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27.06.1975

Harte Zeiten für Service-Rechenzentren

Man kennt die Werbesprüche der Service-Rechenzentren: "Weil es vernünftiger ist, einen Computer zu nutzen, als ihn zu besitzen". Oder auch: "Nicht jeder, der gelegentlich Transporte auszuführen hat, muß einen Lastkraftwagen erwerben oder gar eine Eisenbahn bauen". Oder den: "Man muß nicht unbedingt einen Kuh besitzen, wenn man gelegentlich Milch trinken will".

Die drei Argumente, die derlei Sprüche untermauern, sind ebenso klar:

- Das Preis/Leistungsverhältnis von EDV-Anlagen ist - wie bei allen Maschinen - um so günstiger, je größer die Anlage gewählt ist.

- Die Personalkosten sind bei kleineren EDV-Systemen wesentlich höher als bei Großrechnern.

- Service-Rechenzentren betreiben ihre Anlagen durchschnittlich über mehr als zwei Schichten, diese bessere Maschinenauslastung wirkt sich auf die Preisgestaltung aus.

Einerseits die Großen, andererseits MDT

Trotzdem geht es der großen Mehrzahl der rund 400 deutschen Service-Rechenzentren eher schlecht als gut. Und derzeit sieht es aus, als ob der Wettbewerb noch härter würde.

Um die ganz kleinen Kunden (durchschnittliche Auftragshöhe monatlich unter 500 Mark) bemühen sich mit immer verbessertem Service die Großen der Branche, etwa die Datev, die Taylorix-Organisation, das Rhein-Main-Rechenzentrum und immer noch die Datel, sowie einige andere Überregionale, die nach der Devise "KIeinvieh macht auch Mist" den "Rechenzentren um die Ecke" - im Branchenjargon auch "Tante-Emma-Laden" genannt -, viel Umsatz entreißen konnten.

Um die Kunden, die monatlich 2000 bis 3000 Mark für die Fakturierung und Betriebsabrechnung ausgeben können, bemüht sich verstärkt die MDT. Das bisherige Argument, daß man mit Magnetkontokarten-Anlagen keine größeren Datenbestände auswerten könne, zieht nicht mehr. Mit der Präsentation preiswerter MDT-Systeme mit Platten- oder Floppy Disk-Ausstattung durch nahezu alle führenden Kleincomputer-Hersteller und jüngst auch durch die IBM sind nunmehr schon für monatlich 2500 Mark Anlagen verfügbar, die - weil sortierfähig - auch anspruchsvollere Auswertungen wie Betriebsanalysen oder Deckungsbeitragsrechnungen erlauben. Und zwar am Ort, sofort.

Konkurrenz durch Anwender

Bei den wenigen großen Etats (monatlich 10 000 Mark und mehr) gibt es zunehmend Konkurrenz durch EDV-Anwender, die auf ihren nicht ausgelasteten Großanlagen Blockzeiten vermieten. Die Preise werden dabei oft nach der Devise kalkuliert, daß jede zusätzliche Mark ja bereits echte Einnahme ist, - entsprechend niedrig sind hier vielfach die Angebote. Dem Kunden wird zwar kein Service geboten, indes, wer in dieser Größenordnung "fremdrechnet", hat meist auch das Software-Know-how (vielfach aus Zeiten, da man selber noch eine Anlage hatte), oder weiß es sich zu beschaffen. Diese "schmutzige Konkurrenz" wird in dem Ausmaß immer stärker, wie EDV-Chefs sich fragen oder gefragt werden, ob sie ihre Anlage nicht noch besser nutzen können.

Für die Vielzahl der Service-Rechenzentren wird der Wettbewerb zudem noch härter durch spezialisierte Rechenzentren, die für jeweils eine Branche komplette integrierte Software-Lösungen anbieten. Der Vorteil spezieller Auswertungen ersetzt hier den Nachteil der Entfernung. So gibt es auch Abwanderungen an die Spezial-Branchen-Rechenzentren, - etwa für den Kfz-Handel, für die Bauwirtschaft, für den Lebensmittelhandel und für viele andere Wirtschaftszweige

Remote Batch will Intelligenz vor Ort

Fazit: Die Service-Idee ist gut und bleibt gut. Daraus wird aber erst dann ein blühendes Geschäft, wenn tatsächlich Großrechner der Service-Rechenzentren Kleinanlagen beim Anwender ablösen, indem sie den gleichen Service bei geringeren Infrastruktur-Kosten bieten. Diese Idee wird sich jetzt erst durchsetzen, da die technischen Voraussetzungen für Remote Batch-Lösungen mit billiger Intelligenz vor Ort gegeben sind. Manch unwirtschaftlicher Mittelklasse-Rechner wird geschlachtet werden.

Das "Tante-Emma-RZ um die Ecke" hat keine Chancen. Wer es nicht glauben will, schaue über den Atlantik. Man kann dergleichen aber auch hierzulande bei den Großkonzernen beobachten.