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13.09.1996 - 

Virtuelle Unternehmen/Statt schwerfälliger und unflexibler Konzerne:

Helle Köpfe mit häufig wechselnden Kontakten

13.09.1996

Virtuell ist zur Zeit in. Ob Virtual Reality, virtueller Speicher oder virtuelle Unternehmen (VU) - etwas Fiktives schwingt mit. Während die Virtual Reality jedoch dem Anschein nach vollkommen ohne die reale Welt auskommt, sind virtuelle Unternehmen netzwerkartige Zusammenschlüsse von real existierenden Betrieben. Bei dieser engen Zusammenarbeit spielt die Informations- und Kommunikationstechnologie eine entscheidende Rolle. Denn erst der Einsatz dieser Technologie macht das kurzfristige enge Zusammenwachsen - auch über große Entfernungen hinweg - möglich.

In Analogie zur Speicherverwaltung

Der Begriff des virtuellen Unternehmens ist abgeleitet von der virtuellen Speicherverwaltung, die den Hauptspeicher künstlich durch ständiges Aus- und Wiedereinlagern von Daten virtuell vergrößert. Ähnlich wie die Computerprogramme - die nur auf den Hauptspeicher zugreifen und sich nicht um dessen virtuelle Verwaltung kümmern müssen - tritt dem Kunden ein virtuelles Unternehmen auch nur als Gesamtheit gegenüber. Die Frage, welches der beteiligten Unternehmen welche Aufgaben erfüllt, braucht den Kunden nicht zu kümmern.

Eine Zunahme virtueller Unternehmen ist zu beachten, vor allem in innovativen Märkten - mit dem Ziel, um kurzfristig auftretende Wettbewerbschancen zu nutzen, die einzelne der beteiligten Unternehmen allein nicht wahrnehmen könnten. Jeder der beteiligten Betriebe bringt seine Kernkom- petenzen mit in das VU ein. Kosten, Risiken und Wissen verteilen sich auf den Unternehmensverbund.

Der Unterschied zu sonstigen Zusammenschlüssen wie Konsortien, Joint-ventures oder strategischen Allianzen besteht in der engen netzwerkartigen Verflechtung. VUs existieren grundsätzlich nur kurzfristig für ein bestimmtes Projekt und einen begrenzten Zeitraum. Ist das Projekt beendet, hat auch das virtuelle Unternehmen seinen Zweck erfüllt. Die Partner trennen sich wieder und schließen sich möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt -meist in anderen Konstellationen - erneut virtuell zusammen.

Die Zusammenarbeit durchläuft dabei im wesentlichen folgende vier Phasen:

Am Anfang müssen sich geeignete Betriebe finden, die das virtuelle Unternehmen gründen. Die Initiative kann dabei von einem der später am VU beteiligten Unternehmen oder von einem Broker ausgehen.

Typischerweise kommen erst einmal solche Unternehmen zusammen, die schon Geschäfte miteinander getätigt haben und sich gegenseitig vertrauen. Die Suche nach eventuell noch fehlenden Partnern erfolgt zum Beispiel über elektronische Kataloge oder den Broker. Sobald die Beteiligten feststehen, treffen sie als zweiten Schritt Vereinbarungen über die Dauer der Zusammenarbeit, die Arbeitsaufteilung, Verfahrensregeln und das Projektmanagement. Außerdem vereinbaren sie Stimm- und Vetorechte innerhalb der Kooperation.

In der dritten, zentralen Phase der Zusammenarbeit gleichen sich die Unternehmen im VU in Teilbereichen einander an. Die DV-Systeme werden verbunden, Expertengruppen aus verschiedenen Bereichen und Betrieben arbeiten eng zusammen.

Da oft große räumliche Entfernungen zwischen den Partnern liegen und die Kommunikation zum überwiegenden Teil über Computernetzwerke geschieht, hängt der Gesamterfolg nicht unwesentlich von der reibungslosen Zusammenarbeit der DV-Systeme ab. Der starke Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik ist unverzichtbar. Allein die Nutzung der DV macht eine Zusammenarbeit von Unternehmen möglich.

Jedes Unternehmen bringt seine Kernkompetenzen mit in den Verbund ein, um ein Wissensnetzwerk zu bilden. Das dezentrale Expertenwissen der einzelnen Firmen wird dem VU zur Verfügung gestellt, so daß es vom umfangreichen Spezialwissen aus verschiedenen Bereichen profitiert. Gerade dieses geballte Know-how, das zudem sehr kurzfristig entsteht, bringt die gewünschten Wettbewerbsvorteile. Doch nicht jedes virtuelle Unternehmen wird auch zwangsläufig erfolgreich sein. Fehlt das gegenseitige notwendige Vertrauen, kommt es schnell zu Problemen. Daher sind gerade im VU fähige und auch mental geeignete Mitarbeiter gefragt. Daneben ist offene und auf Standards basierende DV- und Kommunikationstechnik ein Erfolgsfaktor.

*Christian Schreiber ist freier Fachautor in München.