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11.04.1986

Herstellerantworten passen noch nicht zu Benutzerfragen

DV-Hersteller machen mit immer neuen und "angeblich fertigen" Problemlösungen den DV-Verantwortlichen das Leben schwer. So kritisiert der Hamburger DV-Spezialist Uwe Neveling denn auch: "Während der Anwender zur Zeit noch Problembewußtsein entwickelt, liefert der Hersteller bereits fertige Lösungen für den in den Unternehmen noch längst nicht abgeschlossenen Definitionsprozeß" Seiner Ansicht nach ist es aber wichtiger, daß die Anbieter den Benutzer in der Entwurfsphase stärker unterstützen. DV-Profi Wolfgang Eckert aus Norderstedt fordert, daß nicht nur die Hersteller, sondern auch die DV-Verantwortlichen zukünftig umdenken müssen. Vor allem letztere dürften sich nicht länger vom Tagesgeschäft überrollen lassen. Benötigt, so Eckert, werden innovatives und unternehmensspezifisches Denken, um den teilweise voreiligen Herstellerantworten mit richtigen Fragen Paroli bieten zu können. bk

Uwe Neveling, Abteilungsleiter DBU, Nova-Versicherungen, Hamburg

Beide, Hersteller und Anwender, befinden sich in einem Dilemma. Während der Anwender zur Zeit noch Problembewußtsein entwickelt, liefert der Hersteller bereits Lösungen für den in den Unternehmen noch nicht abgeschlossenen Definitionsprozeß. Der Hersteller beeinflußt - meines Erachtens zu seinem Nachteil - die Nachdenkphase des Anwenders mit angeblich fertigen Lösungen. Das in der Vergangenheit praktizierte Verfahren, in einem ersten Schritt Systemanforderungen zu definieren und erst in einem zweiten Schritt hierfür Lösungen zu erarbeiten, ist auch für die Zukunft die einzig sinnvolle Vorgehensweise. Nachdenken ist zeitaufwendig und sollte durch eine - vielleicht sogar gut gemeinte - Interaktion nicht gestört werden.

Wodurch wird die Innovationsbereitschaft des Anwenders beeinträchtigt? Die Planungen für die Zukunft müssen sich ausschließlich an den Bedürfnissen der Benutzer orientieren. Die Anforderungen des Benutzers ergeben sich aus den für sie geltenden Teilzielen, die aus der Unternehmensplanung abgeleitet werden. Man kann nicht erwarten, daß unternehmerische Zielsetzungen über einen Zeitraum von fünf Jahren hinausgehen. Jetzt stattfindende Grundsatzüberlegungen erfolgen im Einzelfall jedoch über den Zeitabschnitt von fünf Jahren hinweg. Gesucht wird daher ein Konzept, daß kurzfristig änderbar ist und den Unternehmen dennoch eine längerfristige Systemkonformität garantiert. Welcher Hersteller verfügt heute über so ein klassifiziertes Produkt? Welches Unternehmen hat bereits ein derartiges Konzept? Die Probleme liegen beim Anwender, der oftmals nicht weiß, wie die zukünftigen Anforderungen geartet sind.

Eine weitere Verzögerung beim DV-Verantwortlichen entsteht dadurch, daß zu erwartende Veränderungen der Aufbau- und Ablauforganisation nicht konkret genannt werden. Vielfach wird die "Individuelle Datenverarbeitung" als Eintrittskarte für die Zukunft bezeichnet. Schlagworte wie das "Zusammenwachsen von Text, Daten, Bild und Sprache" sind in diesem Zusammenhang wenig hilfreich. Solange die Anfangsinvestitionen einer Kosten/Nutzenanalyse nicht unterzogen werden können, weil quantifizierbare und qualifizierbare Maßstäbe fehlen, solange wird jedes Unternehmen zurückhaltend operieren. Nur wenige Unternehmen sind bereit zu experimentieren, und für eine Erprobung fehlen oftmals die Ressourcen.

Ein Schwerpunkt bei den Versicherungsunternehmen liegt zur Zeit in der Entwicklung akquisitionsunterstützender Systeme für den Außendienst. Damit verbunden sind in Teilbereichen auch dezentrale Informationsbereitstellungen von bisher zentral gesteuerten Vorgängen. Dies ist sicherlich eine erste, erfolgversprechende Entwicklung für ein wie auch immer zu gestaltendes Zukunftssystem.

Wichtig ist, daß die mit der Zukunftsplanung beauftragten Abteilungen "Betriebsorganisation" und "Datenverarbeitung" gemeinsam Strategien entwickeln. Das ist auch nicht unproblematisch, insbesondere dann, wenn diese Bereiche in der Vergangenheit nicht immer gleiche Akzente verfolgt haben.

Zusammenarbeiten müssen aber auch die Hersteller und ihre Kunden, die Anwender. Das kann seitens der Anbieter nicht durch Beantwortung (in Form von fertigen Produkten) von nicht gestellten Fragen (Anforderungen) geschehen. Die Hersteller sollten vielmehr den Anwender in der Entwurfsphase unterstützen. Sie sollten die Probleme ihrer Kunden kennen. Könnte das der Ausweg aus dem eingangs geschilderten Dilemma sein?

Wolfgang Eckert, Leiter Org./DV, Jungheinrich Maschinenfabrik, Norderstedt

Die DV-Hersteller haben mit Sicherheit eine große Anzahl von Hard- und Software-Antworten für den Anwender parat. Dennoch handelt es sich hierbei in der Regel um Einzellösungen: Von Konzepten oder Gesamtmodellen ist noch selten die Rede. Auch beachten die Hersteller viel zu wenig das Umfeld des jeweiligen Unternehmens beziehungsweise das beim Kunden vorhandene Produktspektrum. Immer wieder erhalten wir von den Anbietern diese sogenannten "Grüne-Wiese"-Vorschläge. Ein Beispiel: Anwender X hat bestimmte Geräte und Lösungen. Jetzt bietet ihm der Hersteller eine ganz neue Lösung an, die aber von einem ganz anderen Projektteam, vielleicht sogar in einem anderen Land entwickelt wurde. Und dieser Vorschlag erfolgt oft ohne Rücksicht auf die Produkte, die der Kunde vor ein paar Jahren gekauft hat. Auch bleibt die Kompatibilität dabei häufig auf der Strecke.

Der Anwender, speziell derDV-Verantwortliche, hat in seine Fragenschwerpunkte ganz klar verschiedene Komponenten einzusetzen. So muß er nicht nur die Unternehmensziele, sondern auch das Gesamtmodell der Informationsverarbeitung sowie seine Mittel- und Langfristplanung im Kopf haben. Es ist nicht Aufgabe des DV-Profis, mit dem Anbieter "Bits- und Bytes-Diskussionen" zu führen. Im Gegenteil: Gefordert ist das Nachdenken über Innovationen im technischen wie im funktionellen Bereich - und über deren Mach- sowie Durchsetzbarkeit im Unternehmen.

In der Praxis jedoch haben wir mit diesem neuen, innovativen Denken noch Probleme. So werden beispielsweise Know-how-Engpässe im eigenen Haus oder im Personalbereich oftmals überbewertet. Wer sich als DV-Verantwortlicher zu sehr vom Tagesgeschäft überrollen läßt, kann nicht zu der richtigen Fragestellung kommen.

Der Berater kann dem Anwender hier nur Hllfestellung leisten, wenn er in der Lage ist praktikabel in Gesamtkonzepten zu denken. Doch oft lassen sich diese Spezialisten in den Unternehmen für die Lösungen "Klassischer Probleme" einsetzen. Nicht selten werden sie ins Haus geholt, um Budgetfragen kontra Personalkosten lediglich einmal "anders" zu beleuchten oder um Kapazitätsmangel auszugleichen. Aufgabe eines guten Beraters sollte es sein, Herstellerangebote und Anwenderwünsche zu vergleichen, um dann die fertige Lösung zu liefern.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der DV-Verantwortliche innovativ und konzeptionell denken muß, um seine Fragenschwerpunkte richtig formulieren zu können. Der Hersteller dagegen sollte vor dem Anbieten von Problemlösungen die unternehmensspezifischen Anforderungsprofile berücksichtigen.

Rainer Sitzmann, Leiter Organisation,Informationssysteme SH-Schieder-Möbel Holding GmbH, Schieder

Beim Denkansatz für Problemlösungen im Unternehmen durch Organisation und Datenverarbeitung besaß in früheren Zeiten die Hardwarekomponente ein ganz erhebliches Gewicht. Da heute durch den immensen Fortgang der Technologie und die günstige Preisentwicklung der Rechnerleistung im Regelfall geeignete Hardware wie selbstverständlich zur Verfügung steht, hat sich diese Gewichtung bedeutend verschoben. Im Verhältnis aller Faktoren sind Organisation und anwendungsfreundliche Software auch und gerade unter wirtschaftlichen Aspekten in den Vordergrund getreten. In diesem Zusammenhang ergeben sich bei der Formulierung dieser Ziele folgende Aspekte:

1. Wie bisher auch ist das Unternehmen für eine mittel- und langfristige Definition der Unternehmensziele nach wie vor selbst verantwortlich. Diese Ziele sind von der Unternehmensleitung klar und verständlich zu definieren. Allerdings sind hier die Verantwortlichen für Organisation und Informationsverarbeitung (vielleicht sogar Informationsmanager?) in der Überlegungs- und Planungsphase sehr viel frühzeitiger mit einzubeziehen. Hierbei können selbstverständlich Unternehmensberatungen Hilfestellung leisten. Allerdings sind kritische Maßstäbe bei der Auswahl geeigneter Beratungsunternehmen anzulegen. Es sollte darauf geachtet werden, daß die Unternehmensberatung in der Lage ist, nicht nur Konzepte anzubieten, sondern auch die Realisierung praktisch und vor Ort mit zu vollziehen. Mentor für die Definition der Unternehmensziele muß nach meiner Meinung jedoch das Management des Unternehmens selbst sein und bleiben.

2. Vertriebsbeauftragte und Berater von der Seite der DV-Hersteller sind in aller Regel schwerpunktmäßig hardwareorientiert. Von dieser Seite aus wird die Lösung sehr stark durch die Argumentation von Rechnerleistung, Arbeitsplatzergonomie etc. gesucht. Hier bietet dieser Kreis deshalb dem Anwender weniger Unterstützung, da sich die Gewichtung der Hardwarekomponente - wie vorstehend beschrieben - deutlich verändert hat. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen, welche uns in der Praxis allerdings weniger begegnet sind. Die DV-Hersteller sind deshalb aufgerufen, dem Anwender durch kompetente Anwendungsberatung und Zurverfügungstellung entsprechender Basissoftware eine deutlich bessere Unterstützung zu geben.

3. Ohne Zweifel benötigt das Unternehmen bei der Realisierung von Problemlösungen Unterstützung von außen. Da diese von Herstellerseite anwendungsbezogen in der Regel nicht genügend zur Verfügung gestellt wird, bietet sich hier die Chance für Unternehmensberatungen. Die zwingende Notwendigkeit, den Integrationsgrad der Lösungen ständig zu erhöhen, erfordert hier den Einsatz von Spezialisten in Teilbereichen zum Beispiel Materialwirtschaft/Fertigungssteuerung, kaufmännische Abwicklung, spezielle Auftragsbearbeitungs- und Logistiksysteme. Hier bietet sich dem Leiter Organisation/Informationssysteme ein mehr oder weniger großes Angebot an kompletten Beratungsfirmen. Allerdings sollte bei der Auswahl darauf geachtet werden, daß für die einzelnen Lösungssegmente und Projekte konkrete Pflichtenhefte und gut kontrollierbare Teilziele vorhanden sind. Ein wichtiger Aspekt in dieser Zusammenarbeit ist, daß das Beratungshonorar im wesentlichen erfolgsbezogen vereinbart wird, um hier eine ausgeglichene Interessenslage sicherzustellen. Die Projektleitung selbst muß jedoch im Unternehmen und hier bei den Verantwortlichen für Organisation/Informationssysteme bleiben.

Wer allerdings in der heutigen Zeit immer noch glaubt, Problemlösungen im wesentlichen durch den Einsatz von Maschinen, also Hardwarekomponenten, lösen zu können, befindet sich in einem für jedes Unternehmen gefährlichen Irrtum. Hier wäre sicherlich auch das Verständnis der Funktion des Leiters Organisation/Informationssysteme als zunehmende Managementaufgabe falsch. Daß die Auswahl und der Einsatz geeigneter Hardware dazugehört, ist ebenso klar, bei weitem aber nicht mehr der größte und wichtigste Anteil.