Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

26.09.1980 - 

Experten aus der Praxis diskutieren mit Bifoa:

Hardware, Software und "No-Know-Where"

Über 50 verschiedene Personal-Computersysteme werden von weit mehr als 200 Distributoren in der Bundesrepublik Deutschland angeboten. Permanent drängen neue, aus dem Bereich der Büromaschinen bekannte Hersteller wie Olympia, Philips oder Triumph Adler auf den Markt. Dies ist ein deutliches Indiz dafür, daß diese Unternehmungen das Absatzpotential "Personal Computer, Büro- und Verwaltungsbereich" erkannt haben. Das Bifoa nahm im Rahmen eines Fachseminars diesen Anlaß, über die mit dem Einsatz der Personal Computer verbundenen Probleme mit Experten und Interessenten aus der Wirtschaftspraxis zu diskutieren.

Der bundesdeutsche Markt für Personal Computer ist geprägt durch eine schnell expandierende Anbieterschar: Computershops, Kaufhäuser, Versandhandel, Computerzubehörhandel, Radiofachgeschäfte, spezielle Ladenketten und Büromaschinenhändler. Jeder dieser Vertriebswege hat unter dem Aspekt, Käufer kommerzieller Anwendungsgebiete anzusprechen, mit spezifischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Computershops importieren ihre Geräte meist direkt über Geschäftspartner in den USA. Das führt häufig zu langen Wartezeiten, bis ein genau spezifizierter Auftrag vollzogen ist. Bei Defekten kann - obwohl die Hardware der Personal Computer sehr zuverlässig ist und keine präventive Routinewartung wie Großrechner benötigt - die Ersatzteilbeschaffung langwierig sein. So garantieren nur zwei von zehn in der Zeitschrift CHIP befragte Mikrocomputeranbieter Reparaturzeiten von weniger als 24 Stunden. Das dauert zu lange für kleine Unternehmungen, wo mittels eines Personal Computers zeitkritische Arbeiten wie Angebotserstellung, Mahnwesen und Lohnberechnung durchgeführt werden. Büromaschinenhändler, Radiofachgeschäfte und Kaufhäuser kooperieren im Regelfall mit renommierten Herstellern, so daß die Bereitstellung eines Ersatzgerätes im Defektfalle kein Problem darstellen dürfte. Während jedoch in den Computershops auch "Computerfreaks" die Verkaufsberatung übernehmen, ist der "normale Verkäufer" im Bürofachhandel oder Kaufhaus mit der Beratungsfunktion überfordert. Er ist gewohnt, sich selbst erklärende Geräte wie Schreibmaschinen oder Diktaphone anzubieten.

Analyse im Jargon

Der Verkauf von Rechnern für betriebswirtschaftliche Anwendungen induziert aber eine eingehende Analyse der betrieblichen Voraussetzungen. Nur sie erlauben Aussagen hinsichtlich der benötigten Hardwarekonfiguration . " Computerfreaks" mögen dazu befähigt sein. Erlaubt ist jedoch die Frage, ob sie den potentiellen Kunden nicht nur in einer Informationsflut ertränken, sondern auch durch überflüssigen DV-Jargon (Beispiel: Monitor statt Bildschirm) verprellen. Personal-Computer-Kauf erscheint daher für den DV-Laien noch so lange als Vabanquespiel, wie Hersteller und Anbieter keine allgemein verständliche Terminologie entwickeln und benutzen können.

Betrachtet man Personal Computer für kommerziellen Einsatz als Massengeschäft, so suchen weder der Anwender in einer Fachabteilung noch der Kleinunternehmer "nackte" Hardware. Sie wollen nicht selbst programmieren, sondern brauchen fertige Problemlösungen. Gelänge es den Hardwareproduzenten in Kooperation mit Softwarehäusern, eine möglichst umfangreiche Palette solcher Problemlösungen anzubieten, dann könnte das Terminologiedilemma vermieden werden. Der Kaufinteressent würde beispielsweise in einem zweiwöchigen Praxistest prüfen, ob das angebotene System seinen Anforderungen entspricht. Voraussetzung wäre eine Anwendersoftware, die in Stufen vom Laien- zum Expertendialog führt, wie sie beim Textverarbeitungsprogramm Wordstar realisiert sind. Einen Ansatzpunkt für die Entwicklung kompletter Systemlösungen stellt die sogenannnte Querschnittsoftware dar. Es handelt sich hier um Programme, die mit eventuell nur geringen Anpassungen in allen Branchen eingesetzt werden könnten. Zu den Beispielen zählen Textverarbeitung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Finanzbuchhaltung.

MDT-Fehler nachgezogen

Leider wird auf dem Personal Computer-Markt gegenwärtig der einstige Fehler der MDT-Anbieter nachvollzogen: Man produziert und verkauft Hardware und hofft auf ein automatisch entstehendes Softwareangebot. Nicht zu Unrecht, wie sich jedermann an Softwareverzeichnissen in Aktenordnerstärke bei jedem Anbieter überzeugen kann. Nur sind dies größtenteils Spiele oder von Hobbyprogrammierern auf den eigenen Betrieb ausgerichtete Programme, die nicht übertragen werden können. Softwareberatung können die Distributoren nicht leisten, denn:

1. siehe oben

2. Qualitätsprüfung der Software mit anschließender Freigabe für den Händlerkreis führen nur einige Hersteller durch.

Hobbyisten nähren Hoffnung

Andererseits weckt in einer mittelfristigen Perspektive gerade die sehr junge Hobbyistengeneration berechtigte Hoffnungen. Hier wächst ein gewaltiges Potential an zukünftigen Hardware- und Softwarespezialisten heran, so daß der gegenwärtige Flaschenhals des DV-Personalmarktes beseitigt werden wird, der als Wachstumsschranke der DV-Anwendung im allgemeinen gesehen werden muß. Keine Gebrauchsanleitung und keine Hardwaresicherung schützen momentan den unerfahrenen Personal-Computeranwender, ungewollt durch Herausnahme von Disketten aus den Laufwerken oder durch Betätigung der Reset-Taste während zu langer Sortierprozesse, Dateien zu zerstören. Frustration und Ablehnung der DV werden die Folge sein.

Kurzfristig kann deshalb nur die intensive Schulung potentieller Personal-Computer-Käufer durch unabhängige Institutionen, diese Erstanwendungsprobleme überwinden. Die Grundbegriffe der DV vermitteln sie ebenso wie den praktischen Umgang mit Kleincomputern. Deren Leistungsfähigkeit ist selbst unter DV-Spezialisten unbestritten. Davon konnten sich auch die Teilnehmer des Bifoa-Fachseminars in einer Präsentation von 14 Systemen - teilweise auch sehr unbekannte deutsche Entwicklungen- überzeugen. Die Überlebenschancen solcher oft als Exoten abgewerteten Entwicklungen auf dem Markt liegen in Spezialanwendungen. Erstanwendern aus Service- und Wartungsgründen wird oft empfohlen, alteingeführte Personal Computer zu erstehen. Bedauerlicherweise wie es Professor Szyperski (Bifoa) formulierte, denn letztendlich impliziert die ausschließliche Konzentration auf renommierte Systeme die Vernichtung des innovativen Potentials in kleinen und mittleren deutschen Unternehmungen. Dies bedeutet, daß nur noch ausländische Entwicklungen angeboten werden und die Bundesrepublik selbst zum Entwicklungsland der Personal-Computer-Technologie und Anwendung wird.

Frank Luther ist Gruppenleiter des am Betriebswirtschaftlichen Institut für Organisation und Automation an der Universität zu Köln (Bifoa) durchgeführten und von der Stiftung zur Förderung der Forschung für die gewerbliche Wirtschaft geförderten Projektes Etico, in dem Möglichkeiten und Probleme beim Einsatz von Personal Computern in kleinen Unternehmungen untersucht werden.