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25.06.1976 - 

Programmgestaltungssoftware:

Heißer Test mit 50 000 Titeln

MÜNCHEN - Die Musikredakteure des Bayerischen Rundfunks sind nicht mehr auf Spürsinn oder Gedächtnis angewiesen, wenn sie für das Dritte Programm "B 3" Musik zum Thema "Frühling" oder "Skifahren" brauchen: Sie geben am Terminal den Deskriptor ein und können am Bildschirm ablesen welche Titel zu dem Thema verfügbar sind. Durch Antippen mit dem Lichtstift können die gewünschten Stücke ausgewählt und in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden. Ist die Zusammenstellung fertig, kann auf Knopfdruck der Sendelaufplan ausgedruckt werden.

Der Bayerische Rundfunk wendet als erster deutscher, Sender und wahrscheinlich als erste deutsche Station in der Welt die EDV zur Erstellung solcher Sendelaufpläne an, die für jede Musiksendung genau verzeichnen, welche Titel welcher Länge in welcher Reihenfolge gespielt werden sollen. Bisher erfolgte die Aufwahl rein manuell anhand von Karteikarten - danach wurden die Pläne mit der Maschine geschrieben. Das neue System erspart Ziehen und Einsortieren der Karteikarten, erlaubt den automatischen Ausdruck der Sendelaufpläne und ermöglicht dem Programmgestalter, Titel nicht nur nach Interpreten bzw. Autoren (nach ihnen ist die Kartei sortiert), sondern auch nach Sachbegriffen wie "Liebe" zu suchen. Der Computer nimmt dem Redakteur auch noch das Rechnen ab: Am Schirm wird unten laufend angezeigt, wieviel Minuten Laufzeit die ausgewählten Stücke haben und wieviel Sendezeit noch frei ist.

Jährlich 37000 neue Schallplatten

Bisher sind im System rund 50000 Titel gespeichert, das "Minimum dessen, was für eine Programmgestaltung nötig ist". Dabei handelt es sich lediglich um die auf Band vorliegenden Aufnahmen. 450 000 Schallplatten mit leichter Musik stehen außerdem im Archiv. Jedes Jahr kommen etwa 37 000 Platten und 7500 Bänder neu hinzu, Engpaß ist jetzt die Datenerfassung: Die dafür eingesetzten eineinhalb Arbeitskräfte schaffen am Bildschirm etwa 30 000 Titel pro Jahr also nicht einmal alle Neuzugänge. Sie verbrauchen etwa zwei Drittel ihrer Zeit mit Recherchen und Kontrollen: Beispielsweise weichen die Angaben der Plattenindustrie über die Laufzeit eines Titels bis zu einer Minute von der tatsächlichen Dauer ab, es fehlen Vornamen von Komponisten oder Angaben, ob es sich um eine Originalzunahme handelt.

500 000 Karteikarten jährlich

Wie dieses Problem rationell gelöst werden kann, ist noch offen: Zur Diskussion steht eine zentrale Datenerfassung für alle ARD-Anstalten, ein Datenträgeraustausch mit der Musikindustrie oder die Möglichkeit, Platten und Bändern am Anfang ein unhörbares Signal mit den wichtigen Daten zu unterlegen.

Was derzeit auf der IBM 370/ 125 des Bayerischen Rundfunks und den fünf Bildschirmgeräten 3277 mit selbstgestrickter Software unter dem TP-Monitor CICS läuft, ist - so EDV-Leiter Wilhelm Zahnder - ein "heißer Test", beschränkt auf Unterhaltungsmusik im dritten Programm und angewendet für etwa 50 Prozent der dort anfallen den Programmgestaltungsarbeit. Geplant ist - in Abstimmung mit den übrigen Rundfunk- und Fernsehanstalten- einerseits die vollständige Erfassung der Inhalte von Wort-, Musik- und Filmarchiven andererseits die Automation weiterer Abrechnungsvorgänge und - langfristig- die automatische Sendung.