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20.05.1994

Hermes nur fuer die OSI-Schichten 5 bis 7 Windows NT soll zur integrierten Networking-Plattform avancieren

MUENCHEN - Mit Microsofts Windows NT Advanced Server ist vergangenes Jahr wieder Bewegung in den Netzwerkmarkt gekommen. Waehrend Novell versucht, Netware mit Applikationen wie Wordperfect auch auf dem Desktop salonfaehig zu machen, sind die Mannen um Bill Gates quasi im Gegenzug bestrebt, ihr Standing im Bereich Server- Plattformen zu verbessern.

Entgegen den hartnaeckigen Behauptungen einer Reihe von Insidern, der Windows NT Advanced Server sei so schlecht verkaeuflich, dass am Produktionsstandort in Schottland langsam die Kapazitaet der Lagerhaeuser knapp werde, ist man bei Microsoft in Unterschleissheim mit dem Erfolg des Netzwerk-Betriebssystems zufrieden. Nach Angaben von Martin Witt, Manager Systems- und Channel-Strategie, wurden auf Basis des NT Advanced Servers, der seit Dezember erhaeltlich ist, bereits rund 2000 Netze realisiert. Dabei vermarkten die Unterschleissheimer ihre Enterprise-Networking- Loesung nicht alleine, sondern loesen diese Aufgabe zusammen mit Solution-Providern.

Dass der NT Advanced Server noch nicht so lange verfuegbar ist, nennt Witt als einen der Gruende, aus denen fuer das Microsoft- Produkt weniger Third-party-Komponenten erhaeltlich sind als fuer den Konkurrenten Novell Netware. "Wir koennen nicht erwarten", so der Manager, "dass Fremdhersteller in wenigen Monaten die gleiche Anzahl an Tools entwickeln wie fuer Netware, das schon seit Jahren auf dem Markt ist."

Allerdings stellt dies fuer Witt keinen Nachteil dar, da im Advanced Server von Haus aus bereits viele Third-Party-Utilities wie ein IPX/SPX-Protokoll-Stack, TCP/IP, Netbeui-Stack oder Raid- Level-5-Security integriert sind, so dass "Microsoft besser dasteht als die Konkurrenz". Ebenso gibt es bei Microsoft, wie es offiziell heisst, keine Plaene, sich explizit im Third-party-Bereich zu engagieren.

Dafuer plant man aber wie die Konkurrenz aus Provo ein Produktlabel, das die Kompatibilitaet zum eigenen Netzwerk- Betriebssystem bescheinigt. Das Label "Windows NT ready to run", das es in den USA bereits seit einiger Zeit gibt, ist nun auch in Deutschland verfuegbar. Im Gegensatz zu Novells "roten Boxen", wo auch das Equipment der Fremdhersteller vermarktet wird, spielen solche Ueberlegungen bei Microsoft eine untergeordnete Rolle. "Wir wollen nicht, dass die Dritthersteller ihre Identitaet verlieren", lautet Witts Begruendung.

Anders ist die Situation bei den Betriebssystemen, wo die Gates- Company kuenftig wie Novell alle Plattformen mit Networking- Funktionalitaeten ausliefern will. So sollen bereits Windows 4.0 und DOS 7 mit entsprechender Peer-to-peer-Funktionaelitaet ausgestattet werden - ein Schritt, der fuer Witt unabdingbar ist, da "die DV-Szenarien der Zukunft massiv in Richtung Client-Server mit verteilten Applikationen tendieren". So macht es nach Ansicht des Microsofts-Managers keinen Sinn mehr, eine "kuenstliche Trennung zwischen Betriebssystem und Netzwerk-Betriebssystem aufrechtzuerhalten". Um fuer die Client-Server-Zukunft geruestet zu sein, plant die Gates-Company bis zum Jahresende den Ausbau der Windows-NT-Advanced-Server-Familie.

Diese soll zu einer integrierten Loesungsplattform werden, die laut Witt im Gegensatz zu anderen Ansaetzen kein Patchwork sein wird. Vorgesehen ist, die NT-Plattform, die heute aus dem SQL- und SNA- Server besteht, um einen "Enterprise Messaging Server" sowie das Management-Tool "Hermes" zu ergaenzen.

Das Desktop-Management-System Hermes soll dabei die OSI-Ebenen 5 bis 7 verwalten. Nicht geplant ist hingegen die Einbeziehung der Level 1 bis 4. Hier kooperiert Microsoft im Moment mit Unternehmen wie HP und Digital, so dass ein Zusammenspiel von Hermes mit anderen Management-Systemen, die die unteren OSI-Schichten verwalten, vorstellbar ist. Dass Hermes dazu unter Umstaenden in Oberflaechen wie Openview integriert wird, will man bei Microsoft momentan weder bestaetigen noch dementieren.

Weitere Entwicklungsmoeglichkeiten fuer den Advanced Server sieht Witt im Zusammenhang mit Objektorientierung sowie distributierten Dateisystemen. Darueber hinaus will Microsoft ebenso wie Novell von der applikationszentrierten zu einer dokumentenorientierten Betrachtungsweise uebergehen, bei der der Anwender nicht mehr wissen muss, wo die Dateien im Netz abgelegt sind.

Um dies in einem weltweiten Enterprise Network zu ermoeglichen, ist jedoch die Entwicklung eines verteilten Dateiensystems notwendig, das wiederum eine replizierbare Datenbank erfordert. Allerdings bezweifelt Witt, dass es bereits heute Sinn macht, eine solches Tool im Netz einzusetzen, da die Kosten, die durch Leitungsgebuehren und Datenmenge anfallen, betriebswirtschaftlich gesehen nicht unumstritten sind. Mit den Fortschritten in der Uebertragungstechnik sei es aber durchaus vorstellbar, so der Microsoft-Manager, dass "wir irgendwann replizierbare Datenbanken haben".

Mit dem Einstieg in das weltweite Networking und die geplante Umstellung auf dokumentenorientiertes Arbeiten stellt sich fuer Microsoft nicht zuletzt auch die Frage, an welchen Datenstandards man sich kuenftig orientiert. Obwohl die Gates-Company die eigene OLE-2.0-Version zum Dokumentenaustausch favorisiert, sollen auch andere Standards wie ODA, Corba oder Edifact unterstuetzt werden. Zusaetzlich sei auch, wie es in Unterschleissheim heisst, ein plattformuebergreifendes Entwicklungs-Tool, aehnlich dem geplanten Appware von Novell, denkbar.