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15.06.2001 - 

Preiskrieg im Java-Server-Markt

Hersteller nutzten Java One zur Marketing-Schlacht

15.06.2001
MÜNCHEN/SAN FRANCISCO (CW/IDG) - Im Markt für Java-Applikations-Server beginnt der Kampf um jeden Kunden. Vor allem die Schwergewichte unter den Herstellern nutzten Sun Microsystems Entwicklerkonferenz Java One, um ihre Produkte ins Rampenlicht zu stellen. Sie alle warben mit Features wie die verbesserte J2EE-Unterstützung, Web-Services sowie den angeblichen technischen Defiziten und hohen Preisen der Konkurrenzprodukte.

Im Markt für Java-Applikations-Server wird mit immer härteren Bandagen gekämpft. Grund hierfür ist die seit Monaten rollende Konsolidierungswelle, die immer mehr der ehemals über 50 Anbieter zu verschlucken droht. Zugleich wollen sich die Anbieter ihren Teil vom derzeit auf 1,6 Milliarden Dollar bezifferten Marktvolumen sichern. Dies wird umso wichtiger, da Anwender langfristiger zu planen beginnen. Statt diverse Java-Server nur als Pilotsysteme auszutesten, wählen sie nun die zentrale Deployment-Plattform ihrer E-Business-Architektur. Für die Hersteller gilt es zudem, Partner und vor allem die immer noch vergleichsweise kleine Schar an Java-Entwicklern durch Support, Communities und nun auch Sonderangebote enger an sich zu binden.

Zugleich haben die Anbieter jedoch wachsende Probleme mit der Vermarktung ihrer Produkte, die technisch immer komplexer und umfangreicher werden. Wurden bisher vor allem einzelne Server-Features und die Unterstützung von Java-Standards für die Differenzierung der eigenen Produkte genutzt, so verspricht diese Strategie mittlerweile weniger Erfolg, da alle noch im Markt vorhandenen Anbieter früher oder später dieselben Features unterstützten. Daran werden auch das in San Francisco unisono zu vernehmende Bekenntnis zu Web-Services sowie zur Java 2 Enterprise Edition 1.2 und 1.3 vermutlich nur wenig ändern. Marketiers bewerben deshalb zunehmend die Server als Kern von umfangreicheren, zunehmend durch Partner und Entwickler ergänzte Integrationslösungen, die sie als Plattform oder Framework bezeichnen. Wie sich auf der Java One zeigte, greifen Hersteller zudem wieder auf altbekannte Verkaufsargumente wie Performance und Preise ihrer Server zurück.

Geschwindigkeit und geringer Speicherbedarf - mit diesen Verkaufsargumenten schickte beispielsweise Oracle in San Francisco seinen neuen Java-Applikations-Server "9iAS" ins Rennen. Der Hersteller hat sich eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr gmeinsam mit der schwedischen Java-Schmiede Ironflair vor allem um eine verbesserte Java-Engine gekümmert und glaubt nun, den schnellsten und kleinsten Server anbieten zu können. So belegte 9iAS laut eigenen, auf der Oracle-Website verfügbaren Testergebnissen lediglich 15 MB auf der Festplatte und benötigte 20 MB Arbeitsspeicher, während IBM "Websphere" 45 MB beziehungsweise 512 MB benötigte und Bea "Weblogic" sogar 66 MB beziehungsweise 128 MB erfordere.

Zudem sei 9iAS zwei- bis dreimal schneller als die beiden Konkurrenten. Den Grund für diesen Leistungsvorsprung sieht John Magee, Senior Director für Oracles 9i-Programm, in der Tatsache, dass sich IBM und BEA in der letzten Zeit hauptsächlich da-rum gekümmert hätten, ihre Produkte funktional zu erweitern, statt die Perfomance weiter zu verbessern. Dies betonte auch Oracle-Chef Larry Ellison, fand jedoch in seiner Keynote auf der Konferenz weitaus drastischere Worte. So bezweifelte er von IBM publizierte Benchmarks, die angeblich eine doppelt so gute Perfomance des Websphere-Servers gegenüber dem Konkurrenzprodukt von Bea Systems belegen. "Das stimmt nicht. Wir haben vielmehr festgestellt, dass sie die mit Abstand langsamste Java-Implementierung haben," höhnte Ellison.

Zahlenspiele bei Oracle

Das Oracle-eigene 9iAS biete laut Ellison die umfassendste J2EE-Implementierung sowie das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis. So würden sich zwar die Standardausgaben der jeweiligen Core-Applikations-Server von IBM, Bea Systems und Oracle vom Lizenzpreis zunächst wenig nehmen. 9iAS liefere aber von Haus aus viel mehr Anwendungsfunktionalität. Unternehmen müssten 80000 Dollar für das Oracle-Produkt (Enterprise Edition), aber 590000 Dollar für Big Blues Angebot bezahlen (Websphere Enterprise Edition auf Rechnern "Netfinity 7100").

Marktbeobachter gaben sich indes skeptisch, dass es Oracle gelingen könnte, allein anhand solcher Zahlenspiele seine bisher marginale Rolle im Java-Server-Markt aufzuwerten. Selbst Manager Magee räumt ein, dass Oracle bisher nicht für seine Java-Technik bekannt sei. Immerhin, so Gartner-Analyst Daryl Plummer, habe der Datenbankriese mit dem aktuellen Release einen großen Sprung nach vorn gemacht und unterstütze mehr als je zuvor auch Standards, darunter solche für Web-Services wie das Soap-Protokoll oder die Web Services Description Language (WSDL). Ferner stehen mit dem "Dynamic Cache Service" sowie der offenen Spezifikation für die Generierung dynamischer Internet-Seiten "Edge Side Include" (ESI) zusätzliche Caching-Technik in 9iAS bereit.

Im Gegensatz zu Oracle hatte Konkurrent Bea Systems mit seinen Ankündigungen nicht erst auf Suns Hausmesse warten wollen. Das Unternehmen stellte bereits im Frühjahr mit Version 6 seines "Weblogic"-Servers die wichtigsten technischen Neuerungen vor (siehe CW 11/01, Seite 28). Bea, laut Erhebungen der Giga Group mit etwa 35 Prozent Marktanteil Platzhirsch im Java-Server-Lager, wartete in San Francisco aber immerhin mit dem Beta-Release 6.1 auf. Dieses enthält Neuerungen im Core-Server, der sich am künftigen J2EE 1.3 orientiert, und wird die von allen Anbietern propagierte Unterstützung von Web-Services mit sich bringen.

Daneben kündigte Bea für Ende Juni die Integrationslösung "Weblogic Integration" an, die eine Erweiterung der bisherigen Produkt- und Technologiesammlung "Weblogic E-Business-Plattform" darstellt. Sie setzt sich aus Applikations-Server, Web-Services-Technologie, Portal- sowie Integrationssoftware zusammen und soll laut Hersteller die Anwendungsentwicklung und die Deployment-Fähigkeiten von Weblogic mit J2EE-Standards, Geschäftsprozess-Management und B-to-B-Integrationsfähigkeiten kombinieren. Dabei will Bea vor allem die Spezifikationen der Java Connector Architecture (JCA) umsetzen. JCA ist Bestandteil des nächsten J2EE 1.3 und beschreibt eine Standardarchitektur für die Kopplung von Legacy- und Java-basierter Web-Anwendungen.

In seiner Keynote auf der Java One ging es denn auch Chief Executive Officer Bill Coleman vor allem darum, die Bedeutung von Integrationsmöglichkeiten für die Zukunft des E-Business und damit auch der Applikations-Server klarzumachen, statt wie Oracle die Leistungsfähigkeit des Servers zu bewerben. Drei von fünf "Business Opportunities" würden den Anwender entgehen, weil die eigenen Systeme nicht ausreichend miteinander integriert seien, behauptete Coleman. Durch JCA ließe sich nun ein Hub für die Verbindung von bestehenden und neuen Anwendungen aufbauen. Hersteller von Standardsoftware wie Peoplesoft, Broadvision und SAP seien mit Bea bereits Kooperationen eingegangen, um JCA-konforme Adapter zu entwickeln.

Keine Angst vor IBM

Auch bezweifelte Coleman, dass IBM die Aufholjagd im Java-Server-Markt für sich gewinnen könne. Big Blue hat laut Giga Group mittlerweile einen Marktanteil von etwa 30 Prozent und stellt damit - weit vor der Nummer drei im Markt Iplanet - Beas ärgsten Widersacher dar. Eigene Erhebungen unter den 500 weltweit größten Firmen hätten laut Coleman vielmehr ergeben, dass 97 Prozent der Befragten Bea-Produkte für die Standardisierung ihre Architektur verwenden wollten. Ebenso bezweiflte er die von Oracle und IBM beworbenen Leistungsvorsprünge ihrer Produkte in puncto Skalierbarkeit und Transaktionsverarbeitung. Vor allem Oracle habe seinen Server bereits zweimal komplett überarbeiten müssen, so Coleman. "Wenn wir über Performance sprechen, dann sollten wir über produktive Systeme sprechen und nicht über irgendeine Implementierung, die man sich von der Oracle-Website herunterladen kann."

Wohl um im Messetrubel die Bühne nicht mit der Konkurrenz teilen zu müssen, hatte IBM wenige Tage von der Java One mit Release 4 von Websphere technische Neuheiten und zusätzliche Entwicklungswerkzeuge vorgestellt. Zudem hatte der Hersteller Preissenkungen sowie kostenlose Entwicklerangebote in Aussicht gestellt. Darunter findet sich auch die Ankündigung der "Websphere Studio Developer Workbench", mit der Big Blue vergleichbar mit Bea, Hewlett-Packard oder Iona ein Plattform ankündigt, die der Anwendungsintegration und dem Aufbau von Web-Services dienen soll. Allerdings verfolgt IBM hierbei die Strategie, eine möglichst umfassende Entwicklungsumgebung mit Hilfe von Partnern aufzubauen (siehe Seite 22 sowie CW 23/01, Seite 4). Ebenso hatte beim Websphere-Launch nicht die offene Kritik an der Konkurrenz gefehlt, die dann auch Ellison und Coleman auf der Java One zu ihren Attacken gegen IBM bewog. So hatte Big Blue in einer Pressemittleilung damit geworben, dass Benchmark-Tests gezeigt hätten, dass Websphere dank eigener Caching-Technologie bei gleichem Preis die doppelte Transaktionsleistung wie der gesamte Wettbewerb biete.

Iona drückt die Preise

Glaubte IBM, mit seinen Preisen die Konkurrenz ins Schwitzen zu bringen, so musste der Hersteller spätestens auf der Java One lernen, dass andere Firmen noch weiter gehen. So kündigte beispielsweise Iona Technologies nicht nur niedrigere Lizenzpreise, sondern auch ein neues Berechnungsmodell an. Der Hersteller hatte in den zurückliegenden Monaten durch Zukäufe und Umbauten sein bisheriges Portfolio an Infrastrukturtechnologie zur "Iportal Suite" gebündelt (siehe auch CW 9/01, Seite 37). Herzstück ist der Java-Applikations-Server "Iportal Application Server" (Ipas), der in seiner Standard Edition jetzt nur noch 2500 Dollar pro CPU kosten soll, während die Konkurrenz durchschnittlich etwa 10 000 bis 17 000 Dollar pro CPU verlangt. Zudem nehmen die Iren für sich in Anspruch, als erster Hersteller einen Java-Server auf Mietbasis anzubieten. Danach wird es die Standard Edition von Ipas für rund 500 Dollar im Jahr für Entwickler geben, die neben Support vor allem Upgrades mit einschließt.

Laut John Rymer, Ionas Vice President Marketing, reagiere man mit dem Mietmodell auf Wünsche aus Entwicklerkreisen, die ein einfacheres Upgrade-Verfahren verlangt hatten, als es beim bisherigen Lizenzmodell der Fall ist. Vergleichbar dem IBM-Angebot kündigt Iona zudem Ipas als kostenlose Entwicklerversion sowie ein spezielles Programm für ISVs an. Zudem lassen sich laut Rymer aufgrund der steigenden Nachfrage nach Java-Servern größere Stückzahlen absetzen - Vorzeichen eines sich weiter zuspitzenden Preiskriegs.