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21.03.1980

Herr User und sein Knecht

Hilflos fühlen sich viele Endbenutzer gegenüber dem Computer- und gegenüber den Computerspezialisten, die als einzige mit den neuen, komplexen Informations- und Kommunikationssystemen umgehen können. Einziger Ausweg: Die Bedienung des Computers muß einfacher werden.

Von Prof. Dr. Gerhard Krüger

Teil 2

Konzentrieren wir uns nun auf die Personal-Belange der Unternehmen. Eine Prognose über die Personalentwicklung zeigt die Grafik. Über 90 Prozent der Beschäftigten werden in 10 Jahren an ihrem Arbeitsplatz mit Computer- und Telekommunikationsdiensten arbeiten. Der größte Teil wird keine EDV-Kenntnisse haben. Meine persönliche Ansicht ist, daß bei den Planungen die Lernfähigkeit vieler Menschen selbst in einfachen abstrakten Sachverhalten völlig überschätzt wird. Die Frage, ob die Mehrzahl der im Berufsleben stehenden Menschen EDV-Kenntnisse braucht, scheint mir daher weniger wichtig. Die richtige Fragestellung lautet: Wieviel Prozent der Beschäftigten können überhaupt ausreichende EDV-Kenntnisse erwerben, ohne völlig überfordert zu sein? Diese Gruppe, die mit den "elektronischen Anforderungen" Überlasteten, steht im Gegensatz zur zweiten Gruppe, die sich im Zeichen der Dezentralisierung emanzipierenden Endbenutzer, von denen heute viel gesprochen wird.

Die Zahl der qualifizierten DV-Anwender wird sicher weiter ansteigen. Ich glaube aber nicht, daß sie sehr stark zunehmen wird. Dazu ist allerdings zu bemerken, daß ein breites Spektrum zwischen Grundkenntnissen und guten bis sehr guten Kenntnissen in dieser Gruppe zusammengefaßt ist. Eine zentrale Rolle für eine funktionsfähige integrierbare und wirtschaftliche Informationsverarbeitung, Informationsspeicherung und Informationsübertragung werden auch künftig die EDV- und Telekommunikationsspezialisten einnehmen.

Ich bin sicher, daß das Zukunftsbild vom eigenständigen Endbenutzer, der seine Informations- und Kommunikationsprobleme souverän in eigener Verantwortung löst, ein sehr gefährliches Leitbild für ein Unternehmen ist. Die Darstellung zeigt die Gefahrenseite der heute hochgelobten Dezentralisierung. Die aufgezeigten Probleme sind sicher nicht neu und bei weitem nicht vollständig. Sie sollen nur beispielhaft aufzeigen, welche Gefahren eine unkoordinierte und unkontrollierte Verteilung von Computerkapazitäten und Datenbeständen bedeuten kann. Das gilt insbesondere dann, wenn der Endbenutzer noch große Freiheiten und Eingriffsrechte eingeräumt bekommt.

Leichtes Erzeugen und Verwalten von Datenbeständen führt schnell zu riesigen Datenmengen, die eher zu Verwirrung und Fehlinformation führen, als zu einer besseren Transparenz des betrieblichen Geschehens beitragen. Selbstverantwortliche Benutzer mit eigener Beschaffungskompetenz neigen zur Mißachtung von Richtlinien und zur scheinbaren Optimierung ihrer lokalen Bedürfnisse. Das führt unternehmensweit zur Inkompatibilität und organisatorischen Desintegration.

In einem "benutzer-geplanten" Netzwerk ohne starke zentrale Kontrolle und Überwachung sind fahrlässiger und vorsätzlicher Mißbrauch viel schwerer zu entdecken.

Ein zentrales Problem beinhaltet die voll koordinierte redundante Auslegung des Informationssystems und der informationstechnologischen Infrastruktur eines großen Unternehmens. Zusammenbrüche künftiger hochintegrierter Verbundsysteme werden vermutlich kaum durch Hardwarefehler oder Fehler in den Kommunikationsleitungen ausgelöst, sondern voraussichtlich durch sehr subtile Fehler der Software.

Gründe für einen Systemabsturz sind beispielsweise: inkonsistente Datenbestände der einzelnen Teilsysteme (aus denen dann falsche Managementdaten abgeleitet werden), widersprüchliche Algorithmen (Programme) und gegensätzliche Benutzeranweisungen, die das System nicht entscheiden kann.

Wird fortgesetzt