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17.12.1982

Hardware verstellt Blick auf Softwarefehler:Ergonomiediskussion zu vordergründig

ZÜRICH (sg) - Seit das Schweizer Fernsehen vor Wochen einmal in einer seiner in der Regel von hohen Einschaltquoten gekennzeichneten "Kassensturz"-Sendungen die Bildschirm-Arbeitsplätze ergonomisch unter die Lupe genommen hat, ist dieses Thema in der Schweiz in aller Munde.

Von dem durch besagte Fernsehsendung ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückten Schweizer Ergonomie-Papst, Prof. Dr. med. E. Grandjean von der Abteilung für Hygiene und Ergonomie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) stammt der Kernsatz: "Die Ergonomie kann sich sowohl positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Menschen auswirken als auch seine Leistungsfähigkeit und Produktivität steigern." Kein Computer- oder Gerätehersteller, der etwas auf sich hält, kann mehr darum herum, sich diesem Thema in irgendeiner Weise zu stellen.

Nachdem es also eine erste Welle der Infragestellung aller ergonomischen Gesichtspunkte seitens der Ergonomen, der Arbeitsplatzpsychologen und dergleichen Theoretiker gegeben hat, melden sich nun nicht etwa, wie zu erwarten gewesen wäre, die Verbraucher, also die an den Bildschirmen arbeitenden Personen zu Wort, sondern die Produzenten und Vertriebsgesellschaften. So vergeht kaum eine Woche, in der nicht wenigstens in einem Seminar oder sonstwie ein ums andere Mal ein Hersteller die seiner Meinung nach in seinen und nur in seinen Systemen verwirklichten ergonomischen Gesichtspunkte klar hervorzuheben versucht.

Und immer nur steht die Hardware im Vordergrund der ergonomischen Beweisführung, was, wie man nicht erst seit heute weiß, eben nur einen Teilaspekt darstellt. Daß die ergonomische Frage indes auch eine Sache der Software sein kann, wird dabei nur allzugern vergessen. Ja vielleicht sogar, da das Thema Software ohnehin kein Ruhmesblatt der Informationsverarbeitung abgibt, bewußt ausgelassen.

Natürlich ist ein Hardware-ergonomisch gestalteter Bildschirm-Arbeitsplatz sehr wichtig. Es darf aber nicht vergessen werden, daß zum Beispiel auch die "Gestaltung" der darauf ablaufenden Programme die Arbeit beziehungsweise die Arbeitshaltung am Bildschirm ebenso negativ wie positiv entscheidend beeinflußt.

In diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert ist zum Beispiel die vielzitierte Bedienerführung im Dialog mit dem Bildschirm, die, obwohl für den Arbeitsablauf von Bedeutung, nur selten wirlich voll und ganz den ergonomischen Erfordernissen Rechnung trägt.

Allein der Umstand, daß an sich als Einheit gedachte Arbeitsvorgänge hierin eine uneinheitliche und an die Arbeitstechnik der Bildschirm-Bedienung nur ungenügend angepaßte Darstellung erfahren, ist dabei von Übel. Daß diese überdies häufig auch noch die keineswegs geschätzte Handschrift ihrer diversen Urheber, nämlich der von ergonomischem Gedankengut noch unbeeinflußten Programmierer, tragen, macht die Bedienerführung in der Regel auch nicht besser.

Weiter sind die zumeist programmierbaren, Aufmerksamkeit verlangenden Praktiken, wie Hell-dunkel-Kontrast, Bildumkehrung oder gar blinkende Darstellung, die heute doch allerorts für Fehleranzeigen an Bildschirm und dergleichen Funktionen gang und gäbe sind, alles andere als ergonomisch zu nennen. Nur werden sie eben noch nicht, auch wenn man diese längst als solche erkannt hat, auch angeprangert.

Denn wo kämen wir hin, wollten wir auch nach "ergonomischer Gestaltung der Software" verlangen? Wo es für den Augenblick doch noch um einiges leichter ist, bei den hardwaretechnischen Gegebenheiten die als notwendig erachteten ergonomischen Änderungen zu vollziehen. Zumal diese immer noch klarer und vor allem augenfälliger ergonomisch meßbar und damit quantifizierbar sein werden.