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14.02.1986

Hardware-Erweiterung:Viel Qualität für wenig Geld einkaufen:

Um Hardware-Erweiterungen kommt kein Anwender herum. Die Planung dafür sollte jedoch erfolgen, bevor der Speicherplatz zu klein und die Rechnerzeit zu langsam wird. Doch nicht immer reicht das vorgesehene Budget für Neugeräte. Viele DV-Leiter sind deshalb dazu übergegangen, Gebrauchtteile oder sogar ganze Gebrauchtanlagen zu installieren. Dies ist zwar kostengünstiger, birgt aber auch Risiken. DV-Leiter Wolfram Brümmer von der Badischen Stahlwerke AG, Kehl: "Störungen im laufenden Betrieb können schnell die paar beim Kauf gesparten Mark aufzehren." Auch sieht die Geschäftsleitung nicht immer auf Anhieb die Notwendigkeit einer Erweiterung. Für die DV-Profis bedeutet das, sich auf harte Verhandlungen einrichten zu müssen. Resümiert Josef Fromme von der Hesse GmbH in Hamm: "Solange eine optische Kontrolle besteht, können Verhandlungen noch relativ einfach sein. Muß aber ein zusätzliches Megabyte her, weil Antwortzeiten zu wünschen übriglassen, kann es kritisch werden." bk

Wolfram Brümmer

DV-Leiter, Badische Stahlwerke AG, Kehl

Die erste Etappe für eine beabsichtigte Hardware-Erweiterung beinhaltet, den Antrag bei der Geschäftsleitung - gut formuliert und begründet - vorzutragen. Eine gute Begründung ist im Prinzip eine Anforderung für eine Erweiterung des DV-Leistungsumfangs durch eine Fachabteilung.

Etwas schwieriger zu begründen ist eine reine Aufstockung zwecks Performance-Verbesserung. Im Prinzip wird jedoch eine Geschäftsleitung, die grundsätzlich die Einführung der DV beschlossen und angepackt hat, bei vorhandenem Budget auch Erweiterungen zustimmen. Gegebenenfalls werden Erweiterungen in das nächste Geschäftsjahr vertagt.

Da ein DV-Leiter mit seinem vorgegebenen Budget auskommen muß, zwingt man ihn natürlich, sich umzusehen, um soviel Qualität wie möglich für sein Geld zu bekommen.

Ein Drehen an der Leasingrate ist möglich, kann jedoch zum Bumerang werden, wenn die Vertragslaufzeiten zu lange angesetzt werden. Insbesondere, wenn nur weitere Komponenten an ein bestehendes System angefügt werden. Es kann einem sonst passieren, daß man dann noch Laufzeiten an der Peripherie hat und den Zentralrechner austauschen muß. Im schlimmsten Fall paßt nichts mehr zusammen.

Eine weitere Methode, Geld zu sparen, ist der Einsatz von Gebrauchtteilen. Hier muß man unterscheiden hinsichtlich der möglichen Lieferanten. Es gibt heute schon einen regen Gebrauchtcomputermarkt mit zum Teil kompetenten Händlern mit technischer Unterstützung, aber auch Händler, die nur Teile auf- und verkaufen.

Gebrauchtteile einzusetzen ist ein risikoreiches Geschäft, und Störungen im laufenden Betrieb können schnell die paar beim Kauf gesparten Mark aufzehren.

Gebrauchtteile sollten nur vom Hersteller des Rechners gekauft werden mit einer Garantie über dieselbe Laufzeit wie beim Neuteil. Zum Beispiel würde ich gebrauchte Elektronikplatinen vorzugsweise nehmen, da hier kaum eine Gefahr besteht, daß Abnutzung vorliegt.

Von mechanischen Peripheriegeräten, speziell im Druckerbereich, würde ich dagegen abraten.

Eine weitere Möglichkeit, dies jedoch nur im beschränkten Maße, sind praktisch

fabrikneue Geräte, die etwa zwei bis drei Monate als Vorführgeräte in einem Demozentrum standen, zu kaufen. Auch hier geben die meisten Hersteller eine Garantie wie auf Neuteile und Preisnachlässe.

Möglich ist auch, durch Kooperation mit DV-Leitern, die dieselbe Anlage haben, eine Art Einkaufsgenossenschaft zu bilden, um in den Genuß von Mengenrabatten zu gelangen.

Natürlich kann man auch über Rahmenverträge besondere Bedingungen herausarbeiten. Dies setzt jedoch voraus, daß man eine relativ sichere mittelfristige Planung über die Hardwareinstallation hat.

Es ist sicher von Vorteil, seinem zuständigen Vertriebsbeauftragten gewisse Kenntnisse aus der eigenen Planung zukommen zu lassen, damit er einen besser beraten kann, speziell im Hinblick auf neue Produkte, gegebenenfalls günstige Gelegenheiten, die sich aufgrund von anstehenden Preisänderungen ergeben. Je nachdem heißt es zugreifen oder warten.

Eine sicherlich nicht zu unterschätzende Schwierigkeit ist dann die Termingestaltung. Die Wunschvorstellungen der Fachabteilung mit der dahinterstehenden Geschäftsleitung decken sich nicht immer mit den Liefermöglichkeiten des Herstellers. Speziell wenn man neue Produkte bestellt, deren Freigabe für den Endbenutzer sich verzögert, weil beim sogenannten Beta-Test noch Probleme auftraten.

Als DV-Leiter sollte man bei solchen Produkten die Versprechungen des Herstellers nicht unbedingt an die Fachabteilung weitergeben; man kommt sonst in unnötigen Zugzwang, aus dem man sich nicht befreien kann. Selbst bei sozusagen lagerhaltigen Produkten schlage ich immer eine Sicherheitsmarge zu, da nicht unbedingt mit dem Eintreffen des Gerätes auch ein Techniker zur Verfügung steht. Die meisten Hersteller geben Störungsbehebungsmaßnahmen den Vorzug vor neuen Installationen. Dagegen ist als DV-Leiter nichts zu sagen, nur schmerzt es, wenn man gerade installieren will.

Zusammenfassend möchte ich feststellen: Eine Hardware-Erweiterung ist ebenso einfach oder schwierig wie das Umräumen eines Büros oder ein Umzug oder die Umgewöhnung an ein neues Fahrzeug. Irgendwann muß man sich umstellen, man muß sich darauf vorbereiten. Wenn die Geräte da sind, muß man sich daran gewöhnen und den Einsatz konsequent überwachen. Eines steht fest: Die nächste Erweiterung kommt bestimmt, und wir sind dabei.

Bernd Fichtner

Org./DV-Leiter, Rugenberger Großbäckereien GmbH & Co.KG, Moers

Unsere Hardware-Erweiterungen zentral wie auch dezentral orientieren sich in erster Linie an den abgeschätzten Veränderungen der direkt mit der täglichen Frischdienst-Geschäftsabwicklung anfallenden Datenmenge, die erfaßt, verarbeitet, gespeichert und ausgewertet werden müssen; in zweiter Linie an geplanten Projekten.

Hauptrechner- und Plattenspeicher-Erweiterungen planen und realisieren wir in Zeiträumen von drei bis vier Jahren, Peripherie-Erweiterungen (Bildschirme, Drucker) innerjährlich nach tatsächlichem Bedarf.

Bei der Jahresplanung des Budgets sind Peripherie-Erweiterungen eingeplant und eigentlich kein Thema, das die Geschäftsführung beschäftigt da die Beträge relativ unwesentlich sind. Da wir zentral mit einem IBM-Rechner 4341 und dezentral mit mehreren Nixdorf 8860 arbeiten, kommt hinzu, daß auch kostengünstigere Fremd-Hardware angeschlossen werden kann - und auch wird.

Hauptrechner- und Platten-Erweiterungen erfolgen zunächst tatsächlich nur, wenn die Leistungsgrenze nahezu erreicht ist. Da wir bei Rechner-Umstellungen weder Betriebssystem-Umstellungen noch Anwendungs-Software-Umstellungen gleichzeitig machen wollen, sind wir zur Zeit mit der Serie 4341 in der Situation, daß wir eine gebrauchte (zwei Jahre an anderer Stelle in Betrieb gewesene) größere 4341 deutlich kostengünstiger nutzen können. Eine solche Umstellung (die auch noch erwartungsgemäß problemlos durchgeführt wurde) ist denn auch keine Geschäftsführungs-Entscheidungs-Angelegenheit, sondern bestenfalls informativen Charakters (das Budget wird niedriger).

Voraussichtlich können wir in drei Jahren ähnlich kostengünstig auf eine 4381 (gebraucht, dann wohl auch zwei bis drei Jahre alt) umstellen.

Projektbezogene Hardware-Erweiterungen werden innerhalb der Projektzielsetzung und Projektwirtschaftlichkeit gerechnet und entschieden - projektbezogen, von der Geschäftsführung. Die Durchführung fällt dann wieder in den Rahmen des oben erwähnten. Dazu ist für uns die Ausbaubarkeit in der IBM- und Nixdorf-Welt flexibel und ausreichend genug. Selbstverständlich wäre es schöner, alle zwei Jahre das neueste Modell mit nie genutzten Reserven für die nächsten fünf Jahre zu installieren. Das jedoch belastet das DV-Budget und berechtigt - ja verpflichtet sogar - Geschäftsführer und Vorstände, ätzende Fragen zu den Kosten der nicht genutzten Reserven zu stellen.

Josef Fromme

DV-Leiter, Hesse GmbH Lack und Beizenfabrik, Hamm

Hardware-Erweiterung wird immer dann notwendig, wenn die Software noch will, aber nicht mehr kann, weil kein Platz oder keine Zeit für "Datenverarbeitung" da ist. Platz steht für Speicherplatz, Ein-/Ausgabeplatz, Zeit steht für Rechnerzeit, Ansteuerungszeit, Verarbeitungszeit. Wie und wann kommt es zu solchen Platz- und Zeitproblemen?

Als Beispiel ein zwar nicht alltäglicher, aber für alle nachvollziehbarer Vergleich: Die DV gleiche einem Schreibtisch. Was packt man nicht alles in einen Schreibtisch. Da wird alles mögliche verwahrt, abgelegt zum Wiederfinden (beziehungsweise Wiedersuchen), vom Anspitzer über Kaffeetasse, Schnürsenkel, Nagellack, die Schubladen werden voll und voller. Alternative: Aufräumen, ausmisten, neu zurechtlegen oder einen größeren Schreibtisch (in den dann meistens alles fein säuberlich übertragen wird).

Sie merken schon, das sind DV-Probleme, wobei Zweiflern noch gesagt sei, diese Gedanken stammen aus dem Jahre 1986, nicht etwa aus 1975, denn auch heute gibt es noch zu viele Erweiterungen nach der geschilderten Art. Eine Straffung, Umorganisierung und Überarbeitung des DV-Bereiches wird eine Erweiterung nicht immer aufheben können, aber ein Aufschub und damit eine akzeptable Terminierung ist da schon ein großer Fortschritt.

Lassen wir diese Fälle aber jetzt außer acht und wenden uns leistungsabhängigen Erweiterungen zu. Dabei muß ich ergänzen, daß es sich hierbei um Anlagen handelt, deren Schwerpunkt Dialogprogramme bilden. Ich behaupte: Bei Dialoganlagen muß die Hardware-Erweiterung schon vor dem Einsatz der Anlage mitkonzipiert und -terminiert werden. Nach und nach werde ich die einzelnen Betriebsbereiche erst mit Bildschirm und Arbeitsplatz- druckern ausstatten können; in diesem Falle gibt die individuelle Softwareerstellung den Ausschlag bei der Terminierung. Parallel dazu müssen dann die systemspezifischen Erweiterungen (Arbeitsspeicher, Platte) erfolgen.

Oft höre ich von Fällen, daß nichts mehr geht, und man müsse sich jetzt endlich zusammensetzen und eine Entscheidung herbeiführen. Zu spät, zu teuer, kann ich da nur sagen. Dieser Stillstand in der DV ist nur schwer aufzuholen und fördert nicht gerade das angeschlagene Image dieser Branche. Ich frage mich auch: Kann ich es verantworten, an den Bildschirmsachbearbeiter höhere Anforderungen zu stellen (achten Sie bitte bei der Verarbeitung auf das und das), der DV-Kiste aber den alten T zu lassen, weil "Platzprobleme" vorhanden sind, die nicht bewältigt werden? Ein paar Gedanken zum leidigen Thema der Rechtfertigung von Erweiterungen gegenüber der Geschäftsleitung: Solange eine optische Kontrolle besteht - man sieht also die Erweiterung in Form eines Bildschirms oder Arbeitsplatzdruckers und Menschen, die damit arbeiten - können Verhandlungen noch relativ einfach sein. Muß aber ein zusätzliches Megabyte her, weil Antwortzeiten zu wünschen übriglassen, dann kann es kritisch werden. Ich muß mich auf harte Verhandlungen mit der Geschäftsleitung einrichten, was aber nichts besonderes ist. In jeder kleinen Firma (Familie) Heimcomputer werden solche Verhandlungen zwischen Sohn (DV-Leiter), der seine Floppy zusätzlich anschließen möchte, und dem Vater (Geschäftsleitung), der die Sache finanzieren soll und muß, bis zum bitteren Ende durchgeführt.

Vorsicht, wenn Sie die Theorie vom "billigen Einstiegsmodell" serviert bekommen: Werfen Sie ein scharfes Auge auf die "PIatzreserven". Da kann von heute auf morgen ein gesetzlich verordnetes Auszeichnungsgebot von Produkten verordnet werden, das umfangreiche Rechenformeln und Auswertungsverfahren beinhaltet; aus der Chefetage ist zu hören, unsere DV kann das alles - wer will da als DV-Leiter gerne widersprechen - und schon wird unser Einstiegsmodell zum Ausstieg. Natürlich führe ich Preisvergleiche durch, wenn ich Hardware benötige, allerdings muß ich grundsätzlich zur Mietdifferenz auch Störanfälligkeit Wartungsaufwand und Ausfallzeit (wann wird das Ding fertig?) berücksichtigen, wenn ich mich bei anderen Herstellern oder auf dem Gebrauchtwarenmarkt umsehe. Prinzipiell verhandle ich zuerst mit dem Hersteller und danach handle ich mit ihm: Dies sei zur Nachahmung empfohlen.