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26.11.1999 - 

Deutsche Bank investiert in System-Management-Framework

Heterogene Rechnerwelten durchgängig verwalten

MÜNCHEN (qua) - Das übergreifende Management einer heterogenen Systemlandschaft ist eines der Probleme, mit denen die IT-Verantwortlichen großer Unternehmen zu kämpfen haben. Die Deutsche Bank AG, Eschborn, war ihre 150 Insellösungen leid; sie hat sich für ein Konzept auf der Basis eines System-Management-Frameworks entschieden.

Bei der weltweiten Bestandsaufnahme der IT-Systeme bringt der Finanzkonzern ganz schön was zusammen: Auf der Mainframe-Seite verbucht er allein 25 OS/390-Installationen, 140 DB2-Datenbanksysteme, 572 Cics-Transaktionsmonitore und 200000 parallele SNA-Sessions. In den Server-Datenzentren stehen insgesamt 250 AIX-, Solaris- und NT-Maschinen; 1700 Router und 1400 Hubs sorgen für die WAN-Verbindungen; die Filialstruktur wird von 300 AIX- und 4800 OS/2-Servern unterstützt; und die IT-Zentrale in Eschborn beherbergt noch einmal 200 AIX- sowie 400 OS/2- beziehungsweise NT-Server. Hinzu kommen Zehntausende von OS/2- und NT-Clients beziehungsweise AIX-Workstations, die in den IT-Zentralen und Filialen im Einsatz sind.

Wem diese Zahlen vor Augen tanzen, der macht sich vielleicht eine Vorstellung davon, was es heißt, die Verfügbarkeit all dieser unterschiedlichen Systeme zu gewährleisten. "Unser System-Management war an seine Grenze gestoßen", konstatiert Johannes Nagel, seit Juli dieses Jahres Chief Technology Officer (CTO) der Region Deutschland und Mitglied des weltweiten CTO-Teams. Im Hinblick auf die im Sommer dieses Jahres erfolgte Akquisition der Bankers Trust Corp. sowie auf die etwa 200 E-Commerce-Projekte des Finanzdienstleisters und nicht zuletzt auch auf die Tatsache, daß immer mehr Anwendungen unterschiedliche Plattformen umfassen, sei eine komplette Neuorientierung des System-Managements unvermeidlich gewesen.

Derzeit hat die Deutsche Bank etwa 150, teils gekaufte, teils selbstentwickelte Softwarewerkzeuge für die Kontrolle der IT-Infrastruktur im Einsatz. Diese Tools sind zum großen Teil speziell für einzelne Maschinen oder bestimmte Bereiche des System-Managements optimiert. Nach dem Zusammenschluß mit Bankers Trust waren plötzlich unterschiedliche Lösungen für dasselbe Problem vorhanden. Die Konsequenz: eine teilweise redundante Vielfalt von Einzellösungen, die sich schwer überblicken ließ.

Die für den IT-Betrieb der Deutschen Bank verantwortliche Abteilung Global Technology & Service (GTS) erstellte deshalb technische Repositories, deren Pflege jedoch viel Arbeit und damit Geld kostet. Und dieser Aufwand wiegt um so schwerer, als auch in den IT-Bereich des profitablen Geldinstituts der Rotstift Einzug gehalten hat. GTS-Chef Hermann-Josef Lamberti will nicht an Neuentwicklungen, aber an den Kosten des laufenden Betriebs sparen. In den kommenden fünf Jahren soll die Produktivität der Basisdienste jährlich um zehn Prozent steigen.

Die derzeitige System-Management-Umgebung ist augenscheinlich nicht dazu angetan, den IT-Profis bei der Bewältigung dieser Aufgabe zu helfen: Die notdürftige Integration unterschiedlicher Tools und Repositories verschlingt menschliche Ressourcen, erhöht das Betriebsrisiko und treibt die Softwarelizenz-Kosten in die Höhe. Und seinem Ziel, die Systemverfügbarkeit über Systemgrenzen hinweg ("end to end") zu garantieren, kommt der Finanzdienstleister auf diesem Weg keinen Schritt näher.

Deshalb entschloß sich der Konzern jetzt, die plattformspezifischen Tools nach und nach durch System-Management-Werkzeuge zu ersetzen, die innerhalb eines zentralen Rahmens zusammenarbeiten. Bei der Auswahl des Frameworks fiel die Entscheidung zugunsten von "Tivoli Enterprise", einem Produkt der IBM-Tochter Tivoli Systems.

Zum einen hatte die Deutsche Bank bereits im OS/390-Umfeld Erfahrungen mit den Tivoli-Tools "Netview", "System Automation", "Operations Planning and Control" sowie "Information Management" gesammelt; zum anderen gibt es für die "Enterprise"-Lösung zahlreiche Referenzkunden unter den weltgrößten Unternehmen. Laut Nagel wäre ohnehin nur eine einzige Alternative in Frage gekommen: "Unicenter" von Computer Associates. Diese Lösung wird jedoch eher von mittleren Unternehmen bevorzugt.

Für Tivoli sprach sicher auch das "attraktive Angebot" (O-Ton Nagel), das der Anbieter dem Renommierkunden gemacht hat. Der Lizenzkostenanteil an dem Projekt "Enterprise System Management" liegt, so der Technologie-Manager, "im unteren zweistelligen Millionenbereich", wohingegen sich der Gesamtaufwand bis knapp unter die 100-Millionen-Mark-Grenze addieren könnte.

Was genau wo installiert werden soll, weist das Abkommen zwischen Tivoli und Deutscher Bank nicht aus. Im Jargon der beiden Vertragspartner lassen die Vereinbarungen "viel Flexibilität" zu. Die Komponenten seien alle definiert - im Gegensatz zu der Frage, in welchem Maße die Deutsche Bank sie tatsächlich einsetzen wird.

Wie Nagel erläutert, wird GTS keineswegs Hals über Kopf funktionierende Lösungen wie die Performance-Monitore von Candle oder die Datenbank-Management-Werkzeuge von BMC aussortieren. Vielmehr sollen diese Tools in das Tivoli-Framework eingebunden werden.

Doch wann immer die Informatikexperten der Deutschen Bank neue Funktionen im Software-, Netz- und System-Management-Bereich in Angriff nehmen, werden sie versuchen, sie in den Tivoli-eigenen Werkzeugen abzubilden. Dasselbe gilt für die Ablösung älterer Tools - sogar dann, wenn der Mitbewerb einmal die Nase vorn haben sollte. "Im speziellen Fall werden Sie immer Einzellösungen mit besserer Funktionalität finden", räumt Nagel ein. "Aber der Gesamtnutzen entsteht für uns aufgrund der Durchgängigkeit, und da müssen wir eben manchmal von spezifischen Funktionen Abstand nehmen." Das sei eine strategische Entscheidung, die man habe treffen müssen.

"Wir wollen den hohen Automatisierungsgrad des Mainframe-System-Managements auf die Client-Server-Welt übertragen", definiert Nagel das Ziel des Projekts. Im einzelnen möchte der CTO:

-eine zentrale, von der Geschäftsperspektive geprägte Sicht auf das System-Management schaffen,

-die Anzahl der Schnittstellen und der redundanten Tätigkeiten reduzieren,

-weltweit gleiche Prozesse und einheitliche Servicelevels schaffen,

-durch End-to-end-Kontrolle, vorausschauende Problembehandlung ("proaktives System-Management") und geringere "Cost of Ownership" bessere IT-Dienstleistungen zu günstigeren Preisen anbieten sowie letztlich den IT-Spezialisten ermöglichen, weniger Zeit mit dem Management der Infrastruktur zu verbringen und mehr für neue Entwicklungen, beispielsweise die Bereitstellung von E-Commerce-Plattformen, aufzuwenden.

Durchaus beabsichtigter Nebeneffekt: Die IT-Infrastruktur der ehemaligen Bankers Trust Corp. läßt sich innerhalb der Enterprise-Management-Umgebung ebenfalls integrieren.

In drei Jahren ein Viertel mehr ProduktivitätVoraussetzung für die Einführung des Framework ist ein Re-Engineering der Organisation, der Prozesse und der verwendeten Technik, beispielsweise die deutliche Verringerung der Server-Zahl. Insgesamt sind drei Jahre für das Projekt veranschlagt. Auf die Frage, welchen Produktivitätsfortschritt er am Ende der Laufzeit erreicht haben will, denkt Nagel kurz nach, um dann mit einer präzisen Angabe zu antworten: "In Deutschland etwa 25 Prozent." Wenn er dieses Ziel erreicht, dürften Lambertis Vorgaben weitgehend erfüllt sein.

Aus acht mach drei

Global Technology & Service (GTS) heißt die Abteilung der Deutschen Bank, die für die Entwicklung und den Betrieb der informationstechnischen Infrastruktur verantwortlich zeichnet. Rund 6000 IT-Profis arbeiten derzeit in sechs Software-Entwicklungs- und fünf Datenzentren, von denen drei (Eschborn, Düsseldorf und New York) große IBM-Mainframes unter OS/390 beherbergen, während die beiden anderen (London und Singapur) mit Unix- und/oder Windows-NT-basierten Servern ausgestattet sind. Bereits abgeschlossen ist ein umfassender Konsolidierungsprozeß, in dessen Rahmen fünf der vormals acht Mainframe-Zentren aufgelöst wurden. Die Leitung des Unternehmensbereichs GTS obliegt dem ehemaligen IBM-Manager Hermann-Josef Lamberti.