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23.01.1998 - 

Componentware/ Bausteine für flexible Anwendungsumgebungen

Hersteller beziehen Positionen für den Kampf um den Markt

Anbieter von Componentware versprechen Schnelligkeit, Kosteneffizienz, Kompatibilität, Investitionsschutz und Skalierbarkeit. Sie nennen damit eigentlich nur Kernanforderungen der IT-Manager an jede Software. Immerhin messen Prognosen der Gartner Group komponentenbasierter Software in den nächsten vier bis fünf Jahren einen wachsenden Stellenwert bei. Die Marktforscher gehen davon aus, daß im Jahr 2001 mindestens 60 Prozent der gesamten Applikationsentwicklung auf Componentware beruhen wird.

Standardsoftware, beispielsweise mit Backoffice-Funktionen, ist in den Unternehmen heute weit verbreitet und verkauft sich nach wie vor gut. Vertikale Softwarepakete wie solche für die Bereiche Produktion, Finanzen und Gesundheit gewinnen sogar noch an Bedeutung. Und auch horizontale Pakete wie Vertriebs-Management, Logistik und Warenwirtschaft zeigen hohe Verkaufszahlen.

Componentware soll sowohl die flexible Applikationsentwicklung als auch die direkte Einsetzbarkeit von Software optimieren. Sie kann aus wiederverwendba-ren Geschäftsobjekten (Business Objects), Applikationsvorlagen (Application Templates), Modellen (Models) und technischen Komponenten bestehen.

Die Verfügbarkeit von Componentware wächst explosionsartig sowohl in vertikalen als auch horizontalen Märkten. Der Bereich für technische Komponenten weist etwa bei den Klassenbibliotheken und OLE-Custom-Controls ähnliche Wachstumsraten auf.

Das Verhalten der Anbieter von Standardsoftware, zum Beispiel SAP, bestätigt indirekt die Richtigkeit des Componentware-Konzepts: Indem sie ihre Produkte in einzelne Komponenten aufsplitten, um sie wiederverwendbar und flexibler handhabbar zu machen, reagieren sie auf Anforderungen der Anwender.

Damit setzt eine Entwicklung ein, die sich bereits 1999 zu einem eindeutigen Trend verfestigt haben dürfte: Geschäftsobjekte ersetzen zum Ende des Jahrzehnts die Paketlösungen, die in den 90er Jahren den Markt dominierten.

Im Sektor der Werkzeuge für die Applikationsentwicklung dürfte sich bis 1999 die jetzt schon absehbare Polarisierung zwischen Marktführern und anderen Anbietern verstärken. Das liegt unter anderem daran, daß die wachsende Zahl von Applikationsvorlagen in führenden Entwicklungswerkzeugen den Käufern dieser Tools einen besseren Return on Investment bietet als der Erwerb von Werkzeugen kleinerer Anbieter.

Die Zahlen und Grafiken über den Componentware-Markt, die in der DV-Branche kursieren, verzerren in der Regel das wahre Spektrum der Componentware-Angebote. Ein beträchtlicher Teil der Komponenten, die in andere Arbeiten einfließen, entwickeln die Anwender zusammen mit Dienstleistern und kleinen, spezialisierten Systemhäusern. Dieser Teil erscheint dann in den Angaben der Marktforscher gar nicht erst. Oder er läuft unter falscher Flagge, unter dem vom Dienstleister verwendeten Tool. Kleinere Tools werden so scheinbar an den Rand gedrängt, die Marktführer können auf dem Papier ihre Position ausbauen. Der Effekt kann für kleine Anbieter allerdings bedrohlich werden.

Componentware wird entweder als Lösung, die nur zum Teil aus Applikationsvorlagen besteht, oder als ein gänzlich aus Vorlagen zusammengesetztes Produkt angeboten. Applikationsentwicklungs-Tools für Workgroup-Anwendungen, etwa "Power-Builder" und "Visual Basic", legen ihr Schwergewicht auf technische Komponenten und enthalten OLE Custom Controls, Active-X-Komponenten sowie Klassenbibliotheken. Tools für Unternehmen hingegen, zum Beispiel "Composer" und "Obsydian", umfassen fast nur Vorlagen, die technische Komponenten ebenso wie allgemeiner aufgebaute Geschäftskomponenten bieten.

Microsoft verdankt seine führende Position im Markt den OLE Custom Controls (OCX-) und Active-X-Komponenten. Das Unternehmen hat ein Set von Komponentenstandards auf den Markt gebracht, denen Visual Basic als Entwicklungswerkzeug zur Seite steht. Von Oktober 1996 bis Ende Februar 1997 sollen über 100000 Entwickler die Testversion der "Visual Basic 5 Control Creation Edition" von der Microsoft-Website heruntergeladen haben.

Powersoft und Oracle mit ihren jeweiligen Tools Powerbuilder und "Designer 2000" beziehungsweise "Developer 2000" verfolgen eine ähnliche Strategie bei der Verbreitung ihrer Entwicklungswerkzeuge. Beispielsweise hat Powersoft mit Foundation Class Libraries zahlreichen Drittunternehmen den Weg geebnet für die Entwicklung neuer Klassenbibliotheken, die nun die Funktionalität von Powerbuilder ergänzen und erweitern.

Viele Anbieter von Rapid-Application-Development-Tools haben erkannt, daß dieser Markt nur einige Jahre lukrativ sein kann und sie neue Produkte benötigen, um hier weiter wachsen zu können oder zumindest den Status quo zu halten. Componentware ist ihre naheliegende größte Chance. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wählen einige Unternehmen in diesem Segment den Weg der Allianzen und Fusionen. So hat im letzten Jahr Sterling Software die gesamte Texas-Instruments-Software mit ihren Entwicklungswerkzeugen übernommen. Dieser Trend dürfte sich auch 1998 fortsetzen.

Componentware

Als Componentware wird Software bezeichnet, die sich baukastenartig zusammensetzen läßt. Grundbaustein ist eine Anwendungsumgebung für bestimmte Basisdienste mit Grundfunktionen. Zu diesen gehören beispielsweise Datenhaltung, Datentransport (Messaging) und Verzeichnisdienste. Weitere Bausteine bilden ergänzende Basisdienste, etwa eine spezielle Benutzerverwaltung, und Erweiterungen um Elemente entsprechend der grundsätzlichen Anwenderanforderungen, zum Beispiel in Richtung Workflow. Alle Elemente der Komponentenarchitektur kommunizieren über die gleichen Standards und Schnittstellen, was die weitere Anwendungsentwicklung enorm vereinfacht.

Angeklickt

Im Jahr 2001 werden laut Gartner Group mindestens 60 Prozent der neuentwickelten Applikationen aus Componentware bestehen. Diese komponentenbasierte Software bietet den Vorteil, daß sie flexibel einsetzbar ist und kurze Entwicklungszeiten hat. Auf dem Markt der Applikationsentwicklungs-Werkzeuge verdrängen heute schon die Großen wie Microsoft, Powersoft und Oracle kleinere Anbieter. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken.

*Arno Laxy ist freier Journalist in München..