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30.03.1984

Herausforderung für die DV

Die Datenverarbeitung in Großunternehmen befindet sich im Umbruch. Dabei nehmen Mikrocomputer eine zunehmend wichtige Rolle ein. Die Verantwortlichen haben erkannt, daß der Einsatz der Kleinrechner nicht nur ein Gebot der Wirtschaftlichkeit, sondern auch eine sinnvolle Optimierung vorhandener Ressourcen darstellt. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich im vergangenen Jahr eine Gruppe von Führungskräften aus Organisation und Datenverarbeitung zusammengefunden (siehe Seite 1) um Leitlinien und Charakteristiken für die Mikro-/Mainframe-Kopplung zu erarbeiten. Das Arbeitsergebnis der deutsch-schweizerischen Spezialistenrunde wurde jetzt in Form einer rund 70seitigen Broschüre vorgelegt, deren Inhalt hier auszugsweise wiedergegeben ist.

Mikrocomputer können nicht unkoordiniert eingesetzt werden. Ein zentrales Konzept für ihren Einsatz ist erforderlich, mit dem gleichermaßen auf die autonomen Interessen der Endbenutzer wie auf die notwendigen zentralisierenden Koordinierungsinteressen Rücksicht genommen werden muß. Die Verantwortung für eine solche Einsatzplanung übernimmt ein "Informationsmanager". Das ist die Fortentwicklung des herkömmlichen EDV-Leiters, der sein berufliches Selbstverständnis über die Bereiche der klassischen Datenverarbeitung hinausgehend auf die Informations- und Kommunikationstechnik weiterentwickelt und ausgedehnt hat.

Zentral oder dezentral

Die Mikrocomputer stellen eine Herausforderung für die Datenverarbeitung (DV) in Großbetrieben dar. Es gilt, von den bekannten zentralistischen Verantwortungsstrukturen zu einer mehr dezentralen Struktur zu gelangen. Mit dieser gewollten Dezentralisierung soll vor allem die Eigeninitiative der Anwenderabteilungen, die mit den Mikrocomputern aufgekommen ist, erhalten bleiben und sogar gefördert werden.

Diese Dezentralisierung kann jedoch nicht ohne Koordination stattfinden. Der Grad der zentralen Einflußnahme hängt sicherlich von unternehmensbedingten Gegebenheiten ab. Firmen, die prinzipiell eine zentralisierte Struktur besitzen, werden im Rahmen dieser Koordination einen stärkeren Einfluß ausüben wollen als Unternehmen mit einer dezentralisierten Organisationsstruktur.

Der Prozeß einer Dezentralisierung der Informationsverarbeitung muß gelenkt werden, wenn nicht massive Gefährdung für die Datenintegrität und die Wirtschaftlichkeit der Informationsverarbeitung in Kauf genommen werden sollen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß es für Mikrocomputer autonome Anwendungen gibt, die keine oder nur geringe Koordinierungsanforderungen besitzen. Es gilt, den Grad an Zentralismus hier so gering wie möglich zu halten, um die wünschenswerte Eigeninitiative des Endanwenders nicht zu lähmen.

Für ein strategisches Konzept des Einsatzes von Mikrocomputern sind vor allem die nachfolgenden Funktionen bedeutsam:

1. Speicherung der Datenbestände

2. Verarbeitung der Daten

3. Software-Verantwortung

Für die Entscheidung, ob die Speicherung der Datenbestände zentral oder dezentral erfolgen soll, sind technische oder wirtschaftliche Argumente von untergeordneter Bedeutung. Größe und Zuverlässigkeit der Massenspeicher von Mikrocomputern gleichen denjenigen von Großrechnern vergangener Generationen. Auch hinsichtlich der Zuverlässigkeit bestehen keine Unterschiede. In den Speichereinheitskosten sind ebenfalls keine signifikanten Unterschiede festzustellen. Die fraglichen Entscheidungen sind letztlich nur unter dem Aspekt der Datenqualität zu treffen.

Datenspeicherung zentral

Gemeinschaftliche Zugriffe auf eine Datenbasis, die möglicherweise von verschiedenen betrieblichen Stellen verwaltet wird, verlangen nach einer zentralen Speicherung. Dies gilt zumindest solange, wie lokale Netzwerke in ihren Durchgriffsmöglichkeiten noch beschränkt sind.

Eine dezentrale Speicherung solcher, von verschiedenen Stellen zu nutzender Datenbestände, hätte ein unerträgliches Maß an Datenredundanz zur Folge. Durch den dezentralisierten und somit kaum koordinierbaren Änderungsdienst würden erhebliche Doppelarbeiten ausgeführt werden. Zudem wären damit massive Nachteile für die Datenkonsistenz und -integrität verbunden.

Analog gilt für die umgekehrten Ausgangsvoraussetzungen sinngemäß das gleiche. Eine dezentrale Speicherung nur dezentral zu nutzender Datenbestände ist sinnvoll.

Die Entscheidung, ob eine zentrale oder dezentrale Verarbeitung stattfinden soll, fällt schwerer. Die Leistungsfähigkeit der Mikrocomputer streut sehr breit. Es gibt ganz erhebliche Leistungs- und Größenunterschiede, die mit einem Faktor "größer 10" anzusetzen sind. Oftmals wird es schon allein aus Gründen der benötigten Verarbeitungsleistung erforderlich sein, auf die größeren Kapazitäten des Großcomputers (Host) zurückzugreifen.

Temporäre Abkopplung

Die relative Begrenzung der Mikrocomputerleistung wird auch weiterhin bestehen bleiben, wenngleich natürlich die absoluten Grenzen immer weiter nach oben verschoben werden. Es muß allerdings beachtet werden, daß sich bei den Mikrocomputern schon in naher Zukunft ganz massive Leistungssteigerungen bei den Prozessoren ergeben werden, so daß in vermehrtem Umfang eine dezentrale Verarbeitung von zentral gespeicherten Daten möglich wird.

Dabei ist zu berücksichtigen, daß eine Ressourcenbeanspruchung aus der erforderlichen Datenübertragung vom Host zum Mikrocomputer stattfindet. Die Beanspruchung der Systemressourcen kann alleine aus dieser Übertragung so groß werden daß schon deswegen eine zentrale Verarbeitung sinnvoll ist.

Grundsätzlich ist die dezentrale Verarbeitung sowieso nur bei passiver Nutzung der Datenbestände möglich. Dies obendrein unter der Randbedingung, daß die dezentrale Verarbeitung auf hochaktuelle Daten verzichten kann. Nach der Übertragung des Datenbestandes auf den Wirkungsbereich des Mikrocomputers erfolgt eine temporäre Abkopplung vom Online-Änderungsdienst auf zentraler Ebene. Unter diesen Aspekten erscheint für bestimmte Aufgaben, auch angesichts stark steigender Verarbeitungsleistungen auf den Mikrocomputern, eine umfassende zentrale Verarbeitung zentraler Datenbestände wahrscheinlich.

Softwareverantwortung

Hinsichtlich der Software-Verantwortung stellt sich ebenfalls die Frage, ob diese zentral oder dezentral getragen werden soll.

Generell gilt zunächst, daß für zentrale Aufgaben auch eine zentrale Softwareverantwortung gegeben sein muß. Zu diskutieren ist die Frage der Softwareverantwortung für dezentral auszuführende Aufgaben, Für vollständig individuelle Anwendungssoftware dezentraler Anwendungen ist gegen eine dezentralisierte Softwareverantwortung grundsätzlich nichts einzuwenden. Typischer Anwender hierfür: Der in Forschung und Entwicklung tätige, Fortran-programmierende Ingenieur.

Der Anteil der Eigenprogrammierung mit herkömmlichen Programmiersprachen soll beim Einsatz von Mikrocomputern schon aus wirtschaftlichen Gründen so klein wie möglich gehalten werden. Die Suche nach fertiger Anwendungssoftware könnte sehr gut die Aufgabe einer zentralen Koordinierungsstelle sein, zumal gerade auch dieser Markt immer schwerer zu durchschauen ist.

In jedem Fall ist zu fordern, daß die anwendungsunabhängige Software innerhalb eines Unternehmens möglichst einheitlich ist. Zu dieser anwendungsunabhängigen Software zählen wir neben dem Betriebssystem vor allem anwendungsnahe Applikationen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation ("Calcs"), Auskunftssysteme, Präsentationsgrafiken und Datenverwaltungssysteme.

Es muß bedacht werden, daß die dezentral tätigen Programmentwickler oftmals (meistens?) software-technische Laien sind, deren Befähigung zur Problemlösung und Fehlerbehebung begrenzt ist. Folge: Bei Problemen muß der Softwareprofi der zentralen DV des öfteren als Retter in der Not einspringen. Er trifft dabei nicht selten auf Software-Elaborate, deren Bestimmungsort eigentlich nur noch der Papierkorb sein kann.

Richtlinien für die dezentrale Softwareverantwortung und Softwareentwicklung sind zu fordern. Die Profis müssen dabei allerdings umlernen. Jener Grad von Perfektionismus, der die Großrechneranwendung fast immer kennzeichnet, kann bei Mikrocomputeranwendungen oftmals unangebracht sein. Im Interesse der Wirtschaftlichkeit kann gerade bei der Entwicklung von "Einmal"-Software die Improvisation eine Tugend sein.

Wir bekennen uns in diesem Zusammenhang klar zu einer "Quick-and-dirty" -Lösung. Die Maxime kann allerdings (fast) nur für kurzlebige Software mit begrenztem Funktionsrahmen gelten. Haben wir es mit "Dauer-Programmen" zu tun, die möglicherweise Integrationsanforderungen zu erfüllen haben, sind diese Softwareschnellschüsse nicht mehr angebracht und vertretbar.

Mit steigender Leistung der Mikrocomputer wachsen auch der mögliche Umfang und der Leistungsgrad dezentral durchführbarer Aufgaben. Zur Gewährleistung einer wirtschaftlichen Arbeitsweise, auch bei diesen dezentralen Aufgaben, ist eine an professionellen Maßstäben ausgerichtete Arbeitsweise und Produktqualität anzustreben. Die zuvor skizzierten Bedingungen für eine "Quick-and-diry"-Lösung gelten hier weiterhin.

Diese Qualitätssicherung kann über eine Koordinierungsstelle ausgeübt werden, die zweckmäßig der zentralen DV zugeordnet wird. Eine zentrale Verantwortung für die Softwarequalität scheint notwendig. Das erforderliche Know-how ist bei der zentralen DV in der Regel vorhanden. Es ist darauf zu achten, daß die zentrale DV aus dieser Koordinierungs- und Überwachungsaufgabe allerdings keinen Machtmißbrauch betreibt.

DV-Leiter vor dem Wendepunkt

Der "klassische EDV-Leiter" wird dieser Aufgabe nur bedingt gewachsen sein. Als Verantwortlichen sehen wir in dieser Aufgabe in Zukunft mehr und mehr einen "Informationsmanager", der alle Kommunikations- und Informationsaufgaben wahrzunehmen hat. Die herkömmliche DV ist in Zukunft eine von mehreren Aufgaben des "Informationsmanagements". Der Informationsmanager ist vorzugsweise selber Geschäftsleitungsmitglied oder zumindest der Geschäftsleitung direkt unterstellt.

Diese Koordinierungsstelle erarbeitet nicht nur Richtlinien für die Softwareentwicklung, sondern erläßt auch Richtlinien für die Auswahl von Systemsoftware, systemnaher Software und Anwendungssoftware. Es ist davon auszugehen, daß der stark expandierende Softwaremarkt vom nur Nebenbei-Softwareentwickler der Fachabteillung nicht hinreichend schlüssig beurteilt werden kann. Er wird unter diesen Voraussetzungen bespielsweise oftmals eine Entscheidung zugunsten einer Eigenentwicklung fällen, die besser und wirtschaftlicher mit Standardpaketen und/oder Tools abgedeckt werden könnte.

Konzeptionell wird damit dem Gedanken eines Informationscenters gefolgt (siehe Grafik), dessen strukturorganisatorisches Konzept aus unserer Sicht wie folgt dargestellt werden kann:

Es sind aus dieser Darstellung sowohl die Benutzer- Selbsthilfefunktionen als auch die Consulting-Funktionen klar erkennbar.

Die planmäßige Dezentralisierung der Informationsverarbeitung setzt ein Konzept voraus, in welchem auch zukünftige Dienste (Teletex, Btx etc.) zu berücksichtigen sind. Der Mikrocomputer ist in einem solchen Konzept lediglich eine von vielen Gestaltungskomponenten. Derartige Konzepte haben, wie wir aus unseligen MIS (Management-Informations-System)- Zeiten noch bestens wissen, die Eigenschaft, noch während ihres Entstehens von den realen Entwicklungen überholt zu werden.

Dieser Überholungseffekt ist maßgeblich durch den zeitkonsumierenden Perfektionismus bedingt. Für die Praxis gilt es vor allem, die sich bietenden Möglichkeiten zügig nutzbar zu machen. In diesem Sinne ist dieses Konzept eher als eine Art "Schnellplan", als ein voluminöses "Jahrtausend-Werk" zu verstehen. Im Rahmen eines solchen Konzeptes sind folgende Regelungen zu treffen:

Betriebsmitteleinsatz:

- Zentrale Systeme

- Lastverteilung

- auf zentralen Host

- auf Minicomputer

- auf Mikrocomputer

- Kommunikationseinrichtungen

- Kommunikationsverfahren

- Software

- Kompatibilitätsvoraussetzungen

- Netzwerkfähigkeiten

- Wachstumsmöglichkeiten.

Koordination der Softwareentwicklung:

- Entwicklungsrichtlinien

- Richtlinien für die Dokumentation

- Programmiersprachen

- Tools

- Fragen von Datesicherheit und Datenschutz

- Betriebssystementscheidungen.

Zu den Aufgaben dieser Koordinationsstelle gehört fernerhin die Begrenzung der Typenvielfalt bei den Mikrocomputern. Konkret: Empfehlung von zwei oder drei Rechnertypen. Außerdem hat diese Stelle für eine einheitliche Grundausbildung der Anwenderabteilungen zu sorgen.

Ausweg aus der Zwickmühle

Abschließend einige taktische Aspekte: Das strategische Konzept läßt deutlich die notwendigen zentralen Einflüsse erkennen. Mit dieser auch weiterhin zentralen Verantwortung kann die Gefahr verbunden sein, daß die Anwenderabteilungen ihre durchaus erwünschte Eigeninititative beim Einsatz dezentraler Computerleistung vollkommen fallenlassen. Damit hätten wir wieder die unerwünschten Zustände der heutigen hochzentralisierten Groß-EDV. Zudem erfordern geschlossene Konzepte einer künftigen Informationsverarbeitung erhebliche Planungszeiten, in denen die begonnenen, meist unkoordinierten Einsätze von Mikrocomputern nicht gestoppt werden können und sollen. Ein möglicher Ausweg aus dieser Zwickmühle - Erhaltung des Engagements einerseits und zentrale, zeitaufwendige Planung andererseits - kann in erfolgreichen Pilotanwendungen von Mikrocomputern bestehen, die unter Betreuung der erwähnten Koordinierungsstelle durchgeführt werden können.

Gesamtkonzept realisieren

Aus dem strategischen Gesamtkonzept ergibt sich eine Zweiteilung der Anwendungsgebiete für Mikrocomputer in Großunternehmen:

- Autonome, lokale Abteilungsaufgaben

- Aufgaben, die innerhalb eines Gesamtkonzeptes wahrzunehmen sind.

Es gibt eine Reihe von spezifischen Kriterien respektive Charakteristiken, die für die Einsatzplanung von Mikrocomputern herangezogen werden können. Die nach unserer Ansicht bedeutsamsten sind in der nachfolgenden Aufzählung enthalten:

- Schnelligkeit der Lösung

- Niedrige Entwicklungskosten

- Begrenzte Nutzungsdauer der Anwendung

- Verwendung abteilungsinterner Daten

- Vertraulichkeit der verwendeten Daten

Zur Gruppierung der konkreten Aufgaben haben wir acht Anwendungsklassen gebildet:

1. Abteilungsinterne Verwaltungsaufgaben

2. Aufgaben der Planung und Entscheidungsfindung

3. Ergebnispräsentation

4. Abteilungsinterne Produktivaufgaben

5. Bürokommunikation

6. Aufgaben der Softwareentwicklung

7. Ausbildung

8. Abteilungsinterne Abfragesysteme.

Softwarenormen einhalten

Betriebssysteme sind der Kern der sogenannten Systemsoftware, von denen der Nutzen eines Computersystems stark beeinflußt wird. Mehr-Benutzer-Betriebssysteme auf Mikrocomputern, also solche, welche die gleichzeitige Nutzung des Systems durch mehrere Anwender erlauben, sind für Großunternehmungen weniger bedeutsam, weil die zentrale Datenbasis ohnehin auf dem Großrechner verwaltet wird. Somit wird der Einsatz von Mehr-Benutzer-Systemen auf jene Sonderfälle beschränkt bleiben, in denen ein Mikrocomputersystem seine eigene Datenbasis verwaltet. Die Anforderungen, die an Ein-Benutzer-Betriebssysteme zu stellen sind, werden von den gängigen Produkten des Marktes in befriedigender Weise erfüllt.

Programmiersprachen für Mikrocomputer werden maßgeblich von Verträglichkeitsgesichtspunkten bestimmt. Es ist einerseits zu fordern, daß Programme zwischen verschiedenen Mikrocomputern transferiert werden können (Portabilität), und andererseits Programme zwischen Rechnern unterschiedlicher Leistungsklassen ausgetauscht werden können (zum Beispiel Mikrocomputer und zentralem Großrechner). Cobol und Fortran bieten in dieser Hinsicht gute Ausgangsvoraussetzungen. Die Compiler-Hersteller sind aufgerufen, sich vermehrt an die bestehenden Normen zu halten. Für andere Programmiersprachen ist der Normungsgrad unzureichend. Das gilt insbesondere für Basic, das wegen seiner leichten Erlernbarkeit auch als Werkzeug für den Endbenutzer in der Fachabteilung in Frage kommt.

Es geht um die Frage der Verbindung des Hosts mit den Mikrocomputern.

So sehr die integrierte, transaktionsausgerichtete Kopplung des Mikrocomputers an den Großrechner auch wünschenswert erscheint (Einkopplung in die Großrechner-Netzwerke), muß die Auffassung vertreten werden, daß eine Kopplung für die einfache Dateienübertragung fürs erste schon die meisten Wünsche erfüllen wird.

Die Anforderungen an einen Dateientransfer gliedern wir in vier Stufen. Mit steigender Stufennummer wachsen die Ansprüche.

Stufe 1: - Aktivität geht vom Mikrocomputer aus, Übertragungsrichtung: Vom Host auf den Mikrocomputer.

Stufe 2: - Wie Stufe 1, aber mit der zusätzlichen Möglichkeit der Übertragungsrichtung vom Mikrocomputer auf den Host.

Stufe 3: - Die Aktivität geht vom Host aus. Der Host aktiviert den Mikrocomputer ohne Operatoreingriffe. Übertragungsrichtung: Vom Mikrocomputer auf den Host.

Stufe 4:- Wie Stufe 3, aber mit der zusätzlichen Möglichkeit der Übertragungsrichtung vom Host auf den Mikrocomputer.

Für die Stufen 1 und 2 würde es anfänglich genügen, wenn nur Textdateien (ASCII-Files) übertragen werden könnten. Für eine Ausbaustufe ist die Übertragungsmöglichkeit von beliebigen Files ohne Zeichenbegrenzung wünschenswert.

Für die Stufen 3 und 4 sollten virtuelle Files vereinbart werden. Darunter werden standardisierte Dateiformate verstanden, die mit beidseitigen (Host und Mikrocomputer) verfügbaren Hilfsprogrammern auf die real benötigten Dateiformate konvertiert werden können. Solche virtuellen Files sollten eine standardisierte Satzlänge haben. Wiederholungszeichen - zum Beispiel Blanks - sollten ausgeschaltet sein. Für diese beiden Stufen müßte die Kommunikationssoftware Bestandteil des Mikrocomputer-Betriebssystems sein.

Der Mikrocomputer muß grundsätzlich in der Lage sein, sich den Software-Anforderungen des Hosts anzupassen. Irgendwelche umgekehrten Anforderungen (der Mikrocomputer stellt Forderungen an den Host) werden aus praktischen Gründen ausgeschlossen. Es wird die Bereitstellung der gängigen Kommunikationsprozeduren seitens der Mikrocomputerhersteller gefordert. Irgendwelche Anpassungen der Host-Prozeduren an die Bedingungen des Mikrocomputers sind auszuschließen. Allgemeine, das heißt, herstellerneutrale Normen für die Kommunikationsprozeduren sind zu fordern, die sowohl für die Hosts, als auch für die Mikrocomputer gelten. Das ISO-Referenzmodell geht im Standardisierungsanspruch den richtigen Weg. Heute existieren in der Praxis nur Quasi-Standards, die von Host-Herstellern mit großen Marktanteilen bestimmt werden.

Der Mikrocomputer soll zudem Host-Terminals emulieren können, so daß der Benutzer ohne Wechsel des Arbeitsplatzes und des Bildschirmgerätes sowohl im Terminalmodus direkt mit dem Host, als auch im Mikro-Modus direkt mit dem Mikrocomputer arbeiten kann.

Somit wäre dann beispielsweise folgender Arbeitsablauf denkbar, wobei die Zeichen TM für Terminalmodus und MM für Mikrocomputermodus stehen.

Phase 1 TM: Aufbereiten einer speziellen Datei für die Übertragung vom Host auf den Mikrocomputer

Phase 2 TM: Übertragen der Datei auf den Mikrocomputer

Phase 3: Wechsel von TM auf MM

Phase 4 MM: Auswerten der Datei auf dem Mikrocomputer (zum Beispiel Editierungsaufgaben)

Phase 5 TM: Zurückbringen der Daten vom Mikrocomputer auf den Host für die Datensicherung und Kommunikation (zum Beispiel Eletronic-Mail).

Bei dieser Kommunikation ist besonderer Wert auf eine einfache Benutzerschnittstelle zu legen. Die Dateitransfers müßten mit einigen ganz wenigen Kommandos wie "Get" oder "Save" durchführbar sein. Die heute auf dem Markt angebotenen Host-Mikro-Kommunikationsprogramme befriedigen die diesbezüglichen Erwartungen noch nicht.

Industriestandards beachten

Es ist wünschbar, daß die Übertragungen zwischen Host und Mikrocomputer nach gängigen Industriestandards aufgebaut und durchgeführt werden.

Die Sicherheit der Systeme und die hinreichenden Ausbaumöglichkeiten lassen Mikrocomputer mit einer Zentralplatine und zusätzlichen Erweiterungssteckplätzen als praxisgerechten Kompromiß erscheinen. Die Zentralplatine sollte eine reichliche Grundausstattung aufweisen. Die modernen 16-Bit-Prozessoren sind in ihrer Leistung für die Anforderungen eines Ein-Benutzer-Betriebes vollkommen ausreichend.

Die Anforderungen an Drucker sind so unterschiedlich, daß die folgende Lösung vorgeschlagen wird: Ein kostengünstiger und leiser Protokolldrucker gehört an jeden Mikrocomputerarbeitsplatz. Alle höheren Ansprüche werden durch einen leistungsfähigeren Drucker abgedeckt, den sich mehrere Benutzer teilen (Cluster-Prinzip).

Terminals müssen die anerkannten ergonomischen Anforderungen erfüllen. Freiprogrammierbare Tastaturen sind eine wichtige Forderung, weil dadurch eine benutzerfreundlichere Gestaltung der Software unterstützt wird.

Wartungsverträge sind wegen der Gerätezuverlässigkeit und der hohen Kosten nicht empfehlenswert. Statt dessen ist eine Selbsthilfeorganisation aufzubauen, die auf der Grundlage von Diagnoseprogrammen und vorhandenen Ersatzgeräten (als Teile-Lieferant in den meisten Fällen durch Austausch der defekten Baugruppe die Betriebsbereitschaft rasch wieder herstellen kann.

Die Broschüre "Der Einsatz von Mikrocomputern in Grußunternehmen" ist für eine Schutzgebühr von 5 Mark beim BVB, Bundesverband für Vertriebsunternehmen Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik e. V. in 6380 Bad Homburg, Ferdinandstraße 14 anzufordern.