Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.12.1985 - 

In Deutschland hält sich der Eindruck einer anstehenden Konsolidierung:

Hausse an Aktienmärkten setzt sich 1986 fort

MÜNCHEN (aw) - Schlüssel für die Aktienprognose der kommenden Jahre bleibt die Entwicklung des US-Zinses. Er entscheidet, ob zukünftig genug Liquidität für steigende Kurse an den Weltaktienmärkten vorhanden sein wird. Denn: Nur wenn die monetäre Seite stimmt, wird sich die seit 1982 andauernde Hausse verlängern können.

Wichtigster Einflußfaktor für die US-Zinsen ist aber die Entwicklung der US-Konjunktur. Zur Zeit ist das Wachstum in den Staaten deutlich niedriger als von den meisten Prognostikern erwartet. Die Herabsetzung der Wachstumsschätzung im dritten Quartal in den USA von 3,3 auf 4,3 Prozent beruhte ausschließlich auf einer Verminderung der amerikanischen Inflationsrate von 3,3 auf 2,3 Prozent.

Im Oktober gingen die Einzelhandelsumsätze um 3,3 Prozent zurück, wer Auftragseingang für langjährige Wirtschaftsgüter verschlechterte sich um über zwei Prozent. In einzelnen Bereichen gab es regelrechte Einbrüche; so sanken der Automobilabsatz um etwa 30 Prozent und die Auftragseingänge für Werkzeugmaschinen um 18 Prozent.

Keine Impulse für US-Konjunktur

Es ist schwer auszumachen, woher Impulse zur Belebung der US-Konjunktur kommen sollen. Die Verschuldung der US-Konsumenten befindet sich auf einem Nachkriegshoch, während gleichzeitig die Sparquote auf einem Rekordtief seit der Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre notiert. Die US-Verbraucher sind also nicht in der Lage, mehr als bisher zum Wachstum beizutragen.

Die Staatsverschuldung in den USA wird tendenziell eher abgebaut als weiter erhöht werden, und die Kapazitätsauslastung bei der Industrie ist ebenfalls rückläufig, so daß auch hier keine Erweiterungsinvestitionen erforderlich werden. Auch hindert der hohe US-Realzins (Nominalzins minus Inflationsrate), der mit über sieben Prozent trotz des rückläufigen Nominalzinsniveaus immer noch in der Nähe seines Rekordhochs notiert, das Engagement potentieller Investoren. Er lenkt vielmehr das freie Kapital an die Anlagemärkte.

Die US-Konjunktur steht daher vor keiner nachhaltigen Belebung. Kühne Wachstumsprognosen werden Wunschdenken bleiben. Dies wird sich auch ganz erheblich auf die Bereitschaft für Neuinvestitionen im DV-Bereich auswirken. Der US-Zins wird weiter sinken, die Hausse an den Weltaktienmärkten setzt sich auch 1986 fort. Ausnahme Japan: Der Yen wird weit kräftiger steigen als Mark oder Franken und die japanische Exportindustrie in Bedrängnis bringen.

Für die DV-Branche besonders interessant zu beobachten ist die Währungskomponente im "Handelskrieg" zwischen USA und Japan. Zuletzt ging es der US-Administration weniger darum, den Dollar generell zu drücken, sondern die japanische Regierung durch Protektionismus-Androhungen zu einer Höherbewertung des Yen zu veranlassen. Prompt wurden in Japan vorhandene Zinssteuerungsinstrumente zur Anhebung der Zinsen eingesetzt. Folge: Für japanische Anleger bietet der Dollar auf dem jetzigen Niveau ihres Zinses kaum noch einen Renditevorteil.

Aus dem markttechnischen Blickwinkel bleibt die US-Börse für die nächsten ein bis zwei Monate weiter aussichtsreicher als andere Aktienmärkte. Der wichtige Indikator Insiderverkäufe ging auf 1,1 Prozent zurück. Die Leerverkaufsindikatoren geben ebenfalls weiterhin Kaufsignale. An Verkäufe ist erst zu denken, wenn

- die Börsenumsätze ein neues historisches Hoch erreichen,

- die Börsenbriefe zu etwa zehn Prozent oder weniger pessimistisch gestimmt sind (heute noch knapp 30 Prozent),

- die Umsätze an der spekulativen American Stock Exchange kräftig anziehen, was eine höhere Spekulationsbereitschaft der Anleger ausdrückt

- und die Aufwärtsbewegung am US-Bondmarkt in einen Abwärtstrend übergeht. Gerade dieser Punkt ist aber äußerst unwahrscheinlich.

Hauptsächlich werden internationale Aktiengesellschaften, die durch den Dollarrückgang eine Verbesserung der Gewinnentwicklung erfahren, vom Aufschwung profitieren. Zum einen steigen deren Exportgewinne währungsbedingt, zum anderen verbessert sich die Marktposition durch Verschlechterung der Wettbewerbsvoraussetzungen für die ausländische Konkurrenz.

Günstig bleiben die Aussichten bei IBM, die ein neues historisches Hoch mit über 140 Dollar erreichten. 1986 soll die Auslieferung des Sierra für erheblich steigende Erträge sorgen. Positiv: 70 Prozent der Produktion wurden direkt an die Anwender verkauft, was im Gegensatz zum Leasing einen unmittelbaren Cashflow im Konzern bedeutet.

Charttechnisch und aus Ertragsgesichtspunkten ebenfalls aussichtsreich ist Dataproducts. Die Aktie verbesserte sich von 12 auf in der Spitze 15 Dollar. Dieser Hersteller von Druckern konnte seine Kostenstruktur nachhaltig verbessern. Auf der Basis der für 1986 geschätzten Gewinne ist die Aktie heute nur mit dem gut zehnfachen Gewinn bewertet. Käufe auf der heutigen Basis (13 3/4 Dollar) können vorgenommen werden. Wegen der Schwierigkeiten der Gesamtbranche jedoch Stop Loss bei 11 Dollar (altes Tief) setzen.

Wie angekündigt, zerstörte das Emissionsdebakel Mitte September die Bonität Control Datas an den Finanzmärkten. Die Aktie hat sich im Laufe der vergangenen acht Monate mehr als halbiert. Amerikas viertgrößter Computerkonzern beendete das dritte Quartal mit einem Rekordverlust, wie ihn selbst Pessimisten nicht erwartet hatten. Der Konzern befindet sich im Umbruch, die notwendigen Wertberichtigungen, insbesondere im Anlagebereich, haben eben erst begonnen.

Ertragsprobleme sind in allen Konzernbereichen entstanden. Besonders schlecht hat sich das Computerperipheriegeschäft entwickelt. Hier waren es insbesondere die japanischen Konkurrenten (Hitachi, Toshiba und Fujitsu), die durch niedrigere Preise Marktanteile auf Kosten Control Datas erobern konnten.

CDC bleibt Sorgenkind

Gelingt es nicht, die Ertragsprobleme in den Griff zu bekommen, wird es nur schwer möglich sein, die Bankgläubiger zu einer Fortsetzung ihres Engagements zu veranlassen. Nur durch Verpfändung des wertvollsten Konzernbesitzes, der Commercial Credit Company, gelang es zuletzt, die Kreditlinien aufrecht zu erhalten. Vor diesem Hintergrund könnte es durchaus zu einem Zusammenbruch von Control Data kommen. Fazit: Trotz der Kurshalbierung keine Käufe.

Ertragsprobleme ergaben sich auch bei Texas Instruments. Allein im dritten Quartal wurde ein Verlust von 82,8 Millionen Dollar erwirtschaftet. Das Unternehmen reagierte auf den Ertragseinbruch mit Personalentlassungen. Weltweit wurden 7000 Arbeitskräfte in diesem Geschäftsjahr freigesetzt. Im ersten Halbjahr 1986 fällig werdende Lohn- und Gehaltserhöhungen werden verschoben. Man hofft, so die Kostenstruktur in den Griff zu bekommen. Im Zuge des laufenden Aufschwungs verbesserte sich die Aktie, die auf 90 Dollar zurückgefallen war, auf 102 US-Dollar. Texas Instruments sollte wegen der schwierigen Situation der Halbleiterbranche weiter gemieden werden. Kurse unter 90 Dollar (Unterstützungslinie) wären ein deutliches Verkaufssignal.

Zu den am besten verdienenden US-Unternehmen im Elektronik-Bereich wird 1986 NCR gehören. Kurs zur Zeit 38 Dollar. Für 1986 wird ein Gewinn von 3,7 Dollar geschätzt. Auf der Basis dieser Gewinnschätzung ist die Aktie lediglich mit dem zehnfachen Gewinn bewertet, so daß weitere Zukäufe vorgenommen werden können (Handel auch in München). Zu Wang Lab.: Im dritten Quartal nahm der Auftragseingang um 16 Prozent zu. Für 1986 wird ein Gewinn von 0,8 Dollar pro Aktie geschätzt. Die Aktie ist damit noch kein Kauf.

US-Broker empfehlen den Kauf von Avnet Incorporated. Diese weltgrößte Vertriebsgesellschaft von Halbleitern gilt als besonders aussichtsreich im Fall stärkerer Nachfrage nach elektronischen Bauteilen. Da Avnet die Bauteile nicht produziert, sondern lediglich vertreibt, gehen Anleger häufig davon aus, daß die Abhängigkeit des Ertrages von Preisbildungszyklen im Halbleiterbereich geringer ist als bei den Produzenten. Dies ist nicht der Fall. Da die Distributoren gezwungen sind, erhebliche Lagerbestände zu halten, kommt es bei Preiseinbrüchen regelmäßig zu hohen Lagerverlusten, die oft zu stärkeren Ausschlägen bei den Vertriebsgesellschaften als bei den Produzenten führen.

Betrachtet man die Verfassung der US-Konjunktur, so fällt es schwer, an einen nachhaltigen Aufschwung bei den Hardwareherstellern zu glauben. Für ein Engagement sowohl bei den Halbleiterherstellern als auch bei Distributoren wie Avnet dürfte es noch zu früh sein. Herumgereichte Gewinnschätzungen von 3 Dollar pro Aktie für 1986 sind nur schwer nachvollziehbar. Avnet (36 US-Dollar) ist allerdings wegen des Durchbruchs der 35-Dollar-Widerstandslinie ein charttechnischer Kauf.

Enttäuschende Ertragsentwicklung auch bei der Halbleiteraktie Motorola. In der Halbleitergruppe mußte ein Betriebsverlust von 45 Millionen Dollar hingenommen werden. Das Unternehmen geht davon aus, daß sich die Auftragslage schon im vierten Quartal 1985 deutlich verbessern wird. An das Ertragsniveau vergangener Jahre (Gewinn pro Aktie 1984 3,27 Dollar, 1985 geschätzt 0,25 Dollar) sollte unmittelbar wieder angeknüpft werden können. Auch diese Einschätzung ist betont optimistisch. Motorola ist noch kein Kauf.

Gute Gewinnentwicklung bei RCA Corporation. Das Elektronikunternehmen kämpft in der Nähe der alten Höchstkurse (48 Dollar). Bei einem Überbieten ist die Aktie charttechnisch ausgebrochen und für eine Neubewertung frei. Auch die fundamentalen Voraussetzungen stimmen. Für 1985 wird ein Gewinn von 4 Dollar, für 1986 ein Gewinn von 4,65 Dollar geschätzt. Dies bedeutet eine Bewertung mit dem rund Zehnfachen des geschätzten 86er Gewinns. In der CW Nr. 45/85 wurde nicht nur rechtzeitig auf den bevorstehenden Kursanstieg in Wall Street hingewiesen, sondern auch vor einer anstehenden Konsolidierung des deutschen Marktes gewarnt. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Während die Markttechnik für Wall Street weiterhin Kaufsignale gibt, sollten insbesondere spekulative Engagements an der deutschen Börse (Optionsscheine, Kaufoptionen) abgebaut werden. Zwar war das Novemberloch im Aktienindex nicht der Wendepunkt, die Voraussetzungen für eine weiter freundliche Gesamtmarkttendenz 1986 sind günstig.

Der deutsche Aktienmarkt stagniert bei einem FAZ-Index von 600. Auch im vierten Anlauf konnte dieser Höchststand nicht überwunden werden. Die Markttechnik kündigt das Erlahmen des Aufwärtsschwungs rechtzeitig an. Übergroßer Optimismus, ausgedrückt vor allem durch Rekordumsätze bei Kaufoptionen und Rekordumsätze an den Aktienmärkten, waren Barometer für die überhitzte Börsensituation. Die Markttechnik spricht also zunächst für ein Anhalten der technischen Reaktion. Dies ändert jedoch nichts an den ausgezeichneten Chancen für die nächsten sechs bis 12 Monate. Sowohl die Zins- als auch die Gewinnbeteiligung für 1986 wird positiv bleiben.

Deutsche Aktienfonds sind immer noch in deutschen Dividendenpapieren unterinvestiert. Deutsche Versicherungen haben ihren Vermögensanteil in deutschen Aktien in den vergangenen 12 Monaten ab- anstatt aufgebaut. Hier werden Anfang 1986 Kaufprogramme von erheblichem Umfang einsetzen. Noch 1985 zu kaufen, würde für das Management das Risiko möglicher Wertberichtigungen bedeuten. Fazit: In den verbleibenden Börsentagen des laufenden Jahres wird sich die Konsolidierung fortsetzen. Anfang 1986 kann die Hausse weitergehen. Deshalb zunächst keine Neuengagements am deutschen Aktienmarkt vornehmen. Mittelfristig orientierte Anleger beziehungsweise Anleger, die auf Steuerfristen achten, können die eingegangenen Bestände laufenlassen. Neuengagements erst im Januar. Aussichtsreich bleiben Siemens, ADV-Orga, GFC und PKI. Nixdorf, SEL, DeTeWe und Electronic 2000 hingegen weiter meiden.

Thomson gilt als aussichtsreich

Besser als der deutsche sollte sich der französische Aktienmarkt in nächster Zeit entwickeln. Besonders aussichtsreich ist hier Thomson CSF. Der Titel wird auch in Frankfurt gehandelt. Der französische Elektronikkonzern (50,4 Prozent im Staatsbesitz) beweist Mut zum Risiko. Trotz des Desasters am Mikrochip-Weltmarkt wird an der Strategie festgehalten, Thomson in den nächsten Jahren zu einem der bedeutendsten Halbleiterproduzenten auszubauen. Während die Anbieter weltweit auf dem 21-Milliarden-Dollar-Chipmarkt auf dem Rückzug sind, geht Thomson hier zum Angriff über und kaufte die defizitäre UTC-Tochter Mostek.

Bei Thomson ist derzeit noch der Bereich militärische Such- und Leitsysteme Basis des Gruppenumsatzes. Mit Rüstungselektronik wurde der Löwenanteil des Gewinns für das Geschäftsjahr 1984 erwirtschaftet. Nachdem 1983 noch ein Verlust in Höhe von 810 Millionen Franc erzielt worden war, konnte 1984 ein Gewinn in Höhe von 302 Millionen Franc verwirtschaftet werden. Das Ergebnis des ersten Halbjahres 1985 und die bekanntgewordenen Zahlen des zweiten Halbjahres machen einen weiteren Ertragssprung wahrscheinlich. Investitionen, die beinahe verdoppelt wurden, konnten zu 84 Prozent aus dem Cashflow gedeckt werden, so daß sich trotz dieser Investitionswelle die Schuldenlast nur unwesentlich vergrößern wird. Nachdem sich sowohl Thomson CSF als auch der Gesamtmarkt in den vergangenen neun Monaten konsolidierten, erscheint ein Wiedereinstieg hier weniger riskant. Wegen der hohen Risiken der Branche sollte jedoch auf jeden Fall ein Stop Loss 10 Prozent unter Kaufkurs gesetzt werden.