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03.01.1986

Herstellerverbände VDMA und ZVEI bekommen Gegenwind vom BDU:Consultants formieren sich zur dritten Kraft

BONN - Ein Umsatzplus von über 20 Prozent melden DV-Berater und Softwarehäuser gegenüber dem Vorjahr, so der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Vor diesem Hintergrund steckt der Dachverband der Beratungsprofis jetzt sein Terrain neu ab: So wird der Verband Deutscher Rechenzentren (VDRZ) sich im BDU "auflösen" und ein "Fachverband Informationstechnik" soll den traditionellen Herstellerorganisationen Paroli bieten.

Die "homogene" Gruppe der Spitzenreiter aus der informationsverarbeitenden Branche führt mit einer zweistelligen Steigerungsrate das insgesamt "ausgesprochen heterogene" Feld der 260 durch den BDU vertretenen bundesdeutschen Consultants an. Sie repräsentieren laut BDU rund 42 Prozent des gesamten deutschen Beratungsmarktes. Nicht ohne Erfolg, denn ihr Marktvolumen stieg 1985 um etwa zehn Prozent, wie der Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU, Bonn, bekanntgab. Von BDU-Umsätzen - insgesamt ein Betrag um 900 Millionen - stammen mehr als 80 Prozent von Mitgliedern der BDU-Sektion "Informationstechnik".

Der BDU strebt nun eine Stärkung seiner Position als Software-Bollwerk gegenüber Organisationen wie den Frankfurter Verbänden Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.(VDMA) sowie dem Zentralverband der Elektronischen Industrie (ZVEI) an. Gleichfalls soll der Einfluß auf Bund, Länder und die EG-Kommision wachsen.

Der stattgefundene und zu erwartende Mitgliederzuwachs bedinge eine Neuorientierung der Organisationsstrukturen, umreißt der BDU künftige Pläne. Damit ist die Partnerschaft mit dem Bonner Verband Deutscher Rechenzentren (VDRZ) angesprochen. Verhandlungen zwischen beiden Bonner Verbänden haben das Ziel "die Mitgliederbestände des VDRZ in den BDU zu überführen". Da in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Dienstleistungen der Rechenzentren (RZ) abgenommen hat - Statistiken weisen um 50 Prozent aus -, seien eine Anzahl von Rechenzentren bereits dazu übergegangen, ihr Know-how überwiegend zur Software-Produktion und Beratung einzusetzen. "Wirkliche Umsatzzuwächse finden im Batch-RZ nicht mehr statt", so der VDRZ selbst. Ihre Tätigkeit sei also derjenigen der BDU-Mitglieder immer ähnlicher geworden. Eine Strukturanalyse aus dem vergangenen

Jahr ergab, daß fast alle VDRZ-Mitglieder ihr Engagement in Beratung und Softwareentwicklung weiter vertiefen wollen. Nunmehr wäre es nur konsequent, folgert der BDU, wenn sich die VDRZ-Mitglieder "eine

neue Verbands- und Branchenheimat suchten,. Sie sollten freiwillig zusätzlich in. den BDU eintreten. Auch der VDRZ-Vorstand Hermann Matthiesen habe die Kombination einer Mitgliedschaft in beiden Verbänden - bei halbierter Beitragspflicht - bereits empfohlen. Bis zum Stichtag, dem 31. März 1986, müssen mehr als 50 Prozent der Verbands-Rechenzentren zustimmen. Der VDRZ erwartet indes ein Placet bereits zu einem früheren Zeitpunkt: etwa kurz vor der CeBit-Messe, denn es "wird nicht an verkrusteten Strukturen hängen". Über einhundert neue Mitglieder will der eine Bonner Verband in den anderen einbringen, ein Drittel der bisherigen Mitgliederzahl des BDU.

Beide Partner versprechen sich zum Vorteil der Branche eine "Sogwirkung" auf noch unentschlossene Kandidaten, wie etwa auch einige noch "vagabundierende Größen". Anzunehmen ist, daß sich der bisherige VDRZ in "absehbarer Zeit" auflösen wird; dies sei jedoch nicht als Conditio sine qua non, wie etwa jüngst bei vorhergehenden, gescheiterten Verhandlungen mit dem Bundesverband Vertriebsunternehmen Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik e.V. (BVB) in Bad Homburg vorangestellt.

Weiterhin sollen im BDU bestehende Fachgruppen in Fachverbände umorganisiert werden, beispielsweise die Gruppe Technik und Logistik. Insider Friedrich A. Meyer appelliert dazu an alle Organisationen, "ganz unbefangen darüber nachzudenken ob nicht ein Zusammenführen mit dem BDU zu Synergieeffekten" führe. Ihm obliegt nicht nur seit fünf Jahren die Präsidentschaft des Bundes Deutscher Unternehmensberater. Er zeichnet auch als Boß des Software- und Beratungshauses ADV/ Orga in Wilhelmshaven - nach SCS und EDV Studio Ploenzke hierzulande drittgrößtes Software- und DV-Beratungsunternehmen - für einen Jahresumsatz im Jahr 1984 von rund 68 Millionen Mark verantwortlich. Das erste Exempel ist der "BDU-Fachverband Informationstechnik" als von Hardware-Produzenten unabhängige "dritte Kraft". Denn im VDMA oder ZVEI etwa wurde Weichware bis dato "untergebuttert". Doppelmitgliedschaften seien aus taktischen und strategischen Gründen - "Feind hört mit" - nicht erwünscht.

Die bisherige BDU-Fachgruppe stelle mit derzeit rund 40 Mitgliedsunternehmen die größte Vereinigung von Softwerkern in Deutschland dar. Die Rechenzentren des VDRZ hinzugerechnet, zählt der Fachverband gut 50 Prozent der dann über 300 BDU-Mitglieder. Dies sei "zukunftsbezogen eine gute Sache", so Matthiesen mit Blick auf die Koordination, denn wohl jeder Beratungsbereich nutze demnächst Informationstechnik.

Auch im kommenden Jahr wird sich nach Annahme von 90 Prozent der BDU-Mitgliedsfirmen die positive Entwicklung fortsetzen. Den Grund hierfür sieht der Verband in der fortschreitenden Automatisierung im Produktions- und Verwaltungsprozeß. Getragen von einer anziehenden Konjunktur seien viele Unternehmen derzeit finanziell in der Lage, den internen Strukturwandel zu vollziehen, beschreibt der Bonner Verband. Für diesen Prozeß aber seien - gerade bei kleineren Unternehmen - Berater unerläßlich.