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17.12.1999 - 

System-Management/Wie sollen externe Ressourcen verwaltet werden?

Herausforderung E-Business: Steilpaß für das IT-Management

Die Verlagerung der Geschäftstätigkeiten ins Internet stellt neue Anforderungen an das System-Management. Im E-Business-Zeitalter müssen IT-Verwaltungsroutinen zwar nicht neu definiert, jedoch intensiver eingesetzt werden. Michael Santifaller* liefert Anhaltspunkte für ein effizientes Management der IT-Ressourcen in einer veränderten Geschäftswelt.

"Für jede neue Anwendung, die bei uns zum Einsatz kommt, muß ich eine Person aus dem IT-Fachbereich nur für die Anwendungsbetreuung abstellen. Eigentlich sollte sich der Mitarbeiter dann um fachliche Fragen oder Probleme in der Anwendung kümmern. Oft ist dann irgend was am Host oder an der Datenbank nicht Ordnung, und dann muß der- oder diejenige den halben Tag hinter den Administratoren hertelefonieren und diese davon überzeugen, daß bei denen was nicht in Ordnung ist." So schildert ein IT-Fachbereichsleiter eines großen deutschen Konzerns eines seiner schwierigsten Probleme. Was aber hat diese Aussage mit E-Business zu tun, wird man vielleicht fragen.

Die Firma, für die dieser Herr arbeitet, ist dabei, ein E-Business-Unternehmen zu werden. Womit bereits ein Teil der Begriffsdefinition erledigt wäre. E-Business ist also keine andere Bezeichnung für E-Commerce, sondern bezeichnet eine Organisation, die kritische Geschäftssysteme direkt mit den IT-Ressourcen wichtiger Partner (Kunden, Angestellte, Vetriebspartner und Lieferanten) via Intranet, Extranet und das World Wide Web verbindet und dabei seine Geschäftsprozesse verändert.

E-Commerce ist somit nur eine von vielen Anwendungen, die in einem E-Business zum Einsatz kommen. Daneben gibt es andere bekannte Anwendungen, wie Fertigungssteuerung, Lagerverwaltung, Einkauf, Finanzbuchhaltung, Personal- oder Kundenkontaktverwaltung. Neu ist nun der Zwang, diese Prozesse und die sie unterstützenden IT-Anwendungen miteinander eng und zeitnah zu integrieren.

Das Zauberwort für die Lösung dieses Problems heißt Enterprise Application Integration (EAI). EAI verbindet nicht nur vorhandene Anwendungen miteinander, sondern versieht diese auch mit neuen, Internet-fähigen Schnittstellen. Technisch umgesetzt wird EAI heute in erster Linie durch Applets, Java Application Server, Servlets, Java Server Pages und Enterprise Javabeans. Sie liefern die Dienste, die für eine zuverlässige Integration benötigt werden: Transaktionen, Aktivierung, Kommunikation und Konnektoren zu den Legacy-Diensten der Bestandsanwendungen. Das bedeutet auch, daß die neu entstehenden E-Business-Anwendungen Server-zentrisch und Thin-Client-orientiert sind (siehe Abbildung).

Nun entstehen dadurch äußerst komplexe IT-Umgebungen, die sich aus eigenen und Standardanwendungen, E-Commerce-Komponenten, Middleware wie etwa OLTP-Monitoren (Online Transaction Processing), Message-oriented Middleware (MOM) und Verzeichnisdiensten (Directories), Datenbanken, Web- und Application-Servern, Firewalls und Netzwerkkomponenten und den sie tragenden Client- und Server-Systemen zusammensetzen. Der Ursprung der Komplexität und Vielfalt im E-Business ist jedoch nicht in den neuen Technologien verankert, sondern in den Legacy-Umgebungen, die integriert werden müssen.

Durch die Verzahnung mit Lieferanten und Kunden liegen Komponenten und Schnittstellen des E-Business jetzt auch außerhalb des eigenen Einflußbereichs, zum Beispiel in Form von Applets in den externen Browsern. Daher müssen zum einen Sicherheitsmaßnahmen besonders gut installiert sein; zum anderen entziehen sich Randbedingungen des Betriebs wie die Bandbreiten im WAN, Ressourcen im Zugangsgerät oftmals der Kontrolle des IT-Personals.

Nachdem nun definiert ist, daß eine E-Business-Infrastruktur nicht nur aus einigen Web-Servern besteht, lassen sich auch die Anforderungen an das E-Business-Management bestimmen. Dazu zählen:

-Die höchste (das heißt ständige) Verfügbarkeit und optimale Performance aller Komponenten (die ja jeweils Glieder in einer integrierten Prozeßkette sind) ist zu gewährleisten. Erreichen läßt sich das durch ein effizientes Operating;

-die Komplexität der Infrastruktur, die nur noch von Experten in ihrer Gesamtheit, daß heißt den Abhängigkeiten der Komponenten voneinander, verstanden wird;

-eingeschränkte Ressourcen und die Kontrolle über das Extranet-Umfeld.

Aus Sicht der Management-Disziplinen liegen die Schwerpunkte beim E-Business-Management ganz eindeutig im Bereich Verfügbarkeits- und Kapazitäts-Management. Aufgrund von Server-Zentrierung und Thin-Client-Ausrichtung spielt Automation im Konfigurations-Management eine eher untergeordnete Rolle. Für die Qualität des Managements ist vielmehr die Unterstützung des Operatings und der dort angesiedelten Prozesse von größter Bedeutung.

Um höchstmögliche Verfügbarkeit sicherzustellen, müssen alle Komponenten und die von ihnen benötigten Ressourcen in ihren Funktionen überwacht werden. Das sollte so geschehen, daß eine Früherkennung von Problemen möglich ist, damit noch Zeit zum Eingreifen bleibt. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Funktionen müssen kontrolliert werden, indem bei der Entwicklung der Anwendungen die Programme ausreichend instrumentiert werden, um Aussagen über den Zustand der Applikationen machen zu können. Test-Schnittstellen zur logischen Prüfung der Funktions- und Leistungsfähigkeit im laufenden Betrieb müssen bereitgestellt werden. Außerdem liefern viele Anwendungen Informationen für die langfristige Auswertung in Log-Dateien. Diese sind so zu formatieren, daß eine automatische Verwertung der Informationen für das IT-Management möglich ist.

In der Realität ist es um diese Anforderungen, insbesondere bei den dezentralen Systemen, schlecht bestellt, weil sich die Entwicklungsabteilungen mit dem Problem des Managements von Anwendungen nicht genügend auseinandersetzen. Wenn Infrastruktur für eine Komponentierung der Software eingesetzt wird, wie es etwa bei CICS auf dem Host oder bei Enterprise Javabeans in Application-Servern der Fall ist, besteht über die Ablaufumgebung die Möglichkeit, den Entwicklern einen Teil der Management-Aufgaben abzunehmen. Schnittstellen für die Bedienung der Anwendung, unter anderem für ein geordnetes Anhalten, Starten und Rücksetzen, sind von größter Bedeutung.

E-Businesses definieren in der Regel für die Entwicklungsabteilungen und Entwicklungspartner Standards, die das Management von eigenen Anwendungen erlauben. Bei der Auswahl von Standardsoftwareprodukten werden Anbieter bevorzugt, die für ihre Produkte Management-Module vorweisen können. Hersteller von Management-Umgebungen, wie etwa Tivoli, unterstützen diese Anstrengungen mit Werkzeugen und Integrations-Frameworks, um Standards für Schnittstellen und Methodik zu etablieren.

Die Komplexität im IT-Umfeld wird größer, da für einzelne Verwaltungsdisziplinen wie Netzwerk-, System-, Anwendungs- und das Middleware-Management jeweils andere Teams eingesetzt werden. Diese Gruppen müssen ihren Funktionen entsprechend mit Informationen über den Zustand von Ressourcen in ihrem Arbeitsfeld versorgt werden. Darüber hinaus sollten die Arbeitsabläufe innerhalb und die Kommunikation zwischen den Gruppen gesteuert und unterstützt werden. Die Definition eines konkreten Arbeitsprozesses kann allerdings auch das beste Werkzeug nicht ersetzen.

E-Businesses verwenden Management-Frameworks, in denen sich alle IT-Ressourcen einheitlich definieren lassen. Aufgrund der dadurch möglichen Modellierung von einzelnen Business-Systemen mit ihren Subsystemen und Plattformen kann jedem Management-Team die für es zutreffende Sicht geliefert werden. Die Abwicklung von Prozessen wird von Workflow-Tools und Wissensdatenbanken unterstützt, die automatisch mit Ereignissen beliefert werden. Über vorgefertigte Eingriffswerkzeuge lassen sich Fehler einfach beseitigen. Eine der größten Herausforderungen ist dabei, daß diese ebenfalls komplexen Management-Anwendungen sich dynamisch den ständigen Veränderungen in der IT-Infrastruktur anpassen können.

Die umfassendsten Neuerungen ergeben sich im Extranet-Umfeld, weil sich die außerhalb des Unternehmens verwendeten Ressourcen und Schnittstellen zur eigenen IT dem Zugriff des hausinternen Managements entziehen. Das wiegt um so schwerer, als die externen keineswegs eine geringere Bedeutung haben als die internen Komponenten. Ein direkter Zugriff auf die Endgeräte des Geschäftspartners oder die Kunden für das Management ist jedoch nicht möglich. Damit ist die Installation von Mechanismen zur Überwachung der Zugriffe auf Ressourcen des eigenen Unternehmens nur möglich, wenn die jeweiligen Inhaber kooperieren.

Extranet-Verwaltung ist noch nicht gelöstEin weiteres Problem ist die Kommunikation von Agenten im Extranet mit dem Management-System. Der Informationsaustausch muß über Firewalls geschleust werden, wobei Netzwerkadministratoren keine zusätzlichen Sicherheitslücken zulassen wollen. Schließlich ist die Bandbreite im Extranet geringer als im LAN, außerdem ist sie nicht zu jeder Zeit garantiert. Diesem Umstand sollte bei allen Management-Disziplinen, insbesondere aber beim Downloaden von Programmen und Daten, Aufmerksamkeit geschenkt werden. E-Businesses verwenden daher Management-Software, die proprietäre Protokolle über HTTP tunnelt und Übertragungsbandbreite durch Komprimierung und Erkennung von Redundanzen einspart. Die Agenten können vom Partner oder Kunden konfiguriert werden, so daß kein Mißtrauen entstehen kann.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß auf die Management-Systeme mit Ausnahme des Extranet-Umfelds keine neuen Herausforderungen zukommen, vorhandene Lösungen müssen allenfalls besser genutzt werden. In den zentralen Funktionen stellt sich die Herausforderung, die zusätzliche Komplexität der E-Businesses zu bewältigen. Hier sind seitens des Herstellers noch einige Anstrengungen zu unternehmen, bis das Management von E-Business den hohen Erwartungen der Anwender entsprechen wird.

ANGEKLICKT

E-Business heißt nicht, daß sich Unternehmen einen Web-Server ins Haus holen und ihre Tätigkeit im Internet darstellen. Wer das weltweite Web als Grundlage für die Partner- und Kundenbeziehungen nutzen oder sich neue Vertriebswege erschließen will, muß seine internen Arbeitsabläufe überprüfen. Das beinhaltet gleichermaßen die hausinterne IT-Umgebungen und deren Verwaltung. Erschwerend kommt hinzu, daß E-Business sich auch auf Ressourcen erstreckt, die außerhalb der Unternehmens-IT liegen und sich somit der Kontrolle der internen IT-Abteilung entziehen.

*Michael Santifaller ist Geschäftsführer der Santix Software GmbH in Unterschleißheim bei München.