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25.11.1977 - 

EAN und SWIFT untauglich als Beispiele für Arbeitsplatzvernichtung:

HBV-Vorwürfe fachlich unbegründet

MÜNCHEN/KÖLN/FRANKFURT- "Die HBV hat das Thema S.W.I.F.T. mißverstanden. Denn bei S.W.I.F.T. ist von Arbeitsplatzeinsparung nicht die Rede, es handelt sich nur um eine Serviceverbesserung für unsere Kunden in Form von mehr Sicherheit und Schnelligkeit'', kommentiert Dr. Helmut Hossenfelder, EDV-Leiter der Deutschen Bank und Mitglied des S.W.I.F.T.-Boards, den Frontalangriff, den Ulrich Pagelsdorff, im Hauptvorstand der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, gegen die Computerisierung der Dienstleistungsbereiche startete. (Siehe auch Computerwoche Nr. 47 vom 18. November 1977).

Die entscheidende Passage der Pagelsdorff-Rede liegt der Computerwoche nunmehr wörtlich vor. (Sie finden diesen Text auf Seite 2 dieser Ausgabe). Pagelsdorff griff unter anderem auch die Auswirkung der POS-Systeme im Handel auf die Arbeitsplätze heraus. Hier hakt trocken Karlheinz Hagen, Geschäftsführer der in der Bundesrepublik für die europäische Artikelnummer (EAN) zuständigen CCG (Centrale für Coorganisation GmbH, Köln) ein: "Wir haben nicht die Situation wie in Amerika, wo die alten (mechanischen) Kassen bisher von zwei Mitarbeitern bedient wurden, so daß jetzt durch den Einsatz moderner Datenkassen eine Arbeitskraft in jedem Fall eingespart wird." Hagen kurz "Es ist eine Frage der Weltanschauung, ob man jede Rationalisierung blockieren soll, nur weil es die augenblickliche Arbeitsmarktsituation erfordert - und damit die Produktivität bremst."

Während Deutschbanker Hossenfelder lediglich "die Post" als S.W.I.F.T-Betroffene sieht (Es sind weniger die Mitarbeiter der Bank die ersetzt werden, wenn Briefe durch Datenfernübertragung überflüssig werden"), meint Harro R. Körbel von Burroughs, Hersteller der für das S.W.I.F.T.-Netz wesentlichen Komponenten: "Ein Innovationsaufsichtsrat, noch dazu auf internationaler Ebene, erscheint als Fortschrittsbremse und als weiterer Schritt in eine Planwirtschaft, die den Wettbewerb und die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft einschränkt."

Die entscheidenden Impulse für die Rationalisierungsstrategien gehen von der internationalen Zusammenarbeit der wichtigsten Dienstleistungsgruppen insbesondere im europäischen Bereich aus.

Da die Einführung von neuen technischen Systemen ein hohes Maß an Standardisierung, vor allen Dingen auf internationaler Ebene verlangt, sind die betreffenden Unternehmensgruppen auf eine enge Zusammenarbeit mit der multinationalen Computerindustrie angewiesen.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an die normierte Etikettierung- im gesamten Handel auf europäischer Ebene, die bis 1979 abgeschlossen werden soll.

Diese Standardisierung ist wiederum die Voraussetzung, daß im Handel die betriebliche Warenwirtschaft durch neue elektronische Kassenterminals automatitisiert wird.

Diese Kassenterminals - auch Datenkassen genannt - ersetzen viele Arbeitsplätze.

Sie ermöglichen die automatisch-elektronische Abwicklung des Warenkreislaufs von der Bedarfsermittlung über die Disposition, Wareneingang bis zum Verkauf.

Die verkauften Produkte werden automatisch gelesen, gebucht, kassiert, inventarisiert, registriert und disponiert.

In der ersten Phase der Installation werden in diesem Bereich nach Auskunft von IBM zirka zehn Prozent Personal "eingespart".

Ohne die einheitliche Warenauszeichnung, das heißt, ohne die Standardisierung auf europäischer Ebene, wäre ein solches Rationalisierungsprojekt in der Durchführung nicht möglich.

Selbst auf nationaler Ebene wäre die Anwendung solcher Systeme nicht möglich, da die Computerindustrie ihre Produkte für einen Weltmarkt konzipiert, entwickelt und produziert.

Ein anderes Beispiel soll uns auch die gewerkschaftlichen Schlußfolgerungen aus dieser Tatsache liefern.

Die europäische Kreditwirtschaft das heißt die wichtigsten und bedeutendsten Bankengruppen arbeiten in mehreren internationalen Gremien, beispielsweise S.W.I.F.T., Eurocheck-Working-Group, an einer weiteren Automatisierung der internationalen und der nationalen Zahlungsverkehrssysteme.

Ein Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die hohen Entwicklungs- und Investitionskosten für Rationalisierungsmaßnahmen gemeinsam zu tragen.

Nach Aussagen von maßgeblichen Arbeitgebervertretern gibt es in technischen Fragen keine Konkurrenz. Damit verfügen die beteiligten Bankengruppen über einen ständig aktualisierten, ökonomisch nicht zu unterschätzenden Informations- und Know-how-Stand.

Diese übernationale Zusammenarbeit erschwert in erheblichem Umfang den Einfluß der Gewerkschaften auf die technologische Entwicklung.

Ein Beispiel soll das verdeutlichen:

Bereits 1965 wurde auf internationaler Ebene über die Einführung eines Online-Systems zur Abwicklung des internationalen Bankgeschäftes diskutiert.

Jedes anfallende Auslandsgeschäft sollte innerhalb eines Tages zwischen den einzelnen beteiligten Instituten abgewickelt werden (sogenanntes S.W.I.F.T.-Verfahren).

Vier Jahre später - im Jahre 1969 - wurden die ersten internationalen Gremien der Kreditwirtschaft und der Computerindustrie geschaffen, die sich mit der Durchführung dieses Verfahrens zu beschäftigen hatten.

Zwölf Jahre später - also 1977 - ist dann dieses Verfahren erstmals in den Betrieben angewandt worden.

In der ersten Phase werden nach Auskunft von Vertretern der Kreditwirtschaft 30 Prozent des bisherigen Arbeitszeitvolumens eingespart.

Während der zwölfjährigen Entwicklungsarbeit haben die Gewerkschaften keinerlei Einfluß auf die im starken Umfang arbeitssparende technische Konzeption nehmen können.

Um die Rationalisierungsstrategien der multinationalen Konzerne überhaupt noch beeinflussen zu können, müssen wir deshalb frühzeitig im internationalen Stadium auf diese Entwicklung Einfluß nehmen.

Die Computerindustrie und die großen Anwendergruppen - vor allen Dingen die Kredit- und Versicherungswirtschaft sowie der Handel - sind durch internationale Innovations-Aufsichtsräte zu kontrollieren.

Angesichts des fortgeschrittenen Strukturwandels und seiner negativen sozialen Auswirkungen ist diese Forderung vorrangig zu realisieren.

Bedenkt, schließlich tragen die Arbeitnehmer als Steuerzahler über ein Viertel der Forschungs- und Entwicklungskosten der nationalen Computerindustrie über Subventionsprogramme.

Gerade deshalb wollen wir auch über die Richtung und über die Auswirkungen neuer technologischer Systeme, die unsere Zukunft in erheblichem Umfang beeinflussen, mitbestimmen können.