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11.02.2000 - 

Wer liefert vorinstallierte Geräte und kümmert sich um Service?

Hersteller verfolgen keine einheitliche Linux-Strategie

MÜNCHEN (kk) - Die IT-Branche lebt von Schlagworten. Derzeit ziert neben "Internet" und "E-Commerce" der Name eines Betriebssystems die Marketing-Broschüren der Rechnerhersteller: Linux. Wie ernst können Anwender die vollmundigen Bekenntnisse und deren Umsetzung nehmen?

Eine Umfrage unter US-amerikanischen IT-Managern ergab, dass Linux mittlerweile auch in der kommerziellen Datenverarbeitung ernst genommen wird. Von den 1400 Befragten erwartet mehr als die Hälfte, dass sich der Marktanteil der Open-Source-Software in Zukunft erhöhen wird. Rund 40 Prozent glauben, dass er zumindest stabil bleibt, und nur drei von hundert Managern erwarten einen Rückgang, berichtete der "Diebold Management Report".

Wegen der starken Nachfrage der Kunden, so die Marketing-Abteilungen der Hardwarehersteller, komme kein etablierter Anbieter mehr an Linux vorbei. In Deutschland zählen zu den Unternehmen, die sich stark für das Open-Source-Betriebssystem engagieren, insbesondere Hewlett-Packard und Fujitsu-Siemens. Beide bieten speziell vorkonfigurierte Rechner an, nebst dem dazugehörigen Service und Support.

Diese Unternehmen haben sich dem vielzitierten Lösungsgeschäft verschrieben und erwarten neben Umsätzen mit Dienstleistungen auch eine engere Kundenbindung, so Joseph Reger, Vice President Strategic Marketing bei Fujitsu Siemens Computers.

Die Münchner haben Partnerschaften mit den Linux-Distributionen Red Hat und Suse geschlossen und bieten derzeit vorinstallierte Intel-Rechner an. Dazu zählen neben Desktop-PCs die "Celsius"-Workstations und vor allem die "Primergy"-Server. Dafür gewährleistet der Hersteller Unterstützung in Form einer Hotline sowie drei unterschiedliche Servicepakete, die von den Tochtergesellschaften ATD und SBS sowie externen Servicepartnern offeriert werden.

Auf den leistungsstärkeren Risc-basierten Servern sieht Reger derzeit kaum Chancen für Linux: "Die großen Maschinen besitzen doch sehr viele Hardwarefunktionen, die vom Betriebssystem angesprochen werden müssen. Und diese Anbindungen erfordern immer Anpassungen in der Firmware." Zwar sei das neueste Zugpferd der Münchner, der Sparc-basierte "GP 7000F"-Server generell unter der Sparc-Version von Linux lauffähig, und SAP zeige großes Interesse. Reger glaubt aber nicht, dass sich Fujitsu-Siemens zu einer Linux-Variante des Rechners durchringen werde: "Die Attraktiviät von Linux auf sehr großen Maschinen ist eher eingeschränkt." Schuld daran ist unter anderem die noch schwache Skalierbarkeit von Linux, die derzeit bei maximal vier Prozessoren liegt.

Allerdings ist die Verion 2.4 des Linux-Kernels in Vorbereitung, die unter anderem mit einer verbesserten SMP-Unterstützung (Symmetrisches Multiprozessing) aufwarten wird.

Auf den "RM"-Servern auf Basis von Mips-Prozessoren, die mit dem Betriebssystem "Reliant Unix" laufen, wird das offene Betriebssystem ebenfalls nicht zu haben sein. Zwar sei eine Linux-Version auch für Mips erhältlich, aber der Konzern wolle sich aus diesem Markt ohnehin "geordnet zurückziehen" und in Zukunft Maschinen mit Intels IA-64-CPU unter Solaris anbieten. Zudem bestehe eine enge Verzahnung zwischen der Mips-Hardware und Reliant Unix, so dass eine Portierung auf Linux nicht in Frage komme.

Eine etwas andere Strategie verfolgt Hewlett-Packard. Der Hersteller bietet vorinstalliertes Linux bis jetzt zwar ebenfalls nur für die Intel-Plattform an, arbeitet aber an der Portierung auf seine Risc-Prozessoren. Dazu beteiligt sich HP an zwei unterschiedlichen Projekten. Einmal ist der Hersteller Mitglied im Trillion-Konsortium, das das Open-Source-Betriebssystem auf Intels zukünftigen 64-Bit-Chip "Itanium" portieren will. Zur CeBIT soll eine Vorabversion zu sehen sein.

Für die hauseigenen PA-Risc-Prozessoren nutzt HP für die Portierung das Know-how der kanadischen Puffin Group. Man wolle sich nicht dem Verdacht aussetzen, eine proprietäre Lösung zu suchen, erklärte Frank Benke, bei HP für technische Beratung und Koordination zuständig. Die mit Geld- und Sachmitteln ausgestatteten Linux-Berater haben das Betriebssystem bereits soweit auf Einzelprozessor-Rechnern mit neuen und älteren PA-Risc-Chips portiert, "dass man damit arbeiten kann". Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen dann für die Arbeit an den Mehrprozessormaschinen genutzt werden, so dass die Portierung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein könnte.

Für seine NT-Systeme mit Intel-Chips bietet HP Komplettpakete mit vorinstalliertem Linux an. Generell hat sich die Company aus Palo Alto für die Linux-Distribution Red Hat entschieden, in Deutschland ist aber auch Support für Suse möglich. Die hauseigene Servicemannschaft betreut - ähnlich wie bei Fujitsu-Siemens - die Kundschaft.

Sowohl der Münchner als auch der Böblinger Hersteller gibt nach eigenen Angaben die Preisvorteile von Linux- gegenüber NT-Rechnern an die Kunden weiter. Bei einem Primergy-Server von Fujitsu-Siemens spart man laut Reger mindestens 1700 Mark, bei einer Linux-Workstation immerhin noch rund 200 bis 300 Mark.

Im Gegensatz zu Fujitsu-Siemens und HP zeigt Sun Microsystems weniger Initiative. "Sun selbst bietet Linux nicht an", erklärte Michael Schroeder, Leiter Produkt-Marketing. Der Workstation-Profi kann es sich offenbar leisten, alle Maschinen grundsätzlich mit "Solaris" auszuliefern. Zwar sind Linux-Distributionen für alle Workstations und Workgroup-Server von Sun verfügbar, doch um Service und Support muss sich der Kunde selbst kümmern.

Dennoch zeigt sich auch die McNealy-Company nicht unbeeindruckt von der Linux-Nachfrage. In den USA bietet sie über den "Sunstore"-Online-Dienst Red Hat Linux 6.1 zum Kauf an. Kunden können sich per Internet entsprechend konfigurierte Sun-Workstations (mit Ultrasparc-CPU) und Enterprise-Server bestellen.

Im Übrigen verweist der Hersteller auf die Arbeit der Vergangenheit, beispielsweise das "Ixrun"-Programm, über das es möglich ist, Linux-Applikationen unmodifiziert auch auf der Solaris-Plattform ablaufen zu lassen. Zusätzlich macht Sun Entwicklungs-Tools für Anwendungen kostenlos verfügbar, die Sourcecode-kompatibel sowohl zu Linux als auch zu Solaris sind.

Bei Compaq spielt Linux insbesondere für die Akzeptanz von Alpha-basierten Rechnern eine strategische Rolle. In diesem Markt soll mehr verkauft werden, erklärte schon vor einem Jahr Jesse Lipcon, Verantwortlicher für die High Perfomance Server (siehe CW 14/1999: "Linux soll Alpha-Servern neue Chancen eröffnen"). Compaq nutzt das quelloffene Betriebssystem aber auch für die "Proliant"-Server der Intel-Plattform. Allerdings bieten die Texaner keine vorinstallierten Komplettpakete an, sondern überlassen die Konfiguration ihren Handelspartnern. Mittlerweile sind auch die Compaq-Workstations Linux-fähig geworden: In Deutschland offeriert beispielsweise Raab Karcher solche Geräte.

Obwohl sich Compaq in den USA an Red Hat finanziell beteiligt hat, spielt die deutsche Suse Linux AG seit neuestem eine wichtige Rolle: Gemeinsam wollen beide Unternehmen weltweit in verteilten Call-Centern Unterstützung für Suse Linux auf Compaq-Hardware bereitstellen. Dazu schulen die Suse-Spezialisten die technische Supportmannschaft von Compaq, die in mehr als hundert Ländern Niederlassungen unterhält. Bleiben Kundenfragen trotzdem ungeklärt, sollen die Linux-Spezialisten eingreifen.

"Linux ist verfügbar für einige Modelle der RS/6000-Serie", verspricht IBMs Web-Seite. Zudem hat Big Blue Modifikationen am Quellcode von OS/390 vorgenommen, so dass das freie Betriebssystem auch auf den Mainframes ablaufen kann. Die Veränderungen am Großrechner-Betriebssystem sind kostenfrei aus dem Netz zu laden. Aber: "IBM bietet weder Service, Support noch Wartung für diesen Quellcode an."

Trotz heftiger Anstrengungen auf dem Softwaresektor hat sich IBM bislang noch nicht dazu durchringen können, mit Linux vorkonfigurierte Rechner zu verkaufen. Doch seit Irving Wladawsky-Berger, Vice President für Technologie und Strategie der Enterprise Systems Group, die Aufgabe übernommen hat, Big Blues Linux-Entwicklungen in zukunftsweisende Bahnen zu lenken, gibt es Veränderungen. Auf der diesjährigen Linux World stellte er das Betriebssystem zusammen mit dem Internet, XML und Java in das Zentrum von IBMs E-Commerce-Aktivitäten. Zugleich kündigte der Hersteller in New York erstmals Maschinen mit vorinstalliertem (Red-Hat-)Linux-Betriebssystem vor: Versionen der Netzcomputer (NCs) Network Station 2200 und 2800.

Linux-SplitterDell liefert jetzt auch Notebooks mit Red Hat Linux 6.1 aus. Schon länger verfügbar sind PCs und Workstations mit der Windows-Alternative.

Suse hat eine Variante der Version 6.3 für die Power-PC-CPUs von Motorola angekündigt, die in diesem Frühjahr auf den Markt kommen soll.

Fujitsu-Siemens wirbt für den schlanken "Celvin", der außer mit Windows 98 auch mit Linux-Versionen zu haben sein wird. Die Münchner schlossen außerdem eine Partnerschaft mit dem Softwarehaus VM Ware, das ein Programm entwickelt hat, mit dem sich auf einem PC mehrere virtuelle Betriebssysteme installieren lassen. Damit kann Linux als stabile Infrastruktur genutzt werden, und zusätzlich laufen Anwendungen, die andere Betriebssysteme benötigen, auf virtuellen Instanzen ab. Als Hochverfügbarkeitslösung positioniert Fujitsu-Siemens die Clustering-Software "Reliant Monitor Software" (RMS), die auf den hauseigenen RM-Rechnern (Reliant Unix auf Mips), GP7000 (Solaris auf Sparc) und auf Linux-basierten Systemen (Red Hat) ablauffähig ist.

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