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29.06.1984

Heiße Luft

Man lese in den diversen Fachpublikationen die Interpretationen "zentralistischer" Groß-DV-Politik aus der Sicht der "Mikro"-Redakteure, und man wird als gestandener Datenverarbeiter tausend Gründe finden, zu staunen. Kleine Leseprobe gefällig (frei erfunden):

Von einem DV-Manager wird Mikro-Frust erwartet, zähneknirschende Resignation ("Die Dinger kommen, ob man nun zustimmt oder nicht"). Die "klassische" Alternative -zentral oder "von oben runter" - ist nicht mehr zeitgemäß. Sie traf den Sachverhalt, solange allein die DV-Abteilung das Sagen, der Fachbereich das Nachsehen hatte. Heute ist der Endbenutzer sein eigener (Software-)Produzent, Selbstversorger - und als solcher nicht mehr gewillt, sich von den DV-Spezialisten als Hinter(daten)bänkler behandeln zu lassen. Stichworte aus dem Manifest der Mikro-Mahner: Mein Computer gehört mir. Maus. Mitbestimmung. Multiplan.

Worauf wollen wir hinaus? Nun, die These vom "mündigen Mikro-Anwender", der sich von der DV-Zentrale abnabeln will, scheint bei den Mainframe-Cracks auf fruchtbaren Boden zu fallen. Die Anwender-Autonomie wird zum Anliegen der DV-Manager - eine sympathische Haltung. Aber auch realistisch?

Tatsache ist, daß viele Computer-Fachleute verunsichert sind. Wie anders wäre sonst zu erklären, daß Mikro-Veranstaltungen jeglicher Art derzeit starken Zulauf haben. War alles falsch, was bisher gemacht wurde? Muß man gar um den Job fürchten? Der Flachs blüht - auf Kosten der DV-Chefs. Mancher mag freilich, das personifizierte schlechte Gewissen, nicht mitlachen. Eine durchaus verständliche Reaktion. Aber auch realistisch?

Horchen wir doch etwas genauer hin, filtern wir das Mikro-Menetekel. Da wird sofort klar, daß sich der "Zwergen-Aufstand" vornehmlich auf zwei Aussagen stützt: Das Muffensausen, erstens, komme daher, daß die gelernten (Batch-)Datenverarbeiter mit den intelligenten Tastaturcomputern nichts anzufangen wüßten. Ein No-Know-how-Problem. Die Endbenutzer hätten, zweitens, angesichts des enormen Anwendungsstaus die Geduld verloren, wollten sich von der DV-Abteilung nicht länger mit Versprechungen hinhalten lassen. Ein Fall von Untreue. Die vielzitierte Softwarekrise.

Beide Positionen lassen sich so nicht halten. Es sind die Vertreiber der Mikros, die Stuß erzählen, Unsicherheit verbreiten, was die Möglichkeiten und Grenzen der Arbeitsplatzcomputerei betrifft. Da werden die ROMs und RAMs ausgeweidet, daß es eine Freak-Freude ist, jongliert man bei der Akquisition in Großbetrieben (Mikro-Mainframe-Verbindung) mit Zusatzkarten (hier ein Board, da ein Kit, noch'n Interface) - ohne die Karten auf den Tisch zu legen. Was hier an Unausgegorenem - etwa in der Anzeigenwerbung, in Prospekten, in Pressemitteilungen - von der DV-lndustrie verbreitet wird, kann eigentlich nur als Versuch der Kundenverdummung bezeichnet werden. Ein Rückfall in die Computer-Steinzeit, den DV-Profis nicht mitmachen sollten, auch auf die "Chance" hin, daß man sie für stur hält.

Und die "ungeduldigen" Anwender, die sehnsüchtig auf ihren ersten Mikro warten - wo sitzen sie denn? Als Kontoristinnen in der Buchhaltung? Als Sachbearbeiter im Lager? Als technische Zeichner in der Konstruktionsabteilung? Nein, die Windmacher, die Versuchsballons steigen lassen, sind unschwer unter den Mikro-Herstellern auszumachen. Keine Aufregung: Die Flugkörper enthalten wenig Zündstoff, dafür aber viel heiße Luft.