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Anwender kommen mit Einheitsparolen bei Produktbeschreibungen nicht zurecht:

Herstellerinfo ist oft keinen Pfifferling wert

16.01.1987

Die Vielzahl der im Markt angebotenen Softwareprodukte macht dem Benutzer die Wahl zur Qual. Auch die Produktbeschreibungen der Anbieter bieten dabei meist keine echte Hilfestellung. Sie wirken auf den User eher verwirrend als nützlich. Nigel Pendse setzt sich am Beispiel der Decision-Support-Systeme mit dem Für und Wider der verschiedenen Vorgehensweisen bei der Produktauswahl auseinander.

Viele Unternehmen fühlen sich "reif" für den Einsatz von Planungssprachen in ihrem Hause, mit denen auch der Endanwender die vielzitierte Individuelle Datenverarbeitung

(IDV) aufnehmen kann. Die Anschaffung dieser Werkzeuge stellt eine beträchtliche Investition dar, bei der viele Bereiche von DV über Fachabteilungen hin zur Geschäftsleitung ein Wörtchen mitreden wollen. Der Verkaufszyklus ist selten unter einem Jahr abgeschlossen, nicht nur weil bei den meisten Unternehmen Unsicherheit über die richtige Annäherung an das Produkt herrscht, sondern auch, weil die unterschiedlichen Auswahlverfahren einige Zeit in Anspruch nehmen.

Auf dem Markt werden hunderte sogenannter Decision-Support-Systeme angeboten. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Produkte, bei denen eine DSS-Erweiterung an ein bereits existierendes Produkt angehängt wurde, obwohl der ursprüngliche Einsatzbereich der Software ein ganz anderer war. Alle behaupten von sich, einzigartig leistungsfähig, außergewöhnlich benutzerfreundlich, wirtschaftlich, zuverlässig, leicht zu warten und multifunktional zu sein. Selbst wenn diese Behauptungen den Tatsachen entsprächen - was sie nicht tun - helfen sie einem Benutzer immer noch nicht, das passende Produkt für eine geplante Anwendung zu finden.

Lange Merkmalslisten sind keine Hilfe

Viele Anbieter verfügen über lange Listen mit den Eigenschaften ihrer Produkte. Die einfachste Art, zwei Systeme miteinander zu vergleichen besteht darin, die Anzahl der Eintragungen in jeder Liste zusammenzuzählen und das Produkt mit der umfangreichsten Aufzählung auszuwählen. Eine weiterentwickelte Variante dieses Vorgehens besteht in der Gewichtung der einzelnen Eigenschaften. In diesem Fall summiert man die gewichtete Punktzahl jedes Produkts und entscheidet sich dann für das Produkt mit der höchsten Punktzahl. Das Problem bei diesen beiden Ansätzen ist, daß sie die eigentliche Tauglichkeit der Produkte fast außer acht lassen. Wesentliche, aber auf den ersten Blick nicht auszumachende Unterschiede, zum Beispiel in der internen Architektur werden ignoriert, während Dutzende von nebensächlichen Eigenschaften überbewertet werden. Die Erwähnung mancher dieser Kriterien kann manchmal sogar als Schwäche interpretiert werden, das sie benötigt werden, um Produktmängel zu überwinden. Daher können die gleichen Eigenschaften bei einem Produkt einen Pluspunkt darstellen und bei einem anderen schlagen sie als Minus zu Buche.

Im allgemeinen führt dieser Ansatz zu einer oberflächlichen und ausgesprochen unzuverlässigen Analyse. Er neigt dazu, die ältesten Produkte zu favorisieren, weil diese über die Jahre die längste Liste mit Produktmerkmalen angesammelt haben, und die modernsten Produkte zu meiden, die entwickelt wurden, ohne viele Eigenschaften der älteren Produkte überhaupt zu benötigen.

Im Prinzip ist daher der Leistungsvergleich ein besserer Ansatz. Er konzentriert sich eher auf das zu lösende, aktuelle Problem als auf eine theoretische Liste mit möglicherweise irrelevanten Eigenschaften. Außerdem wird der potentielle Benutzer in einem viel größeren Maße miteinbezogen, denn Grundlage dieser Methode ist es, dem Anwender zu zeigen, wie gut die Produkte sein Problem lösen.

Trotzdem birgt dieser Ansatz immer noch Gefahren. Wenn mehrere Produkte bewertet werden sollen, ist die Versuchung groß, nur einen kleinen Ausschnitt des zu lösenden Problems zur Grundlage des Leistungsvergleichs zu machen. Dem liegt die Überlegung zugrunde, daß dieser Teil des Ganzen ein maßstabgetreues Modell des eigentlichen Problems darstellt und daß die so gefundenen Ergebnisse einfach hochgerechnet werden können. Leider ist dies meistens nicht der Fall.

Hier schneiden die einfachen Systeme, die mit im Test sind, wahrscheinlich am besten ab, weil sie für relativ simple Anwendungen konzipiert wurden. Für komplexere Aufgaben erweisen sie sich aber als absolut ungeeignet. Im Gegensatz dazu werden Produkte, die zur Verarbeitung von großen, mächtigen Anwendungen entwickelt wurden, bei der Bearbeitung von relativ trivialen Problemen einen großen Wasserkopf mit sich herumschleppen, bei der Benutzung einen eher schwerfälligen Eindruck machen und weniger rechnereffizient erscheinen.

Hierzu ein Beispiel: Wenn an die Anschaffung eines komplexen umfangreichen Großrechnersystems gedacht wird, ist es wenig empfehlenswert, eine Aufgabenstellung für den Leistungsvergleich zu wählen, die ausgezeichnet von einem Mikrocomputer-Spreadsheet-Programm gelöst werden kann. Auch wenn sich die meisten Benutzer bei kleineren Anwendungen für das Tabellenkalkulationssystem entscheiden würden, leuchtet es doch ein, daß Aufgaben, die das gesamte Unternehmen einbinden, mit diesen Mitteln nicht zu lösen sind.

Ein weiterer Vorteil dieses Ansatzes ist es, vorausgesetzt er beruht auf einem Beispiel mit realistischer Größe, daß die Durchführbarkeit der gesamten Arbeit auf der vorgesehenen Hardware getestet werden kann. Andernfalls besteht die Gefahr, daß man sich nützliche, aber nicht realisierbar große Anwendungen ausdenkt und das erst merkt, wenn es zu spät ist.

Der Referenz-Ansatz ist einer der einfachsten und möglicherweise einer der besseren Methoden. Anstatt eine Menge technischer Forschungsarbeiten zu betreiben, spricht man einfach mit anderen Benutzern dieses Systems, die ähnliche Anwendungen haben. Dies ist ein guter Weg, die besonders schwachen Ergänzungen zu bestehenden Produkten zu identifizieren, die oberflächlich attraktiv erscheinen, in der Praxis aber unbrauchbar sind. Es versteht sich allerdings von selbst, daß dieser Ansatz bei sehr neuen Produkten nicht funktioniert.

Die Wahl des Anbieters und nicht des Produkts ist ein einfacher, aber manchmal fauler Weg, Software auszusuchen. Anstatt Systeme zu bewerten, kauft man einfach das Produkt des bekanntesten Anbieters. Es ist zwar wichtig, daß der Verkäufer über eine gute finanzielle Moral und Zuverlässigkeit verfügt, aber die Eignung des Produkts ist genauso entscheidend - selbst die angesehensten Verkäufer sind nicht auf jedem Gebiet Experten. In der Regel wird ein spezialisiertes Unternehmen in der Lage sein, eine bessere Lösung aus seinem Metier anzubieten, als ein Hersteller, der sich zum Beispiel mit seiner Hardware einen Ruf gemacht hat.

Die Information anhand veröffentlichter Analysen ist eigentlich ein guter Weg, Produkte miteinander zu vergleichen. Er hat aber seine Schwachstellen, wenn komplexere Produkte betroffen sind. Das Vorgehen funktioniert bei überschaubaren, einfachen Systemen, deren Möglichkeiten in wenigen Tagen vollständig ausgewertet werden können. Tester verfügen meist nicht über die Zeit, große, komplexe Softwarepakete wie zum Beispiel Planungssprachen mit mehreren Modulen in allen Einzelheiten zu prüfen. Außerdem sind Tester auch nur Menschen, deren Neigungen und Vorurteile, für den Leser schwer zu erkennen, in den Bericht einfließen. Selbst wenn sich dies nur darin äußert, daß Bewertungskriterien ausgewählt werden, die auf eigenen Erfahrungen beruhen. Zum Beispiel neigen die meisten Tester von PC-Spreadsheet-Programmen dazu, ein Produkt danach zu beurteilen in welchem Maße es Lotus 1-2-3 ähnelt, anstatt seine eigentlichen Leistungen zu bewerten.

Der Ansatz, die in die Software eingeflossenen Entwicklungsprinzipen zu bewerten, ist nicht praktikabel. Die meisten Verkäufer reden nicht über die zugrunde liegenden Entwicklungsprinzipien ihrer Produkte; vielleicht, weil es in einigen Fällen gar keine gibt. Und doch scheint dies langfristig betrachtet eines der wichtigsten Auswahlkriterien für eine Software, denn es ist das beste Indiz für das langfristige Entwicklungspotential einer Produktlinie.

Nigel Pendse ist zuständig für das Produktmarketing bei der Comshare Ltd., London.