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05.04.2002 - 

SAP, IBM und Bea konkurrieren um das kommende Frontend

Heißer Kampf um den Zukunftsmarkt Portale

MÜNCHEN (fn) - Firmenportale sollen einen bequemen Zugriff auf alle arbeitsplatzrelevanten Inhalte und Anwendungen erlauben. Getrieben von einem erbitterten Wettbewerb, versuchen die Anbieter von Portalsoftware, Kunden an ihre Plattform zu binden. Von Offenheit kann bis dato keine Rede sein. Um eine Standardisierung bemühen sich die Java-Community sowie das XML-Gremium Oasis.

Portale werden das Frontend beherrschen, das zumindest prophezeien die Hersteller von Anwendungssoftware und Applikations-Servern. Der Kampf um die Dominanz an der Benutzeroberfläche ist voll entbrannt. Anwender haben offenbar das Intranet neu entdeckt und bauen es zu Portalen aus. Diese Sites sollen den Zugriff auf Informationen vereinfachen, die in unterschiedlichen Formaten und Anwendungen lagern. Alle Anbieter solcher Systeme versprechen ihren Kunden eine Benutzer-Schnittstelle für den Zugang sowohl zu transaktionsorientierten Systemen, also strukturierten Daten, als auch zu unstrukturierten Informationen aus Dateisystemen, digitalen Archiven und Dokumenten-Management-Systemen.

Das Anbieterspektrum für Portallösungen ist enorm. Hier treten die zahlreichen Hersteller von Web-Content-Management-Software an, ebenso eine Reihe von Business-Software-Anbietern wie Siebel, SAP und Peoplesoft sowie der Softwarekonzern Microsoft. Ihnen stehen reine Portal-Player gegenüber, etwa Epicentric oder Plumtree. Verstärkt versuchen auch die Entwickler von auf Java 2 Enterprise Edition (J2EE) basierenden Applikations-Servern, mit eigenen Portalsystemen den Markt aufzurollen. In der Spitzenposition wähnen sich Bea und IBM, die schon im Applikations-Server-Segment die vorderen Plätze belegen. Iplanet und Oracle sind mit von der Partie, bewegen sich aber hinsichtlich ihrer Verbreitung eher auf den hinteren Rängen.

Da viele Firmen Applikations-Server als einheitliche Middleware für den Zugriff auf Backend-Systeme nutzen, liegt es nahe, nun über ein Portal eine ebenfalls universelle Benutzeroberfläche zu schaffen. Die Portalsoftware läuft dabei als Anwendung auf dem Applikations-Server. So sind IBMs "Portal Server" wie auch "Weblogic Portal" vom Konkurrenten Bea fest mit der jeweiligen Middleware-Plattform verwoben. Wer sich also für den Applikations-Server Weblogic entschieden hat, soll nach dem Willen von Bea auch sein Portal mit dem Produkt des Herstellers errichten. Theoretisch könnte ein Unternehmen beispielsweise IBMs Portal-Server auch auf dem Applikations-Server von Bea zum Laufen bringen, doch würde dies zurzeit noch an den unterschiedlichen Release-Ständen bei der J2EE-Implementierung in beiden Produkten scheitern, meint ein Experte mit Projekterfahrung.

Beim Wettstreit der Portal-Player geht es um nicht weniger als die Vormachtstellung am Frontend - vergleichbar mit der Schlacht um den Desktop, nur diesmal mit weit mehr Beteiligten. So verwundert es nicht, dass auch Microsoft mit dem "Sharepoint Portal Server" die Portalarena betreten hat. Der Softwarekonzern setzt allerdings andere Schwerpunkte als Bea, IBM, Oracle und Iplanet. Statt einer Anwendungsintegration hebt die Gates-Company auf Dokumenten-Management sowie Suchfunktionen in Office-Dokumenten ab. Gleichwohl steckt schon wegen Microsofts Desktop-Dominanz und Marktmacht noch einiges an strategischem Potenzial in diesem Produkt.

Die meisten Portal-Server beinhalten Funktionen zum Personalisieren von Inhalten, Suchmechanismen und Workflows. Firmen wollen jedoch nicht mehr nur bunte Web-Seiten bauen, sondern betrachten das Portal als Einstiegstor zu Anwendungen, sei es nun der E-Mail-Client, die Kundendatenbank, das CRM- oder das ERP-System. Den Job des Vermittlers zwischen der Applikation und dem Web-Frontend erledigen Portal-Server, die meist als Erweiterungen von J2EE-Applikations-Servern angeboten und auch "Portlet" genannt werden. Für den Endbenutzer ist ein Portlet nichts weiter als der Bereich der Benutzeroberfläche, mit dem sich bestimmte Programme andocken oder Inhalt konfigurieren lassen. Technisch gesehen handelt es sich oft ein Java-Programm sowie Java Server Pages (JSPs).

Ohne Backend-Integration geht es nichtJe nach Art der Anwendung ist das Portal auf die Integrationsleistungen des darunter liegenden Applikations-Servers angewiesen, etwa zur direkten Datenbankanbindung oder zur Verknüpfung mit Backend-Software. IBM liefert eine Reihe von Portlets mit, beispielsweise eines für die Groupware-Software "Lotus Notes". Legt ein Applikationsanbieter Wert darauf, dass seine Software in verschiedenen Portalen läuft, muss er für jedes dieser Produkte ein Integrationsmodul schreiben. Der Content-Management-Anbieter Documentum hat dafür das "Portal Integration Pack" auf den Markt gebracht. Mit ihm entwickelte das Unternehmen jeweils ein Portlet zur Integration seiner "4i"-Plattform in das Weblogic- und Websphere-Portal.

Praktisch alle namhaften Portalhersteller bieten Schnittstellen zu SAPs ERP-Software und einigen anderen weit verbreiteten Softwareprodukten an. Doch auch die Walldorfer selbst wollen das Benutzer-Frontend mitgestalten und schicken ihrerseits ein Portal ins Rennen. Jüngst brachte die für diesen Geschäftsbereich zuständige Konzerntochter SAP Portals die Version 5 des "Enterprise Portal" auf den Markt (siehe "Konkurrenzprodukte am Browser vereint" auf Seite 15). Zwar ist SAP spät in das Portalgeschäft eingetreten, doch die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht. Nach den Erfahrungen von Peter Oltmanns, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Chorus, die bereits einige Portalprojekte in deutschen Firmen realisiert hat, entscheidet sich das Gros der Kunden entweder für die Lösung von IBM oder SAP. "Die Wahl fällt auf Websphere, wenn die Technologen in den Unternehmen das Wort haben, die sich eine Middleware zur Integration heterogener Anwendungen wünschen. SAP erhält den Zuschlag direkt aus der Geschäftsleitung, da R/3 in vielen Firmen den Kern der IT-Umgebung bildet." Den Walldorfern werde zugebilligt, sich mit Geschäftsprozessen auszukennen. Die Iview-Mechanismen von SAP Portals finden auch bei der Konkurrenz Anklang. So nahm IBM die Technik in Lizenz, um ein Portlet für den Zugriff auf Mysap.com-Produkte zu schreiben. Auch Bea arbeitet eigenen Angaben zufolge an einem solchen Portlet.

Gegen IBM, Bea, SAP und andere IT-Größen treten vergleichsweise kleine Hersteller an, die sich auf Portaltechnologie spezialisiert haben. Zu ihnen zählt beispielsweise Epicentric mit deutscher Niederlassung in Karlsruhe. Zur Applikationsintegration setzen diese Anbieter nicht auf Portlets, sondern haben eigene Technik entwickelt. Epicentrics "Foundation Server 4.0" greift unter anderem über "Building Block Modules" auf Drittprodukte zu. Diese Komponenten zeigen lediglich die grafische Benutzeroberfläche der jeweiligen Anwendung auf dem Portal an.

Neue Geschäftsprozesse im PortalFür eine tiefere Integration wurden weitere, in Java geschriebene Module entwickelt - zum Teil von Epicentric selbst, zum Teil aber auch von Systemintegratoren. Die "Epicentric Module Suite for Siebel E-Business Applications" erlaubt beispielsweise die Einbindung der Software des CRM-Marktführers. Von der Konkurrenz will sich Epicentric mit dem kürzlich vorgestellten "Foundation Builder" abheben. Er soll es Anwendern ermöglichen, Portalanwendungen zu entwickeln, um Geschäftsprozesse zu gestalten, die unterschiedliche Applikationen einbeziehen. Trotz des Wettbewerbsumfelds arbeitet Epicentric oft mit Bea zusammen, da der Portalspezialist keinen eigenen Applikations-Server vermarktet, sondern sich marktgängiger Produkte wie etwa Weblogic bedient.

Zu Epicentrics direkten Konkurrenten zählt die ebenfalls aus den USA stammende Firma Plumtree mit Sitz in Dornach bei München. Der Hersteller gilt in seinem Heimatmarkt als Marktführer, ist hierzulande aber noch kaum in Erscheinung getreten. Die Schnittstellen-Komponenten subsumiert der Anbieter unter der Bezeichnung "Gadgets". Um nicht als proprietär in Verruf zu geraten, will Plumtree Java-basierende Portlets unterstützen. Dem Zeitgeist entsprechend taufte man dieses Vorhaben "Gadget Web Services". Hintergrund der Plumtree-Ankündigung ist das Bestreben verschiedener Firmen, im Java Community Process eine einheitliche Spezifikation für Portlets zu kreieren (Java Specification Request JSR 168, Portlet Specification). Federführend hierbei sind Sun und IBM, in der Expertengruppe sitzen unter anderem Epicentric, SAP, Oracle, Apache Software Foundation, Iona, ATG und HP. Ziel der Spezifikation ist die Interoperabilität zwischen Portlets und Portalen durch einen Satz verbindlicher Application Programming Interfaces (APIs). Neben Plumtree haben auch die Content-Management-Spezialisten Vignette, Interwoven und Documentum sowie Sybase, Silverstream, Tarantella und Macromedia versprochen, diese Spezifikation zu unterstützen.

Ein anderer Portalstandard zeichnet sich in dem XML-Gremium Organization for the Advancement of Structured Information Standards (Oasis, www.oasis-open.org) ab. Ein Komitee aus Herstellern entwickelt dort Web Services for Remote Portals (WSRP). Damit soll es möglich sein, Portalelemente einer Site in andere Portale einzubinden, und zwar auf der Grundlage von Web-Services-Standards wie Simple Object Access Protocol (Soap) und Web Services Description Language (WSDL), unabhängig davon, ob diese nun in einer J2EE- oder Microsofts .NET-Umgebung laufen. So könnte beispielsweise ein Unternehmen die Funktion zum Einsehen der Telefonrechnung vom Portal eines Mobilfunk-Netzbetreibers in das hauseigene Intranet-Portal einbinden, ohne Portlets entwickeln oder sich über die Implementierung des remoten Portals Gedanken machen zu müssen.

So vielversprechend die Portalphilosophie der Hersteller auch klingen mag, die Anwenderwirklichkeit sieht meist anders aus. Nach den Worten von Peter Oltmanns vom Beratungshaus Chorus sind viele Unternehmen heute noch nicht in der Lage, solche Portale einzuführen, da die erforderliche BackendIntegration noch nicht stattgefunden hat. Zudem fehlen häufig durchgängige Benutzerverzeichnisse, um ein Single-Sign-on zu realisieren, so dass sich der Anwender nicht an jeder über das Portal zur Verfügung gestellten Applikation einzeln anmelden muss. Nur einige Anwendungs-Frontends vom Windows-Desktop in den Browser zu verfrachten ist zwar ein erster Schritt, bringt aber zunächst keinen Produktivitätsgewinn. Am Anfang einer Portalstrategie steht deshalb einmal mehr die Definition und Abbildung der relevanten Geschäftsprozesse.

Neun KomponentenDas Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) aus Stuttgart teilt in einer Marktübersicht für Portalsoftware die Funktionen solcher Systeme in neun Module ein:

- Workflow-Unterstützung,

- Dokumenten-Management,

- Community und Kommunikation,

- Unterstützung von Collaborative Work,

- Content-Management-System,

- Systemverwaltung und Sicherheit,

- Personalisierung,

- Suche und Agenten sowie

- Shop-System.

Portal-PlayerDie Portalbranche lässt sich grob in vier Gruppen einteilen:

Anbieter von Applikations-Servern: Sie betrachten ihr Portalprodukt als Ergänzung ihrer Plattformstrategie. Den Schwerpunkt ihrer Produktphilosophie legen sie daher auf Integration. Da mit App-Servern allein nicht mehr allzu lange große Umsätze erzielt werden können, wollen diese Firmen ihrer Kundschaft Zusatzprodukte andienen.

Hersteller von Anwendungssoftware: Siebel, Baan, Peoplesoft und SAP bieten ebenfalls Portalsoftware an. Auch ihnen geht es darum, Firmen, die bereits ein ERP-Backbone beziehungsweise CRM-Systeme besitzen, nun auch mit einem Portal zu beglücken, über das der Anwender die hauseigene Software sowie Business-Produkte von Konkurrenten bedient. Für sie ist das Portal die künftige Benutzer-Schnittstelle für Applikationen.

Portalspezialisten: Companies wie Plumtree, Viador und Epicentric haben den Begriff Firmenportal mitgeprägt. Diese jungen Unternehmen haben keine Vorgeschichte als Anwendungs- oder Middleware-Lieferant und bezeichnen sich gern als unabhängigen Technologieanbieter, die den Anwender nicht in eine Richtung zu drängen versuchen. Allerdings macht ihnen zu schaffen, dass Kunden lieber großen Anbietern vertrauen als kleinen Playern.

Content-Management-Anbieter: Zwar entwickeln Firmen wie Pironet NDH, Gauss und Vignette eigene Portalsoftware, doch vermehrt werden Kooperationen mit Portalherstellern aus dem J2EE-Lager, etwa Bea, IBM, ATG, Oracle und Iplanet, bekannt. Der Grund: Die Kunden benötigen zwar Content-Management-Software, wollen diese aber gemeinsam mit ERP- und CRM-Systemen in ein Portal einbinden. Die Integration soll dabei nicht über EAI-Mechanismen des Content-Management-Anbieters, sondern über die Tools eines marktgängigen Applikations-Servers erfolgen.