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Kolumne

Heinz Nixdorf gewidmet

15.01.1993

Was die Interpretation der IBM-Unternehmenspolitik in Publikumszeitschriften und Wirtschaftsblaettern angeht, so war die Darstellung frueher von Bewunderung gepraegt, das Ergebnis nichtssagend. Das hat sich geaendert. Dazu ein aktuelles Beispiel aus dem "Wall Street Journal": "Proprietaer, Mainframe-basiert und ueber die Massen kompliziert, verkoerpert die System-Anwendungs- Architektur SAA die Essenz dessen, was bei Big Blue immer noch verkehrt laeuft" (weitere Beispiele siehe Thema der Woche, Seite 7).

Doch man sollte die Wirkung nicht ueberbewerten. Es wird immer Leute geben, die eine andere IBM zu kennen glauben. Natuerlich raeumen auch die treuesten Big-Blue-Anhaenger ein, dass das IBM- Management Fehler gemacht habe, aber da ist eine gehoerige Portion Wunschdenken im Spiel, es werde fuer den Marktfuehrer wohl nicht so schlimm kommen. Das wars auch schon - kein Anlass jedenfalls, die Geschichte der DV neu zu schreiben.

Auch wir wollen nicht uebertreiben. Nun ja, es ist einschlaegig bekannt, dass wir uns mit IBM-Kritik nicht nur Freunde geschaffen haben. Zum grossen Teil gut getarnt war dagegen unsere Sympathie fuer die IBM-Konkurrenten, fuer diejenigen, die dezentrale, Arbeitsplatz-orientierte und damit benutzernahe DV-Modelle propagierten - PC-Prototypen, wenn man so will -, als dies im real existierenden Mainframeismus noch technologische Weitsicht und unternehmerischen Mut erforderte.

Die Liste derjenigen, die etwas in Richtung mehr Markt bewegt haben (siehe oben), ist nicht vollstaendig. Heinz Nixdorf, der zu frueh verstorbene Pionier der dezentralen DV, hat nicht zufaellig einen Ehrenplatz verdient. Bei einem Podiumsgespraech auf der Systems-Messe 1975 fuehrte Nixdorf aus, dass die grossen Hersteller, zu denen er sein Unternehmen nicht rechnete, die Entwicklung von technologisch moeglichen Klein- und Kleinstrechnern kuenstlich unterbunden haetten, um nicht mit Billig-Produkten die Marktchancen ihrer Grosssysteme zu gefaehrden.

Nixdorfs Branchenschelte - wohlgemerkt vor 17 Jahren: "Die Datenverarbeitung hat bisher nicht geboten, was sie im Interesse des Kunden haette bringen muessen." Das koenne nicht funktionieren, so Nixdorf mit einem Seitenhieb auf IBM, wenn die DV weiterhin zentralistisch organisiert betrieben werde. Die Jobs, Gates, McNealys, Groves und Ellison haben es da heute leichter. Sollte die Geschichte der Datenverarbeitung nicht doch neu geschrieben werden?