Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.03.2003 - 

Henning Kagermann wird alleiniger Chef

Hasso Plattner: Rückzug in den Aufsichtsrat

HANNOVER (fn) - Schon länger wurde über Hasso Plattners (59) Rückzug aus dem Vorstand der SAP AG spekuliert, nun ist es amtlich: Der Mitgründer des Softwarekonzerns wechselt in den Aufsichtsrat. Alleiniger Vorstandssprecher wird Henning Kagermann (55). Diese Nachricht drängte die Produktankündigungen der SAP in den Schatten.

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Mitgründer Dietmar Hopp wird Plattner dem Gremium auf der nächsten Hauptversammlung am 9. Mai als Nachfolger vorschlagen.

Erstmals in der 31-jährigen Geschichte des Walldorfer Softwareriesen sitzt künftig kein Gründungsmitglied auf dem Chefsessel. "Es scheint der beste Zeitpunkt gekommen zu sein, das Tagesgeschäft komplett in die Hände von Henning Kagermann zu übergeben", kommentiert Plattner seinen Rückzug. Er hält zwölf Prozent der Firmenanteile, die etwa 2,6 Milliarden Euro wert sind.

Mit der Berufung von Shai Agassi, Chef des von SAP übernommenen Portalspezialisten Toptier, sowie dem Vertriebsvorstand Léo Apotheker kündigte sich bereits ein Wachwechsel im Konzern an. Agassi (34) steht für die Weiterentwicklungen in Richtung Internet, Java und Web-Services. So übernahm Agassi beispielsweise die Vorstellung der Infrastrukturplattform "Netweaver", eines Bundles aus Portalsoftware, Business-Intelligence- und Integrationsfunktionen sowie dem Java-fähigen "Web Application Server".

Der 1944 in Berlin geborene Hasso Plattner verließ im Jahr 1972 gemeinsam mit vier Kollegen die IBM und gründete SAP. Zunächst entwickelte die Firma Mainframe-Software. Ihr folgte das Client-Server-System R/3, das noch heute meistgenutzte Produkt des Herstellers.

R/3 läuft aus

Wie Plattner wird auch der Produktname R/3 künftig in den Hintergrund treten. Der Softwareanbieter stellte vergangenen Herbst das letzte Release "R/3 Enterprise" unter diesem Label vor. Damit verabschiedet sich SAP jedoch keineswegs aus dem ERP-Geschäft, vielmehr präsentierte der Konzern "Mysap ERP" als neue Business-Software. Sie umfasst mit R/3 Enterprise klassische ERP-Funktionen, die Infrastrukturkomponente Netweaver sowie Elemente der Applikationen "Mysap Human Resources" und "Mysap Financials". Damit gliedert sich das ERP-Produkt in die "Mysap Business Suite" (vormals "Mysap.com") ein.

Hatte der Anbieter in den letzten Jahren vor allem die Bedeutung von CRM- und SCM-Lösungen in den Vordergrund gestellt, um Spezialisten wie Siebel und i2 die Stirn zu bieten, so besinnt sich SAP mit Mysap ERP wieder seiner Wurzeln. "ERP war in Zeiten der New Economy ein Unwort, doch nun haben alle erkannt, dass niemand ein CRM-System einführt, wenn kein ERP-System vorhanden ist", sagte Henning Kagermann in einem Interview mit der CW.

Neben der Rückbesinnung auf ERP kündigte SAP Weiterentwicklungen in Richtung mobiles Computing an: Eine mit Hewlett-Packard und dem Mobilfunkanbieter Vodafone vereinbarte Zusammenarbeit zielt darauf ab, Anwendern einen mobilen Zugriff auf Business-Applikationen zu geben. Kern der Lösungen ist "Mysap Mobile Business", mit der sowohl SAP-eigene als auch Software von Drittherstellern für den Zugriff über Endgeräte wie PDAs und Notebooks ausgestattet werden soll. Der Kooperationspartner Hewlett-Packard erhofft sich durch die Zusammenarbeit mit dem Softwareriesen, Server-Systeme sowie Handhelds, Notebooks und Tablet PCs zu vermarkten. Geräte wie etwa Compaqs Kleinrechner "Ipaq" sind für den mobilen Anwendungszugriff vorkonfiguriert. Vodafone stellt die Mobilfunkverbindung bereit. Bisher hatten Firmen große Mühe, mobile Geräte mit zentralen ERP- und CRM-Applikationen zu verknüpfen, da sich die erforderliche Backend-Integration sowie die Unterstützung unterschiedlicher Endgeräte schwierig gestalteten.

Zu den Hoffnungsträgern der SAP zählt das Geschäft mit kleinen und mittelständischen Firmen. Die Walldorfer wollen unabhängige Softwareanbieter dafür gewinnen, branchen- beziehungsweise kundenspezifische Erweiterungen für die Software "Business One" zu schreiben. Für das in seinem Funktionsumfang eher schlichte Programm hat beispielsweise die deutsche Firma Weber Datentechnik ein Produktionsplanungs- und Kontrollsystem entwickelt. Ein solches Zusatzprodukt macht das SAP-Programm auch für Fertigungsbetriebe interessant. Mittelstandskonkurrenten der SAP verfügen meist über eigene PPS-Funktionen, die integraler Bestandteil ihrer Software sind. Ein weiteres Partnerunternehmen, Simultan aus der Schweiz, hat ein Anlagen-Management-Modul entwickelt.

Mit einem Software-Development-Kit soll es Partnern leichter fallen, die Business-One-Lösung an kundenspezifische Anforderungen anzupassen. Der Softwarekonzern konkurriert vor allem mit Microsoft, das mit Navision einen ERP-Hersteller nebst Vertriebsnetz erworben hat.