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Kaum rollt der NetViewPC-Zug, da dampft auch schon die OSI-Lokomotive

Harte Zeiten für Netzwerkmanager

08.04.1988

Wer sicherstellen will (oder muß), daß er im richtigen Netzwerkmanagement-Zug sitzt, der hat es im Moment nicht leicht. Dies gilt gleicherweise für Anwender wie für Hersteller von DV-Anlagen. Platzkarteninhaber jedenfalls gibt es bereits genug, und Trittbrettfahrer natürlich auch - wie immer, wenn sich etwas Spektakuläres zu tun scheint. Eine zumindest auf den ersten Blick heitere Betrachtung der Netzwerkmanagement-Szene von Paul Hoffmann, Geschäftsführer der Datakom GmbH, Ismaning.

Es gibt viel zu tun für Netzwerkspezialisten in den nächsten Jahren. Ein kleiner Auszug aus der Ereignis- und Aufgabenliste:

Die digitale und analoge Weit wächst mehr und mehr zusammen. Oder anders ausgedruckt: ISDN! Die Rolle des Managers Dataprocessing ist nicht mehr von der des Telecom-Managers zu trennen. Die meisten Computer arbeiten bald irgendwo (und irgendwie) in einem Netzwerk, was bedeutet: mindestens doppelt soviele Enduser im Netzwerk wie momentan. Und aus den vielen Computerterminals und PCs wird das vielzitierte Multifunktionsterminal und, und, und.

Ob "de facto" -Standard (NetView oder NetView/PC) oder sogar "echter" Standard wie OSI: Es kann nicht schaden, schon früh genug mit dabeizusein. Wir unterstützen ihn, "den" Standard, hört man aus fast allen Lagern der Hersteller. Ob er gut ist,oder wie im Falle OSI, noch gut wird, das ist nicht die Frage. Ein Standard ist weder gut noch

schlecht, ein Standard ist eben ein Standard. Damit

muß man leben.

"SNA oder Standards nützen allen". Dem einem mehr, dem anderen eben weniger. Übertragen auf den rollenden NetView/PC-Zug

kann man das Ganze auch folgendermaßen sehen: Das ist es, was IBM sich eigentlich vorgestellt hat. Ja wenn es denn unbedingt sein muß, dann bitte ein Multi-Vendor-Netzwerk. Und dann natürlich auch unter der Kontrolle von Big Blue. Wofür diverse Netzwerkmanagement-Systeme, wenn NetView/PC doch alles kann?

Die Hersteller sehen das Ganze schon etwas differenzierter: Das eigene Netzwerkmanagement aufgeben - nie! An IBM berichten - das schon eher. Zumal sich sowas gut verkaufen läßt.

Doch was bedeutet das alles für den Benutzer, sprich Netzwerkmanager, aber auch für den Enduser und natürlich für den, der dafür in die DV-Kasse greifen muß? Aber warum sich darüber allzu viele Gedanken machen. Vielleicht merkt er es ja

gar nicht.

Wie "gut", sowas funktioniert, dafür ist NetView respektive NetView/PC ein gutes Beispiel. Ein völlig neues besseres Netzwerkmanagement-System entwickeln? Warum? Ein Regenschirm über alles Alte und ein neuer Name hinzugefügt reicht doch.

Messungen in der Praxis zeigen nicht selten, daß zum Beispiel eine 3090, ausgerüstet mit sämtlichen Überwachungstools inklusive RTM (Response Time Monitoring), Transaction-Traces etc. schon mal bis zu 30 Prozent an Troughput einbüßen kann. Oder anders ausgedrückt: um 30 Prozent schlechtere Antwortzeiten als ohne solche Tools.

Herstellerunabhängiges Netzwerkmanagement

Gemessen am Preis für eine solche Maschine oder nur dem für die verlorengegangenen 30 Prozent, hören sich die monatlichen Lizenzgebühren für diese schönen Managementtools von Big Blue wie ein Taschengeld an. Vorteil des Ganzen: Die Lizenzgebühren erscheinen im Budget, die verheizten 30 Prozent des 3090 oder eines anderen Mainframe-Modells fast nie. Es sei denn, es mißt jemand nach oder merkt es sonstwie.

Der Kampf mit den C-Listen (Insider sprechen davon, daß sich vergleichbare Probleme mit anderen Netzwerkmanagement-Tools bis zu zehnmal schneller als mit IBMs C-Listen erschlagen lassen) erscheint ohnehin nur als Manntage- beziehungsweise Mannjahrewert. Ohne Vergleich beziehungsweise Bewertung.

Die userfeindliche Benutzeroberfläche, sprich den Zahlenfriedhof, ist man ja inzwischen gewöhnt. Nicht so tragisch also, wenn noch ein paar Dutzend Kolonnen dazukommen, produziert von Non-IBM-Komponenten.

Realität oder Wunschtraum? Schon jetzt haben nicht wenige Anwender gelernt, daß NetView/PC, hart ausgedrückt, nicht mehr als nur ein Engineering Prototyp-Modell ist (Zitat von Mr. Redman, Gartner Group, USA) und daß es andere gute Produkte am Markt gibt, mit deren Hilfe man zumindest weitgehend auf alles "Gute" von IBM verzichten kann und wo außerdem noch die Benutzeroberfläche stimmt.

Das Problem: Es geht darum, ohne viel Zeitaufwand die seriösen Anbieter von den Sprücheklopfern und NetView- oder OSI-Trittbrettfahrern zu unterscheiden. Wer als Insider so die Produktankündigungen und Verlautbarungen liest, lernt im wahrsten Sinne das Staunen oder das Fürchten.

Sogar Hersteller, die gestern noch solide 32-Bit-Rechner im technisch-wissenschaftlichen Bereich verkauft haben, geben plötzlich vor, das ganze Netzwerk, auch das kommerziell orientierte von IBM, managen zu können. Zumindest aber ist man kompatibel, was immer das bedeutet.

Die Multiplexer, Modems oder LANs im Netz werden plötzlich zum Mittelpunkt des ganzen Netzwerks und damit natürlich zum Manager. Der aufgrund des IBM 3745 Front-und-Prozessor-Konzepts (Two Engine-Maschine) fast arbeitslos gewordene Matrixswitch (das redundante Backup einschließlich des Rerouting macht die IBM ja jetzt selbst) schreit nach Ersatzbeschäftigung. Was bleibt: Kabelmanagement? Ja, aber gleich so teuer.

Dann eben Netzwerkmanagement. Erfahrungen im Bereich SNA-Netzwerküber-wachung beziehungsweise -steuerung? Kein Wort davon. Was man nicht hat, kann man eben schlecht verkaufen.

Schlagworte wie Redundanz, Userfreundlichkeit, Leistungsfähigkeit lassen sich da schon besser verkaufen. Zum Glück gibt es - für ganz besonders kritische Kunden - Installationszahlen, die aussagen, wie viele Installationen es von diesem Hersteller schon gibt und vor allem wie lange schon.

Standards benutzen bedeutet die Freiheit, in neue Technologien einsteigen zu können, ohne bereits getätigte Investitionen zu vergeuden.

So gesehen ist OSI als Netzwerkmanagementstandard eigentlich keine Frage. Genauer betrachtet tauchen jedoch ein paar Probleme auf: OSI-Standards sind nicht komplett, so daß irgendein Produkt, das heute darauf basiert, notwendigerweise herstellereigene geschützte Protokollschichten beinhalten wird. Also doch noch kein Standard.

Dazu kommt noch, daß OSI sich als ein Standard im Bereich der Sprachübertragung und der heterogenen Netzwelt herauszukristallisieren scheint. Nicht aber im SNA-Bereich. Dort gibt es eben NetView/PC.

Und wenn IBM es doch schafft, das Ganze mit OSI zu verheiraten? Warum nicht? Wie gesagt: Hoch lebe der Overhead.

Reports a la OSI für den Anwender

Der Anwender berichtet an und erhält Reports vom Netzwerkmanagementsystem a la OSI. OSI wiederum berichtet an NetView/PC, NetView/PC an die gute alte Welt der IBM-Tools (NCCF, NPDA,...). Warum eigentlich nicht? Dann eben noch eine 3090 für den Overhead. Das füllt die Kassen. Nicht möglich?

Wer wie IBM ein solches Meisterstück schon auf der Ebene 1 nach ISO schafft, nämlich jahrzehntelang den Kabelwildwuchs fördert (Koax, Twinax, Ringleitung, B-Loop-Kabel ... ), um das Ganze dann auf Kosten der Anwender wieder auf einen Kabelstandard (Twisted Pair und IBM Verkabelungssystem) zu bringen, der ist auch für einen oder mehrere Streiche ein paar Ebenen höher im ISO-Modell gut. Viel Spaß beim Netzwerkpuzzle. Versuchen Sie es mal. Vielleicht paßt das Ganze doch irgendwie zusammen.