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08.06.1979 - 

Bayerisches Kultusministerium holt Angebote über Schulcomputer

Hardware-Preisverfall fest im Kalkül

MÜNCHEN (CW) - Mangels einer geeigneten Peripherie sind Personal Computer derzeit noch nicht in der Lage, zusätzlich zu ihrem Einsatz im Informatik-Unterricht auch Aufgaben der Schul-Administration zu übernehmen. Diese Auffassung vertritt das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus (siehe dazu den Bericht "Personal Computer vor dem Einzug in die Schule" in dieser Ausgabe). Mit seinem in der Schlußphase befindlichen Versuchsprojekt "Mikrocomputersysteme in der Schule" will das Ministerium zweierlei erreichen: Den Schülern soll modernste Technologie nahegebracht werden, und außerdem sollen Schulen im gesamten Freistaat EDV-Ausrüstung erhalten - gefördert durch den Preisverfall an der Hardware-Front. Kurzfristig betrachtet sind die Personal Computer mithin draußen vor der Tür geblieben und werden nicht als "echte" Schulcomputer fungieren, sofern man den Resultaten des Versuchs Endgültiges beimißt. In einem Schreiben, das das Ministerium 79 potentiellen Schulrechner-Lieferanten zuleitete, heißt es unter anderem:

Im Schuljahr 1977/78 wurde der Versuch "Schuleigener Computer für den multifunktionalen Einsatz" eingeleitet) der sich auf folgende Anwendungsgebiete erstreckt:

Einsatz im Unterricht:

- Unterricht in Informatik beziehungsweise Datenverarbeitung (Computer als Unterrichtsgegenstand)

- Computereinsatz bei Rechnungen und Simulationen in verschiedenen Fächern (Computer als Unterrichtsmedium)

- Rechnerunterstützter Unterricht (Übungsprogramme)

- Auswertung von Tests, Prüfungen und Versuchen, Einsatz in Verwaltung und Beratung

- Führen einer Schülerdatei (Erstellen von Listen und Statistiken, Bedrucken von Notenbogen, Zeugnissen und ähnlichem)

- Führen einer Kollegstufendatei (Kurswahl, Kursbildung, Leistungsdaten)

- Unterstützung von weiteren Verwaltungstätigkeiten (Stundenplan, Textverarbeitung)

Dabei kann bereits jetzt vor Abschluß des Versuches gesagt werden, daß mehrere derzeit auf dem Markt befindliche Kleincomputersysteme es ermöglichen, die genannten Projekte damit durchzuführen. Allerdings erlauben es die derzeitigen Preise dieser Systeme noch nicht, eine breiter gestreute Einführung anzustreben. Um einerseits unter Ausnützung des Preisverfalls auf dem Hardware-Markt wesentlich preisgünstigere und daher eventuell für ein landesweites Verfahren um Betracht kommende Systeme zu erhalten, und um andererseits den Schulen die Möglichkeit zu bieten, ihre Schüler in die neueste Technologie einzuführen, soll bei der Weiterführung des Versuchs geprüft werden, inwieweit sich auch Mikroprozessorsysteme für die Abwicklung der genannten Tätigkeiten eignen. Außerdem wird erwogen, gegebenenfalls billigere, aber doch stabile Peripheriegeräte von unterschiedlichen Herstellern zu berücksichtigen.

Nach den Erfahrungen des bisherigen Versuchs kommen die folgenden, nach Möglichkeit aufwärts kompatiblen Systemkonfigurationen als Schulrechner in Frage:

1) Einfacher Informatik-Rechner

bestehend aus

- Datensichtgerät (Tastatur, Bildschirm oder Video-Elektronik mit Fernseher)

- Zentraleinheit (Mikroprozessor) mit mindestens 8 K freiem Hauptspeicher

- Externer Permanentspeicher (mindestens Kassettenlaufwerk, besser Minifloppy)

- Betriebssoftware (Betriebssystem; Mikroprozessor-Assembler; höhere Programmiersprache auf möglichst hohem Strukturniveau (beispielsweise Pascal, Elan , mindestens Basic, selbstverständlich mit den üblichen mathematischen Funktionen und Operationen; Programmeditor: etc.

Darüber hinaus ist es wünschenswert, daß man durch gegebenenfalls nachträglichen Kauf von weiteren Peripheriegeräten zu komplexeren Systemen (siehe unten) kommen kann.

2) Komfortabler Informatik- und Verwaltungsrechner bestehend aus

- Datensichtgerät (siehe 1)

- Zentraleinheit mit mindestens 16 K freiem Hauptspeicher

- Doppellaufwerk für Disketten (mindestens 250 K pro Laufwerk, erwünscht größere Kapazität)

- Betriebssoftware (siehe 1; dabei. muß die Programmiersprache Befehle für Zeichen- und Dateiverarbeitung enthalten; ebenso sind Dienstprogramme für die Diskettenbearbeitung notwendig)

- Drucker mit rund 100 Zeichen pro Sekunde und 132 Zeichen pro Zeile (alternativ 80 Zeichen pro Zeile)

Darüber hinaus sind folgende Optionen wünschenswert:

- Kartenleser für Markierungskarten (Stapelkartenleser bevorzugt)

- Übertragung des Bildschirminhalt auf Schulfernseher

- Plottmöglichkeit (eventuell kombiniert mit Drucker)

Ausgehend von den beiden vorstehen aufgeführten Rechnern bieten sich zwei Alternativen für ein Schulrechnersystem an:

3) Vierplatzsystem bestehend aus

- vier Datensichtgeräten (siehe 1)

- Zentraleinheit mit etwa 48 bis 64 K Hauptspeicher

- Doppellaufwerk für Disketten (mindestens 250 K pro Laufwerk)

- Betriebssoftware (siehe 1 und 2; zusätzlich Multi-User-Betrieb)

- Drucker (siehe 2)

- zusätzliche Erweiterungsmöglichkeiten (siehe 2)

4) Dezentrales System bestehend aus

a) drei einfachen Informatik-Rechnern (siehe 1)

b) einem komfortablen Informatik- und Verwaltungsrechner (siehe 2), zusätzlich einem mit den bei a) erstellten Datenträgern kompatiblem externem Permanentspeicher (beispielsweise für indirekte Druckausgabe)

Soweit die Firma Systeme oder Systemteile in ihrem Vertriebsprogramm führt, die zur Realisierung der genannten Rechnersysteme geeignet sind, darf um ein Angebot gebeten werden, wobei vor allem auf die folgenden Punkte eingegangen werden soll:

- Eingehende Leistungsbeschreibung der einzelnen Teile (technische Daten; so etwa Leistung des Prozessors, Zugriffszeit auf Disketten, Sprachumfang, Genauigkeit bei numerischen Rechnungen)

- Welche kompatiblen Schnittstelle für Fremdperipherie stehen zur Verfügung?

- Soweit einzelne Systemteile nicht oder nur unzureichend oder zu leistungsfähig (und damit zu teuer) angeboten werden:

- Welche Firma kann zu welchem Preis diese Systemteile liefern?

Wer würde in diesem Fall die Generalunternehmerschaft für die Gesamtkonfiguration übernehmen?

- Welche Wartungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung? (Dabei wird für Schulen ein Full-Service-Wartungsvertrag aus Kostengründen oft nicht in Frage kommen. Daher sollen auch andere Alternativen angegeben werden, so etwa eine sichere, vom Anwender bedienbare Wartungs- und Test-Software, die es ermöglicht, defekte Teile zu lokalisieren und die Wartung im Austausch per Postversand durchzufahren.)

Es ist geplant, im Rahmen des Schulversuchs bis zu acht Schulrechnersysteme der Konfiguration 3) oder 4) zu beschaffen, wobei gegebenenfalls mehre Hersteller berücksichtigt werden. Da über hinaus wird das Angebot auch de für den Kauf von Informatikrechner durch Schulen zuständigen Beratung stellen zur Verfügung gestellt. Als Liefertermin ist der September 1979 vorgesehen.