Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.11.1981

Herstellerwechsel: Auch andere Mütter haben schöne Töchter

Wenn es genauso kompliziert ist, auf ein neues System beim gleichen Hersteller wie den Hersteller selbst zu wechseln, wird letzteres oft bevorzugt. Auch fehlende Alternativen des bisherigen Lieferanten können ein Grund sein "fremdzugehen". Da sich die Anwender im allgemeinen über die Problematik eines Herstellerwechsels schon vorher im klaren sind und sich entsprechend gut vorbereiten, geht die Umstellung selbst ohne große Schwierigkeiten über die Bühne. Bereut wurde die Fahnenflucht im nachhinein nicht.

Rolf-Udo Reinholdt Leiter Org./DV, Maschinenfabrik Goebel GmbH, Darmstadt (IBM 4331 DOS/VSE, vorher Siemens)

Vorweggesagt sei festgestellt, daß für die Umstellung auf ein anderes EDV-System triftige Gründe vorhanden sein müssen. Diese sollen ausreichen, die verhältnismäßig lange Umstellungsdauer von unter Umständen über einem Jahr zu rechtfertigen, in der kaum Weiterentwicklungen zum direkten Nutzen der Fachabteilungen möglich sind.

In unserem Falle waren wir sowohl quantitativ wie auch qualitativ an die Grenzen der installierten EDV-Anlage Siemens 7.730, Betriebssystem BS1000 gelangt. Zunächst sind in Verhandlungen mit dem bisherigen Hersteller ein Übergang von BS1000 auf BS2000 zur Diskussion, bei gleichzeitigem Austausch der Hardware. Hier beginnen nun bereits die Erfahrungen bei - zunächst nur beabsichtigter - Umstellung. Vom bisherigen Hersteller wurde zwar ein Angebot über die zu installierenden Hard- und Softwarekomponenten gemacht; zu einer Aussage über den zu erwartenden Umstellungsaufwand war man jedoch nicht bereit. Durch eigene Schätzungen, die auf Erfahrungen anderer Anwender beruhten, kamen wir zu dem Ergebnis, daß der Aufwand für den Übergang auf ein neues EDV-System beim gleichen Hersteller eine ähnliche Größenordnung wie bei einem Herstellerwechsel annehmen werde. Gespräche mit anderen Anbietern bestätigen dies. Eine Entscheidung fiel schließlich für IBM 4331 unter DOS/VSE nach einer umfangreichen, gemeinsam mit dem Hersteller durchgeführten Einsatzuntersuchung einschließlich detaillierter Zeit- und Kostenplanung.

Die Entscheidung beeinflußt hat das klare und transparente Geschäftsgebaren der IBM, die zwar keinerlei Sonderkonditionen einräumte, aber eine vertraglich abgesicherte kostenpflichtige Unterstützung anbot. Andere Hersteller bieten, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, neuen Kunden erhebliche Vorteile in Form von kostenloser Umstell- und Einführungsunterstützung an, während Altkunden keinerlei Vorteile in dieser Hinsicht eingeräumt werden.

Zu den eigentlichen Erfahrungen mit der Umstellung selbst wäre zu sagen: Wir sind mitten drin. Das gesamte Projekt ist für die Dauer von rund einem Jahr angelegt. Während dieser Zeit vollzieht sich, beginnend mit einer Testmaschine in Minimalkonfiguration bis hin zur produktionsfähigen Ausbaustufe des neuen IBM-Systems ein Parallelbetrieb mit der vorhandenen Siemens-Anlage. Gegenüber der ursprünglichen Zeitplanung haben wir im Augenblick einen Mehrbedarf an Umstellungsaufwand feststellen müssen. Dies kann zum Teil auf mangelnde eigene Erfahrung zurückzuführen sein, und vieles spricht dafür, daß die bereits gelösten Probleme für den weiteren Verlauf nutzbar gemacht werden können und sich eine gegenläufige Tendenz bemerkbar macht.

Die einer 1:1-Umstellung zugänglichen Anwendungen haben bis auf wenige Ausnahmen keine Schwierigkeiten bereitet. Der Einsatz der bisherigen Hersteller-Standardsoftware wurde anfänglich erheblich kritischer gesehen. Nach unserem bisherigen Eindruck hat die IBM brauchbare Datenbank- und Datenkommunikations-Software sowie darauf abgestimmte Anwendungssysteme, so daß die Entwicklung auch auf diesem Gebiet zügig fortschreitet.

Zwingende Voraussetzung für ein derartiges Vorhaben ist allerdings eine massive und engagierte Unterstützung durch den Hersteller, im Falle der IBM natürlich im Rahmen von Service-Verträgen. Bisher wurde uns Beratungsleistung in ausreichendem Umfang gewährt.

Dieter Mahnke DV-Leiter, Alfa-Laval Industrietechnik GmbH, Glinde (Univac 90/30, vorher IBM)

In unserem Unternehmen gibt es seit 20 Jahren Datenverarbeitung. Es begann mit zwei Tabelliermaschinen, die von einer IBM 360/20-Kartenanlage abgelöst wurden.

1972 wurde die Anlage zu klein und man entschied, die IBM 360/20 abzumieten und in einem Nachbarunternehmen die dortige IBM-Anlage mitzubenutzen.

Im Rahmen einer längerfristigen Planung von EDV-Aktivitäten wurden 1977 auch Dialog-Anwendungen geplant.

Da das Nachbarunternehmen für diese geplanten Aktivitäten nicht ausreichend Rechnerzeit zur Verfügung stellen konnte, wurde eine Ausschreibung an fünf EDV-Hersteller versandt. Besonders zu berücksichtigen war, daß in unserem Haus mit einem speziellen Quellenbibliotheks-Verwaltungs-Programm (QBV) und einem Generator für Normierte Programme (NPG) gearbeitet wird.

Nach mehreren intensiven Voruntersuchungen und einem Benchmark fiel die Entscheidung für eine Univac 90/30, obwohl das Umstellungsrisiko gegenüber einer Siemens- oder IBM-Anlage größer war

Umzustellen waren die beiden Software-Produkte QBV und NPG sowie 310 Cobol-, 161 RPG- und 32 Assembler-Programme und 45 Teilprogramme, die alle im Assembler geschrieben waren.

Der kalkulierte Umstellungsaufwand betrug 20 Mann-Wochen für QBV und NPG und 60 Mann-Wochen für die Alfa-Laval-Programme.

Um eine reibungslose Umstellung zu erreichen, wurde die Umstellung von QBV und NPG durch die Firma ADV/ Orga (beide Produkte stammen aus dem Hause) mit Unterstützung eines Systemspezialisten von Sperry Univac durchgeführt.

Es gab bei dieser Umstellung nur eine Schwierigkeit. Da die Bibliotheken auf den 60 Mio. Platten sind und diese sektorisiert sind (250 Bytes), mußte das Packungsformat für die QBV-Bibliothek etwas geändert werden. Der vorgegebene Termin wurde durch ADV/Orga voll erfüllt.

Für die weitere Umstellung wurden drei Mitarbeiter von Sperry Univac und drei Mitarbeiter von uns abgestellt.

Da in unserem Hause schon damals eine starke Standardisierung und Normierung bestand, alle Dateibeschreibungen sowie eine große Zahl von Programmteilen in einer separaten Bibliothek gepflegt wurden, konnten diese Programmteile schon vorab geändert werden.

Nachdem alle Programme in die QBV-Bibliothek eingespielt waren, wurden mit einem Änderungslauf alle Zeichen geändert, die eindeutig vom DOS zum OS unterschiedlich waren. Die Umwandlungsläufe wurden durch Mitarbeiter von Sperry Univac nachts in einem externen Rechenzentrum durchgeführt, so daß am nächsten Tag die Mitarbeiter die weiteren Änderungen durchführen konnten.

Anfänglich gab es im Cobol-Compiler noch einzelne Fehler, die aber sehr schnell erkannt wurden und bis auf zwei auch schnell behoben werden konnten. Der eine Fehler führte zum Abbruch von Umwandlungen (Aufruf von Modulen aus anderen Bibliotheken und Modul nicht vorhanden), und der andere: Es können einstellige Felder nicht eindeutig genug als numerisch oder alphabetisch erkannt werden (C1 = A, aber auch eine positive Eins).

Die zeitliche Planung war so abgestimmt, daß alle Programme vor der Installation der Hardware fehlerfrei umgewandelt waren, so daß gleich nach der Installation mit dem Testbetrieb begonnen werden konnte. Für die Schulung der Mitarbeiter, Umstellung der Programme, Test- und Parallelläufe waren sechs Monate geplant, aber schon nach vier Monaten war die Umstellung abgeschlossen und der volle Betrieb auf der Univac 90/30 konnte aufgenommen werden.

Für unser Unternehmen war das Risiko der Umstellung durch eine konsequente Planung und Vorarbeit sowie das Bereitstellen von eigenem Know-how sehr gering und hat sich sehr schnell zum Positiven für die Firma und alle Mitarbeiter ausgewirkt.

David Schlechter DV-Leiter, Aumund Fördererbau, Rheinberg (Siemens 7.531, vorher IBM)

Die Frage des Systemwechsels stellte sich für uns im Jahre 1978. Das zu diesem Zeitpunkt installierte System IBM 3/12 (64 K und 2 x 48 MB-Plattenkapazität) deckte die täglichen Anforderungen des Hauses bei der technischen Anwendung durch Leistungsschwäche der CPU und bei der kommerziellen vornehmlich im Bereich der verfügbaren externen Speicherkapazität nicht mehr ab. Die Forderungen an das neue System waren zusammengefaßt: eine leistungsfähige CPU, erweiterte Speicherkapazität, kompatible RPG- und Fortran-Compiler sowie eine problemlose Übernahme der vorhandenen Programme in RPG und Fortran - und das zu einem für das Haus vertretbaren Preis. Die Firma IBM konnte im unteren Systembereich keine Alternative anbieten.

Von einem neuen System und möglichen Leistungsdaten munkelte man bei Anwendern, nicht jedoch bei IBM. Nach einem repräsentativen Test mit unseren Programmen und Daten bei allen namhaften Herstellern haben wir uns im vierten Quartal 1978 für das Siemens-System 7.708 mit 768 KB CPU und 3 x 72 MB Plattenspeicher entschieden. Nach Ankündigung der IBM-Modelle 4331, 4341 wurde der Vertrag mit Siemens für das System 7.531 mit 1 MB CPU und 2 x 126 MB-Plattenkapazität modifiziert.

Die Umstellung war für das erste Quartal 1980 mit einer Implementierungsdauer von acht Wochen für die Übernahme der zirka 400 RPG-Programme einschließlich Prozeduren vorgesehen. Die Übernahme der Fortran-Programme wurde bereits im ersten Quartal 1979 durch Installation eines Online-Anschlusses zum Siemens-Rechenzentrum vorbereitet. Die geplante Übernahmedauer von acht Tagen für die technischen Programme hat sich durch zwischenzeitlichen Wechsel des Fortran-Compilers bis zum vierten Quartal 1979 hingezogen. Der neue Compiler beinhaltete Funktionsfehler, die im Testbetrieb im vorgenannten Zeitraum durch Einsatz von Siemens-Spezialisten in unserem Hause bereinigt wurden.

Mit dieser Erfahrung haben wir mit der Umstellung der kommerziellen Programme im Juli 1980 begonnen. Daß sich die zweite Phase wesentlich besser darstellte -die Umstellung hat sich lediglich von zwei auf drei Monate erweitert -, ist unter anderem dem persönlichen Einsatz der Spezialisten zuzuschreiben. Bei der Hardware hatten Funktionsschwierigkeiten des Druckers und der Floppy-Station zum großen Teil an der Zeitverzögerung Schuld. Bei der Software führten lässiger Informationsfluß und träger Austausch von Systemkomponenten ebenfalls zu Verzögerungen. Zusätzlich stellten sich erst in der Testphase mangelnde Kompatibilität bei der Dateibearbeitung heraus. Diese Schwierigkeiten werden noch heute durch Improvisation zu Lasten von Speicherkapazität und Durchlaufzeit überbrückt. Die technische Beratung und Unterstützung war sicherlich vom guten Willen geprägt, ließ jedoch über einen längeren Zeitraum mangelnde Erfahrungen aus der Praxis erkennen.

Im Rückblick kann folgendes Resümee gezogen werden: Die Konfiguration der Hardware muß bei unserer bisherigen Anwendungserfahrung differenzierter gesehen werden, da der Systemanteil sowohl im Haupt- als auch im peripheren Speicher unverhältnismäßig hoch ist. Unter Berücksichtigung der zwischenzeitlich erfolgten und geplanten Erweiterung war das ursprünglich konfigurierte System unseren Anwendungserfordernissen eindeutig nicht gewachsen. Das Betriebssystem BS2000 ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Nachteile des im unteren Anwendungsbereich mitzuschleppenden Ballastes der zu Lasten der verfügbaren Kapazität geht, können durch den Vorteil der unveränderten Anwendung bei einem eventuellen Systemwechsel innerhalb der Herstellerpalette positiv gesehen werden. Vergleiche über den Erfahrungsaustausch mit anderen Anwendern bestätigen jedoch unsere Einstellung, daß ein Systemwechsel auch unter den Bedingungen der aufgezählten Umstellungsschwierigkeiten - die nicht nur auf einen Hersteller bezogen gesehen werden können - sinnvoll und vertretbar ist.