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11.09.1992 - 

Workstation-Markt: IBMs RISC-Maschine in der Arena

Heiße Aufholjagd mit RS/6000 bald gegen Microsoft und Intel

Selbstverständlich steht die RS/6000 am Markt nicht konkurrenzlos da. Die AS/400 konkurriert jedoch allenfalls bei S/36-Ersatzkäufen. Wo also sind die eigentlichen Konkurrenten der RS/6000 zu suchen?

Das Konzept der RS/6000 war von Anfang an unübersehbar darauf ausgerichtet, den beiden Marktführern HP und Sun wesentliche Anteile des rasch expandierenden Workstation-Marktes ihrer Unix/RISC-Produkte streitig zu machen. Vollständig präsentiert sich die vorderste Reihe der Gegner aber erst mit dem Unternehmen MIPS, das immer noch eine Schlüsselposition inne hat - wurde doch der Begriff Workstation erstmals für die 5251-11er eingeführt. Trotzdem liegen zwischen dem Damals, vor zehn Jahren, und dem Heute ganze Welten.

Der Kampf wird auf der HW-Ebene ausgetragen

Der Workstation-Markt der Gegenwart stellt an die IBM-Entwickler seine besonderen Anforderungen-an erster Stelle rangiert hier die Schnelligkeit. MIPS, Megaflops, Dhrystones /Sekunde und weitere Maßeinheiten für eine "PS-Leistung" sind heute in aller Munde. Der Kampf wird also auf der Hardware-Ebene ausgetragen; hier tritt die Power-Architektur von IBM nicht nur gegen die Precision Architecture von HP an, sondern auch gegen Sun (Sparc) und Mips.

Doch weitere Gegenspieler sind im Begriff, die Arena zu betreten: AT&T/NCR mit Crisp und DEC mit dem Alpha- RISC-Chip. Am unteren Ende der Produktlinie wird DEC allerdings auch künftig die Mips-R4000- Chips anbieten. IBM unternimmt jede nur denkbare Anstrengung, um in diesem kritischen Marktbereich Fortschritte zu erzielen. Die Zusammenarbeit mit Motorola ist diesem Ziel sehr förderlich. Die erfolgreiche Produktlinie des RISC-Chips-88000 von Motorola wird unter anderem von Data General eingesetzt.

Nun zum Betriebssystem. Hier steht AIX insofern konkurrenzlos da, als die RS/6000 nur mit diesem System läuft. AIX harmoniert mit Posix, AT&T System V R4 und Berkeley Software Distribution (BSD) - in dieser Reihenfolge. AIX läuft auf PS/2s, jedoch nicht auf PCs ohne Microchannel. Dies birgt ein gewisses Risiko, da der wichtige Markt der Unix-Betriebssysteme für Intel 486 somit den Konkurrenten Santa Cruz Operation (SCO),Sun mit Solaris und Unix System Laboratories mit System V R4 überlassen wurde. Grundsätzlich sollte ein Produkt im Marktbereich der offenen Systeme ja für eine möglichst große Anzahl von Plattformen zur Verfügung stehen. Abbildung 1 zeigt die heutige Konstellation von Hardware und Betriebssystemen auf diesem Markt.

Die Ergebnisse des Gemeinschaftsprojektes IBM/Apple werden in Fachkreisen mit Spannung erwartet. Von der Entscheidung, die Früchte dieser Entwicklung ganz oder teilweise auch auf einem PC von Intel verfügbar zu machen, dürfte sehr viel abhängen. Beschränkt IBM die Verfügbarkeit auf die RS/6000, so verzichtet Big Blue auf einen wichtigen Vorteil. Würde AIX dagegen für den gesamten PC-Markt freigegeben, könnte IBM schon morgen gegen SCO antreten.

Möglicherweise klammert sich IBM jedoch immer noch an die Hoffnung auf einen Erfolg des OS/2 und hält AIX deshalb von diesem Marktsektor fern.

Vielleicht vermag aber selbst IBM in einem gegebenen Zeitraum nur ein bestimmtes Quantum zu bewältigen. Wenn IBM die positiven Features von Apple, AIX und OS/2 in einem Produkt vereinen könnte, wäre damit eine Übernahme der Spitzenposition im Betriebssystem-Markt durchaus denkbar. Gibt IBM dagegen dieses neue Pink-Produkt ausschließlich für RS/6000, PS/2 und die Macintosh-Geräte frei, so geht der Intel Markt automatisch an Windows NT. Hieraus könnte wiederum der RS/6000 ein neuer Gegner erwachsen.

Die Gegner von morgen sind Windows NT und P-5

Macht IBM keine Fehler, so wird die RS/6000-beziehungsweise die Power-Architektur - künftig die Hardwareszene beherrschen, während Pink die Betriebssystem -Szene übernimmt. In diesem Fall hießen die Gegner Windows NT und der neueste Mikroprozessor x86 von Intel oder gar der nur gerüchteweise bekannte, in Entwicklung befindliche P-5. Abbildung 2 verdeutlicht dieses mögliche Szenario der Zukunft.

Auf der Uniforum, der größten Unix-Handelsmesse, legte Intel kürzlich großen Wert auf die Feststellung, daß der 486 zwar CISC sei, aber dennoch mit der RISC-Technologie arbeite; Intel plant, künftige Chips mit der RISC-Technologie auszustatten.

Offensichtlich hat sich das Konzept des Reduced Instruction Set Computers also durchgesetzt und wird damit Verwendung in jeder künftigen Hardware finden, bis irgendwann einmal etwas wirklich Neues erscheint.

An einem Stand führte Intel einen Live-Benchmark-Test zwischen einer Workstation von Sun und einem Intel-486-PC durch: Intel gewann ausnahmslos. Intel sieht Sun offenbar als ebenbürtigen Gegner an, womit auch die RS/6000 und die Power-Architektur als Konkurrenz in Frage kommen. Tatsächlich ist es so, daß die neuen kleineren RS/6000 (die 220er) ebenso wie das untere Ende der Produktpalette von Sun und HP mit den Intel-PCs und den Macintosh-Geräten auf einer Stufe stehen.

Da Mips zum ACE-Konsortium (Advanced Computing Environment) gehört, läuft Windows NT natürlich auf Mips-Plattformen. Die eigentliche Zielgruppe von Windows NT wird jedoch auf die Dauer bei den vielen PCs zu finden sein, die heute mit einer Quote von neun Millionen pro Jahr auf das einfache Windows umgestellt werden. Windows NT und Intel wären gemeinsam stark genug, um den Desktop- und LAN-Markt zu übernehmen.

Novell hat den Kampf um den LAN Softwaremarkt bereits für sich entschieden. In bezug auf LAN -Software hat Novell die gleiche Position inne wie IBM auf dem Großrechnermarkt: Novell-Produkte laufen auf allem-eine Marktpolitik, die sich auszahlt. Auf dem Markt für LAN-Software gibt es viel Konkurrenz, doch Novell ist und bleibt Marktführer. Sowohl die AS/400 als auch die RS/6000 könnten in Novell-LANs eingebunden werden.

Weltweit gibt es mehr als einhundert Millionen Intel-PCs unter Microsoft DOS. Das ist eine gesunde Basis! Da Microsoft in Unix die einzige Gefahr für seine künftigen Desktop-Pläne sieht, wird die Einführung von Windows NT mit allen verfügbaren Kräften vorangetrieben. Sie soll jedenfalls im Laufe des Jahres 1992 erfolgen.

Microsoft-Chairman Bill Gates möchte alle Konkurrenten aus der Welt der offenen Systeme am liebsten in irgendeiner Marktnische verschwinden lassen. Wird seine Strategie ein Erfolg, so bringt ihm das auf dem Gebiet der Software-Industrie den Status eines Eroberers vom Range eines Alexander des Großen ein. Schon werden die Schlachtpläne entworfen und die Waffen geschärft; auch laufen bereits die Verhandlungen über strategische Bündnisse-noch im Laufe dieses Jahres können wir mit den ersten

Kampfhandlungen rechnen. Microsoft wird gegen Unix keine Gnade walten lassen -zumindest nicht im unteren Bereich der kommerziellen Mehrplatzsysteme! Bill Gates wird allenfalls auf die Marktbereiche Supercomputing und Mainframe verzichten wollen, auf mehr wohl kaum.