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14.03.1980

Herr User und sein Knecht

Hilflos fühlen sich viele Endbenutzer gegenüber dem Computer- und gegenüber den Computerspezialisten, die als einzige mit den neuen, komplexen Informations- und Kommunikationssystemen umgehen können. Einziger Ausweg: Die Bedienung des Computers muß einfacher werden.

Das Thema Personalplanung oder allgemeiner die Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung der menschlichen Kapazitäten in den Unternehmen und der sich abzeichnenden dramatischen Entwicklung der Informationstechnologien kann nicht ohne eine Reihe von Annahmen über den Verlauf der weiteren technologischen Entwicklung diskutiert werden.

Ebenso muß man Überlegungen über die gesellschaftlichen und politischen Einflüsse anstellen, die ein massierter Einsatz informationstechnologischer Einrichtungen und Dienste auslösen oder verstärken wird.

An den Anfang möchte ich daher einige Thesen stellen, die einen Rahmen für die eigentlichen Überlegungen zur Personalplanung und dem Personalmanagement bilden.

Meine berufliche Erfahrung umfaßt sowohl die mehrjährige Leitung einer großen EDV-Abteilung eines Forschungszentrums als auch eine langjährige Beratungspraxis von Herstellern und Anwendern über MIS-Fragen (Management-Informationssystem). Wissenschaftlich gilt mein besonderes Interesse den Möglichkeiten, zukünftige hochkomplexe Computer- und Kommunikationssysteme durch die neuen systemtechnischen und informationstechnologischen Hilfsmittel überhaupt beherrschbar und ökonomisch einsetzbar zu machen.

Zur zeitlichen Perspektive will ich die Hauptfrage gleich eingangs formulieren: Wann werden sich die zu beschreibenden Informations- und Kommunikations-Systeme technisch und wirtschaftlich verwirklichen lassen? Wir sprechen hier über die Reifezeit, die von Diebold für die nächsten vier bis sieben Jahre vorhergesehen wird.

Die Frage des "Zeithorizontes" spielt für die Diskussion der personellen Aspekte keine zentrale Rolle. Meine Begründung lautet, und das ist eine zentrale Behauptung: Die technischen Möglichkeiten werden in den nächsten Jahrzehnten ständig den Fähigkeiten des hochqualifizierten EDV-Personals, den Firmenplanern und erst recht den Anwendern von Datenverarbeitung und computerorientierter Telekommunikation vorauseilen.

Der kritische Pfad der Gesamtentwicklung wird die Ausbildungs-, Lern- und Akzeptanzfähigkeit des Menschen sein, nicht die Realisierungsmöglichkeit irgendwelcher technischer Konzepte. Andererseits wird das Unternehmen - und vielleicht auch die nationale Volkswirtschaft - im Wettbewerb Neuerungen einführen, die die technischen Möglichkeiten zu einem relativ frühen Zeitpunkt ökonomisch und zuverlässig nutzen. Da die Verfügbarkeit von EDV- und Telekommunikations-geschultem Personal (Spezialisten und Benutzer) den Schlüssel zur sinnvollen Handhabung dieser Systeme darstellt, ist eigentlich keine Zeit für ein breit angelegtes Personal-Entwicklungsprogramm zu verlieren. Wichtig ist, das Personal-Programm unter Abschätzung der langfristigen Entwicklungstendenzen zu planen.

Anwerbung und Schulung ist teuer, doch den Falschen zu schulen oder noch schlimmer die Mitarbeiter dauernd umzuschulen ist noch viel aufwendiger und kann zudem erhebliche Gefahren für das Unternehmen mit sich bringen.

Nach diesen grundsätzlichen Hauptaussagen nun zu den detaillierten Darstellungen. Im Kasten ist die Gesamtsituation zusammengefaßt, in der eine künftige Personalpolitik gesehen werden muß.

Nahezu alle Beschäftigten eines Unternehmens werden mit rechnergestützten Informations- und Kommunikationsdiensten umgehen müssen. Wir werden dieses Problem noch im einzelnen analysieren. Sehr wichtig für die Einstellung der Beschäftigten zur Informationstechnologie ist die Verbindung zum Alltagsleben jedes einzelnen Bürgers. Gegenwärtig ist der Kontakt vorwiegend passiv und oft ärgerlich. Ein typisches Beispiel ereignete sich in Deutschland, als Bundeskanzler Schmidt in öffentlicher Kritik eingestand, die computergedruckte Wasserrechnung nicht mehr zu verstehen.

Zukünftig werden Bildschirmtexte, Zwei-Weg-Kabelfernsehen, häusliche Mikroprozessoren und anderes mehr ein aktives Verhältnis im Umgang mit Computerdiensten erfordern. Gelingt es hier dem privaten Benutzer eine echte Hilfe und einen echten Nutzen zu bieten, kann das beträchtlich zu einer positiven Grundeinstellung dem Computer gegenüber beitragen. Ein schwieriges Problem könnte dadurch entstehen, daß der private Konsument als Beschäftigter im beruflichen Leben den gleichen Benutzungskomfort von seinem Arbeitsplatzcomputersystem erwartet, wie er ihn mit Sicherheit auf dem privaten Sektor mit den auf Massengebrauch ausgelegten privaten Rechnern und Diensten haben wird.

Die Einführung der Rechner im öffentlichen Bereich, möglicher Mißbrauch und technische Rückschläge, die Arbeitsplatzfrage sowie die zunehmende Beeinflussung der Lebensgewohnheiten durch ein Überangebot an Information werden mit Sicherheit zu heftigen gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen führen.

Ähnlich wie bei der Kernenergie kann sich aus diesen Einwirkungen eine erhebliche Verzögerung des Computereinsatzes ergeben.