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28.11.2006

HD kommt gut im Heimkino

Von Klaus Hauptfleisch

Mit sinkenden Preisen bei steigender Qualität und Auflösung werden Projektoren für Privatkunden immer attraktiver. Und wenn man noch eine Surround-Anlage dazukauft, ist das Heimkino perfekt, oder? Mitnichten. Denn nicht jeder Beamer ist heimkinotauglich. Und versucht man dann noch, das meist schlechte Fernsehsignal an die Wand zu werfen, kann die Freude über den Projektor schnell in Frust umschlagen. Je größer das Bild, desto deutlicher zeigen sich Mängel in der Signalübertragung.

Wohl dem, der die Fußball-WM via Satellit schon in voller HD-Auflösung mit 1.080 Zeilen empfangen konnte, aber die meisten Deutschen nutzen weiter die PAL-Auflösung von 576 Zeilen. Dennoch zeigten sich viele Hersteller zufrieden mit den Verkäufen zur WM, auch wenn manche sich mehr erwartet hätten.

Gerade das Gemeinschaftserlebnis, die WM im Großformat zu sehen, hat stark gezogen. "Der Trend zum Public Viewing galt auch im kleineren Kreis. Das heißt die Spiele wurden mit möglichst vielen Personen angesehen", erklärt Christoph Dassau, Senior Manager Displays bei Ingram Micro. "Aus unserer Sicht war die WM im Bereich Projektoren ein großer Erfolg. Besonders in der Gastronomie und Hotellerie sind erhebliche Stückzahlen verkauft worden, was sich in einem Marktwachstum von zirka 50 Prozent im ersten Halbjahr bemerkbar machte", bestätigt Erik Schuldt, Senior Product Manager für Projektoren bei BenQ. Wie die meisten anderen Projektoren-Hersteller trennt auch BenQ, laut DTC im dritten Quartal 2006 auf Platz eins im deutschen Markt, nach Heimkino- und Datengeräten.

Grauzone Crossover

Aber die größten Stückzahlen werden in der großen Grauzone der so genannten Crossover-Produkte umgesetzt. Das bestätigt auch Thomas Nedder, General Manager Computer Storage and Professional Graphics bei NEC. Dabei handelt es sich um günstige Business-Beamer mit SVGA-, maximal XGA-Auflösung, die in der Regel auch über Videoanschlüsse verfügen, aber oft nur bedingt heimkinotauglich sind.

Denn wegen der im Business gebotenen Helligkeit und kompakten Bauweise sind die Lüfter teilweise extrem laut. Gute Heimkinoprojektoren sind dagegen mit 22 bis 25 dB im Eco-Modus ähnlich wie Silent-PCs kaum noch hörbar.

Kontrast und natürliche Farbwiedergabe bleiben bei den günstigen Crossover-Geräten vielfach auf der Strecke. Und auch wenn die Möglichkeit besteht, auf das Breitbild- oder 16:9-Format umzuschalten, wird der Spaß, sich eine DVD in XXL anzuschauen, meist von mehr oder weniger sichtbaren dicken Balken über und unter dem Bild getrübt. Aber wenn es um die Verteidigung von Marktanteilen geht, haben selbst große Markenhersteller wie NEC oder Toshiba keine Not, solche Beamer für jetzt schon unter 600 Euro in hohen Stückzahlen in den Handel zu bringen.

Im SVGA-Bereich gehen die Einstiegspreise bald gegen 500 Euro Straßenpreis, denkt Acer-Product-Manager Martin Sasse. Damit ist aber bald das Ende der Fahnenstange erreicht. Denn allein die Lampe kostet in der Regel mehr als 200 Euro. Ob diese bei Aldi & Co. gesichteten Geräte dann tatsächlich verkauft werden, steht auf einem anderen Blatt.

Nur zu schmerzhaft in Erinnerung geblieben ist NEC wohl eine Weihnachtsaktion vor drei Jahren, die Medion von Null auf Platz eins gebracht hat, aber nach Monaten noch die Lager gefüllt hat. Sell-in und Sell-out, Rein- und Rausverkauf, das ewige Dilemma mit den Marktzahlen, das auch Johann Bauer, Inhaber der Firma EP:Bauer und Aufsichtsrat bei Electronic Partner anprangert. Gerade die von Dassau und Schuldt viel gelobte Gastronomie hat ihm zufolge im mittleren Installationsbereich kaum gezogen vor der WM. Erhöhte Nachfrage sah er nur bei Geräten im Segment 1.000 bis 1.500 Euro. Wer bereit ist, so viel zu zahlen, wird in der Preisklasse aber schon einen recht guten Heimkinoprojektor finden.

HDTV bis 1080p unterstützen mittlerweile fast alle Beamer, wer sich aber zukunftssicher ein Heimkino ausstatten will, sollte darauf achten, dass das Gerät nativ mindestens 720p-Auflösung bietet. Und da gehen die Einstiegspreise auch schon unter 1.000 Euro. Und teilweise ist eine deutliche Annäherung an die Preise von SVGA-Geräten erkennbar. Die höheren Margen für den Handel werfen natürlich Beamer mit Full-HD-Auflösung von 1080p mit Preisen von mehreren tausend Euro ab.

BenQ-Manager Schuldt zufolge wird das diesjährige Weihnachtsgeschäft im Zeichen von HD-Ready und Full-HD stehen. Der damit zu erwartende Preisverfall, der nicht mehr zwischen SVGA und XGA trennt, wird ihm zufolge aber manche Wettbewerber zur Aufgabe zwingen. Für eine echte Belebung des Heimkinomarkts fehlen Martin Sasse, Product Manager Displays & Beamer bei Acer, noch die nötigen Impulse. "Die Zahl privater Kunden, die einen Beamer daheim verwenden, ist derzeit begrenzt. Hier wird aber aufgrund attraktiver Preise für HD-Ready-Geräte ein Umdenken stattfinden. 720p wird mit Sicherheit ein spannendes Thema im Jahresendgeschäft und 2007 sein", so der Acer-Manager.

Aufholjagd LCD-DLP und Full-HD

Sowohl aus dem LCD-Lager mit Epson als Hauptprotagonist als auch von der DLP-Front um den Quasi-Chipmonopolisten Texas Instruments (TI) gibt es die ersten Heimkinoprojektoren mit 1080p- oder Full-HD-Auflösung. Beide Technologien haben in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht und ihre Kinderkrankheiten zum Großteil abgelegt. LCD wirkt mit höheren Auflösungen längst nicht mehr so grobpixelig.

Die Farben von DLP wirken mit dem neuen Dark-Chip von TI wesentlich natürlicher und echter als früher. LCOS, bei JVC D-ILA genannt, ist dank hoher Kontrastraten eine Alternative zu den beiden Technologien, die Canon in den Projektoren der Xeed-Reihe einsetzt, die aber noch recht teuer sind. Das ist ein Grund, warum Canon im Vergleich zur Konkurrenz den höchsten Durchschnittspreis in Deutschland erzielt.

Neben der hohen Auflösung versprechen die meisten der 1080p-Geräte auch traumhafte Kontrastraten von mehr als 10.000:1. Der günstigste Einstieg in Full-HD ist der LCD-Beamer "HC5000" von Mitsubishi zum Preis von knapp 4.000 Euro, etwa halb so viel wie der DLP-Vertreter W10000 von BenQ. Optoma, die Marke von DLP-OEM-Riese Coretronic, schlägt mit 7.000 Euro zu Buche, Panasonic und Sony sind mit Geräten für 5.000 Euro im Mittelfeld. Epsons EMP-TW1000, der im Februar 2007 erscheint und ein Kontrastverhältnis von 12.000:1 haben soll, wird so viel wie das Mitsubishi-Gerät kosten.

Einen Trend zu integrierten Geräten sieht Karsten Jahn, Leiter Produktmarketing bei Epson Deutschland: "Ein Beispiel hierfür ist der Erfolg unserer EMP-TWD1- und TWD3-Serie, bei denen Beamer, DVD-Player und Stereoanlage in einem Gerät vereint ist." Auch der DLP-Beamer "KDX 1000" von Kindermann ist mit einem DVD-Player fürs Heimkino ausgestattet.

Das margenträchtige Drumherum

Schwerpunkt bei den meisten Herstellern ist aber der Business-Kanal. Aber wenn der gehobene Privatkunde angesprochen werden soll, konzentriert sich Kindermann als Lieferant und Hersteller von Präsentationstechnik und dem margenträchtigen Zubehörbereich auf die klassischen Dia-AV-Spezialisten.

"Die Händler, die nur den ‚nackten ‘ Projektor verkaufen, sind natürlich unter großem Preisdruck, da im Internet sehr viele Preise verglichen werden", sagt Kindermann-Vertriebsleiter Michael Fries und fügt hinzu, dass die Margen ohne Zubehör und Installation meist kaum höher als zehn Prozent gehen.

Ähnlich äußert sich Hans Jürgen Schneider, Vertriebsleiter bei dexxIT. Etliche Distribu- toren, darunter Kindermann, dexxIT und Ingram Micro, bieten Zubehör wie Leinwände, Ersatzlampen, Wand- und Deckenhalterungen an. Ein Bereich, auf den sich Kindermann spezialisiert hat, ist der für Anschlussdosen und Schalter. "Letztendlich kann jeder Fachhändler Installationen anbieten, er muss sich nur die richtigen Partner dazuholen, sei es, dass man Mitarbeiter speziell dafür einstellt und schulen lässt oder mit externen Firmen zusammenarbeitet", so Fries.