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05.11.1982

Hausaufgaben

Mit der Einführung des Begriffs "Büroautomation", spätestens aber mit dem der "Bürokommunikation" hätte der Rationalisierungszweig par excellence, die Computerbranche, ihre Marketingziele und damit ihr allzu eng auf Hardselling ausgerichtetes Selbstverständnis revidieren müssen. Sie hat es nicht getan, weil sie sich mit der von diesen Begriffen verbundenen Akzeptanzproblematik nicht auseinandersetzen wollte. Allzu lange wurden die Organisatoren in den Anwenderfirmen in dem Glauben gelassen, daß mit "eins und null" auch im Büro alles machbar sei und der "dumme" Sachbearbeiter nur aufgeklärt werden müsse.

Inzwischen ist das Akzeptanzmotiv bis zum Überdruß strapaziert worden. Die Ergonomie-Diskussion zum Beispiel scheint ohne Engagement. Dieser Kühle der Distanz steht eine Fortschrittsbesoffenheit gegenüber. Erste Anzeichen der Ernüchterung: Die Experten streiten jetzt immerhin, was automatisierbar ist im Büro. Den "Maschinenbauern" steht in jedem Fall der Mensch im Wege. "Fabrik 2000"-Konzepte lassen sich gottlob nicht auf einen gleichlautenden Office-Nenner bringen. Day-dreamer dagegen warnen immer noch vor dem "Jobkiller". Als ob es Gutenberg und Jacquard nie gegeben hätte. Fragestellungen wie "Der Computer im Büro - Freund oder Feind?" und "Quo vadis, Büro der Zukunft?", derzeit beliebte Kongreßthemen, deuten darauf hin, daß die gängigen Fortschrittsformeln nicht mehr ausreichen.

Nunmehr seit Jahren schon wird die integrierte Bürokommunikation gefordert. Hauptargument Die "Bürotiker" könnten produktiver arbeiten. Hersteller der Büroindustrie, Berater und Informatikwissenschaftler haben sich gegenseitig aufgeschaukelt. Nur wenige fragen, ob hier nicht einer Nachfrage nachgelaufen wird, die gar nicht existiert. Angekommen im Büroalltag ist nur eine verniedlichte Spielart der verwickelten Kommunikationstheorie. Angekommen ist das Schlagwort von der "Jeder-mit-jedem-Kommunikation". Das Auffasern, wie das eigentlich gehen soll und ob es überhaupt nützlich sei, wird verdrängt. Wer kritische Maßstäbe für eine wirtschaftliche Betrachtungsweise zu setzen versucht, rennt zwar offene Office-Türen ein, bekommt aber dennoch keinen festen Boden unter die Füße.

So fügen sich neue Bürokommunikationssysteme, wie "Sperrylink" von Univac (Seite 1), in eine lange Reihe von Ankündigungen, die der Büroindustrie Mal für Mal abträglicher wurden. Die potentiellen Benutzer haben erkannt, daß sie mit vorsichtigen Prognosen richtig liegen. Nicht selten haben sich mit lautem PR-Gerassel angekündigte Innovationen im nachhinein als Papiertiger erwiesen. Sosehr auch die Anbieter den Eindruck vermitteln wollen, daß ihnen an einer Standardisierung von sauberen Schnittstellen und einheitlichen Protokollen gelegen ist - de facto sind wir von Industriestandards noch meilenweit entfernt. Da wird von den Herstellern, was etwa Modelle, Strukturen und Schichten für lokale Netze (LAN) betrifft, im Freigabetiming definiert, umdefiniert auf Vorhandenes: Ob IBMs System Network Architecture (SNA) eine LAN-Lösung zuläßt, wird nicht angefochten. Der Marktführer hat SNA - das genügt. Sprache und Bild, meint man, werden für die Bürokommunikation noch nicht gebraucht. Verständlich: Die Datenverarbeiter haben noch nicht einmal die letzten Hausaufgaben verdaut. Rückstände im Distributed Data Processing (DDP) und im Datenbank-Management sind aufzuarbeiten. Daß ausgerechnet Nicht-DV-Fachkräfte zuerst auf den Office-Automation-Kurs einschwenken, glauben, selbst die Büroanbieter nicht.