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30.11.1979 - 

Infratest kritisiert beschränktes Angebot an Standard-Software:

Hersteller: Mit Software-Entwicklung wenig im Sinn

BONN - Der "Software-Markt" ist Gegenstand einer lnfratest-Untersuchung,

deren Ergebnisse von den Münchener Marktforschern anläßlich einer GMD-Veranstaltung in Bonn präsentiert wurden (siehe auch Seite 8: "Viele softe Sekten ohne Software-Papst").

Die Untersuchung ergab unter anderem, daß auf den Anwendungssoftware-Markt vier Haupt-Einflußfaktoren einwirken:

- Das günstige Preis-/Leistungsverhältnis der neuen Rechner-Systeme hat bei neuen Anwendern neue Einsatzgebiete und neue Einsatzformen bewirkt (Beispiel: Dialog).

- Es ist eine enge Bindung der Anwender an den Hardware-Hersteller zu beobachten.

- Die Hardware-Hersteller verfügen über ein beschränktes Angebot an Anwendungs-, insbesondere Standardsoftware.

- Die Lage am DV-Arbeitskräftemarkt ist gespannt.

Zur genaueren Durchleuchtung der Marktstrukturen arbeiteten die Münchener folgende vier Anwendertypen heraus:

- Typ 1 (25 Prozent aller DV-Anwender): Anwender kleiner und mittlerer Systeme, die als Zentrale eines Mehrbetriebsunternehmens das einzige DV-System des Unternehmens in ihrem Betrieb installiert haben.

- Typ 2 (13 Prozent aller DV-Anwender): Anwender kleiner und mittlerer Systeme,die als ale Teil eines Mehrbetriebsunternehmens in ihrem Betrieb und in mindestens einem weiteren Betrieb des Unternehmens DV-Systeme installiert haben.

- Typ 3 (fast 60 Prozent aller DV-Anwender): Anwender kleiner und mittlerer Systeme in kleineren Einbetriebsunternehmen mit einem einzigen DV-System.

- Typ 4 (drei Prozent aller DV-Anwender): Anwender großer Systeme in großen Ein- oder Mehrbetriebsunternehmen.

Zweistellige Wachstumsraten

Rund 40 Experten aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung hatte Infratest herangezogen, um deren Erwartungen und Beurteilungen für Aussagen über Entwicklungstendenzen auf dem Softwaremarkt auszuwerten. Die an die Experten gerichteten Fragen "waren so gestellt, daß für unverbindliche Ausflüchte kein Raum blieb", versicherte Ursula Neugebauer, bei Infratest Leiter der Bereiche Unternehmens- und Informationsforschung sowie Arbeitsmarktforschung (eine Kurzfassung des Neugebauer-Referates finden Sie in nebenstehendem Kasten).

Diskussionsthema "Kooperation"

Daß "die großen Hardware-Hersteller mit Software-Einstellung wenig im Sinn" haben - gemessen an den Bilanz-Kennzählen -, behauptete Klaus Sabirowsky, Vorstandsmitglied der Essener Unternehmensberatung OSP AG, in einem an den Infratest-Vortrag anschließenden Panel. Das Panel sollte eine erste Reaktion auf die in Bonn behandelten Fragenkomplexe vermitteln.

Anwender-Vertreter Dr. Spitta, hauptberuflich Projektleiter in der Berliner Entwicklungsgemeinschaft von Anwendern aus der Textilindustrie Mirekon GmbH, äußerte Bedenken, was die Kooperationsfähigkeit und -willigkeit DV-unerfahrener Anwender betrifft. Anstelle der "Software-Klamottenkiste", die man am Markt vorfinde, forderte Spitta portable und standardisierte Software.

Zum Generalthema "Kooperation äußerte Sabirowsky, er habe erste Fälle von Software-Gemeinschaftsentwicklungen bei Groß-Anwendern beobachtet. Kooperation zwischen Softwarehäusern ist für Sabirowsky in erster Linie ein Kapitalproblem.

Friedrich A. Meyer, Haupt-Anteilseigner der Wilhelmshavener ADV/Orga GmbH, hält eine vertikale Kooperation von Softwarehäusern für möglich. Aus der Kooperation mit Hardware-Herstellern kann nach Meyers Ansicht für den Software-Anbieter ein zusätzliher Dekkungsbeitrag herausspringen. Andererseits warnte Meyer davor, sich in Hardware- und Systemnähe zu begeben und lobte in diesem Zusammenhang die öffentliche Hand, Abhängigkeiten dieser Art abgebaut zu haben.

Standardisierungs-Skepsis

Meyer:"Diese Impulse können nicht im Interesse zumindest eines ganz bestimmten großen Hardware-Herstellers liegen". Meyer kritisierte, daß die Studie das Vertriebswege-Problem nicht untersucht habe und äußerte die Ansicht, für den Anwender sei in Zukunft die regionale Präsenz "seiner" DV-Häuser von immer geringerer Bedeutung.

Dem widersprach H.-Dieter Wendorff, Bereichsleiter im Vertrieb Produkt-/ Software-Marketing bei der Nixdorf Computer AG. Das Mehr an Dienstleistung wird nach Wendorffs Auffassung zukünftig auch ein Mehr an Präsenz vor Ort verlangen. Wendorff unterstrich, Nixdorf setze für die Zukunft auf Kleinstanwender, ferner auf Distributed Processing, sowie auf die Kooperation mit Softwarehäusern; er fügte hinzu, Kooperation könne auch eine internationale Dimension haben. Die SoftwareTechnologie - so Wendorff - ist "nicht per DIN-Stempiel standardisierbar"; sie sollte in Richtung dezentralisierte DV, Weiterbetrieben werden.

Das Wissen zu modularisieren - diese Forderung stellte Dr. Karl-Heinz Hauer, Leiter der Methodenentwicklung bei der Computertechnik Müller (CTM) GmbH, an die Zukunft. Ein Ergebnis dieser Bemühungen sei dann der"Software-Monteur", der aus einem Fundus modularer Software-Bausteine anwendergerechte Programme zusammenstelle. An die Gegenwart gerichtet verlangte Hauer, die Software-Einstellung müsse mehr Aufmerksamkeit dem Grob-Design widmen. Hauer regte an, im Interesse des Anwenders eine Untersuchung über Fragen der Vertragsgestaltung und die Überprüfbarkeit der Software vorzunehmen