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16.03.2001 - 

Kolumne

"Hassenswerte Besserwisser"

Christoph Witte, Chefredakteuer CW

"Ich hab dir gleich gesagt, dass das nicht funktionieren kann": Solche Sätze haben das Zeug, Freundschaften und Geschäftsbeziehungen ziemlich abrupt zu beenden. Dennoch mussten mutige Gründer sie im vergangenen Jahr immer wieder anhören, wenn aus ihrem Dotcom ein Dotgone wurde oder zu werden drohte. Meistens sitzt der Nachrufer dabei in einem recht bequemen Bürostuhl in einer ziemlich alteingesessenen Firma, auf dem er sich gegen neun Uhr in der Früh niedergelassen hat und von dem die Welt aus ziemlich unveränderlich und simpel erscheint. Dort fühlt er sich sicher, alles andere erscheint ihm unüberschaubar und deshalb gefährlich.

Mit der sich in den letzten Monaten rapide verschärfenden Krise der Internet-Startups und deshalb im Gefühl des sicheren Triumphs haben diese Stuhlmenschen begonnen, ihre Häme etwas zu verbergen (dann macht das Feixen und Händereiben noch mehr Spaß, außerdem weiß man ja nie...). Statt dem "Ich hab''s ja schon immer gewusst", leiern sie jetzt den Spruch vom "großen Veränderungspotenzial" runter, das Internet und E-Business für Unternehmen und die gesamte Ökonomie hätten. Das erscheint ihnen allgemein genug und lässt den an der Aktienbaisse leidenden Investoren, die ihnen vielleicht zuhören, noch Raum für ein klitzekleines Fitzelchen Hoffnung. Aber in Wirklichkeit glauben die Schreibtischhengste nicht einmal daran.

Würden sie jedoch offenen Auges ihre Büros verlassen, könnten sie schon in ihren Vorzimmern bemerken, wie viel sich durch das Internet verändert hat. Dann wüssten sie, dass ihre Assistentinnen - angebahnt durch eine Online-Job-Börse - schon längst in regem E-Mail-Verkehr mit einem weniger bornierten Arbeitgeber stehen. Sie hätten längst gecheckt, dass bereits etliche Unternehmen ihre Büromittel über einen Marktplatz bestellen und so immenses Geld sparen. Vielleicht hätten sie sogar gehört, dass Firmen langsam beginnen, direkte Güter über Internet-Marktplätze oder E-Procurement zu bestellen, zumindest aber darüber nachdenken.

Doch davon bemerken diese Menschen nichts. Sie lesen nur im Wirtschaftsteil ihrer Tageszeitung, dass jetzt auch einer der letzten Stars der New Economy,Yahoo, eine Gewinnwarnung ausgegeben hat, weil die Werbedollars nicht mehr so üppig fließen. Dafür geht an ihnen spurlos vorüber, dass ihr eigenes Unternehmen durch schnellere, technisch besser aufgestellte Konkurrenten in schwere See geraten ist und sich von den unbeweglichen Besserwissern zu trennen beginnt.