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26.02.1988 - 

In Fachabteilungen liegt für Unix ein großes Potential:

Hardwareunabhängig läßt es sich leichter dezentralisieren

Der Betriebssystemstandard Unix ist bereits im weltweiten DV-Markt zu einem bedeutsamen und unverzichtbaren Faktor geworden. Die Bemühungen der Hersteller haben gefruchtet: spektakuläre Aufträge wurden placiert. Auch die mittleren Anwender interessieren sich immer mehr für Unix. Die Software-Industrie stellt Anwendungen bereit, und Unix-lnstallationen dringen in kommerzielle Anwendungsbereiche vor.

Die strategische Bedeutung von Unix ist dem Markt bewußt geworden. Gleichzeitig unterstreicht Unix durch seine deutliche Verbreitung auf Abteilungsebene einerseits den Trend zur Dezentralisierung und andererseits den Stellenwert eines einheitlichen Betriebssystems in diesem Umfeld. Um es vorwegzunehmen: Der größte Unix-Markt liegt in den Fachabteilungen vernetzter Organisationen.

Die Zukunft liegt in der Dezentralisierung

Mehr Durchsatz und mehr Beweglichkeit in der Informationsverarbeitung ist nur durch Dezentralisierung zu erreichen. Ein DV-Konzept, in dem die Mainframes immer komplexer und unflexibler werden und immer mehr Arbeitsplätze zentral versorgen müssen, ist bei dem Wachstum der nächsten Jahre nicht mehr haltbar. Aus Gründen der Performance und der Flexibilität wird die Verteilung für alle großen Anwender zum Muß. Studien sagen voraus, daß die Gesamtzahl der in Europa installierten Bildschirm-Arbeitsplätze von heute 8 Millionen auf bis zu 30 Millionen im Jahre 1991 steigen wird. Die Unterstützung dieser Arbeitsplatzwelt wird zum großen Teil von Abteilungssystemen geleistet. Die Zukunft liegt also unzweifelhaft in der Dezentralisierung, das heißt in der Verteilung der Ressourcen.

Kein Hersteller kann für jeden Bereich das Optimum bieten

Wie sieht dieses Szenario aus und welche besonderen Forderungen müssen berücksichtigt werden? Die Komponenten einer auf Verteilung zielenden Systemumgebung lassen sich in fünf Ebenen darstellen: zentrale Hosts, verteilte Bereichsrechner, Arbeitsplatzsysteme sowie die Netzwerkebenen zwischen Host und Abteilungsrechner, zum Beispiel SNA, und im Inhouse-Bereich ISDN, Ethernet, Token und MAP. Dabei treten die Standardisierungsfragen sowie offene und veröffentlichte Architekturen immer mehr in den Vordergrund, um den herstellerunabhängigen Aufbau integrierter Systeme verschiedener Anbieter zu ermöglichen. Kein Hersteller wäre in der Lage, in jedem Bereich das Optimum zu installieren. Es geht zunehmend um standardisierte Gateways, Brücken und Schnittstellen zwischen dezentralen Systemen, Nebenstellenanlagen, Hosts, WANs (Wide Area Network) und LANs vieler Anbieter

Der Nutzen eines Bereichs- oder Arbeitsplatzrechners wird aber erst dann erreicht, wenn er mit anderen Systemen auf einem hohen Service-Level Informationen austauschen kann. Das setzt die Technik verteilter Datenbanken und verteilter Transaktionen voraus. Das strategisch richtige Vorgehen erwartet also nicht nur auf der Netzwerkebene Standards, sondern auch im unternehmensweiten Datenmanagement. Der herstellerunabhängige, offizielle Standard in der Datenbankwelt bezieht sich auf die Schnittstelle SQL.

Leistungsstarke und integrationsfähige Abteilungsrechner innerhalb des Ebenenmodells erfordern zusammen mit einem standardisierten Informations-Management und der Unterstützung der vorhandenen Netzwerke entsprechende Betriebssysteme. Hier wurde in der Vergangenheit die Diskussion geführt, ob es neben IBM-orientierten Betriebssystemen Produkte geben wird, die sich weltweit auf der Abteilungsebene durchsetzen und den Charakter eines herstellerunabhängigen Standards erlagen werden. Und es ging um die Frage, ob man mit einem einzigen Betriebssystem sämtliche Aufgabenstellungen abdecken kann - was natürlich entsprechende Vorteile bietet - , oder ob der Anwender tatsächlich - wie im SAA-Konzept der IBM - mit mehreren, untereinander unverträglichen Betriebssystemen leben muß.

Für immer mehr Anwender heißt die Antwort auf diese Frage: Unix - das einheitliche und universelle Betriebssystem für den gesamten Funktionsbereich eines DDP-Systems - von der Workstation über mehrplatzfähige Mikrocomputer, hochleistungsfähige Superminis für mehr als 200 Benutzer bis hin zum fehlertoleranten Multicomputersystem.

Im Abteilungsumfeld forciert die Computerindustrie das Betriebssystem Unix als grundlegende Schlüsselkomponente offener Systeme. Die Anwender honorieren diese Aktivitäten mit wachsenden Unix-Umsätzen, da sie eine verbesserte und Hardware-unabhängige Portabilität ihrer Anwendungen und mehr Unabhängigkeit von einem einzelnen Hersteller erwarten. Die Software-Industrie setzt auf Unix, da sie eine einzige Anwendungsversion an viele Kunden verkaufen kann, die Unix-Hardware unterschiedlicher Architekturen und Leistungsklassen installiert haben - vom PC bis zum Mainframe. Der Aufwand für Software-Entwicklungen wird reduziert, die Investitionen werden langfristig

Ein Computerhersteller, der heute im DDP-Markt nicht Unix anbietet kann morgen vor ernsthaften Absatzproblemen stehen. Unix wird zunehmend in die Ausschreibungen von Behörden und Großunternehmen aufgenommen und wird zur Conditio sine qua non. Die größte Anwendergruppe, die sich heute für Unix entschieden hat, sind die öffentlichen Verwaltungen.

Marktanalysen des auf die DV-Branche spezialisierten Marktforschungsunternehmens IDC, International Data Corp., beziffern die Anzahl der im Jahre 1986 ausgelieferten Unix-Systeme in West-Europa mit zirka 50 000 Einheiten. Im Jahre 1990 sollen nach Schätzungen von IDC weltweit über zwei Millionen Computer mit Unix ausgestattet sein.

Was sind die Gründe für die beeindruckende Verbreitung von Unix? Sicherlich lassen sie sich nicht mit technischen Argumenten erklären - insbesondere nicht im kommerziellen Anwendungsbereich. Unix ist konzeptionell ein gutes Betriebssystem, aber Unix-Systemlieferanten wissen, daß sie viele Mannjahre investieren müssen in die Bereitstellung marktgerechter Kommunikations- und Netzwerksoftware, Datenbanksysteme, Sprachen oder Benutzeroberflächen, um auf Basis dieses Betriebssystems eine moderne und komfortable Anwendungsumgebung zu entwickeln.

Der Grund für die Akzeptanz ist vielmehr im strategischen Bereich zu sehen. Unix ist heute der einzige definierte, veröffentlichte und für jeden Interessierten zugängliche Betriebssystemstandard, der eine internationale Bedeutung hat und unabhängig von einem einzelnen Hersteller ist. Die Gründe für Unix als Betriebssystemstandard liegen in der einfachen Portierbarkeit des Betriebssystems sowie in Unix-basierenden Anwendungen auf Quellcode-Ebene.

Allerdings ist ein Standardbetriebssystem nur der erste Schritt zu offenen Systemen und portabler Software. Um diesem Ziel entscheidend näherzukommen, bedarf es einer wesentlich umfassenderen Lösung. Für portable Anwendungen sind neben dem Betriebssystem Unix auch anwendungsnahe Systemkomponenten

zu standardisieren. Genau diesen Weg geht die X/Open-Gruppe. Das Ziel von X/Open ist die Definition und Durchsetzung einer einheitlichen Anwendungsumgebung, die portable Anwendungssoftware und

integrationsfähige Systeme gewährleistet. Der X/Open-Standard definiert alle Komponenten, die für portable Software relevant sind, wie Betriebssystem, Sprachen, Datenmanagement, Netzwerke, Internationalisierung oder Benutzer-Interfaces. Und Unix ist immer die Basis.

So sieht der Markt heute bereits übereinstimmend Unix als Industriestandard im Bereich der Abteilungsrechner. Durch die starke Verbreitung von Unix in diesem Markt hat sich ein beachtliches Potential von Dienstleistungen um das Betriebssystem herum gebildet. Allen voran das sogenannte Third-Party-Softwareangebot. Neben Anwendungspaketen für den kommerziellen und technisch-wissenschaftlichen Bereich wächst die Zahl der Angebote anwendungs- oder systemnaher Software wie Datenbanken, Kommunikations- und Netzsoftware, Textverarbeitung, Grafiksoftware, Expertensysteme oder Entwicklungs-Werkzeuge. Am Beispiel "Datenbanken" kann man leicht nachvollziehen, daß die technologie- und marktführenden Produkte heute bereits unter Unix verfügbar sind. So kann zum Beispiel ein Anwender der Nixdorf Targon/35 neben dem relationalen Datenbanksystem Reflex unter Datenbanksystemen wählen wie Informix, Ingres, Oracle, Progress, Sybase oder Unify. Voraussetzung allerdings ist, daß diese Produkte auch in den jeweiligen Ländern von entsprechenden Anbietern unterstützt werden.

Im Bürobereich hat Unix noch große Chancen

Insgesamt ist zu erkennen, daß Unix sich mehr und mehr aus den traditionellen technischen Anwendungen löst und verstärkt in den kommerziellen Bereich vordringt. Immerhin sind inzwischen Eigenschaften wie Datenbanken, Cobol, Kommunikationsfähigkeit zu Hostsystemen und endbenutzergeeignete Benutzeroberflächen sowie Anwendungssoftware verfügbar. Unix-Projekte sind vorwiegend den Bereichen der Büroautomatisierung, Informationsanwendungen und der Produktion zuzuordnen.

Beispiel Büro: Der Markt bietet Unix-Lösungen für jede Unternehmensgröße und jede Organisationsform. Unter diesem Dach sind zum Beispiel Textverarbeitung und die Archivierung von Dokumenten sowie ihr Versand als elektronische Post, verschiedene öffentliche Informationsdienste, Grafikverarbeitung und die Datenverarbeitung integriert.

Beispiel CIM: Ein wesentliches Anwendungsfeld für Unix ist die Fabrik - die industrielle Automatisierung: Systemintegration in sämtlichen Bereichen reichen der Fertigung, vom Auftrag bis zum Versand.

Auch bei Banken und Versicherungen oder bei Handelsunternehmen sowie bei mittelständischen Unternehmen nehmen dringt Unix verstärkt vor. Zahlen über Installationen, sondern die Tatsache, daß Meinungsbildner aus strategischen Gründen in Unix investieren, wenn neue Aufgaben zur Lösung anstehen.

Der überwiegende Teil der Unix-Aktivitäten fand bisher im Bereich der kleineren Mehrplatzsystem statt. Die verbreitete Meinung, daß Unix sich nur auf kleineren und mittleren Mikrocomputern durchsetzen werde, ist allein auf das frühere Angebot der Hersteller zurückzuführen und ist in keiner Weise technisch, in künftigen Marktforderungen oder in dem nunmehr aktuellen Angebot begründet. Die Anbieter haben größere Systeme für mehr als 100 Benutzer mit Unix bereitgestellt.

Hersteller müssen noch in Infrastrukturen investieren

Insofern wird sich das Installationsbild bezüglich Einsatz und Systemklassen verändern. Jedoch ist die Bereitstellung der Unix-Infrastruktur noch nicht abgeschlossen und erfordert weiterhin von den Herstellern bedeutende Investitionen - insbesondere in Anwendungen, Netzwerk- und DBMS-Software sowie in Support-Personal und in Vertriebsorganisation.

Um es abschließend auf den Punkt zu bringen: Unix ist auf Abteilungsebene und im Rahmen der fortgeschrittenen Dezentralisierung heute der einzig praktikable Weg zur Hardware- sowie Herstellerunabhängigkeit und zu offenen Systemen, um zukünftige Investitionen in komplexe DDP-Lösungen langfristig zu schützen. Allerdings ist der weitere Erfolg von Unix stärker als zuvor an anwendungsorientierte Voraussetzungen gebunden. Die Einsicht ist mittlerweile, daß nicht Betriebssysteme oder sonstige Systemkomponenten heute noch Differenzierungsmerkmale schaffen, sondern allein die Qualität der Produkte, die Dienstleistungen und das angebotene Lösungsspektrum.