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07.07.1978

Hat sich das Verhältnis EDVTop-Management geändert?

Mit einer neuen Taktik gehen EDV-Leiter in Gespräche mit dem Top-Management: Sie akzeptieren Deutsch als Verhandlungssprache! Zudem haben diejenigen, die "auf dem Geld" sitzen, die EDV zu ihrer eigenen Sache gemacht - das Verständnis für Datenverarbeitung ist in den Vorstandsetagen enorm gewachsen. Insofern stimmt schon, was Branchenkenner behaupten: Das Verhältnis zwischen EDV und Geschäftsführung hat sich grundlegend geändert. Schließlich steht eine ganze Menge auf dem Spiel. Um Datenfernverarbeitungskonzepte zu realisieren und komplexe Datenbank-Management-Systeme zu implementieren, müssen zunehmend Geld und Manpower investiert werden. Dazu ist ein "Generalbebauungsplan" erforderlich, der von der Geschäftsleitung abgesegnet werden muß. Fazit: Ohne eine enge Zusammenarbeit von EDV, Fachbereich und Management geht es nicht!

Dr. Günter Bierfischer

Leiter der Datenverarbeitung, Maschinenfabrik Gebr. Claas GmbH, Harsewinkel

Das Verhältnis EDV-Chef/ Top-Management ist sicherlich davon abhängig, was die Geschäftsführung von der EDV als Führungsinstrument beziehungsweise als Mittel zur Rationalisierung hält. Mit dem Ansehen der EDV steigt auch das Image des EDV-Chefs. Wesentlich erscheint mir, daß die EDV-Mitarbeiter ihre Kollegen nicht mit EDV-spezifischen Fachausdrücken verunsichern sondern sieh der normalen deutschen Sprache bedienen.

Durch Information und Schulung müssen die Fachabteilungen immer mehr an die Datenverarbeitung herangeführt werden. Hierbei kommt uns der Dialogverkehr in Form des Bildschirms am Arbeitsplatz besonders entgegen. Plötzlich wird die EDV für den Sachbearbeiter interessant, weil er selber im Dialog mit dem Computer korrespondieren kann. Das mittlere Management - Werksleiter und Hauptabteilungsleiter - interessiert sich jetzt in verstärktem Maße für dieses Management-Instrument zwecks Information und Rationalisierung. Für unsere Produkte - Mähdrescher, Pressen und Futter-Erntemaschinen - werden über 1000 Programme für Stapelverarbeitungs- und Dialog-Betrieb eingesetzt, und das nicht nur im Bereich des Verkaufs und der Verwaltung, sondern auch im Bereich der Technik. In 40 Projekten unterstützen 25 Systemanalytiker und Organisationsprogrammierer die Gruppenarbeit, wobei die Projektleiter aus den Fachabteilungen kommen. Durch diese Gruppenarbeit ist das Verständnis für die EDV gewachsen. Fachabteilung und EDV diskutieren gemeinsam in einer Sprache das gleiche Problem und suchen gemeinsam nach einer Lösung. Das mittlere Management hat größtenteils erkannt, daß eine bessere Information und die Rationalisierung der Verwaltungsarbeit in erster Linie durch den Einsatz der EDV erreicht werden. Die gleiche Erkenntnis hat sich auch im Top-Management durchgesetzt - vor allem mit der Bestellung junger, neuer Geschäftsführer.

Wenn wir 10 oder 20 Jahre zurückblicken, ist der EDV heute der Durchbruch gelungen: Sie hat sich von einem Organisations-Instrument, das mit Schwachen behaftet war und als Fremdkörper betrachtet wurde, zu einer anerkannten Dienstleistungsabteilung entwickelt. Das Management identifiziert sich heute mit der EDV - es hat erkannt, daß es hier ein wesentliches Führungsinstrument zur Verfügung hat. Das Claas-Management - so wie es sich heute präsentiert - sieht es als Selbstverständlichkeit an daß die EDV unterstützend zur Information, Berichtswesen und Rationalisierungsmaßnahmen in starkem Maße mitwirkt. Die Black Box gibt es nicht mehr.

Dr. Onno Blumhoff

Direktor der Datenverarbeitung, Klöckner & Co, Duisburg

Ein Verhältnis muß sich doch wohl nur ändern, wenn es schlecht ist. Seit IBM 360-Zeiten - und wir haben verhältnismäßig früh eine 360/40 bekommen - gibt es genau festgelegte Verhaltensregeln zwischen EDV und Geschäftsführer: Die EDV hat ein Auftragsbuch, eine Preisliste und arbeitet wie eine eigene Dienstleistungsgesellschaft auf Kostendeckungsbasis. Das Budget der EDV wird mit der Geschäftsführung jährlich abgestimmt und monatlich (natürlich über EDV) mit dem "Ist" verglichen. Abweichungen werden umgehend erklärt.

Einmal im Jahr - im Januar - wird eine neue Preisliste herausgegeben. Preisveränderungen werden durch möglichst viele Marktvergleiche reglementiert - und so sind sie eigentlich noch nie von der Geschäftsleitung beanstandet worden (eher von den einzelnen Benutzern wie Abteilungen des Hauses und Tochtergesellschaften).

Prioritäten der vorliegenden Aufträge werden mit der Geschäftsführung und den zuständigen Betriebswirtschaftsabteilungen zweimal jährlich neu vergeben und abgestimmt. Für größere Objekte sind Wirtschaftlichkeitsrechnungen gemeinsam durch EDV und Benutzer zu erstellen. Festgelegte Regeln der Zusammenarbeit versachlichen die Atmosphäre und fördern ein gutes Verhältnis zwischen EDV und deren Partnern.

Bei den Gesprächen mit der Geschäftsleitung haben wir uns angewöhnt, wenig Fachausdrücke zu benutzen und die wenigen sind in den vergangenen Jahren so bekannt geworden, daß sie allgemein verständlich sind. Wir bemühen uns jedoch alle fachspezifischen Ausdrücke allgemein verständlich zu erklären. Ich persönlich erkläre komplizierte Sachverhalte mit Vergleichen aus dem zwischenmenschlichen Bereich - das versteht jeder. Ein Beispiel: "Verteilte Intelligenz". Wir haben 3790-Systeme installiert mit Intelligenz vor Ort, die jedoch programmäßig vollkommen von der Zentrale aus versorgt werden. Um dies zu verdeutlichen, pflege ich zu sagen: "... und machen wir das so, wie die Männer die Frauen gerne emanzipiert hätten, nämlich emanzipiert ja, aber nur so weit wie wir es wollen."

Dr. Horst Hoppe

Leiter der Zentralen Org. und DV, Gruner & Jahr AG, Hamburg

Das Verhältnis zwischen EDV-Chef und Unternehmensleitung hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert: Auf der einen Seite sind die Spezialisten heutzutage willig, wieder "deutsch" zu sprechen, zum anderen beginnt das Top-Management mehr und mehr sich mit den Problemen, Trends und Tendenzen der EDV auseinanderzusetzen .

Wir treffen uns einmal wöchentlich mit unserem Vorstandsmitglied - allerdings nicht nur die Datenverarbeitung, sondern auch alle anderen Stabsabteilungen. Hierbei werden Probleme des Unternehmens insgesamt diskutiert. Die reinen EDV-Gespräche erfolgen nach Anlaß, wenn Entscheidungen anstehen. Obwohl unser Management nicht der Ansicht ist, daß EDV-Spezialisten in einem solchen Gespräch die nötigen Fachausdrücke allgemein verständlich ausdrücken sollen, spreche ich dabei weitgehend "deutsch".

"Weitgehend" bedeutet: Die EDV hat den Vorteil (bedingt durch die Dominanz der US-Hersteller), ihre Fachbegriffe zumeist nur aus einer, und zwar einer lebendigen Sprache zu entnehmen. Und diese immer wiederkehrenden Worte sind auch dem Management in den letzten Jahren bekannt geworden. Unser Vorstandsmitglied verfügt zudem über ein gewisses Know-how, das durch spezielle Kurse, die EDV-Hersteller für das Firmen-Management veranstalten, ständig erweitert wird. Trends und Entwicklungstendenzen sind ihm also bekannt, zudem holt er sich - nach Bedarf - Informationen hierüber durch Gespräche mit mir. Hier gilt also nicht mehr ,Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß". Um dieses gute Verhältnis weiter aufzubauen, muß die Zusammenarbeit zwischen Datenverarbeitung, Fachabteilung und Geschäftsleitung so organisiert werden, daß die Verständigung "klappt": Team-Projektarbeit, EDV-Koordinatoren in den Fachbereichen, gemeinsame Anwenderkonferenzen, Ad-hoc-Arbeitsausschüsse.