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10.06.1994

Hardwarehersteller auf dem Vormarsch Hewlett-Packard entdeckt das lukrative Beratungsgeschaeft

MUENCHEN (CW) - Mit Dienstleistungen will DV-Allrounder Hewlett- Packard in Zukunft viel Geld verdienen. Die Kalifornier aus Palo Alto planen weitreichende Umstrukturierungsmassnahmen, um ihren Marktanteil an diesem lukrativen Geschaeft drastisch zu erhoehen.

HPs neugegruendete Abteilung fuer Systemintegration, die Solu- tion Integration Group, will laut ihrem Chef Michael Leavell in diesem Jahr 900 Millionen Dollar einnehmen. Derzeit rangiert HP mit einem Marktanteil von 1,5 Prozent und einem Umsatz im Jahr 1993 von 700 Millionen Dollar auf Rang zehn der weltweit umsatzstaerksten DV- Dienstleister.

In Zeiten von sinkenden Margen bei Hard- und Software weichen insbesondere Geraetehersteller auf den Beratungssektor aus, dem eine glaenzende Zukunft prognostiziert wird. Das Marktforschungsunternehmen Dataquest beispielsweise schaetzt, dass 1993 Umsaetze in Hoehe von 65 Milliarden Dollar mit Computerservices erzielt wurden. Fuer die naechsten fuenf Jahre erwarten die Analysten Steigerungsraten von 15 Prozent jaehrlich.

Europaeische Firmen unter "ferner liefen"

Spitzenreiter der Dataquest-Liste ist mit 12,5 Prozent Marktanteil die General-Motors-Tochter EDS, gefolgt von IBM mit 11,1 Prozent (ohne Federal Systems, die verkauft wurden). Mit Andersen Consulting (4,8 Prozent) und Digital Equipment (4,4 Prozent) liegen weitere US-Firmen im Vorderfeld. Der einzige europaeische Vertreter unter den Top Ten rangiert mit 3,7 Prozent auf Platz fuenf - die franzoesische Cap Gemini Sogeti S.A. Von den Japanern schaffte nur Nippon Telegraph den Sprung unter die besten Zehn und findet sich mit 3,2 Prozent Marktanteil hinter Cap Gemini auf Rang sechs.

HP-Mann Leavell steht mit 4100 Mitarbeitern und weiteren 17 500 Angestellten in den HP-Servicezentren bereit, hilfesuchenden Unternehmen Loesungen insbesondere im Client-Server-Bereich zu verkaufen. Zunaechst hat man die HP-Kundschaft im Visier. Dabei will sich die Truppe, wie das "Wall Street Journal" meldet, auf vier Industriezweige spezialisieren: Telekommunikation, produzierendes Gewerbe, Finanzdienstleister und die Automobilindustrie.

Skeptisch beurteilen jedoch amerikanische Analysten HPs Entscheidung. Das "Wall Street Journal" zitiert Stephan McClellan von Merrill Lynch mit den Worten: "Man braucht eine Servicementalitaet fuer dieses Geschaeft." Ausserdem haetten es Hardwarefirmen, insbesondere Neuankoemmlinge, schwer, so das Blatt weiter, sich gegen die etablierten Beratungsfirmen wie EDS oder die Consulting-Tochter von Arthur-Andersen zu behaupten. Diese Unternehmen koennten auf lange, erfolgreiche Beratungstaetigkeit mit Grossfirmen zurueckblicken, und man traue ihnen Objektivitaet zu, da sie keine eigenen Hard- oder Softwareprodukte anbieten. Ins Gerede gekommen ist IBMs Integrated Systems Solutions Corp., die angeblich mit Dumping-Preisen Kunden gewinnen wollte, was aber dementiert wird.

Hewlett-Packard glaubt sich dennoch geruestet fuer den Ausbau des Geschaeftsbereichs, da man seit Jahren erfolgreich an Grossabnehmer liefere und zudem ueber ein umfangreiches Know-how im Schulungsbereich verfuege. Die Kalifornier unterhalten weltweit rund 40 Ausbildungsstaetten, in denen Kunden mit neuen HP-Geraeten vertraut gemacht werden. Ausserdem steht zu vermuten, dass die Nummer zwei der DV-Branche die Preise von unabhaengigen Integratoren unterbieten, dafuer aber weniger rechtsverbindliche Garantien uebernehmen wird. Wie die deutsche Niederlassung von Hewlett-Packard die US-Plaene umsetzen wird, ist noch nicht geklaert.