS/2-Edition auf Big Blues Seite zu locken, verfehlt offensichtlich ihr Ziel.

Der Grund fuer Big Blues gedaempfte OS/2-Aussichten liegt bei Microsoft und dessen Abkommen mit den Distributoren sowie Hardwareherstellern. Die Anbieter gehen dazu ueber, ihre Rechner ausschliesslich mit Microsofts WfW 3.11 anstelle der langsameren Version 3.1 von Windows auszustatten. Rund 30 OEMs in den Vereinigten Staaten haben bereits angekuendigt, sowohl angebotene Server- als auch Desktop-Systeme ab sofort nur noch mit WfW 3.11 bereitzustellen.

Auch hierzulande verstaerkt sich dieser Trend. Ueber 80 Prozent aller deutschen Distributoren und Hersteller, die Rechner mit einem vorinstallieren Windows-Betriebssystem ausliefern, schenken ihr Vertrauen jetzt WfW 3.11, erklaert Ruth Bachmann, Pressesprecherin der Microsoft GmbH, Unterschleissheim. Dazu gehoeren Anbieter wie Peacock, SNI oder Vobis. Windows 3.1 ist derzeit nur noch ueber den Einzelhandel an den Mann zu bringen. "Es gibt fast kein Windows 3.1 mehr, das lizenziert wird. Alle Hersteller wechseln auf Windows fuer Workgroups 3.11", konstatiert Bachmann.

Bestaetigt wird diese Aussage vom Lowcost-Anbieter Escom. Laut Pressesprecher Wilfried Heise, liefert der Discounter derzeit ausschliesslich Rechner mit dem Netz-Betriebssystem. "Das ist der Trend bei den Hardware-Anbietern", prophezeit Heise, "und zwar solange, bis Windows 4 erhaeltlich ist."

Diese Entscheidung der Anbieter koennte dem kuenftigen Windows- Engagement der IBM jedoch den Garaus machen. Nach Angaben der CW- Schwesterpublikation "Computerworld" ist sowohl die Installation als auch die Ausfuehrung der OS/2-Edi- tion im Zusammenhang mit dem Netz-Betriebssystem WfW 3.11 nur mit erheblichen Einschraenkungen moeglich. So lasse sich das Windows-OS/2 nicht mit dem 32-Bit- Filesystem von WfW 3.11 in Einklang bringen.

Den Umschwung der Hardware-Anbieter hat die IBM anscheinend regelrecht verschlafen: Obwohl Big Blue bereits mit den Kompatibilitaetsproblemen konfrontiert wurde, ist mit einem entsprechenden Update fuer OS/2 2.1 fuer Windows in naechster Zeit nicht zu rechnen: "Solange wir keine groessere Nachfrage fuer WfW feststellen, werden wir keinerlei Anstrengungen unternehmen, Funktionen fuer dieses Betriebssystem bereitzustellen", machte ein IBM-Sprecher gegenueber der "Computerworld" die vorgesehene Strategie klar. Auch Erika Fritz, Pressesprecherin der Frankfurter IBM-Niederlassung Personal Software Products (PSP), haelt ein jetziges WfW-Engagement fuer taktisch unklug: "Sollen wir noch laenger warten, nur um ein Produkt zu unterstuetzen, dass noch nicht in Massen verkauft wird?", fragt sich die IBM-Sprecherin. Langfristig hingegen, sei eine Kompatibilitaet zu WfW durchaus denkbar.

Insider spekulieren jedoch, Big Blue koenne aufgrund der im Herbst 1993 beendeten Lizenzvereinbarung mit Microsoft keine Unterstuetzung der OS/2-Edition fuer WfW 3.11 gewaehrleisten, da kein Quellcode des Netz-Betriebssystems vorliege. Fritz dementiert diese Geruechte: WfW 3.11 weise keine weitreichenden Aenderungen zu Windows 3.1 auf. "Das ist eine einfache Peer-to-peer-Verbindung".

Die IBM-Entwickler haben jedoch anscheinend noch einen zweiten gravierenden Aspekt bei der Konzeption der OS/2-Ausfuehrung vernachlaessigt. An einen Einsatz von OS/2 2.1 fuer Windows auf Festplatten, die mit Microsofts MS-DOS-Funktion "Double Space" komprimiert sind, ist nicht zu denken, berichtet die "Computerworld" unter Berufung auf Testresultate. MS-DOS 6.2 gehoert jedoch zum inoffiziellen Einrichtungsstandard auf derzeit gelieferten PC-Systemen. Im Gegensatz zu den US-amerikanischen Windows-Usern, die bereits jetzt Zugriff auf IBMs OS/2-Edition haben, werden deutsche Interessenten von OS/2 2.1 fuer Windows noch mindestens bis zur diesjaehrigen CeBIT warten muessen.