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30.01.1981

"Herstellerabhängigkeit beginnt schon beim Betriebssystem"

Seitdem immer mehr DV-Anbieter um die Gunst der Computer-Benutzer werben, stichelt Ludwig Kottmann, DV-Leiter bei Allibert in Frankfurt, habe sich die Abhängigkeit zum Hersteller scheinbar zugunsten der Anwender entwickelt. Doch der Schein trüge: Im gleichen Maße, wie sich die Datenmengen vermehrt hätten und die DV immer komplexer werde, sei ein Hersteller-Wechsel immer unmöglicher geworden. Wie abhängig heute der Anwender ist, verdeutlichen nach Ansicht von Anton Hennl (Mannheimer Versorgungs-Verkehrsgesellschaft GmbH) vor allem die Kataloge der Software-Häuser. Bereits im "Isis" könne man nachlesen, daß die Abhängigkeit schon beim Betriebssystem beginne. Da die Hardware inzwischen nicht mehr den gewünschten Gewinn abwerfe, ärgert sich Hennl, versuchten die Hersteller den preislichen Ausgleich über die Software zu schaffen und erreichten damit eine noch stärkere Bindung an ihre Kunden.

Anton Hennl

DV-Leiter, Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH / (MVV), Mannheim

(Siemens 7.541, Siemens 7.748)

Ich nehme meine Meinung gleich vorweg: Ich glaube, daß sich in bezug auf die Abhängigkeit der Anwender vom Hersteller künftig wenig ändern wird. Für die nahe Zukunft sind kaum Silberstreifen am DV-Horizont erkennbar; eher finstere Wolken.

Nachdem bei den peripheren Geräten (zumindest bei einigen Herstellern) durch die Möglichkeit der Mixed-Hardware sowie durch die Kompatibilität einiger ...nermodelle eine bescheidene ... an Freiheit geschaffen wurde und die billiger gewordenen Rechner bei gesteigerter Leistung nicht mehr so viel Gewinn abwerfen, werden die Hersteller versuchen, sich durch die Software nicht nur einen preislichen Ausgleich zu schaffen, sondern auch ihre Kunden wieder fester an sich zu binden.

Wie abhängig der Anwender vom Hersteller ist, dafür liefert zum Beispiel der Isis-Software-Report die notwendige Dokumentation. Dort kann sich jeder ein Bild davon machen, daß die Abhängigkeit bereits bei einzelnen Betriebssystemen und Rechnermodellen beginnt. Das heißt: Der Anwender ist nicht einmal im Rahmen desselben Herstellers frei. Ein hoher Anteil der angepriesenen Softwarepakete ist nur auf einen Hersteller ausgerichtet; Benutzer von Produkten anderer Hersteller gehen leer aus.

...Anwender haben schon öfter versucht unabhängiger zu werden. Ein wichtiger Schritt waren zweifellos die systemunabhängigen Programmiersprachen. Aber auch in diesem Bereich versuchen die Hersteller ihre eigenen Wege zu gehen, und wer sich nicht einschränkt und normiert, kann auch hier böse Überraschungen erleben. Wer Programme in höheren Programmiersprachen übernimmt, die auf Rechnern anderer Hersteller kreiert wurden, erfährt das immer wieder.

Es ist in diesem Zusammenhang an einen interessanten Versuch zu erinnern: gemeint ist die Bekanntmachung des Verfahrens zur Sicherstellung der Einsatzfähigkeit und Weiterentwicklung der kompatiblen Schnittstellen für system-neutrale Anwendungsprogrammierung des BMI im Bundesanzeiger Nr. 87 vom 9.5.1980.

Der Einsatz kompatibler Schnittstellen soll den Anwendern den genormten Zugang zu Datenverwaltungssystemen, Datenbanksystemen und Datenkommunikationssystemen schaffen. Durch solche oder ähnliche Schnittstellen ließe sich sicherlich eine größere Unabhängigkeit erreichen. Es fragt sich bloß, wer hier die Initiative ergreift. Die Hersteller sicher nicht, und für Software-Häuser müßte zuerst ein entsprechender Profit sichtbar sein, wenn sie sich engagieren. Der verlorene Haufen der Anwender, der zur Genüge in Probleme verstrickt ist, kann es wohl auch nicht, wenn sich nicht Gruppen zum gemeinsamen Handeln formieren; in dem genannten Fall wäre es der öffentliche Dienst. Frei werden kostet also Anstrengung und vor allem Geld. Sind wir dazu bereit? Können wir es uns überhaupt leisten? Fühlen sich nicht viele Anwender auch wohl und geborgen an der Mutterbrust des Herstellers? Haben sie überhaupt das Gefühl, abhängig zu sein, besonders die in der größten Familie?

Es kann heute sehr hart sein, sich aus der Abhängigkeit eines Herstellers in die eines anderen zu begeben, selbst wenn dieser mit allerlei Hilfen zur Seite steht. Da die Grade der Abhängigkeit sehr verschieden sind, können dafür sowohl Monate härtester Arbeit und großer Probleme eingeplant werden, aber es kann auch unter Umständen ein wirtschaftliches Wagnis bedeuten. Ein Anwender mit 1000 Assemblerprogrammen, mit einer Datenbank und Datenfernverarbeitung, der alle Möglichkeiten des herstellerspezifischen Betriebs- und Kommunikationssystems genützt hat, hat es sicher sehr schwer. Es währe daher erstrebenswert, sich hier freier, mit weniger Sorgen und kostengünstiger bewegen zu können. Aber, wie gesagt, ich sehe diese Unabhängigkeit noch nicht.

Robert Halstein

DV-Leiter, Maschinenfabrik LPH Hemmer GmbH & Co. KG, Aachen

Die Abhängigkeit des "Normal-EDV-Verbrauchers" von seinem Hard- und meistens auch Software-Hersteller wird sich meiner Ansicht nach in den kommenden Jahren mehr und mehr verstärken.

Unter "Normal-EDV-Verbrauchern" verstehe ich dabei Unternehmen, die sich keine EDV-Abteilung im herkömmlichen Sinne, also mit mindestens zwei bis drei Beschäftigten leisten können. Und das werden bis 1990 rund 80 Prozent aller Unternehmen sein, die Datenverarbeitung betreiben.

Ihre wachsende Abhängigkeit begründet sich dabei unter anderem auf folgende Fakten:

- Der Bedarf an geeigneter Software für alle Unternehmensbereiche wächst ständig

- die Kosten für die Entwicklung der Software steigen an, und

- nur die Hersteller selber, mit Einschränkungen auch größere Unternehmensberatungen, sind in der Lage, geeignete Instrumente zu entwickeln, mit denen die Kosten für die Erstellung und Pflege der gewünschten Programme gesenkt werden können. Das bedeutet aber, daß immer mehr Betriebe auf vorhandene Standard-Software, insbesondere ihres Herstellers, zurückgreifen müssen und somit auch bei Anpassungen auf seine Hilfe angewiesen sind.

Allein aus diesem Grund, der zwangsläufig dazu führen wird, daß der Software-Lieferant auch die Pflege der Software übernehmen muß, werden die Anwender mehr und mehr in die Abhängigkeit ihres Herstellers geraten.

Ludwig Kottmann

DV-Leiter, Allibert GmbH, Frankfurt (IBM 370/138, DOS/VSE)

Seitdem in den letzten Jahren immer mehr DV-Hersteller um die Gunst der Computer-Benutzer werben, scheint sich die Abhängigkeit zu Gunsten der Anwender entwickelt zu haben Schließlich muß durch die Konkurrerenzsituation jeder Anbieter gegenüber seinen Mitbewerbern einen technischen oder finanziellen Vorteil anzubieten haben.

Jeder wirtschaftlich handelnde EDV-Manager muß sich heutzutage zwangsläufig auf dem peripheren Markt umsehen. Speziell dort, wo viel Peripherie im Einsatz ist, kann sich unter Umständen ein Lieferantenwechsel lohnen - natürlich nur unter Berücksichtigung von Sicherheit, Reserven Back-up-Möglichkeiten und der Qualität des technischen Kundendienstes. Auf dem Peripherie-Sektor sind inzwischen nicht mehr nur ausschließlich finanzielle Gründe maßgeblich, die sicherlich bequeme "Einehe" mit einem Lieferanten durch einen Seitensprung mit einem "anderen" zu ergänzen Dickfellige Verwaltung, schlechte Lieferzeiten, unbefriedigende Unterstützung eines Anbieters, werden durch Flexibilität eines anderen ausgeglichen. Je mehr "Stekkerkompatible" sich den Markt streitig machen, desto größer wird die Unabhängigkeit.

Bei den eigentlichen Computeranlagen wird sich die Abhängigkeit auch in Zukunft nicht vermeiden lassen. Im gleichen Maße, wie Computerleistungen gestiegen sind, Anwendungen und Datenmengen sich vermehrt haben und die Anforderungen an die EDV immer komplexer wurden (oder noch werden), ist an einen "Namenswechsel" nicht zu denken. Gemessen am umfangreichen, "unproduktiven" Arbeitsaufwand und der gewiß nicht problemlosen Anlaufphase, stehen die Umstellungsrisiken in keinem vernünftigen Verhältnis zu einer solchen Maßnahme. Infolge der in immer kürzeren Abständen durchzuführenden Umstellungen auf neue Hardware-Generationen, neue Speichertechnologien oder Verfahren und verbesserte Betriebssysteme wird der Benutzer die damit verbundenen Risiken zu vermeiden suchen, wenn er bei seinem Hauptlieferanten bleibt.

Auf dem Softwaregebiet hat sich die Situation jedoch geändert. Steigende Personalkosten sowie fehlendes DV-Fachpersonal unterstützen die Entscheidung, fertige Anwendungssoftware einzusetzen. Hier öffnen sich viele Möglichkeiten, kosten- und zeitsparend die EDV-Produktivität zu steigern - vorausgesetzt, es gelingt, die Fachabteilungen ohne zusätzliche Programm-Modifikationen und selbstgestrickte Zugaben zufriedenzustellen:

So wie beim Kauf eines Kraftfahrzeuges automatisch eine Abhängigkeit zur autorisierten Fachwerkstatt entsteht, wird sich die Abhängigkeit der Computerpartner nicht wesentlich verändern, obwohl oberflächlich gesehen immer mehr Anbieter eine größere Unabhängigkeit signalisieren. Doch ein Mehr an Anbietern kann auch ein Mehr an Abhängigkeit bedeuten.

Es verbleibt die Frage: Ist Unabhängigkeit in unserer DV-Gesellschaft überhaupt realistisch? Es kommt doch zwischen Partnern (aller Art) vor allem auf das Gleichgewicht der Kräfte an. In diesem Sinne wird uns die Technik hoffentlich weiterhelfen.