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18.10.1996 - 

IT in der Medienwirtschaft/Software fürs kreative Dreieck

Hessischer Rundfunk spielt Musik aus der Audiodatenbank

Wenn beim Hessischen Rundfunk kurzfristig der Sendeablauf geändert werden soll, hat der verantwortliche Redakteur leichtes Spiel. Denn obwohl das Musikprogramm normalerweise schon 24 Stunden vor Sendebeginn steht, kann er noch kurzfristig Stücke austauschen - falls nötig sogar noch während der Sendung. Den gewünschten Titel spielt er direkt vom Rechner mit der Audiodatenbank Admira ein.

Im Rahmen des Projekts "Technik im neuen Hörfunkgebäude" setzt der HR das System, das unter anderem auf dem Konzept der Digital Library von IBM basiert, in einem Pilotversuch ein. Die Lösung kann Multimedia-Daten archivieren, pflegen und verteilen - zum Beispiel Musik, Bild, Wort und Video. "Gegenüber früher erwarten wir durch die digitale Audiotechnik eine deutliche Erleichterung des Arbeitsalltags, eine höhere Produktivität und mehr Wirtschaftlichkeit", so Stefan Jäkel-Hanefeld, beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main unter anderem für die Entwicklung von Redaktions- und Archivsystemen verantwortlich. Admira kann nicht nur analoges Audiomaterial wie Tonbänder oder Schallplatten in digitale Datensätze umwandeln beziehungsweise im- oder exportieren, sondern speichert und verwaltet auch Daten. Darüber hinaus gestattet ein effektives Suchsystem den schnellen Zugriff auf das gewünschte Musikstück sowie die Weitergabe der Inhalte. Beim Sender "hr 3" umfaßt das System die Funktionen Anlegen und Erfassen, Speichern und Verwalten sowie das Suchen und Zugreifen auf Musiktitel. Insgesamt ermöglicht die Anwendung fünf Hauptfunktionen (siehe Kasten "Digital mal fünf"):

1. das Anlegen und Erfassen (Digitalisieren, Komprimieren),

2. Speichern und Verwalten,

3. Suchen und Zugreifen (Ab- und Vorhören, und zwar von mehreren Nutzern gleichzeitig),

4. Verteilen (Kopieren) und

5. das Verwalten von Besitzrechten.

Neun Monate benötigten Planung und Installation des Systems bei den Hessen. Integriert wurden dabei auch der bei dem Frankfurter Sender bereits vorhande- ne Host und das Novell-Netzwerk. Auf dem Host liegt die komplette Musikdatenbank (beschreibende Daten) des Senders. Sie enthält 900000 Beschreibungen von Musiktiteln. "Einige dieser Musikstücke umfassen ganze Opern, so daß sich eine durchschnittliche Länge von zehn Minuten pro Titel ergibt", erklärt Jäkel-Hanefeld. Für jede Sendung werden aus der Datenbank die gewünschten Stücke über die Software verteilt.

Zwischen der Musikdatenbank, dem vom zuständigen Redakteur entwickelten Sendeablaufplan und der neuen Zugriffssoftware entsteht bei der Sendevorbereitung ein kreatives Dreieck. Der vom Redakteur über die Großrechnersoftware "Selap" erstellte Sendeplan wird über eine Kommunikations-Schnittstelle an das Steuerungssystem Radio Roc weitergeleitet. Anhand der Titelliste, die dort vorliegt, wird nun ein Kopiervorgang der gewünschten Musikstücke aus dem Audiospeicher über das Novell-Netzwerk gestartet. Mit Hilfe von Roc, das der reinen Sendeabwicklung im Studio dient, geht der dritte Hessen-Sender dann direkt auf Sendung.

Auf diese Weise wird die komplette Musiksendung zusammengestellt. Bei der Vorbereitung hat der Redakteur außerdem die Möglichkeit, die Titel am PC-Arbeitsplatz direkt abzuhören. "Theoretisch könnten wir durch diese Vernetzung unsere Sendungen vollautomatisch fahren", meint Experte Jäkel-Hanefeld. "Dies wird beim Hessischen Rundfunk allerdings nicht praktiziert.

Angeklickt

Rundfunksender konkurrieren zu einem großen Teil auch über ihre Musik-Einblendungen. Wie geschickt die Redaktionen damit umgehen, das hängt nicht nur vom Umfang des Tonarchivs und der Qualität der Musik ab. Essentiell ist auch das Suchsystem, das das Archiv erst so richtig zur Geltung bringt. 900000 Beschreibungen von Musiktiteln, deren durchschnittliche Länge zehn Minuten beträgt, liegen bei Hessen 3 auf einem Host.

*Dr. Uwe Schütz ist freier Journalist in Düsseldorf.