Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

15.03.1996 - 

Delphi 2.0 und Gupta Centura 1.0

Hersteller verkuenden eine neue Generation Entwicklungs-Tools

Die lang erwartete 32-Bit-Version von Borlands grafischer Entwicklungsumgebung Delphi verspricht schneller zu sein als Microsofts "Visual Basic 4.0" und "Powerbuilder 4.0" von Sybase/ Powersoft. Auch die damit erstellten Progamme sollen kompakter und schneller sein. Der Hauptkonkurrent ist derzeit jedoch "Centura" von Gupta. Die Software wird ebenfalls auf der CeBIT gezeigt, ist aber erst ab April im Handel. Welche Hoffnungen Hersteller Gupta in das Tool setzt, wird auch daran deutlich, dass das Unternehmen ab Juli unter der Bezeichnung "Centura" firmieren wird.

Delphi 2.0

Delphi 2.0 dient der schnellen Anwendungsentwicklung (Rapid Application Development = RAD) unter 32-Bit-Windows. Es laeuft nur auf Windows 95 und NT 3.51 - OS/2 bleibt aussen vor. Bei der Entwicklung der Microsoft-Plattformen werden alle dort ueblichen Steuerelemente, Dialoge, Funktionen wie E-Mail (MAPI) und OLE unterstuetzt. In Delphi-2 selbst koennen entgegen manchen Meldungen keine 16-Bit-VBXe erzeugt werden. Dafuer ist ein mitgeliefertes Delphi-1-Modul zustaendig. Insofern werden sie also weiter unterstuetzt. Fuer die Weiterverwendung in 16-Bit-Anwendung kann man ihnen darueber hinaus ein modischen Windows-95-Outfit verleihen. Generell gilt jedoch, dass Delphi-1-Programme neu kompiliert werden muessen, um in einer 32-Bit-Umgebungen weiter verwandt werden zu koennen.

Der 32-Bit-Compiler soll den Code noch besser als bisher optimieren und die Endprodukte, also Exe-Dateien, um etwa 25 Prozent kompakter und drei- bis viermal schneller machen. Durch die Verwendung vorkompilierter Einheiten, sogenannter Delphi Compiled Units (DCUs), laesst sich die Umsetzung in Maschinencode verkuerzen. Weil der Compiler die Engine von Borland C++ nutzt, lassen sich deren Optimierungstechniken einsetzen - allerdings nur komplett oder gar nicht. Neu ist auch, dass Delphi OBJ-Dateien erzeugen kann, so dass sich C++- und Delphi-Module kombinieren lassen.

Die Unterstuetzung von OLE 2.0 erlaubt neben der Integration von OLE Custom Controls (OCX) auch die Realisierung von OLE- Automation. Dadurch koennen Entwickler auch groessere Elemente wie etwa eine Textverarbeitung oder einen Web-Browser, die von Drittanbietern kommen, in eine neue Anwendung integrieren. Damit verbunden ist die Erzeugung von OLE-Servern, die ihre Funktionen einem Gastprogramm, etwa Winword, bereitstellen und es auch steuern koennen. Was der weitgehend objektorientierten Sprache noch fehlt, ist zum Beispiel die Mehrfach-Vererbung.

Borland will Delphi 2.0 in drei Editionen anbieten. Damit Entwickler den Uebergang von 16- auf 32-Bit-Umgebungen besser bewaeltigen, enthaelt jede Kopie das 16-Bit-Release von Delphi 1.0.

-Die Standard-Version unterstuetzt Entwickler von Stand-alone- Anwendungen fuer 32-Bit-Windows. Dass Delphi 2.0 Multithreading- faehig ist und das Win-95-API nutzt, kommt der Schnelligkeit wie auch der Bandbreite des Entwickelns zugute.

-Die Developer-Edition zielt vor allem auf die Anwendungsentwicklung fuer lokale Netze. Dafuer bietet sie unter anderem Objektcontainer zur Erstellung gemeinsam genutzter Masken und Daten. Es lassen sich Felddefinitionen festlegen und im Repository zur weiteren Verwendung ablegen. Eine visualisierte Vererbung erleichtert die Kontrolle bei zentral durchgefuehrten Veraenderungen an Anwendungen. Delphi 2.0 wird mit rund 100 Komponenten der Visual Component Library ausgeliefert, der nun auch eine Sammlung statistischer und finanztechnischer Funktionen sowie eine Palette von OCX beigefuegt ist. Die Developer-Edition enthaelt auch den "Database Explorer", nicht jedoch die Komponenten fuer das Client-Server-Computing.

-Die Client-Server-Suite schliesslich stellt die High-end-Variante von Delphi 2 dar. Damit sollen Applikationen fuer unternehmensweiten Zugriff auf SQL-Datenbanken geschrieben werden. Treiber stehen fuer die wichtigsten SQL-Datenbanken bereit. Zum Lieferumfang gehoeren Tools fuer die NT- Version der "Interbase"- Datenbank und das Report- und Abfragewerkzeug "SQL Reportsmith 3.0".

Eine zentrale Objektverwaltung mit Hilfe eines Repository erlaubt es, Applikationen, Masken und Datenbank-Informationen allen wichtigen Stellen zur Verfuegung zu stellen - das Fehlen dieser Moeglichkeite wurde bei Delphi 1.0 oft kritisiert. Data Object Modules beherbergen die Geschaeftsregeln in einer Applikation. Testwerkzeuge und Anwendungsoptimierungs-Tools sind der "SQL- Monitor" zur Ablaufkontrolle und der "SQL-Explorer" als Informationszentrum bei der Datenbankentwicklung.

Damit Entwicklungsteams bei Modulaustausch und -integration besser unterstuetzt werden, hat Borland von Intersolv das verbreitete Versionskontrollsystem "PVCS" fuer die C/S-Suite in Lizenz genommen, das die komplette Dateiverwaltung uebernimmt. Ueber die offenen APIs kann der Entwickler weitere Werkzeuge einbinden, etwa CASE-Tools, Transaktionsmonitore oder Werkzeuge fuer die objektorientierte Analyse.

Was die 32-Bit-Ausgabe von Delphi nicht bietet, sind Funktionen zum Absetzen von Remote Procedure Calls (RPCs), um ueber ein Netzwerk andere Applikationen zu steuern. Diese Funktion sowie die Internet-Anbindung und das Application-Partitioning zur Laufzeit ist einer kuenftigen Version vorbehalten.

Centura 1.0

Guptas neue Centura-Produktfamilie besteht aus Client-Server- Entwicklungswerkzeugen, die die Erstellung von komplexeren und leistungsfaehigeren Anwendungen ermoeglichen als zuvor. Damit nicht wie bisher die hohe Anwenderzahl, komplizierte Netztechnologie oder extrem hohes Transaktionsaufkommen die 16-Bit-Anwendungen ueberfordern koennen, werden die Plattformen, auf denen Centura- Tools und -Anwendungen laufen, die 32-Bit-Betriebssysteme Windows 95 und NT 3.51 sein. Eine Unterstuetzung von OS/2 ist nicht geplant, wohl aber von Suns PC-Unix Solaris.

Die Hauptbestandteile von Centura sind die Datenbank "SQL Base 6.0" und die Entwicklungsumgebung "SQL Windows 6.0" sowie der "Teamdeveloper". Centura verfuegt ueber Module zur Abfrageformulierung, Maskengenerierung, Teamentwicklung sowie fuer Applikationsentwurf und -verwaltung. Teams stehen gemeinsame Objekte im Repository zur Verfuegung. Hier lassen sich andere SQL- Datenbanken einbinden. Nuetzlich ist die grafische Darstellung von sogenannten Entity-Relations in einem Fenster. Der Compiler erzeugt schnell ausfuehrbare DLLs in Maschinencode.

Applikationen werden mit Centura unabhaengig von einer Datenbank oder einem bestimmten Netzwerk-Betriebssystem entwikkelt. Performance-steigernde System-Features wie Multithreading und Multiprocessing unter Windows NT werden unterstuetzt. Die Funktionen sowohl von SQL Windows wie auch von 32-Bit-Anwendungen lassen sich mit OCX und - ab der Version 2.0 - mit Guptas "Business Quick Objects" erweitern.

Bei der Groupware wird auch Lotus Notes unterstuetzt. Dessen Replikationstechnik (im Centura Ranger) kann der Anwender/Entwickler einsetzen, zum Beispiel als mobiler User. An Transaktionsmonitoren unterstuetzt Centura unter anderem Tuxedo von Novell. Doch erst ab der Version 2.0, die fuer das dritte Quartal 1996 avisiert ist, beherrscht Centura Application Server das Application-Partitioning zur Laufzeit.

Gupta selbst sieht die groessten Mitbewerber nicht in Delphi 2.0 C/S, sondern in Oracles "Developer/2000" und "New Era" von Informix. Um die gleiche Skalierbarkeit der Applikationen und der Entwicklungsumgebung zu erhalten, muss der Teamentwickler von seiner lokalen SQL-Base-Datenbank fuer Windows 95 auf Multiuser- SQL-Base oder eine andere relationale Datenbank aufruesten - die 32-Bit-SQL-Links dafuer liefert Centura. Ab April soll ein "Web Data Publisher" als Betaversion zur Verfuegung stehen, mit dessen Web-Seiten auch Buchungen an eine Applikation zurueckgemeldet werden koennen. Ein Java-Interpreter soll in der naechsten Centura- Version folgen.

Centura 1.0 ist im Moment ein wenig besser fuer die Entwicklung unternehmensweiter Business-Applikationen geruestet als Delphi 2.0 C/S. Dafuer sprechen die Transaktions- und Replikationsunterstuetzung sowie die Integration verschiedener Kommunikationsdienste wie Notes, E-Mail, MS-Exchange und - demnaechst - Internet. Delphis Vorteil bleibt weiterhin die Schnelligkeit seines Compilers und der erzeugten Programme. Borland sollte sich mit der Integration der Centura-Vorteile beeilen. Plaene dafuer wurden der Presse bereits vorgestellt. Das Rennen kann beginnen.

Die Preise

Delphi 2.0 kommt im Maerz mit etwas Verzoegerung auf den Markt. Die Standard-Edition kostet rund 600 Mark, das Upgrade zirka 300 Mark. Die Developer-Version soll rund 1000 Mark kosten, das Upgrade duerfte bei 400 Mark liegen. Die Client-Server-Suite kostet rund 3000 Mark, waehrend das Upgrade fuer rund 1500 Mark zu haben ist.

Die Centura-Tools-Suite (inklusive lokaler SQL Base 6.0) soll komplett 13340 Mark kosten. SQL-Windows-Benutzer erhalten das Paket bis 30. Juni 1996 fuer die Haelfte dieses Preises. Die 5-User- Version von SQL Base 6.0 kostet 2860 Mark extra.

Kurz & buendig

Die Kluft zwischen den Preisen von Centura und Delphi (vgl. Kasten auf Seite 24) deutet an, dass hier Entwicklungsprodukte aus gaenzlich verschiedenen Klassen verglichen werden. Die Art und Vielfalt der Features macht jedoch klar, dass PC-Werkzeuge wie Delphi laengst den Quick-and-Dirty-Anfaengen entwachsen sind und sich hinter professionellen Entwicklungsumgebungen wie Centura kaum mehr verstecken muessen. Insofern ist es gerechtfertigt, wenn Hersteller wie Borland von einer neuen Tool-Generation sprechen: Die Windows-Entwicklung wird serioeser.