Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.12.1976

HDLC-Norm zwischen Hoffen und Bangen

Schwer zu sagen, wann und in welcher Form die HDLC-Norm endgültig verabschiedet wird. Im Gegenteil: Es ist wieder alles offen. Auf der letzten ISO-Sitzung in London wurde kürzlich nämlich keine Einigung darüber erzielt, ob es für symmetrische und unsymmetrische Netzwerk-Konfigurationen einen gemeinsamen Protokoll-Standard geben soll. Dipl.-Ing. Heinz Jürgen Burkhardt, stellvertretender Leiter des Instituts für Datenfernverarbeitung der GMD (Darmstadt) und Mitarbeiter im DIN, erläutert im folgenden den gegenwärtigen Stand der HDLC-Normungsverhandlungen:

Die Normung der als Basic Mode-Prozeduren bekannten zeichen-orientierten Steuerungsverfahren zur einbeziehungsweise wechselseitigen Datenübermittlung erfolgte erst Jahre nach ihrer Einführung am Markt und

war mehr ein Auf- und Festschreiben geschichtlicher Fakten als eine Standardisierung.

An HDLC knüpfte sich daher die Hoffnung, ein allgemein einsetzbares, weil bit-orientiertes und für beidseitige Datenübermittlung geeignetes und effektiveres Nachfolgeverfahren - schritthaltend mit dem Anwendungsbedarf und der technologischen Entwicklung - normen zu können.

Diese Hoffnung konnte sich auf ein Systemkonzept stützen, das von vornherein sehr homogen und klar durchdacht war und dem Vorstellungen über die Architektur von Rechner- und kommunizierenden Systemen (Zwiebelschalenmodell) zugrunde lagen, die inzwischen wohl allgemein anerkannt sind. Im Zwiebelschalenmodell bilden die Protokolle zur Datenübermittlung über einen Übermittlungsabschnitt (Leitungsprozeduren) die innerste einer Anzahl einander umhüllender Protokollschalen. Jede dieser Protokollschalen hat im Rahmen der Kommunikation eine wohl definierte Aufgabe; sie enthält deshalb nur die Funktionen, die zur Erfüllung dieser Aufgabe notwendig sind. Jede Protokollschale besitzt Schnittstellen nur zu den ihr unmittelbar benachbarten Schalen, die für sie das über beziehungsweise unter ihr liegende Restsystem repräsentieren; dadurch wird erreicht, daß die einzelnen Schalen weitgehend unabhängig konzipierbar und implementierbar sind und bei Bedarf auch rückwirkungsfrei ersetzt werden können.

Diese Strukturierungsprinzipien haben direkten Einfluß auf

- den Aufbau des HDLC-Datenübertragungsblocks,

- die Auswahl der Elemente des Steuerungsverfahrens und

- die aus diesen Elementen zu bildenden HDLC-Protokolle.

Für diese drei Bestandteile von HDLC wird es jeweils getrennte Standards geben.

Der Aufbau des HDLC-Datenübertragungsblockes ist bereits als DIS 3309.2 "Frame Structure" genormt; eine entsprechende deutsche Norm liegt als Entwurf DIN 66221, Teil 1, vor.

Die internationale Norm DIS 4335 "Element of Procedur" steht unmittelbar vor ihrer Verabschiedung. Sie definiert

- daß in einem Übermittlungsabschnitt eine Leitsteuerung und eine Folgesteuerung miteinander kommunizieren;

- daß die Leitsteuerung diese sendet und die Folgesteuerung diese mit Meldungen beantwortet;

- daß Befehle und Meldungen physikalisch durch Datenübertragungsblöcke repräsentiert werden;

- daß bei Befehlen und Meldungen Daten- und Überwachungsblöcke unterschieden werden;

- daß Datenblöcke wechselseitig bestätigt werden (zwei unabhängige Numerierungen);

- daß in jeder Richtung mehrere Datenblöcke unbestätigt unterwegs sein können.

Gleichzeitig legt sie einen Basissatz von Befehlen und Meldungen fest, der es erlaubt, Protokolle für die Datenübermittlung über festgeschaltete Verbindungen zu definieren.

An einem entsprechenden deutschen Normentwurf DIN 66211, Teil 2, wird gearbeitet.

Zusatzelemente, die zum Beispiel notwendig sind in Protokollen für die Datenübermittlung über Wählverbindungen, werden international noch diskutiert.

Der geschilderte Stand war inhaltlich schon im Sommer 1975 erreicht. Es schien deshalb möglich, den letzten und leichtesten - weil vorprogrammierten - zur Definition von HDLC-Protokollen (Classes of Procedure) im Herbst 1975 auf einer ISO-Tagung in Washington zu tun. Man war sich vorher darüber einig geworden, Protokolle für zwei Arten von Konfigurationen zu benötigen:

- für unsymmetrische Konfigurationen, in denen eine bevorrechtigte Datenendeinrichtung (DEE) mit einer oder mehreren abhängigen DEE's kommuniziert, zum Beispiel ein Rechner mit einem oder mehreren Bildschirmgeräten. Und

- für symmetrische Konfigurationen, in denen zwei gleichberechtigte DEE's miteinander kommunizieren, zum Beispiel zwei Rechner.

Vage Vorschläge

Es war nur natürlich, in der unsymmetrischen Konfiguration die Funktion der Leitsteuerung in der bevorrechtigten DEE und die Funktion der Folgesteuerung in den abhängigen DEE's anzusiedeln und die symmetrische Konfiguration als gegensinnige Überlagerung zweier unsymmetrischer Konfigurationen aufzufassen.

Die in Washington erarbeiteten Normvorschläge bewegten sich auch in der Tat auf dieser Grundlage. Die mangelnde Normungsbereitschaft, die im Zusammenhang mit dem Bemühen der ISO gesehen werden muß, Verantwortungsbereiche gegenüber dem CCITT (X.25) zu behaupten, drückte sich jedoch darin aus, daß die Vorschläge ausgesprochen vage blieben. Wie zu erwarten war, scheiterten sie in der Länderabstimmung.

Die nächste Sitzung im Frühjahr 1976 in Stockholm brachte nun nicht etwa die fällige Verbesserung der Normvorschläge, sondern eine völlig neue Konzeption für das Protokoll zwischen gleichberechtigten Stationen - die der "Combined Station".

In einer Combined Station gehen Leit- und Folgesteuerung ein recht undefiniertes Verhältnis ein; dadurch wird die gesamte bisherige HDLC-Normung in Frage gestellt, für die Leit- und Folgesteuerung zentrale Begriffe sind (Die teilweise anzutreffende Begeisterung für dieses Konzept ist nur schwer verständlich, da sich Vorzüge auch in eingehender Untersuchung nicht haben aufstellen lassen).

Diese Konzeption und die ursprüngliche Überlagerungslösung wurden als Protokolle für symmetrische Konfigurationen mit Protokollen für die unsymmetrischen Konfigurationen zu einem neuen Normenvorschlag zusammengefaßt. Die Länderabstimmung darüber ergab Zustimmung zu den Protokollen für die unsymmetrischen Konfigurationen und Ablehnung der Protokolle für die symmetrischen Konfigurationen.

Nur ein Protokoll-Standard

Dem meistgenannten Ablehnungsgrund, daß man nur einen Protokollstandard haben wollte, trug die letzte ISO-Sitzung im Herbst dieses Jahres in London in wahrhaft sophistischer Weise Rechnung. Sie stellte sich auf den Standpunkt, daß es nicht nötig sei, die Überlagerungslösung in einem eigenständigen Protokollstandard zu normen, da es sich hier bei ihr lediglich um eine spezielle Anordnung von Protokollen für unsymmetrische Konfigurationen handelt.

Noch ist alles offen

Die Protokolle für unsymmetrische Konfigurationen würden als Normentwurf zur endgültigen Länderabstimmung freigegeben.

Das Combined-Station-Konzept wurde überarbeitet mit dem Ziel, ihre einige der offensichtlicheren Vorteile der Überlagerungslösung zugute kommen zu lassen und als Normvorschlag erneut zur Länderabstimmung bestellt.

Fazit: Es ist wieder alles offen; die Praxis wird darüber entscheiden müssen, welche Lösung sich durchsetzt; daß es die sachlich bessere ist, ist zu hoffen.

*Heinz Jürgen Burkhardt ist stellvertretender Leiter des Instituts für Datenfernverarbeitung der GMD Darmstadt und Mitarbeiter im DIN.

Mehr EDV in die Fabrik

FRANKFURT -"Robuste und preiswerte MDT-Anlagen und Minicomputer wanderten sozusagen von der Bel Etage der Verwaltungsgebäude unmittelbar an die Maschinen und Fertigungseinrichtungen im Fabrikflur", erläuterte Giselher Kadegge, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Siemens AG, die Situation in den Fertigungsbetrieben anläßlich einer Pressekonferenz des Zentralverbandes der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) in Frankfurt. Große Zukunft habe der Computer-Einsatz in den Bereichen Maschinen-Einzelsteuerung, Prozeßführung, Fertigungsleittechnik- und Fertigungsplanung, insbesondere weil so Rohstoffe und Energie gespart werden können.

Helmut Garbers, Vorstandsmitglied der AEG-Telefunken Energie- und Industrietechnik AG ergänzte: "Noch sind in der Praxis die Möglichkeiten der rechnergesteuerten Fertigung nicht in vollem Umfang erkannt und demgemäß auch nicht voll genutzt." ob