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06.10.1989 - 

"Schritt in die falsche Richtung" von Merrill Lynch und Kodak ?

Heftige Debatte in den USA um Ausgliederung des Netzbetriebs

FRAMINGHAM (IDG) - Angesichts der Entscheidung so renommierter Unternehmen wie Merrill Lynch & Co., Inc., United Technologies Corp. (UTC) oder Eastman Kodak Co., den Netzwerkbetrieb in fremde Hände zu legen ist in den USA eine Diskussion über das Pro und Kontra eines solchen Schrittes entbrannt.

Die Kernfrage in dieser Debatte lautet schlichtweg, ob große Unternehmen wirklich ihr tägliches Netzwerkbusiness selbst betreiben müssen, um durch den Einsatz von Informationssystemen einen strategischen Vorteil erringen zu können, oder nicht. Zur Gruppe derjenigen, die eine Ausgliederung befürworten, gehört beispielsweise Merrill Lynch: In einer Absichtserklärung hat das Brokerhaus das Konsortium MCI Communications Corp. IBM damit betraut, ein neues Netzwerkmanagement-System für die Überwachung des weltweiten Firmennetzes aufzubauen und zu betreiben.

United Technologies tutet ins gleiche Horn: In dem High-Tech-Unternehmen rechnet man damit, in Kürze abschließende Angebote für den externen Betrieb des gesamten Netzes - dessen Wert sich derzeit auf rund 18 Milliarden Dollar beläuft - sowie für die Installierung eines neuen Netzwerkmanagement-Systems auf den Tisch zu bekommen.

Auch Eastman Kodak hofft, spätestens im November einen Vertrag mit einem Anbieter unter Dach und Fach zu haben, der dann nicht nur für den laufenden Betrieb der Netzwerk-Kontrollzentren verantwortlich ist, sondern auch für Support, Modifizierungen, Veränderungen und Ausbau. Der Auftragswert dürfte sich nach den Worten von Allan Chase, dem für Telekommunikations- und Computerservices verantwortlichen Kodak-Gruppenleiter, auf Hunderte von Millionen Dollar belaufen.

Für die Befürworter einer Ausgliederungslösung ist der laufende Betrieb eines Netzes nicht mehr als ein "Commodity Business": "Ich glaube nicht", meint etwa DuWayne Peterson, bei Merrill Lynch Vice President of Operations, Systems, and Telecommunications, "daß Unternehmen einen wesentlichen Vorteil aus der Art und Weise ziehen können, wie sie ihre Netze physikalisch konzipieren."

Robert Forte, Direktor für Kommunikationsservices bei United Technologies, fügt noch einen weiteren Aspekt hinzu: "Wir wollen unsere personellen Ressourcen vor allem darauf konzentrieren, strategische Anwendungen wie Videokonferenzen, EDI und schnelle Bildverarbeitung zu entwickeln; nach unserer Meinung ergibt sich kein großer Gewinn daraus, daß wir den "Warenanteil" der Kommunikation, zum Beispiel Sprach- und andere private Netze, selbst managen."

Darüber hinaus erhoffen sich die Unternehmen, die ihre Netzwerke kommerziellen Anbietern übertragen, einen Vorteil durch die bei diesen verfügbare Technik.

Merrill Lynchs Peterson beispielsweise ist der Ansicht, daß MCI und IBM ein technisch besseres und kostengünstigeres

Netzwerkmanagenemt-System liefern werden als das Brokerhaus selbst hätte konzipieren können. Hinzu komme, daß beide Anbieter sich wohl leichter täten, qualifiziertes Personal für das Merrill- Lynch

Netzwerkkontrollzentrum anzuwerben.

Für die Protagonisten der Gegenseite, die nach wie vor auf den Netzwerkbetrieb in Eigenregie setzen, überwiegen die Nachteile einer Ausgliederung langfristig die Vorteile. Kenneth Phillips, Vice President Telecommunications Policy bei der Citicorp und Vorsitzender der "Corporate Telecommunications User"-Vereinigung, hält ein solches Vorgehen für einen Schritt in die falsche Richtung: "Die langfristigen Einsparungen sind in jedem Fall dann höher, wenn ein großes Unternehmen seine Netze selbst kompetent managt. Wir glauben, daß wir durch die Art und Weise, mit der wir unsere Netzwerke und die darauf basierenden Dienste steuern, sehr wohl einen Wettbewerbsvorteil haben."