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19.05.1989 - 

CSE-Kommunikations-Kongreß treibt Debatte um Macht und Ohnmacht der Nutzer voran

Hersteller bei offenen Standards: Wölfe im Schafspelz?

Das Thema brennt auf den Nägeln: "Wem nutzen Standards?" Zu dieser Frage vereint eine Podiumsdiskussion der CSE-Veranstaltung am 15. und 16. Juni 1989 in München erstmals für Deutschland Vertreter der marktbestimmenden Interessengruppen. Das Motto lautet: "Die Rolle der Kommunikation für das Informationsmanagement heute und morgen - Kommunikation, Netzwerke und Mehrwertdienste." Mit Blickrichtung "Offene Systeme" sagen Mitglieder aus X/Open, Open Software Foundation OSF, European Map-User-Group EMUG, European-Top-User-Group OSITOP und Standards Promotion & Application Group SPAG, was Sache ist: Standardisierung - beste Lösung oder fauler Kompromiß? Hersteller oder Anwender: Wer bestimmt die Standards - wer sollte sie bestimmen? Vorab jedoch melden sich die betroffenen Anwender zu Wort.

Gerhard Dieterle

SCS Informationstechnik GmbH, München

Unternehmenskommunikation ist heute zu einem schillernden Begriff geworden, der in seiner Mehrdimensionalität technische, organisatorische und personelle Anforderungen umfaßt. Diese Anforderungen treffen insbesondere das technische und organisatorische (DV/ Org.-)Management.

Zweifelsohne muß die Unternehmenskommunikation ausgebaut werden. Diese Notwendigkeit ergibt sich aus der steigenden Zahl von PCs, die in den Unternehmen zunehmend verwendet werden. Aber auch aus Sicht der Unternehmensstrategie gewinnt die Kommunikation intern wie extern zunehmend an Bedeutung.

Für den Ausbau stehen heute lokale Netze (LAN), ISDN und VAN-Services zur Verfügung. Doch mit dem Ausbau entstehen neue Probleme aus der Inkompatibilität der geschlossenen Systemarchitekturen und aus Sicht des Netzwerk-Management. Diese Probleme können nur durch die Anwendung von Standards überwunden werden, die die Kompatibilität der Produkte garantieren.

Doch welche Standards sollen beim Ausbau der Unternehmenskommunikation berücksichtigt werden? Welche Rolle spielen OSI, OSF, X-Open-, um nur einige zu nennen, für die weitere Unternehmensplanung im Hinblick auf den Ausbau der Kommunikationstechnik?

Um den verantwortlichen Managern und Planern in den Unternehmen mehr Klarkeit über den Stand der Entwicklung zu verschaffen, veranstaltet IDG/CSE zusammen mit dem Fachbereich Kommunikationstechnik der SCS Informationstechnik GmbH den Kongreß "Kommunikation - Lokale Netze und Mehrwertdienste". Erstmals werden Repräsentanten der den Markt beeinflussenden Interessengruppen auf einer Podiumsdiskussion ihre Zielsetzungen erläutern und für eine Diskussion zur Verfügung stehen. Erfahrungen aus Anwendersicht bilden neben den Themen Netzwerke, Netzwerkmanagement und Value Added Networks (VAN) den Schwerpunkt des Kongresses.

Bernhard R. Bachmann

Schweizerische Bankgesellschaft

Standardisierung - beste Lösung oder fauler Kompromiß? - So gestellt, suggeriert diese Frage einen nicht vorhandenen Widerspruch, denn gute Standards sind die beste Lösung, faule Kompromisse dagegen ergeben schlechte Standards! Das Problem heißt eher: Cui bono - Wem nutzen die Standards?

Die Vertreter der Informationstechnologie sollten endlich zur Kenntnis nehmen, daß in unzähligen Bereichen des Lebens und Wirtschaftens Standards eine fundamentale Voraussetzung für gegenseitige Verständigung, für Arbeitsteilung, Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit und Produktivität sind.

Gute Standards regeln rein formale oder prozedurale Aspekte und schaffen dadurch Freiräume für echte Innovation und Kreativität. Beispiel: Der Standard für den Aufbau des klassischen Dramas oder der Standard für die Struktur einer klassischen Sonate erlauben dem Dichter oder Komponisten, sich voll auf die Schöpfung der dichterischen oder musikalischen Substanz zu konzentrieren; gleichzeitig ermöglicht die Standardisierung dem Zuhörer das unmittelbare Verstehen des Werkinhaltes - er wird nicht durch strukturelle Schnörkel oder Neuerungen von der Substanz abgelenkt.

Aus Anwendersicht sind - auch im Bereich der Informationstechnologie - Standards auf sinngemäß gleiche Weise festzulegen wie in anderen Standardisierungsgebieten - zum Beispiel Normen für die Notation von Architektur- oder Konstruktionsunterlagen - nämlich durch neutrale Instanzen (Ó la DIN), die den Standardisierungsprozeß nicht für eigene Interessen mißbrauchen oder monopolisieren können.

Es braucht für Festlegung und Durchsetzung (Verifikation) von Standards Gremien, in denen die interessierten Parteien vertreten sind deren Entscheidungsprozesse transparent und demokratisch sind, und deren Ergebnisse nicht einer einzelnen interessierten Partei gehören. Die Langwierigkeit solcher Prozesse liegt nicht in der Natur der Sache, sondern im Umstand, daß die Absenz und Schlachtlamm-Geduld der Anwender es den interessierten Herstellern bisher immer noch ermöglicht haben, unter fadenscheinigen Argumenten, wie "Standards versus Fortschritt" die Definitionsprozesse zu verschleppen.

Mit der zunehmenden Bedeutung der Informationstechnologie für die Wirtschaft insgesamt erwachen die Anwender; sie werden ihre Rolle im weltweiten Standardisierungsprozeß stärker und lautstärker wahrnehmen und dafür sorgen, daß öffentliche Standards eine wirtschaftlichere und sicherere Nutzung der Informationstechnologie ermöglichen.

Die Hersteller werden einsehen, daß sie sich zukünftig mit besseren Argumenten profilieren und positionieren müssen als mit proprietärer Funktionalität.

Standards sind ein Muß für die optimale Nutzung der Informationstechnologie. Sie nützen Anwendern und Herstellern gleichermaßen.

Rainer Hochkoeppler

Hoffmann La-Roche & Ko AG, Basel

Standards kann man sich heute aussuchen. Ein und denselben Standard gibt es sogar in vielen Ausprägungen und Schattierungen, besonders im Bereich der Betriebssoftware und Datenbanken.

Was der EDV-Anwender erwartet, sind vernünftige Regelungen, die es ihm erlauben, seiner Gefangenschaft in der Welt der Hersteller zu entrinnen. Er will seine Dispositionsfreiheit zurückerobern.

Damit zeigt sich das Dilemma: Standards sollten dem Anwender nützen, sie sind aber stark von Herstellern determiniert, die handfeste eigene Interessen vertreten.

In den Auseinandersetzungen um die Definition von Standards geraten auch formierte Herstellergruppen aneinander - hinreichend bekannt ist der Kampf um Unix!

Die Anwender stehen diesem Treiben nicht unkritisch gegenüber, haben es aber noch nicht verstanden, ihrem Anliegen Gewicht zu verleihen.

Da sind energische Schritte angebracht! Die Anwender müssen sich organisieren, selbst an der Formulierung von Standards arbeiten und als Interessengemeinschaft der Kunden und Benutzer der Übermacht der Hersteller entgegentreten.

Dirk Heger

Emug

Emug (European Map User Group) is concerned with datacommunication technologies (such as MAP/ TOP) including associated products, services and methods for their application,

- that are internationally recognized and are, or will be, based on international standards within the OSI framework;

- that are user-defined and/or driven by user requirements;

- that are publicly available (on reasonable terms) and are controlled by mechanism open to all interested parties;

- that facilitate computer integrated business applications; the emphasis is on technical automation as part of this.

Emug intends to approach this field of interest from the perspective of the requirements of applications integration in a distributed system environment.

Rainer Zimmer

X/Open

X/Open standardisiert eine offene Anwendungsumgebung. Die Arbeiten werden durchgeführt von derzeit 14 technischen Gremien in 70 Sitzungen pro Jahr, und sie werden getragen von 19 führenden Herstellern integrierter Systeme, die auf diesem Gebiet insgesamt an die 60 Prozent des Weltumsatzes repräsentieren.

Der Nutzen dieser Standards liegt darin, daß der Unix-Markt offen gehalten wird, daß die Schnittstellen nicht monopolisiert werden können, daß Anwendungen zwischen verschiedenen Anbietern und Ländern portabel und kommunikationsfähig werden, daß die Anwender Produkte verschiedener Anbieter kombinieren und den Anbieter wechseln können. Kurz, sie sind ein Beitrag zur Aufrechterhaltung des Wettbewerbs und des Wachstums dieses Marktes.

Kommt dieser Nutzen tatsächlich zustande? Alle Anzeichen deuten darauf hin. Die X/Open-Mitgliedsfirmen haben sich verpflichtet, ihre Systeme X/Open-konform zu entwickeln. Wer sein Produkt konform präsentieren will, muß es mit vorgeschriebenen Prüfmitteln testen und auf dieser Basis ein X/Open-Warenzeichen erwerben. X/Open-Konformität ist bereits ein verbreitetes Ausschreibungskriterium, besonders in Europa, aber auch in den USA.

IEEE leistete mit seinen Posix-Projekten auf diesem Gebiet ebenfalls substantielle Arbeit, aber fertiggestellt sind bisher nur die Systemaufrufe. Bei ISO/IEC ist die Normung auf diesem Gebiet noch in den Anfängen. Unter diesen Umständen hat auch die europäische Normierungsbehörde CEN/CENELEC beschlossen, den X/Open Portability Guide 3 als vorläufige Europäische Vornorm zu veröffentlichen.

Die Mitglieder des X/Open-Benutzerrats, zu dem sehr bedeutende und strategisch sehr weit denkende Anwender gehören, erwarten von X/ Open zu Recht einen wesentlichen Beitrag, eine Spaltung des Unix-Marktes zu verhindern. In X/Open sind sowohl die OSF-Sponsoren als auch führende Mitglieder von Unix International vertreten, sie reden unverändert konstruktiv miteinander, und sie einigen sich auf gemeinsame Schnittstellendefinitionen. Insofern kann X/Open eine Katalysatorrolle für Einigungsprozesse spielen, und zwar nicht nur passiv, sondern auch als treibende Kraft.

X/Open kann ferner seine Schnittstellen-Definitionen erweitern und breiter durchsetzen, und damit auch den Bereich ausdehnen, über den man nicht streiten kann. Die Frage, welches Basisprodukt zur Realisierung am besten geeignet ist, tritt dann automatisch in den Hintergrund und wird auf die normalen, wettbewerbsüblichen Dimensionen reduziert.

X/Open legt den Anwendern einen funktionierenden Hebel in die Hand, mit dem sie die größtmögliche Einheitlichkeit der Umgebungsschnittstellen am Markt selbst herbeiführen können. Es sind die Anwender, die die Konformität der angebotenen Systeme mit der vollen X/Open-Anwendungsumgebung fordern und durchsetzen können und die sich nicht mit partieller oder abfinden sollten.

Harald Nottebohm

OSITOP

OSITOP ist eine europäische Anwendervereinigung und vertritt daher die Interessen von Anwendern. die ist sich der Vernetzungsaufgaben, die jetzt und künftig auf die Anwender zukommen, bewußt und will den unumgänglichen Prozeß der Einführung und Durchsetzung von international anerkannten OSI-Standards beschleunigen und im Sinne ihrer Anforderungen beeinflussen. Insofern versteht sich OSITOP als eine Art OSI-Promotion-Group.

Wir sehen keinen Widerspruch darin, daß in OSITOP auch Hersteller Mitglieder sind. Deren Mitarbeit ist erwünscht und notwendig, damit sich die Anwenderwünsche nicht im luftleeren Raum bewegen und ernst genommen werden. Die durch die Satzung vorgeschriebene Grenze von einem Herstellervertreter auf drei Anwendervertreter im OSITOP-Steering-Committee gewährleistet, daß die Anwender im Konfliktfall das Sagen haben.

Die Anwender haben viele Jahre lang den Standardisierungsbemühungen zahlreicher Experten mehr oder minder unberührt zugesehen. Solange keine anwendungsunterstützenden Standards über alle sieben Schichten des OSI-Modells verfügbar waren, war diese Haltung verständlich. Inzwischen sind die ersten vollständigen Standards verabschiedet sowie entsprechende Produkte am Markt verfügbar. Es ist also Zeit für die Anwender, ihre Vernetzungsstrategien hierauf abzustellen und Prioritäten in bezug auf die weiteren Arbeiten zu setzen. Nur so kann der Wettlauf zwischen OSI-Standardisierung und anstehenden Vernetzungsnotwendigkeiten gewonnen werden.

Viele Anwender haben noch nicht erkannt, daß sie um eine Vernetzung in einer heterogenen Systemwelt nicht herumkommen, und daß ihnen herstellerspezifische Gateway-Lösungen auf die Dauer teuer zu stehen kommen werden. Hersteller wollen sich gegenüber dem Wettbewerber abgrenzen und eigene Netzwerklösungen propagieren. OSI-Offenheit setzt sie verstärkt einem Wettbewerbsdruck aus.

In diesem Konflikt müssen die Anwender ihre Interessen vertreten. Das kann nur in organisierter Form Wirkung zeigen. OSITOP ist das geeignete Forum hierfür und hat die Möglichkeit, als Mitbegründer von EWOS (European Workshop for Open Systems) auf die Auswahl und die Priorität von Arbeitszielen Einfluß zu nehmen.

OSITOP hat begonnen, ein eigenes OSI-basiertes Netz aufzubauen. Es will damit seinen Mitgliedern die technische Zusammenarbeit erleichtern und einen Know-how-Pool für das Netzmanagement in einem heterogenen Netz aufbauen.

Henning Oldenburg

Open Software Foundation

Die Open Software Foundation ist eine internationale Organisation, deren zentrale Aufgabe die Entwicklung einer offenen, übertragbaren Software-Umgebung ist, zu der Anbieter wie Benutzer gleichermaßen Anregungen liefern. Sie versteht sich als die erste von Mitgliedern getragene Forschungs- und Entwicklungsorganisation mit der Zielsetzung einem einheitlichen Standard für Systeme auf Unix-Basis zu weltweiter Anerkennung zu verhelfen. Die Stifung ist nicht gewinnorientiert; die Mitgliedschaft steht allen Organisationen offen, die ein Interesse an Schaffung und Erfolg einer offenen Software-Umgebung haben.

Die OSF versteht sich nicht als Standardisierungsgremium. Ihre Entwicklungen werden aber als konkrete Implementierungen die Arbeit der weltweiten Normierungsorganisationen ergänzen.

In erster Linie will die OSF den Anwendern einen Software- und Hardware-Mix verschiedener Hersteller ermöglichen: durch eine herstellerneutrale Software-Architektur, in der Computersysteme unterschiedlicher Anbieter in nahtloser Umgebung zusammenarbeiten.

Patrice d'Oultremont

Spag

What is Spag? - The Standards Promotion and Application Group (Spag) was founded in 1983 as a consortium of European Information Technology Companies. The Commission of the European Communities (CEC) was also instrumental in the creation of Spag to co-ordinate activities within Europe towards the development of European Functional Standards. Spag became a company registered under Belgian law as Spag Services s. a. in 1986 and extended its field of activities to include the development of Conformance and interoperability testing technology and test services.

Spag operates with the normal Shareholders Assembly, Board of Directors, Managing Director and Directors responsible for each main line of activity. Each shareholding company has the same number of shares and the Board currently has twelve members.

Our Organisation related to the achievement of multivendor Interworking based on international Standard Protocols:

In the area of functional Standards, Spag plays a leading role in the European Workshop on Open Systems (EWOS), publishes the Guide to the Use of Standards (GUS), and through the Feeders Forum participates in the development of International Standard Profiles (ISPs).

The Group is active in the development and marketing of conformance test tools and testing services for Office and Manufacturing protocols.

Spag is working within Europe to implement the certification infrastructure for LAN based OSI products, and is also involved in a number of Conformance Test Services (CTS) projects within the CEC.

As well as working with current Manufacturing and Office related standards, we are also active in the area of Telecommunications, and is leading a consortium developing verification Methodologies and Tools for Integrated Broadband Communications Networks within RACE. Spag has also established close working relationships with its counterparts in North America (The Corporation for Open Systems (COS)) and Japan (Promoting Conference for OSI (POSI)).